Fino all’ultimo attimo

Zugegeben – es war in diesem Reiseblog mit dezentem Fußballbezug (oder umgekehrt?) zeitweise doch recht ruhig. Dabei hätte es so viel zu erzählen gegeben. Von Aufstieg und Fall und Aufstieg und Fall und Aufstieg und Fall des magischen FC, so etwa im Wochenrhythmus. Vom Fall des höchstens schwarzmagischen hsv, ebenfalls im Wochenrhythmus. Von Spielen in Israel oder auf Lanzarote, von TeBe und Fitnesskettenbetreibern und von allem, was dazwischen und jenseits davon noch alles so passiert ist. Aber dass sich die Welt so dermaßen unablässig dreht, sehe ich nicht als Teil meiner Verantwortung. Und ja, das war eine Entschuldigung an die verbliebenen Leser, die es noch geben mag. Der Rest darf sich freuen, dass plötzlich ein Fußballblog mit so großem Archiv eröffnet hat.

Italien also. Oder nein – denn streng genommen begann zwar meine Reise in Italien, genauer gesagt natürlich in Rom, nicht aber ihr fußballerischer Teil. Denn mag Lazio gegen Juventus auch ein klangvolles Spiel sein, meine Motivation, mich in einer der beiden Kurven wiederzufinden, hielt sich doch arg in Grenzen. Also kein Fußball in Rom. Auch nicht in Florenz, der nächsten Station. Bologna, ebenfalls nichts los. Und Rimini im März? Sowieso nicht.

Hier sieht man, warum.

Es galt daher, spektakuläre Maßnahmen zu ergreifen. Bergauf. Denn dort wollte ich den bestmöglichen Radioempfang genießen, um dem magischen FC bei seiner Performance gegen Braunschweig zu lauschen.

Was meinerseits auch ganz gut klappte.

Und wieder bergab. Denn auf seinem Weg hinunter von der spektakulären Città di San Marino an den Strand von Rimini hält die einzige Buslinie des Landes auch im Örtchen Domagnano. Im Schatten des Monte Titano trafen dort am 20. Spieltag des Campionato Sammarinese, der prestigeträchtigen nationalen Meisterschaft dieses großen Fußballlandes, die Teams von SS Virtus und SP Tre Fiori aufeinander. Das „SS“ in Virtus steht, nur der Vollständigkeit halber, für Società Sportiva. Anders als bei der SS Lazio, bei der das SS… nun. Laut Wappen hieß der Verein eh FC Virtus, so ganz war das alles nicht aufzuklären.

Spektakulär genug?

Bedingt durch die etwas komplizierte Struktur der Liga war ohnehin alles nicht ganz einfach zu begreifen. Laut Ansetzung handelte es sich bei der SS Virtus, in nicht allzu hübschem gelb-blau antretend, wohl um den Heimverein. Der Gast, die SP Tre Fiori, hatte allerdings den Löwenanteil der im Spielverlauf ziemlich exakt 37 Fans mitgebracht. Unnötig zu erwähnen, dass beide Vereine eigentlich aus ganz anderen Städten kommen. Offenbar wird in San Marino grundsätzlich einfach dort gespielt, wo Platz ist und der Boden nicht mehr als 45 Grad Neigung hat. Womit in diesem Land wahrlich nicht allzu viele Orte übrig bleiben.

Dort aber schon.

Komplizierte Strukturen: Aus sicherlich guten Gründen spielt die lokale Liga in zwei Gruppen, sinnigerweise mit A und B benannt. Wir befanden uns in deren zweiter, und zwar im reichlich grauen Mittelfeld. Die beiden Teams schwammen irgendwo zwischen den anderen fünf Vereinen, die sich nach mutmaßlich insgesamt vier Spielen gegeneinander zu einem gewissen Teil in irgendeiner Form von Playoff wiedertreffen würden. Vermutlich.

Catering gab es keins, Eintritt dafür auch nicht. Erhaben lagen die Parkbänke, auf denen sich das Publikum größtenteils niederließ, gute fünf Meter über dem Platz. An Professionalität jedoch mangelte es keineswegs, war doch der Schiedsrichter standesgemäß mit Freistoßspray ausgestattet. Und mit Assistenten, was beim zu erwartenden Spielniveau anderswo keine Selbstverständlichkeit ist.

Alles Profis dort.

Die SS Virtus erwischte gegen den siebenmaligen Meister – wie ich erfuhr, als ich schon ein wenig verzweifelt die jeweiligen Vereinsfarben googelte – den deutlich besseren Start. Dennoch war es das grün-schwarz (endlich!) gekleidete Team von Tre Fiori, das in Minute 13 ein erstes Ausrufezeichen setzen konnte. Ein wunderbarer Schuss aus 25 Metern landete an der Latte. Der Nachschuss per Seitfallzieher jedoch ging ebenso deutlich über das Niveau der Spielklasse hinaus wie über das Tor. Trotzdem entwickelte sich entgegen aller Erwartungen ein temporeiches, sehr ansehnliches Spiel mit allerdings wenig zwingenden Möglichkeiten.

Ich bin mir unsicher, ob die Klischees über den italienischen Fußball im Allgemeinen überhaupt zutreffen, und wenn ja, ob sie dies auch für San Marino tun. In Minute 35 jedenfalls war zu beobachten, dass ziemlich direkt dem Rugby entsprungene Tacklings dort wohl durchaus zum guten Ton gehören. Das Opfer war hier ein Spieler der SS Virtus – dem dies, so entnahm ich es den Gesprächen der Zuschauer, offenbar mehr oder weniger wöchentlich passierte. Die Sanitäter schienen ihn auch schon recht gut zu kennen. Blieb zu hoffen, dass dies seiner Lebenserwartung, für Männer anscheinend die höchste der Welt, keinen Abbruch tat. Mit 0:0 ging es kurz darauf in die Halbzeit.

Der zweite Durchgang begann verhaltener. In Minute 63 brachte der Torhüter der SS Virtus jedoch einen langen Abschlag nach vorne, der, per Kopf verlängert, genau im Lauf des Stürmers landete. Trockener Linksschuss, drin. Kann ja manchmal so schön einfach sein. Die SP Tre Fiori nahm dies zum Anlass, komplett auseinanderzufallen. Aus dem missglücktesten Befreiungsschlag der jüngeren Fußballgeschichte fiel direkt im Anschluss das 2:0. Ein weiterer hübscher Linksschuss von der Strafraumkante in den Winkel brachte in Minute 79 die endgültige Entscheidung. Groß gejubelt wurde nicht, die Zuschauerzahl hatte sich gegen Ende des Spiels bei exakt 14 eingependelt. Zu Unrecht, meiner Auffassung nach. Aber gut, die meisten anderen hatten den Länderpunkt San Marino vermutlich auch vorher schon.

 

Für mich blieb nicht viel Zeit, den Berg, äh, die Republik wieder zu verlassen. Im einzigen Hostel des Landes, Grüße an Maurizio, wartete bereits mein Gepäck auf die Fahrt zum Bahnhof von Rimini. Von dort ging es über Bologna zurück nach Florenz, der vorletzten Station meiner Reise und gleichzeitig dem Ort, wo ich am Sonntagmittag das erste Seria-A-Spiel meines Lebens sehen wollte. Dass es ein derart besonderes Spiel werden sollte, hatte ich schließlich noch nicht ahnen können, als ich im Januar einen Blick auf den Spielplan warf.

Denn der AC Florenz trauerte um seinen Kapitän. Davide Astori, die Rückennummer 13, war am Wochenende zuvor mit 31 Jahren verstorben. Wie um die bedrückte Stimmung dieses Tages noch zu bestärken, regnete es bereits seit dem frühen Morgen in Strömen. Am Eingang des Stadio Artemio Franchi drängte sich eine riesige Menge von Fans um eine Art provisorischen Altar für den Spielführer, bestehend aus Schals, Trikots, Plakaten.

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Wie man hier sieht.

Selbstverständlich war das Spiel gegen Benevento, die in der Tabelle ohnehin eher dezentral rangierten, dabei nur Nebensache, zumal auch die Fiorentina bereits gehörigen Abstand zu den internationalen Plätzen hatte.

Zu meiner Überraschung gab es zwar personalisierte Tickets, aber durchaus Bier. Gut, Peroni. Aber immerhin Bier. Dazu Popcorn und Hot Dogs. Italien ist ja kulinarisch durchaus eine Reise wert, vermutlich gilt das aber im Allgemeinen eher nicht für das Stadionessen. Das Stadion selbst aber hatte seinen Reiz. Zwar habe ich keine wirkliche Ahnung, woran man rationalistische Architektur erkennt, deren Meisterwerk dieses Stadion offenbar sein soll, aber der Wikipedia-Link zum entsprechenden Artikel wäre bestimmt aufschlussreich. Für aktive Architektursupporter. Die es hier bestimmt auch gibt, gibt ja alles im Internet.

Die südlich gelegene Curva Ferrovia schien allgemein der Ort für Menschen zu sein, die sich zwar nicht unbedingt als Ultrà verstanden, aber trotzdem keine Lust hatten, Geld für unnötigen Luxus wie gute Sicht oder ein Dach auszugeben. Also ziemlich genau mein Fall. Vor dem Spiel wurde zum Song „Terra degli Uomini“, den der Sänger Jovanotti (offenbar irgendeine italienische Berühmtheit) dem verstorbenen Davide Astori gewidmet hatte, ein Video mit dessen besten Szenen in lila gezeigt. Zugegeben, auch ohne jeglichen Bezug zum Spieler schwierig, dabei die Augen trocken zu halten. Was möglicherweise auch, aber nicht nur, am reichlich unermüdlichen Regen lag. Da mein eigenes Video offenbar den hiesigen Rahmen sprengen würde, verweise ich an dieser Stelle auf den Link beim Songtitel.

Vermutlich habe ich noch nie ein Stadion so totenstill erlebt wie während der Schweigeminute, die sich nahezu unendlich in die Länge zog. Fast hatte man das Gefühl, als würde in diesem Moment die ganze Stadt schweigen. Sogar der Regen schien für einen kurzen Moment auszusetzen. Und bei allem, was über italienische Fans gelegentlich zu lesen ist: Ja, auch der Gästeblock beteiligte sich ohne jede Ausnahme. Ob nun Schweigeminuten für dies oder das sinnvoll sein mögen oder nicht, ist eine Frage, die man unendlich ausdiskutieren könnte. Aber dafür gibt’s ja Facebook oder von mir aus die hiesigen Kommentare, mir stellte sich diese Frage jedenfalls in besagtem Moment nicht. Tausend Luftballons flogen.

Und das war ganz ausdrücklich keine Metapher.

Zwar war das Spiel Nebensache, angepfiffen wurde es dennoch. Um sogleich, nämlich in Minute 13, wieder unterbrochen zu werden. Jetzt erst folgte nämlich die eigentliche Ultrà-Choreo für ihren Spielführer. Ein lautes „Capitano per sempre“ begleitete den beeindruckenden Moment, in dem die gegenüberliegende Curva Fiesole über ihre ganze Breite in lila-weiß den Namen des Kapitäns zeigte.

So sah das nämlich aus.

Ein bisschen farblich passenden Rauch gab’s auch, und insbesondere eine Art ewige Flamme auf Ultrà-Art, also einen Bengalo, der tatsächlich mindestens bis zur Halbzeit nicht ausging. Schon nicht übel.

Und so.

Allgemein habe ich selten ein derart lautes Stadion erlebt wie zu Beginn dieses Spiels. Mag sein, dass es bloß der Kontrast zur Schweigeminute war, aber vielleicht wollte an diesem Tag auch jeder Einzelne noch ein wenig dringender gewinnen als sonst. Mit viel Mühe taten sie in Minute 25 dann auch den ersten Schritt hierzu. Vitor Hugo erzielte das 1:0, das jedoch selbst eher verhalten bejubelt wurde. Trotz folgender drückender Überlegenheit der Fiorentina blieb es bis zur Halbzeit so.

Nach der Pause, die ich im Wesentlichen in den schlimmsten Toilettenanlagen der Welt verbringen durfte, wandelte sich das Bild dann völlig. Plötzlich drückte Benevento, Fiorentina kam kaum noch aus der eigenen Hälfte. Und wenn doch, dann wünschte man sich, sie hätten es lieber nicht getan. Aber es mag jene an Orten wie Köln gerade so bekannte und beliebte Spielart des Pechs sein, dass keiner der beneventonesischen Versuche etwas am Resultat auf der Anzeigetafel mehr zu ändern vermochte.

So war Florenz nicht begeistert, aber in gewisser Weise verhalten zufrieden. Für mich ging es hingegen nach Rom-Ciampino, neuen Heldentaten entgegen. Ich werde berichten. Glaube ich. Irgendwann. E l’amore si fa. /juli

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Bomber Harris?

Aus aktuellem Anlass einfach mal eine Sammlung von schönen Bildern, die mir Google auf Anhieb zuführte. Da ich die Arbeit von Fotografen und Medien prinzipiell wertschätze, gibt es nur die Links. Nämlich hier:

Hier gehts um Leipzig.

Auch Frauen werden wahrgenommen.

Manchmal vielleicht ein klein wenig eindimensional.

Oder auch nur auf ihren Beruf reduziert.

(Oh, das ist Aachen. Aber geglaubt hättet ihr mir das, oder? Alternatives Dynamo halt.)

Aber hey!

Und hätten Letzteres eure und unsere und meine Großeltern auch so gesehen, vielleicht hätte insgesamt weniger gebrannt. Man möge mir diesen Vergleich, der bei weitem keine Gleichsetzung ist, verzeihen, aber das ist wie mit Spielen am Millerntor: Manche lernen daraus, einige brauchen etwas länger, andere sehr lang und… Dynamo. /juli

Ich hab noch einen Koffer in…

Nürnberg? Ich habe zwei Geschichten zu erzählen!

Nummer eins. Es war März. Es war 2011. Wir standen in Berlins Mitte, so dort platziert, als hätte der Erzähler einer späteren Welt uns genau dorthin gewünscht. Wochenendticket, Regio. Nürnberg ist östlicher, als man das von Hamburg aus oft denkt. Und damit gedanklich näher.

Plauen. Gibt es auch. Klingt nach spontanem Unwohlsein, womit das lokale „Sternquell“ auch recht treffend beschrieben ist. Zugfahrt. Kennt man. Keine weitere Beschreibung wert. Nur erwähnt, weil ich an noch keine Zwischenstation auf einer Auswährtsfahrt jemals so wenig denken wollte wie an diese.

Nürnberg, um damit zu beginnen, lag damals in der Bundesliga. Der magische FC auch, halbwegs. Nach dem Derbysieg taumelnd, wenn nicht selbstvergessen, versuchte man, die historische Dimension dieses Ereignisses nicht durch weitere Punktgewinne in dieser Liga zu unterminieren. Von diesem Projekt begeistert, hatten wir uns unsere Tickets natürlich längst gesichert.

Gleiches taten die lokalen Ordnungsbehörden an der ersten zuständigen Raststätte mit demjenigen, der diese unsere Tickets in Händen hielt – ihn sich sichern. Kurz gesagt: Tickets weg, wir in Franken. Spricht dennoch für einen Besuch am Stadion des lokalen Bundesligisten, bekanntlich in einem wunderbaren Naherholungsgebiet gelegen. Irgendwas mit Reich.

Dieses Naherholungsgebiet inzwischen recht verspätet betretend, vernahmen wir, offenbar doch ein wenig spät dran, nicht nur den Anpfiff, sondern auch direkt in Folge ein einprägsames Beispiel des örtlichen Liedguts, genutzt zum Feiern von Torerfolgen. Einprägsam schon deswegen, weil wir auf halbem Wege um die Kurve daran erinnert wurden, wie sich ein solches Nürnberger Tor nun anhören möge. Und vor dem Eingang zum Gästeblock, sicher ist sicher, auch noch einmal.

Angesichts der bislang gespielten 15 Minuten waren wir frohen Mutes, dass die Magischsten der Magischen ohne größere Probleme mindestens vier oder fünf in Franken niemals besungene Tore würden beisteuern können, und zahlten deswegen anstandslos die für dieses einmalige Erlebnis wie ein Scherz anmutenden 27 Euro für einen Sitzplatz.

Der Rest der Geschichte dürfte den Älteren bekannt sein. Der erste Schritt zum Klassenerhalt war getan mit diesem 0:5 in Nürnberg.

Der erste Schritt zur Rückreise wiederum nicht (oder auch: in gleichem Maße). Ein wesentlicher Nachteil dieses Wochenendtickets besteht darin, dass es lediglich sehr begrenzte Optionen eröffnet. Unsere führte offenbar nach Halle. Über das allseits bekannte Großheringen. Eine Stadt, die neben dem Bahnhof aus einigen protofaschistischen Karnevalsfeiern und einem mysteriösen Industriegelände bestand. Jeder, der einmal an einem Samstagabend in Friedrichshain war, wird wissen, wovon ich rede.

Dennoch kam irgendwann überraschend doch noch ein Zug, der uns hiervor errettete. In das bereits einmal zu oft erwähnte Halle. Ein reichlich relativer Begriff von Rettung, aber der einzige verfügbare. Nicht der allerbeste Ort, um als St.-Pauli-Fan noch ein Bier zu trinken. Ein Bier, das für sechs Stunden reicht.

Wir taten dies in einer anonym bleiben wollenden Mönchengladbach-Fankneipe, die uns, als sie ihre eigene Existenz nicht mehr ertrug, in den „Dschungel“ verwies – also in die offenbar einschlägige Großstadtdisko. Sofern der geneigte Leser nach einem wirklich intensiven Gefühl von Einsamkeit sucht, sei ihm die Toilette einer Hallenser Disko im St.-Pauli-Outfit empfohlen. Am Abend nach einem Heimspiel des lokalen FC, wohlgemerkt. An einem Abend, an dem die lokalen Fans des lokalen FC mit den lokalen Frauen nicht so richtig viel Glück hatten. Also, wie bereits erwähnt, an einem Samstagabend.

Einer von ihnen, nennen wir ihn Ronny-Jerome oder liebevoll RJ, nahm uns aus mir bis heute nicht bekannten Gründen in Schutz, was durchaus wörtlich zu verstehen ist. Bier gab er uns und dazu den Weg hin zum Bahnhof, wo wir… feststellten, dass das nunmehr zu lösende neue Wochenendticket uns nicht nur nach Berlin, sondern vorher auch nach Aue bringen könnte. Wo der 1. FC Union mittags spielen sollte. Es sei der Fantasie des Lesers überlassen, was in der Folge hinsichtlich unserer Reisepläne passierte. Das Spiel endete 0:0. Und wir irgendwann am Ostbahnhof.

Wenn man bereits einschlägige Erfahrungen mit einer Region gemacht hat, möchte man sie beim nächsten Mal natürlich im geeignetsten, sichersten Umfeld bereisen, das gerade möglich ist. Im Falle des FC St. Pauli nennt sich dieses Umfeld „Sonderzug“.

Der vorstehende Absatz war notwendig, um die Inhalte wirken zu lassen. Genau wie der Sonderzug. Eine zeitliche Planung, die ihresgleichen sucht: Um ein Uhr auf nach Hamburg per Bus, so war der Plan. Dort um vier, sechs Uhr Abfahrt. Dann Nürnberg, Spiel, Satz, Sieg. Zurück. Drei Uhr Bus nach Berlin. Montag topfit. Läuft.

Oder so ähnlich. Das mit dem Sonderzug passte schon, der Bus vorher auch. Direkt hinter dem Fahrer sitzen, heißt, im Zweifel höchstens so schwerverletzt wie er selbst zu sein. Worauf er uns auch mehrfach hinwies. Wir waren erst brav, dann schlafend, dann da.

Hamburg neigt an Wochenenden meiner Beobachtung nach dazu, noch ein wenig besoffener zu sein als Berlin. Mag aber auch sein, dass der Hauptbahnhof während des Hafengeburtstags hier keinen gültigen Rückschluss zulässt. War jedenfalls nicht der beste Ort der Welt – denn der liegt ja bekanntlich dort, wo der Magische usw. spielt.

Also irgendwo im weitesten Sinne südlich. Sind wir dann mal hingefahren. War nett. Kann ich empfehlen, die Hinfahrt zu Spielen im Sonderzug. Alle so optimistisch.

Zwischendurch waren wir in Nürnberg. Ausgestiegen. Sonder-U-Bahnen. Bullen überall. Stadion. Fußballspiel, kann ich nicht empfehlen. Jede Ecke für Nürnberg vom Stadionsprecher angesagt, weil wir ja nicht mehr so gut mitzählen konnten. Irgendwas zwischen gewonnen und verloren und egal, glaube ich. Und dann auch wieder zurück in den Zug.

Der fuhr dann bis Lüneburg. Dort war Pause. Sehr lange Pause, wegen eines vermutlich tragischen Ereignisses, was ich auch nicht weiter kommentieren kann oder möchte. Unser Bus von Hamburg nach Berlin war jedenfalls weg. Guter Plan, mal wieder – siehe oben.

In Hamburg angekommen, mit rund zwei Stunden Verspätung, lief uns unverhofft allerdings die Deutsche Bahn über den Weg. Ohne jemals irgendeine Strecke mit ihr gefahren zu sein, warfen wir uns ihr willfährig an den Hals. Um uns loszuwerden, spendierte sie ein Taxi. Nach Berlin.

Drei Stunden später, zuhause angekommen (und zwar vor dem ursprünglich avisierten Bus), wusste ich, dass das mit mir und Nürnberg irgendwie nichts wird. Mit mir und St. Pauli bin ich da optimistisch. Wir haben ja noch ein paar Saisons. See ya! /juli

Oho, ein Rätsel!

Sommerpause ist keine gute Zeit für Fußballfans. Sommer vielleicht schon, aber bei Pause hört es auf. Inspiriert von den Kolleg_innen der „Welt“ habe ich mir auch mal Gedanken gemacht, wie man Fußballvereine in die Sprache meiner Generation umsetzen kann. Als anständiger Fan des magischsten aller FCs selbstverständlich für die zweite Liga. Das war teils wesentlich anspruchsvoller, und auf einige wird man nur mit Hilfe kommen, aber ich wünsche viel Spaß! Die erste komplett richtige Lösung in den Kommentaren gewinnt das obligatorische Bier (das Frodo wegen der Schlagergeschichte übrigens immer noch nicht haben wollte).

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Die Lösungen gebe ich wie gehabt dann raus, wenn ich frühmorgens betrunken das dringende Bedürfnis verspüre, dies zu tun. So entstehen ohnehin 90 % meiner Texte. So long! /juli

Wie jut, dass dir manchmal so’n Engel erscheint…

Ich durfte, wollte, konnte nicht schreiben.

Nicht über die wunderbare Absurdität gegen Düsseldorf. Nicht über die kleinen Tode in Karlsruhe und Heidenheim. Nicht über das Alles, was gegen Leipzig und in Lautern da war. Nicht einmal über die fünf Tore, die die Welt bedeuteten. Zuhause gegen Bochum. Alles das konnte, wollte ich nicht. Es war nur da, auf dem Platz. Was sollte ich denn groß sagen? So viele entworfene Texte, so wenig Ahnung davon, wo es hingeht. Ein dunkler, endloser Schacht.

Und heute nun sollte ich von einer Niederlage reden. Das sagt mir der Kicker, das sagt mir die Sportschau, das sagt mir die Welt. Wen interessiert das? Wen interessiert denn die ganze Welt, wenn der Mittelpunkt meines Herzens danach schreit, dass es das endlich gewesen ist. Wen interessieren denn dreißig Zeilen Text über etwas eigentlich so Egales, wenn das Egale gerade Weltrang erreicht? Aber nicht in diesen dreißig Zeilen, sondern in diesen neunzig Minuten.

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Jedenfalls waren die neunzig Minuten inhaltlich okay.

Ich gratuliere Darmstadt zum Aufstieg nach einem verdienten Sieg. Ich gratuliere dem FSV. Ich gratuliere Fürth. Ich gratuliere Sandhausen. Ich gratuliere Stuttgart. Ich gratuliere Hannover. Ich gratuliere auch Hertha. Ich gratuliere notfalls sogar dem hsv, wenngleich mir das Schweißperlen abringen wird, die ich schon vergessen wähnte.

Aber das Entscheidende war heute das, was nicht passiert ist. Und das, was vorher passiert ist. Und das Entscheidende ist das, was daraus wird. Ich brenne darauf, eine Geschichte zu erleben. Vielleicht hat sie heute ihren Anfang genommen. Und ich werde sie gerne mit begleiten und mit fortschreiben.

Dort oben im Erzgebirge, da hat sich eine wunderbare Geschichte in ein trauriges Ende gefügt. In ein tragisches zudem. Aber, lieber FC Erzgebirge, du findest deinen Weg zurück. Diesmal warst du derjenige, der weichen musste.

Und, mein magischer FC – und für dich weint. /juli

Et hätt noch immer joot jejange

Ich weiß nicht, was der durchschnittliche Fußballfan mit dem Duell zwischen der SG Dynamo Dresden und dem SC Fortuna Köln an Emotionen, Erinnerungen, Erwartungen verbindet. Aber dies ist ohnehin kein Ort für durchschnittliche Fußballfans. Meine Emotion war, so simpel, wie ich gestrickt bin: Hingehen.

Wir beginnen also dieses rheinische Wochenende in Dresden. Zu Gast mein Heimatverein, meine eigentliche, theoretische Liebe. Wie das mit theoretischen Lieben so ist, man muss gelegentlich an sie erinnert werden. Diesen Job übernahm ein freundlicher Mensch aus dem schönen Freital – oder umgekehrt. Dank seiner Schiedsrichtertätigkeit konnte ich bereits am Freitagabend nach entbehrungsreicher Fernbusreise meine Fantätigkeit aufnehmen. Angesagt war die Freizeitliga, angesetzt war ein Spiel zwischen erstaunlicherweise zwei Mannschaften. Um die Anonymität meines Gastgebers zu wahren – und nicht etwa, weil ich mich nicht an die Namen der Teams erinnern kann – , werde ich an dieser Stelle auf weitere Details verzichten. Es war umkämpft, es war gegen Ende fast schon eine Vorstufe von Dramatik, es war ein Freitagabendsfreizeitspiel in einem Dresdner Vorort. Gewinner selbstverständlich der souveräne Schiedsrichter.

So darf ein Amateurplatz durchaus aussehen.

So darf ein Amateurplatz durchaus aussehen.

Aber da war ja noch Dynamo. Ein Verein, zu dem ich ein höchst seltsames Verhältnis hege. Oft beeindruckt, manchmal erschrocken, in der Regel erstarrt beim Versuch, sie scheiße zu finden. Ich bekomme es nicht hin. Ich bekomme es nicht hin trotz aller entglasten Mannschaftsbusse, trotz aller Gästegeisterspiele am Millerntor, trotz aller Randale und allem Osten. Ich finde die einfach nicht scheiße, es tut mir leid.

Sie boten mir auch wenig Anlass dazu, diesmal, ausnahmsweise. Mein Gastgeber nahm mich im Auto mit, wir gingen am Heimbereich entlang, es war alles gut. An der mäßig motivierten Polizeikette vorbei bahnte ich mir meinen Weg zum Gästeblock, wenngleich es da nicht viel zu bahnen gab. Die versammelten Ticketverkäufer und Ordner machten eher den Eindruck, froh über jeden Menschen zu sein, den sie an diesem Tag zu Gesicht bekamen.

Als ich den Gästeblock mit einem halbwegs frisch gezapften Feldschlößchen in der Hand betrat, wusste ich, warum. Zwar hätte ich die anwesenden Fortunen nicht mit der frei gebliebenen Hand abzählen können, allzu weit entfernt davon war es aber auch nicht. Wenn Dresden das Dortmund des Ostens ist, war Köln heute offenbar höchstens Zwickau.

Man muss in Rechnung stellen, dass die Bahnen nicht fuhren. Noch weniger fuhren als sonst. Dass Ferienanfang war. Dass man vielleicht noch von Freitag verkatert war. Dass es vor dem Gästeblock einige ganz fiese Steine gab, die man sich in die Sohlen laufen konnte. Letztlich treffend gab es aber der Ersatz-Vorsänger der Fortuna mit dem ambitioniertesten Satz dieser Welt wieder: „Und die da drüben glauben, dass sie lauter sind als Fortuna Köln?!“

Nun ja. Waren sie. Was bei einem Zahlenverhältnis von 20 000 zu 20 auch nicht unbedingt allzu schwierig ist. Und man bedenke, wir reden von Dynamo Dresden. Eine beeindruckende Wand, dieser K-Block. Man kann als Gast mitunter froh sein, die eigenen Gedanken noch zu hören. Den Gedanken beispielsweise, dass 2,80 € für ein Stadionbier gar nicht so übel sind, wenn man am Millerntor inklusive Pfand beinahe das Doppelte hinlegt. Tja. Muss man hier auch mal anbringen.

Ich mag es dort. Wirklich.

Ich mag es dort. Wirklich.

Fußball wurde ebenfalls gespielt. Der Aufstiegsaspirant gegen den Underdog, immer wieder das alte, große, wunderschöne Spiel. Fortuna begann stark, begann überlegen, erarbeitete sich von Spielanteilen und Chancen ein leichtes Übergewicht. Dann kam Dynamo. Und das gewaltig. Der Beschuss hörte kaum mehr auf, fast keine Atempausen. Aber keine Schwächen bei Torhüter Andre Poggenborg. Man rettete sich mit einem dann dennoch im weitesten Sinne verdienten 0:0 nach einigen anstrengenden Minuten in die Pause.

Inzwischen war der Fortuna-Block weiter gewachsen. Minütlich fast erklommen mehr und mehr Kölner die steilen Stufen des Rudolf-Harbig-Stadions, sodass man schon annähernd für den Heimbereich hörbar werden konnte. Wenn man allerdings schon gehört wird, sollte man Besseres als „Wir hassen Ostdeutschland“ zu bieten haben. Ich persönlich hasse eine ganze Menge, beispielsweise leere Druckerpatronen, schales Bier, lange Blogartikel, schlechten Fußball, guten Fußball, mittelmäßigen Fußball und Fußball im Allgemeinen, wenn man verliert. Ich neige aber nicht dazu, dies alles kundzutun, während mein Team gerade im Begriff ist, sich einen nicht unbedingt hochverdienten Punkt zu erkämpfen. Und Deutschland hasse ich notfalls in allen vier Himmelsrichtungen.

Die zweite Hälfte brachte keine großen Highlights, mit Ausnahme des Schlusspfiffs. Recht entspannt konnte ich das Stadion verlassen, vorbei an einer eher aus Pflichtbewusstsein aufgestellten und reichlich gelangweilten Polizeikette, mitten unter die Dynamos. Was ich hörte, war kein Hass auf deutsche Himmelsrichtungen, sondern Respekt für den Gegner. Was ich hörte, war Kritik am eigenen Unvermögen, war kein Ärger, war nüchterne, faire Analyse. Muss man auch können.

Der Schlusspfiff des Spiels war somit auch Anpfiff für einen Abend in Dresden – endlich einmal ohne Druck, zeitig in Bus oder Shuttle oder Sonderzug einsteigen zu müssen, endlich einmal ohne verplanteste Abende in der Neustadt oder gar längere Aufenthalte in meinem nur allzu vertrauten Klinikum Friedrichstadt. Dies hier ist kein Ort für Architekturkritik und auch nicht für historische Schuld und Sühne, kein Ort für richtige und falsche Elbseiten oder Solidarfonds. Der lange Abend in Dresden hat insofern hier keinen Platz. Es sei nur eines zu bemerken: Dresden, ich mag dich. Aber sag es keinem weiter.

Und wer könnte das ernsthaft anders sehen?

Und wer könnte das ernsthaft anders sehen?

Am Sonntag sollte mich wiederum ein Fernbus pünktlich zum Berliner Südkreuz bringen, um Tennis Borussia beim FC Wilmersdorf zu bewundern. Das klappte. Halbwegs. Im zweiten Versuch und wesentlich teurer als gedacht, aber es klappte. Gepäck weg, Bier geholt, Caterer aus guten Gründen boykottiert, Spiel geschaut.

Wilmersdorf war erst vor wenigen Monaten der Abschluss einer langen lila-weißen Saison. Damals ein ordentliches Spiel auf schönem, sonnigen Platz, direkt zum Auftakt der Weltmeisterschaft. Diesmal ebenso. Fast exakt ebenso. Nur dass TeBe im Laufe der Sommerpause das Toreschießen lernte. Gerecht auf beide Halbzeiten verteilt, gelang somit ein souveräner Sieg und das Aufschließen zum tasmanischen Konkurrenten vom Werner-Seelenbinder-Sportpark.

Ob Juni, ob Oktober, das Bild bleibt gleich.

Ob Juni, ob Oktober, das Bild bleibt gleich.

Weiter ging es auf dem Hamburger Weg, der kurzzeitig über Sinsheim führte. Eine Leinwand, ein Fassbier, ein eher glor- als torreiches Unentschieden des künftigen deutschen Meisters gegen die SAP-Werkself, soweit die Zutaten. Insgesamt eher wenig erwähnenswert.

Am Montagabend aber sollte das Darben ein Ende haben. Der Magische FC gastierte im Dresden des Westens, im Hamburg des Südens, im München des Nordens, im Paderborn des Westwestens, im Berlin Nordrhein-Westfalens, bei der Fortuna der falschen Rheinseite, den Halbangstmachern von der Königsallee. Mehr als zwei Wochen Pause für beide Mannschaften, mehr als zwei Wochen Zeit für Prognose und Idee. Ein Punkt sollte möglichst her, das war wohl Konsens.

Hätte klappen können. Selbst sparte ich mir die Reise in dieses Modemekka und begnügte mich mit einem zumindest zeitweise brauchbaren Fernsehbild in der Astra-Stube Neukölln. Die, wie eventuell bereits erwähnt wurde, ein gar nicht so übler Ort ist, wenn man an Fußball und Bier interessiert ist.

Hätte jedenfalls klappen können. Die erste Hälfte begann stark, Alushi vergab eine relativ gigantische Chance. Einige Minuten später konnte Düsseldorf einen Ballverlust im Aufbauspiel nutzen, um über die verwaiste rechte Abwehrseite den Angriff zur Führung zu fahren. Soweit nicht unverdient, soweit aber auch nichts unmöglich.

Die zweite Halbzeit allerdings ging weiter, wie die erste endete. Ein unangenehmes Spiel gegen eine stark pressende, schnell fallende, viel meckernde und sehr viel Zeit habende Düsseldorfer Mannschaft. Eigentlich ein Spiel, an dessen Ende kaum 22 Spieler den Platz verlassen dürften. Sie taten es dennoch, seitens des Magischen FC teils erschreckend wehrlos, ohne Punkt in der Fremde zurück nach Hause. Wo sich am Samstag der Karlsruher SC die Ehre geben wird. Und da sollte es dringend ein wenig anders laufen.

Und nicht etwa so.

Und nicht etwa so.

Sonst haben wir ein Problem. Aber erzählt es keinem. /juli

Aber vorher geht es noch mal um TeBe

Meine Gedanken sind auf Montag gerichtet, wie es die von jedem Fan auf Entzug wären, würde sein Team an diesem unaussprechlichen Tag spielen. Keine Frage. Unterbrochen vielleicht durch ein paar Intermezzi (jaja!) wie dem Nachholspiel von TeBe am heutigen Abend in Köpenick oder auch meinem Besuch bei der einzigen Fortuna zum Gastspiel (jaja!) in Dresden. Unterbrochen sicherlich nicht durch irgendwelche allzu deutschen Mannschaften, die an irgendwelchen allzu deutschen Orten dieser Welt auf irgendeine allzu deutsche Weise völlig verkacken. Das kann man getrost ignorieren, und ein weiteres Wort hierzu wird man an dieser Stelle vergeblich nicht suchen.

Um die nervtötend laute Stille jener „Länderspielpausen“ zu füllen, gibt es schließlich Landespokale. Oder, um es mit TeBe zu sagen: Es gab sie.

Beginnen wir doch mit dem SV Babelsberg 03. Dem gelang es nämlich am Freitagabend, im sicherlich vernachlässigenswert schönen Luckenwalde, die dort beheimatete Sportmannschaft, deren Name mir soeben entfiel, mit 3:0 abzufertigen. Das bezeichnet man wohl als souverän. Souveränität, die man mit 03 grundsätzlich eher selten verbindet. Machte Hoffnung für den anstehenden lila-weißen Pokalauftritt bei Eintracht Mahlsdorf.

Ich persönlich wusste nicht, wo Mahlsdorf liegt. Um genau zu sein, weiß ich es bis heute nicht. Auch eine Auswärtsfahrt kann geographisch manchmal wenig hilfreich sein. Insbesondere, wenn man sich müht, sie zu vergessen.

Wir begannen daher für einen Sonntagmittag angemessen verkatert am östlichsten Rand meines Bewusstseins, dem S-Bahnhof Ostkreuz. Begrüßt von einigen Unentwegten, die wie ich selbst nach wie vor die angekündigte Uhrzeit von TeBe-Fantreffs für bare Münze nahmen. Ein Fehler möglicherweise, aber eine Chance zum Wachwerden.

Jenseits von Böse und Böser, jenseits von Lichtenberg und Biesdorf, erreichten wir unser Ziel. Zwischenziel. Freundlich begrüßte uns „Röschen’s Intimvitrine“, für meine Begriffe noch wesentlich freundlicher eine Bushaltestelle in Richtung Stadion. Linienbusauswärtsfahrten wären etwas, was mir fehlen würde, sollte TeBe endlich mal Gründe dafür liefern, dass es mir fehlen muss.

Und das ist auch schon alles, was ich über diesen Ort fotografisch zu sagen hätte.

Und das ist auch schon alles, was ich über diesen Ort fotografisch zu sagen hätte.

Der soziale Wohnungsbau in Mahlsdorf beschränkt sich im Wesentlichen vermutlich auf Garagen für jene, die nicht wissen, wo sie ihre Limousine abstellen wollen. Diejenigen, die bislang nicht von ihm profitierten, parkten den Sportplatz am Rosenhag zu. Was durchaus auch keine allzu schlechte Behandlung ist für ein Stadion mit Laufbahn und ohne Tribünen. Es sei immerhin zu erwähnen, dass der weit gereiste Fan für sein Steak im Brötchen bloß drei Euro bezahlte. Es sei denn, er reiste noch weiter bis zum nächsten Grill, wo er weitere fünfzig Cent sparte. In Mahlsdorf wird Engagement belohnt.

So war es, scheinbar, auch für TeBe. Raychouni lief, schon um sich die lange Anfahrt zu sparen, durch ganz Mahlsdorf und traf dann auch noch das Tor. Wie zuletzt bei der National… nein. Es war besser als etwaige Nationalmannschaften, ein episches Solo, das die TeBe-Fankurve vor Stolz oder Alkoholentzug oder beidem erzittern ließ. Somit stand nach der ersten Hälfte die erwünschte, erwartete, verdiente Führung im Cottbuser Westen zu Buche.

Kurz nach der Pause meldete sich Mahlsdorf zurück. Und nachdem TeBe diverse Großchancen vergeben hatte, konnte man dies relativ effektvoll mit dem Ausgleich zum 1:1 tun. Das Spiel kippte zusehends. Wo vorher lila-weiße Kurzpassstaffetten das Geschehen prägten, regierte nun das engagierte, kämpferische Spiel der Eintracht.

Folgerichtig ging der Gastgeber kurz vor Schluss in Führung und gab diese auch nicht mehr her, wenngleich TeBe in der Folge ein klarer Handelfmeter verweigert wurde. So setzte sich also das glanzlose Ausscheiden in frühen Phasen des Pokals gegen ebensowenig glanzvolle Gegner nahtlos fort.

Im Nachgang gab es noch Auseinandersetzungen mit der sicherlich höchst feierwilligen Heimmannschaft sowie einigen sicherlich höchst feierwilligen Heimmannschaftsfans, die es als Teil ihrer Feier ansahen, TeBe-Fans transphob zu beleidigen und körperlich zu bedrohen. Nun, es hat jeder eine andere Vorstellung von Spaß.

Und in so einem Fall weiß ich sehr gut, warum es im Zweifel immer noch mehr Spaß macht, bei den sportlichen Verlierern zu stehen. Steigt man halt stattdessen auf. /juli