Heute nicht!

Manchmal scheint es mir so, als sei ich hauptsächlich deswegen Fan des FC St. Pauli, weil ich nicht besonders gut darin bin, Erfolge zu beschreiben. In dieser Hinsicht zeigt sich dieser Verein mit seinem Hang zum tragikomischen Scheitern – unterbrochen durch gelegentliche absolute Katastrophen – meist sehr entgegenkommend. Die hier zu findenden Texte handeln dementsprechend häufig von knapp verpassten Gelegenheiten, kleinen und großen Ärgernissen und auch der Schönheit, die in dem Glauben liegt, dass es beim nächsten Mal ganz bestimmt besser werde. Heute ist Freitag, vier Tage nach einem Derbysieg am Millerntor, und ich weiß partout nicht, was ich schreiben soll.

Monday mood

Wie bereits im unfreiwilligen Prolog für diesen Text angedeutet, stand der Derbysiegertag am Ende eines anstrengenden Wochenendes. Um viertel vor Fünf morgens brachte ein übermotivierter Wecker mich bereits dazu, mir zum etwa zehnten Mal in einer einzigen „Nacht“ den Kopf an einem nicht übermäßig sinnvoll angebrachten Hochbett in meinem Flughafenhotelzimmer nahe Paris-Orly zu stoßen. Nicht nur deswegen ein wenig neben mir stehend, brachte ich immerhin sowohl Flug, als auch Arbeitstag mäßig erfolgreich hinter mich.

Ich hasse Montagsspiele. Selbst wenn es eine völlig normale Begegnung ist, denkt man doch das ganze Wochenende über daran. Man sieht die Konkurrenten spielen und weiß, die Messe ist noch nicht gelesen. Es ist ein bisschen so, als würde man prokrastinieren. Den anderen bei der Arbeit zuschauen und selbst so tun, als würde das einen gar nicht betreffen. Und dann dieser Montag selbst, dieser ohnehin schon endlos lange Tunnel, an dessen morgens noch kaum ersichtlichem Ende irgendwo Flutlicht leuchtet.

Andererseits liebe ich es, zu Abendspielen zu fahren. Nach der Arbeit in den ICE oder meinen Lieblings-Eurocity aus Tschechien springen, in letzterem zwei bis fünf Staropramen genießen und ebenjenes Leuchten des Flutlichts mir aus der Ferne den Weg zeigen zu lassen. Das ist schon toll. Wäre nicht der späte Freitag- oder Samstagabend eine wunderhübsche Anstoßzeit, wenn man sich schon nicht auf immer, alle, 15:30 einigen kann? Gut, alternativ würde ich es auch akzeptieren, den Magischen FC in nicht allzu ferner Zukunft dienstags, mittwochs oder donnerstags um 21 Uhr bestaunen zu dürfen, aber selbst Letzteres erscheint momentan allenfalls halb realistisch.

Ein erster Schritt in diese Richtung aber war an diesem Abend gegen den Hamburger Sportverein zu tun. Rucksack gegen Ticket getauscht und los Richtung Stadion. Nicht nur das Flutlicht war es diesmal, sondern die unverkennbare Atmosphäre eines Derbys, die mir den Weg wies. Dass man eine Stunde vor Spielbeginn das Stadion schon aus beträchtlicher Entfernung ganz deutlich hören kann, das ist so ungewöhnlich wie vielversprechend. Ungewöhnlich und vielversprechend allerdings auch die Schlangen am Einlass, die mich noch einige Zeit das Stadion aus beträchtlicher Entfernung betrachten ließen. Was nimmt man nicht alles in Kauf.

Weil du auch ein Arbeiter bist

Drinnen gab es dann zunächst eine eher rätselhafte Choreo der geschätzten Gäste zu bestaunen, die diesmal völlig ironiefrei mit „Mein Hamburg lieb ich sehr“ begrüßt wurden – vielleicht einer von vielen guten Schritten, um den Fokus diesmal weniger auf das Drumherum und mehr auf das eigentliche Geschehen, das eigentliche Ziel zu lenken. Man will den hsv schließlich nicht oder nicht vorrangig in puncto Humor besiegen, sondern mit permanentem Toreschießen.

Die Choreo jedenfalls sollte uns vermitteln, es handele sich bei uns in Wahrheit gar nicht um die wahre Arbeiterklasse. Während ich selbst zu dieser Fragestellung ein spontanes Rechtsgutachten anfertigte (Rechnung folgt), ließ sich mein Nachbar über die mangelnde Werbewirkung eines solchen Claims aus. Hinter uns entbrannte derweil eine lebhafte Diskussion zwischen zwei Bankern und einem (zwischen ihnen stehenden) Punker, die sich im Wesentlichen um die Idee drehte, eine Altersvorsorge ausschließlich auf Basis von Leergut und Fananleihen aufzubauen. Jedenfalls zeigte man sich von besagtem Vorwurf insgesamt eher unbeeindruckt.

Was die Süd lieferte, war hingegen ambitioniert, zwar handwerklich leicht holprig, am Ende aber höchst gelungen. Ein hübscher Rückbezug auf den lobenswerten vierten Platz des Gegners in der Vorsaison, gemischt mit milder Kritik an DFB, DFL, Polizei und Konsorten und kontrastiert mit bunten Luftballons. Kann man absolut so machen. Und klappte glücklicherweise ja auch gerade noch so.

Das halbvolle Glas

Holsten alkoholfrei führt immerhin nicht zu dem allseits bekannten Mysterium des pünktlich zu Spielbeginn leeren Biers. Weil man es ohnehin nicht trinkt. Spart Geld, spart Kater, spart Spaß. Für den musste diesmal mithin ausschließlich die Mannschaft sorgen. Und ich kann es erstaunlicherweise nicht anders sagen: das gelang von Beginn an. Schon nach wenigen Minuten hatte Marvin Knoll eine hübsche Schusschance, die der gegnerische Torhüter leider parieren konnte.

Anders dann nach 18 Minuten. Wieder war es Knoll, der einen Kopfball an den Pfosten setzte. Ungefähr auf dem Niveau der hsv-Choreo kam mittig unser neuentdeckter Toptorjäger Dimitrios Diamantakos herangeflogen und sorgte für unseren ersten Treffer gegen den hsv seit Gerald Asamoah anno 2011. Beim Torjubel holte er sich offenbar Gelb ab, was ich allerdings nicht mitbekam, da ich mich währenddessen mit meinem eigenen vermutlich mindestens gelb-rot-würdigen Torjubel zu befassen hatte. Gegengerade ganz links, ganz oben übrigens. In mehr oder weniger direkter Verlängerung unserer Grundlinie. Könnte ja noch wichtig werden.

Wurde es auch, irgendwie. Hatte St. Pauli in nahezu beeindruckender Manier über die erste halbe Stunde Spiel und Gegner beherrscht, fand der hsv – insbesondere über den starken Jatta – mehr und mehr auch offensiv zu Lösungen. Zunächst rüttelte uns das Geräusch von Aluminium wach, ehe kurz darauf ebenjener Jatta über die linke Seite zu einem Vorstoß ansetzte, einen hohen Ball an der Torauslinie verarbeitete und Hinterseer bediente, der zum Ausgleich einschob. Nicht. Denn glücklicherweise hatte der Schiedsrichter sich zuvor für Abstoß entschieden – von meiner Position aus zweifelte ich, auch später im Fernsehen war es nicht eindeutig zu erkennen. Auch Glück braucht es in solchen Spielen. Dann war – ebenfalls zum Glück – Halbzeit.

Und Pyro. Hübsche Angelegenheit.

Führ deinen Gegner vor

Ging aber auch nach der Pause zunächst weiter wie vorher. Der hsv drückte, wir hatten alle Mühe, unsere knappe Führung zu verteidigen. Normalerweise ist das genau die Phase, in der unsere Spiele kippen. Heute nicht. Nach einer knappen Stunde schob erneut Hinterseer zum Ausgleich ein. Nicht. Denn glücklicherweise hatte er sich zuvor entschieden, den Ball statt ins leere Tor gegen sein eigenes Standbein zu schießen. Das war ganz in meinem Sinne.

Konnte aber auch nicht ewig so weitergehen. Jos Luhukay entschied sich daher kurz darauf, Matt Penney für den schon etwas erschöpften Christian Conteh zu bringen, der sich ohnehin im Moment der geplanten Einwechslung bei einem Foul von Jung verletzte. Penney lief aufs Feld, Mats Møller Dæhli führte den Freistoß für alle überraschend flach auf Knoll aus, der leitete ihn irgendwie halb absichtlich in die Mitte weiter und der hsv-Verteidiger Rick van Drongelen, bereits gegen Diamantakos beim Führungstor zu spät gekommen, dachte sich „Titelseite im Kicker wär schon gut“. Wunderhübsches Trudeleigentor, 2:0. Normalerweise geht sowas bei uns doch immer schief. Heute nicht.

Der hsv erklärte nun seine Kapitulation und brachte Harnik für Jatta. Nachdem schon zur Halbzeit Hunt für Narey gekommen war, verzichtete man also auf schnelle Außen und stellte lieber ein paar Statuen prominenter Fußballer in die Mitte des Spielfelds. Sah aus wie Verzweiflungsangriffe in Minute 90, ließ sich von St. Pauli auch genau so leicht bespielen – mal abgesehen von dem Umstand, dass wir durch Verzweiflungsangriffe in Minute 90 üblicherweise sehr gerne Tore fangen. Nun, heute nicht.

Im Gegenteil. Was folgte, war eine nahezu absurde Zahl gefährlicher Konter des Magischen FC. Die allerdings, immerhin soweit blieben wir an diesem Tage unserer Linie treu, allesamt nicht erfolgreich zu Ende gebracht werden konnten. Was ganz simpel aber auch daran lag, dass alle am Spiel Beteiligten sich langsam, aber sicher einen Kurzurlaub verdient hatten. Keinen von der Sorte, wie ich selbst ihn zuvor in Paris hatte, sondern eher sowas mit am Strand liegen, sich Cocktails bringen lassen und einfach mal nix machen. Stattdessen fuhren Diamantakos, Buballa, Møller Dæhli und wie sie alle heißen mögen, damit fort, auch unmöglichste Zweikämpfe zu gewinnen, absurdeste Bälle zum Mitspieler zu bringen und mit jeder Bewegung, jeder Aktion ihren Gegenspielern ins Gesicht zu brüllen: Heute nicht.

Natürlich hört man allein deswegen nicht auf zu zittern. Das wäre doch alles viel zu einfach, mal eben so ein Derby zu gewinnen. In der Tat, war es auch. Die angezeigten drei Minuten Nachspielzeit nutzten die geschätzten Gästefans nämlich mit engagierten Versuchen, ein nichtsportliches Ende dieser Begegnung herbeizuführen.

Glücklicherweise zielten sie mit ihren Feuerwerksartikeln ebenso erfolgreich wie Lukas Hinterseer an diesem Tage und richteten daher bei niemandem Schaden an. Dementsprechend nutzte der Schiedsrichter diese Gelegenheit für den Abpfiff.

Keine Worte mehr

Es braucht ja ein wenig, bis man wirklich an einen Sieg glaubt, insbesondere an einen solchen. Zu sehr kommt es einem wie ein Traum vor, zu sehr ist man in der oben schon erwähnten Tragik verwurzelt, dem ständigen Begleiter dieses Vereins. Nach Abpfiff brauchte ich bestimmt eine Viertelstunde und eine Mannschaft, die mir ein „Hamburg ist braun-weiß“-Banner quasi ins Gesicht hielt, um zu realisieren, dass das zumindest für diesen Abend stimmte.

Auch danach brauchte ich noch einen zweiten Durchgang des Spiels im Jolly Roger, nach der morgendlichen Rückfahrt und einem spontan genommenen Urlaubstag gar einen dritten Durchgang zuhause, um daran zu glauben. Und was soll ich sagen – es ist Freitag, vier Tage nach einem Derbysieg am Millerntor. Und ich weiß eigentlich immer noch nicht, was ich schreiben soll.

Doch, drei Dinge. Erstens: danke! Zweitens: wie geil. Drittens: weiter so. Auch wenn ich mir dann irgendwann vielleicht doch mal eine Taktik überlegen muss, um endlich auch über Siege angemessen schreiben zu können. Aber das mache ich – heute nicht. /juli

Aux Armes

Ein meinerseits gerne und ausgiebig wiederholter Fehler ist es, Urlaubspläne noch vor Erscheinen des Rahmenspielplans konkreter werden zu lassen. So war es im Grunde genommen wenig überraschend, dass die DFL aus reiner Gehässigkeit beschloss, das Heimderby des Magischen FC gegen den hsv ausgerechnet auf mein längst gebuchtes Wochenende in Paris zu legen. Schon das Rückspiel am Millerntor in der letzten Saison – von dem im Folgenden, das verspreche ich, nicht mehr die Rede sein wird – hatte ich in Barcelona verbracht. Im Nachhinein nicht die schlechteste Entscheidung. Aber wie Sepp Herberger schon sagte: Die Leute fahren in Urlaub, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht. Oder so.

Je n’en connais pas la fin

Schweren Herzens beschloss ich also, mich anstatt meiner Weltstars wie Jan-Philipp Kalla, Marc Hornschuh oder Dimitrios Diamantakos mit biederen Fußballarbeitern der Marke Neymar Jr., Kylian Mbappé oder – nun gut – Julian Draxler zu begnügen. Der FC Paris Saint-Germain sollte an diesem Wochenende ein Heimspiel gegen den Racing Club Strasbourg Alsace bestreiten. Oder jedenfalls im Umfeld des Wochenendes, denn da Racing noch um die Teilnahme an der Europa League kämpfte, blieb die Terminierung zunächst offen. Das versprach angesichts einer Hinreise am Freitagabend und Rückflug am frühen Montagmorgen ein gewisses Maß an Spannung für mich, schon beim Ticketkauf.

Der übrigens gar nicht mal so einfach ist. Auf meine sämtlichen Versuche, ein noch halbwegs bezahlbares Ticket für einen sichtbehinderten Stehplatz auf einem dem Stadion abgewandten Balkon in 7 Kilometer Entfernung zum Parc des Princes (Luftlinie) zu buchen, reagierte die offizielle Vereinsseite mit einem gehässigen „paiement refusé“, was, so lehrt mich mein dezent eingerostetes Schulfranzösisch, zumindest nicht „Super, danke, hier dein Ticket!“ bedeutet. Der Ticket-Reseller, den ich gezwungenermaßen dann bemühen musste, war merkwürdigerweise wesentlich günstiger als die Vereinshomepage. Nun – comme ci, comme ça.

Mitten hinein in meine spannungs- und euphoriegetränkte Warterei auf die endgültige Terminierung der Partie platzte, effizient und dezent wie eine Bosch-Schlagbohrmaschine, die Deutsche Fußball Liga, von Freunden DFL genannt. Und teilte mit, das Derby möge nunmehr am Montagabend stattfinden. Es gibt natürlich zahlreiche Gründe, brisante Begegnungen wie diese bei Tageslicht stattfinden zu lassen, so zumindest letzte Saison noch der Tenor. Aber in diesem Fall… tja. Anscheinend nicht. Das Hamburger Derby, es ist bloß noch triste Normalität! Hihi.

Für mich jedenfalls hieß das: Hin da. Berlin, Paris, Hamburg, scheißegal. Irgendwie muss das hinzubekommen sein.

Anschließend schied dann Racing Strasbourg im Ergebnis (und nur dort) recht deutlich gegen Eintracht Frankfurt aus dem internationalen Geschäft aus. Welche Auswirkungen das nun konkret auf den Spielplan der französischen Liga hatte, erschließt sich mir zwar ehrlich gesagt nicht, es waren aber jedenfalls die von mir gewünschten. Das Spiel in Paris wurde auf Samstagabend terminiert. 17:30 Uhr, gute Zeit, um danach noch den ganzen romantischen Quatsch mit Sonnenuntergang und so mitzunehmen. Paris is for Lovers. Gilt vielleicht auch, wenn die gegenwärtige Liebe erst nach dem Wochenende mutmaßlich bei Hamburger Nieselregen im Flutlicht auf einen wartet.

Die Pläne standen damit fest. Freitag um 23 Uhr in Orly, Samstag PSG, Sonntag Kulturzeugs, Montag um 7 zurück nach Berlin, ein bisschen arbeiten, 17 Uhr nach Hamburg und Dienstag um 7 zurück nach Berlin, ein bisschen arbeiten. Vier Nächte, drei verschiedene Betten – früher ein normales Wochenende in Berlin, nennt sich das heute Urlaub.

Les amants de Paris

Vermutlich die klischeeüberladenste Stadt Europas, wenn nicht der Welt – allerdings mit Sicherheit auch eine der schönsten. Fällt mir bei meinen regelmäßigen Besuchen alle 14 Jahre immer wieder auf. Der große Fußballclub dieser Stadt hingegen war mir eigentlich immer schon herzlich egal. Da greifen dann wiederum St.-Pauli-Klischees: mit Olympique Marseille kann ich was anfangen, mit diesem PSG eigentlich nicht so richtig. Neymar mag ich nicht, in Katar war ich noch nie und Zlatan ist schon längst weg. Die Trikots, die sind très chic! Aber am Ende auch nicht so toll, dass damit gefühlt jeder zweite Insasse der Berliner Fußballkäfige rumlaufen müsste. Meine Meinung.

Was mich hingegen durchaus reizte, war der Parc des Princes, die durchaus altehrwürdige Heimstätte des Clubs. Schöne Betonschüssel eher klassischer Art, sagten mir meine Fernseheindrücke. Auch die Stadien dieser Machart gehen ganz allmählich zur Neige, das sollte man nicht unterschätzen – und gerade Paris SG scheint mir ein recht naheliegender Kandidat für irgendein Shoppingzentrum mit integriertem Fußballfeld zu sein, wie ich es zuletzt bei Sporting Lissabon bewunderte.

Schwer zu sagen, ob es unverbrüchliche Treue zum Verein oder doch eher die Verlockungen der hier keineswegs postheroischen Gegenwart sind, von denen die Leute hier ins Stadion getrieben werden (obwohl sie doch, Sepp Herberger, in der Liga eigentlich schon mehr oder weniger wissen, wie es hier ausgeht). Die halbe Stadt schien sich jedenfalls in die Metro zu quetschen. Gut, Autofahren in Paris ist dem Vernehmen nach ja auch eher eine Spezialdisziplin.

Meine Hoffnungen auf ein Bier und irgendeine lokale Snackspezialität (Baguette, vermutlich) vor dem Einlass verflogen relativ schnell. Die Gegend um das Stadion ist mit erstaunlicher Konsequenz monopolisiert. Bis auf die Zugänge zu den Tribünen, an denen schon weit vor dem eigentlichen Stadioneingang überdies Ticketkontrollen stattfinden, gibt es in der Umgebung wenig bis nichts. Nun, man muss Verkaufsargumente schaffen.

Im Stadion selbst tatsächlich alkoholische Getränke. Also, Bier. Aber immerhin mehr, als mich am Montagabend voraussichtlich erwarten würde. Schlanke 7 Euro, dafür immerhin kein Becherpfand auf den Pfandbecher. Was den Pfandbecher vermutlich zum schnöden Mehrwegbecher macht. Egal, Hauptsache Bier drin. Im Becher, meine ich.

Rien de rien

Sitzplätze, natürlich. Ganz schön eng. Auf Durchgänge verzichtete man in weiser Voraussicht, denn wer würde schon irgendwo durchgehen wollen. Beidseitig weiße Hochglanzzettel auf den Sitzen kündeten von kommendem organisiertem Ungemach. Ah, und tatsächlich auch Rauchverbot – was bei dieser Bauweise durchaus Sinn ergibt, würde man doch gleichzeitig mit der Zigarette höchstwahrscheinlich auch beide Sitznachbarn in Brand setzen.

Was meinen Sitznachbarn an realem Feuer glücklicherweise fehlte, vermochte metaphorisch auch die anscheinend vereinsseitig (mit?)organisierte Choreo allerdings nicht zu entfachen. Blaue Zettel da, weiße Zettel dort, rote Zettel drüben. Super. Frankreich und so. Normalerweise sieht sowas über das ganze Stadion verteilt schon ein wenig beeindruckend aus, aber dieser typische Effekt fehlte hier völlig. Drüben wurde noch irgendwer hochgezogen, toll. Ich lehne mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass die Anleitung für diese Choreo eher in den Anfängerlektionen des Standardwerks „Heute machen wir Stimmung“ zu finden sein wird.

Die sonstige Stimmungslage des Publikums war reichlich durchmischt. Neymar, dessen Flirt mit dem FC Barcelona während der Sommerpause zwischenzeitlich schon das Stadium von heavy petting erreicht hatte, blieb von milder Kritik nicht verschont. Hieß: er wurde von Anpfiff an bei jeder Ballberührung gnadenlos ausgebuht. Auf den neu verpflichteten Sympathieträger Mauro Icardi hingegen hielt man offenbar bereits jetzt große Stücke. Er wurde mit Wechselgesängen geehrt – obwohl er vorerst überhaupt nicht spielte. Vielleicht auch genau deswegen, wer weiß das schon.

Zur Analyse des eher durchwachsenen Spiels konnte ich leider eher wenig beitragen, versammeln sich meine verbliebenen Französischkenntnisse doch im Wesentlichen in dem so frühzeitig wie unnötig erlernten Wort „l’aspirateur“. Wobei es vermutlich nicht unangemessen wäre, nach einer gelungenen Aktion das Weinglas zu heben und dabei auszurufen „Thiago Silva, l’aspirateur!“. Tat ich nicht. Mangels Weinglas.

Strasbourg jedenfalls hielt gut dagegen, kam immer wieder zu Kontern. Der ebenfalls neu verpflichtete Keylor Navas im PSG-Tor hatte zahlreiche Gelegenheiten, sich auszuzeichnen. Bedauerlicherweise nutzte er sie auch. Mit einem 0:0 ging es in die Halbzeit, mit einem 0:0 ging es lange Zeit weiter. Faszinierend insbesondere die Gelegenheiten, bei denen Neymar mitunter geniale Lösungen für schwierige Situationen auf dem Spielfeld fand, die von den Tribünen mit einer etwas weniger genialen Lösung honoriert wurden – erst bejubelte man die Aktion, dann buhte man ihren Urheber aus. Schwierig, das.

In Minute 93 passierte dann doch noch der absehbar kitschige Hollywood-Moment für das Verhältnis zwischen den PSG-Anhängern und ihrem Superstar: mit einem sehenswerten Fallrückzieher erzielte Neymar schlussendlich doch das 1:0. Sein kurz darauf vermeintlich erzieltes 2:0 verendete unter der guillotinengleich durch die Luft schneidenden Abseitsfahne des Schiedsrichterassistenten. Mit lauten Buhrufen bejubelte PSG den Sieg. Vielleicht buhten sie Neymar auch mit lauten Jubelrufen aus. Irgendwie sowas. So in der Art muss es jedenfalls aussehen, wenn Erfolg im Fußball am Ende doch alles ist.

Wäre Neymar ein Facebook-Status… nein, das ist das falsche Bild. Selbstverständlich ist Neymar ein Facebook-Status. Er ist auch ein Hashtag, ein Asset, 1910 Millionen Instagram-Follower und nebenbei ein zugegebenermaßen passabler Fußballer. Sagen wir es anders: Mag es möglicherweise für eine Liebesbeziehung zwischen den PSG-Fans und Neymar auch nicht mehr reichen, ihre Variante von Freundschaft plus scheinen sie vorerst durchziehen zu wollen. Ist halt so ein bisschen das McDonald’s unter der Vielzahl von Varianten, miteinander auszukommen – für die kurzfristige Bedürfnisbefriedigung reicht es, macht bestimmt manchmal auch Spaß, aber eben auf Dauer nicht satt. Und ist natürlich, wenn man diesen Aspekt betrachtet, letztlich auch viel zu teuer.

L’enfer c’est les autres

Die überfüllte Metro brachte mich zurück aus Katar nach Paris. Wenn das diese Glitzerwelt „moderner Fußball“ ist, von der immer alle reden, könnte sie zumindest ein wenig mehr Glitzer vertragen. Für richtigen Oldschool-Fußball hingegen fehlt es ein wenig an Dreck. Paris SG also quasi irgendwo da unten im Fegefeuer gefangen. Allerdings ist das kein Grund zur Sorge, denn ich bin mir sicher: Den Weg zur Hölle, den werden sie schon noch finden.

Die Stadt immerhin, die hat doch wesentlich mehr zu bieten als diesen Fußballverein, dessen Freund ich wahrlich nicht werde. Nein, es war nicht per se unangenehm, aber im Fußball wie auch sonst gilt, so abgedroschen es klingen mag, dass das Gegenteil von Liebe eben nicht Hass ist, sondern Gleichgültigkeit. Genau das ist der Weg, den Paris Saint-Germain mit Inbrunst zu beschreiten scheint. Liegt aber vielleicht auch bloß an mir.

Bleibt bloß noch, ein paar Urlaubsbilder anzubringen und auf die hiernach folgende Pointe des gesamten Textes hinzuweisen.

Die lautet: Derby gibts hier noch nicht. Das ist nämlich noch gar nicht angepfiffen, so überraschend das klingen mag. Die maximal lesertäuschende Überschrift dieses Textes (die ich eventuell auch schon mal verwendet haben mag) behalte ich nur bei, um meine Werbeeinnahmen in ungeahnte Höhen zu katapultieren, wobei man dafür vermutlich mal Werbung schalten sollte.

Im Ernst: Wie eigentlich immer dachte ich am Anfang, das Ding hier würde kürzer. Also werden es dann doch zwei Artikel. Sofern es über das Derby was zu schreiben gibt, und sofern ich Lust dazu habe. Aber ich sag mal: Die Chancen stehen gar nicht so schlecht. Und jetzt wirklich: Aux Armes! /juli

Come back when you can

Über den Freitag möchte ich nicht viele Worte verlieren. Nach der Arbeit Hamburg. Lendenbraten, Knödel und Staropramen im besten Zug Deutschlands, soweit ganz schön. Flutlicht mag ich auch, das Millerntor bekanntlich sowieso. Keine Verspätung, geradezu pünktlich im Block, schon wieder kaltes Bier, alle gut gelaunt und laut. Naja, und dann kam leider das Spiel.

Egal, weswegen das nun im Detail so katastrophal war, aber für mich war es das, von vorne bis hinten. Nicht mal so sehr spielerisch, das hat man schon schlimmer gesehen. Aber in Hinblick auf alles, was dieser Freitag an Ergebnissen brachte. Gute Besserung auch an dieser Stelle an Christopher Avevor, wir brauchen dich. Und wir brauchen natürlich Punkte, denn mit dem einen aus Bielefeld möchte ich eigentlich nicht den gesamten August bestreiten.

Also gilt es jetzt offenkundig, Stuttgart wegzuhauen (und natürlich zuvor noch Lübeck). Schauen wir mal. Vielleicht schreibe ich da sogar auch was, der Stuttgartbesuch ist nämlich im Gegensatz zum Millerntor eine Premiere für mich. Aber man möge nicht vergessen, ein klein wenig Erfolgsblogger bin ich.

Gut immerhin: Der FC St. Pauli beim CSD, ganz offiziell, ganz groß. So muss das sein, so sollte es überall sein. Wobei ich vielleicht revidieren möchte, den Chemnitzer FC beim CSD beispielsweise stelle ich mir irgendwie unangenehm vor. Aber egal.

Wer bleibt?

Bevor ich nun doch noch anfange, viele Worte über den zur Zeit wieder eher wenig magischen FC zu verlieren, sei der Blick zurück auf Berlin gerichtet. Ein Abriss der bisherigen Geschehnisse: Nach der skandalösen Mitgliederversammlung im Januar war ganz Tennis Borussia von Crunchfit besetzt. Ganz TeBe? Nein. Eine unermüdliche Gruppe von angeblich 20 oder 30 größtenteils Hartz IV empfangenden und durch die Bank linksradikalen Fans leistete gemeinsam mit zwei ebenso unbeugsamen Aufsichtsratsmitgliedern weiterhin Widerstand gegen Jems und seine Truppen.

Dies geschah unter anderem mittels der bundesweit viel beachteten „Caravan of Love“, einem (huch) Gastspiel in fremden Blöcken, auf Einladung verschiedenster Vereine von Friedrichshain über Niedersachsen bis Hessen. Dazu Besuche beim Wasserball oder beim Tischtennis, Sportarten also, in denen sich üblicherweise so viele Fans aufhalten wie machtgierige Sponsoren.

Daneben probte man aber auch den Marsch durch die Institutionen, namentlich an das für das Berliner Vereinsregister zuständige Amtsgericht Charlottenburg. Ein gewisser Ex-Vorstandsvorsitzender hatte im letzten November nämlich den kleinen Fehler gemacht, nicht nur lehrbuchmäßig mit Rücktritt zu drohen, um andere Personen unter Druck zu setzen, sondern diesen Rücktritt blöderweise sogar zu erklären. Schriftlich. Was das Vereinsrecht nicht kennt, ist ein Rücktritt vom Rücktritt. Einmal raus, immer raus. Es sei denn, alle anderen Beteiligten sehen darüber hinweg und ein solches Schreiben erblickt nie das Licht der Öffentlichkeit. Das allerdings steht so nicht im Gesetz, sondern wäre eher allgemeiner Pragmatismus. Wir halten fest, ein Rücktritt muss nicht angenommen werden. Sobald erklärt, gilt er.

Wenige Tage vor dem Auftakt zur neuen Oberligasaison platzte die Bombe – man kann es nicht anders ausdrücken. Dies geschah durch eine Pressemitteilung, die allerdings zunächst nur per Facebook verbreitet werden konnte und erst später auf die zunächst noch in Feindeshand befindliche Vereinshomepage gelangte. Verkündet wurde dort zur allgemeinen Überraschung der Rücktritt zweier Vorstandsmitglieder, namentlich auch eines Fitnessunternehmers, und deren Ersetzung durch den Aufsichtsrat. Wie genau das alles passiert war, klärte sich erst im weiteren Verlauf des Tages und der Woche.

Jems Redlich selbst erfuhr hiervon in seinem Urlaub in den USA und hielt alles für einen Punsch. Putsch. Gleichzeitig räumten einige seiner Getreuen diverses vermutlich überhaupt nicht belastendes Material aus der Geschäftsstelle am Mommsenstadion, bevor die dortigen Räume – man kann, wie nun schon mehrfach bemerkt, kaum eine andere Sprache nutzen – zurückerobert wurden.

Der SV Tasmania hingegen nutzte diese Monate und Wochen, um aus der Berlin-Liga endlich in die Oberliga aufzusteigen und dies gebührend auf dem Rathausbalkon zu feiern. Auch eine schöne Beschäftigung für einen Fußballverein, so ein bisschen Fußball und dazu noch Erfolg.

Dies waren nun also die Fakten vor dem anstehenden Auswärtsspiel bei Tasmania Berlin zum Saisonauftakt. Daneben gab und gibt es reichlich unterhaltsame Anekdoten und natürlich auch mehr als genug spannende, teils geklärte, teils ungeklärte Fragen, die Stoff genug für mindestens drei oder vier weitere Artikel wären. Hierzu sei zunächst nur auf die umfassende Presseberichterstattung verwiesen – dies alles zu ordnen, wäre eine Mammutaufgabe, die ich persönlich mir jedenfalls im Moment noch nicht zutraue. Mein Dank allerdings an alle, die dies bewirkt haben, der soll auch hier nochmals ausdrücklich Platz finden. Auch an Jems, für den Rücktritt. War richtig.

Sunday always comes too late

Ich hatte schließlich schon meine Emotionen zu ordnen, ab dem Moment, wo mich am frühen Sonntagmorgen gegen 12:30 Uhr mein Wecker erbarmungslos aus reichlich wirren Träumen riss. Obwohl, gefühlte zwei Minuten später stand ich dann eh schon ausgehfertig neben dem Bett auf dem Weg zum nächsten wirren Traum. Endlich wieder TeBe, nach mehr als sechs Monaten Entzug. Ohne diese Fitness-Mafia und dem ihr vorstehenden… Typen. Und das auch noch zu Gast beim SV Tasmania, meiner zweiten Berliner Fußballheimat. Unter dem Motto „Back for Good“ mir einen eher unerwünschten Ohrwurm verschaffend, den ich an dieser Stelle mit Freuden weitergebe.

Irgendwie lag unterwegs etwas Besonderes in der Luft, aber vermutlich war es dann doch einfach nur meine Euphorie oder die zweieinhalb Bier vom Samstagabend. Perfektes Fußballwetter, wie man so sagt. Eine lange Schlange am Einlass, obwohl das zunächst angebotene VIP-Ticket inklusive Freibier im Vorfeld des Spiels aus vermutlich gutem Grunde spontan noch etwas unattraktiver gestaltet worden war. Tasmania zeigte sich zwar gerne bereit, die Feier für TeBe-Fans auszurichten, zu der dieser Spieltag unverhofft schon deutlich vor Anpfiff geworden war, aber ganz leertrinken lassen wollte man sich offenbar dann doch nicht.

Vertretbar, gerade angesichts all der anderen Bemühungen von Gastgeberseite. Ein Eiswagen vor dem Stadion, mit Eis in den jeweiligen Vereinsfarben (Maulbeere ist lila, Joghurt ist weiß, da die Frage eh kommt). Ein Bierstand mehr als üblich (üblich ist einer, und ja, das war eindeutig nötig). Und zwei gut gefüllte, schon vor dem Spiel lautstarke Kurven. 1.372 Zuschauer offiziell. Nicht so übel für fünfte Liga. Es war angerichtet. Jems stand angeblich auch irgendwo rum, aber mein Interesse an Ex-Funktionären und ihren Sonntagsbeschäftigungen ist eher begrenzt.

Was interessierte, war nun endlich wieder TeBe. Ich muss definitiv noch Namen lernen, die letzten Monate haben mir die Mannschaft auch in dieser Hinsicht nicht unbedingt näher gebracht. Fußball spielen allerdings konnten sie nach wie vor, auch wenn man ihnen gerade in der Anfangsphase die Unsicherheit deutlich anmerkte. Kein Wunder, hatte doch ihr eigener Trainer noch auf der sogenannten Mitgliederversammlung deutlich Stellung gegen jene Menschen bezogen, die ihnen jetzt in annähernd vierstelliger Zahl zujubelten. Und auch darüber wird sicherlich noch zu reden sein.

Tasmania als Aufsteiger brannte erwartungsgemäß auch nicht unbedingt ein Feuerwerk ab. Das hinderte sie aber nicht, nach einer knappen halben Stunde in Führung zu gehen. Die TeBe-Abwehr wurde von einem langen Ball aus dem Mittelfeld, dem favorisierten Stilmittel des Underdogs und von St. Pauli, reichlich überrumpelt und entschied sich, die ganze Angelegenheit dann lieber nicht mehr zu verteidigen.

Wieso auch, wenn man kurz danach ausgleichen kann. Per Abstauber, dem favorisierten Stilmittel des Etablierten. Und noch vor der Halbzeit sogar einen (berechtigten Foul-)Elfmeter in eine 2:1-Führung zu verwandeln. Das tat übrigens Kapitän Nico Matt persönlich, der bei der eventuell bereits erwähnten „Mitgliederversammlung“ im Januar immerhin ein zumindest nicht durchweg negatives Bild abgegeben hatte. Muss man ihm, ganz frei von Sarkasmus, in dieser Situation wohl recht hoch anrechnen. Ebenso wie das Führungstor.

Die Stimmung war dementsprechend gut. Bemerkenswert, dass es nur um Verein und Mannschaft ging und nicht um irgendwelche Gestalten, die sich auf der anderen Seite des Stadions weiterhin in Amt und Würden fühlten. Warum sollte es auch. Die Befürchtung mag nicht unberechtigt sein, dass man sich mit diesen Leuten noch zu Genüge wird beschäftigen müssen, in irgendeiner Weise. Da gibt es keinen Anlass, sich diesen bislang perfekten Sonntag zu verderben. Gab ja auch viel zu viel zu tun, Unmengen an viel zu lange nicht gesehenen Leuten zu begrüßen, sich ein oder zwei hervorragende Berliner-Berg-Bier zu besorgen und zwei wirklich spielfreudigen, engagierten Mannschaften dabei zuzuschauen, wie sie ihren Job machen. (An dieser Stelle daher auch Credits an den wunderbaren Schöpfer der beiden nachfolgenden Fotos, der aber, glaube ich, nicht an einer Klarnamennennung interessiert ist – wenn doch, klären wir das wohl vor Gericht, TeBe-Style halt.)

Kurz nach der Pause stellte TeBe nach einem Abwehrfehler auf 3:1. Wie der Abwehrfehler genau aussah, weiß ich leider nicht mehr, weil meine Notizen zu diesem Spiel merkwürdigerweise noch sporadischer ausfallen als sonst. Aber hier steht immerhin, es war ein Abwehrfehler. Vermutlich von Tasmania. Dann wird das wohl stimmen. Auch im weiteren Verlauf dominierte TeBe das Spiel nunmehr deutlich, dennoch kam Tasmania noch mal ran: 3:2-Anschlusstreffer in Minute 80.

Wäre das sodann erzielte 4:2 nicht gewesen – meine Aufzeichnungen werden in dieser Spielphase sehr lückenhaft, sprich, es gibt sie nicht – , dann hätte der Handelfmeter nebst gelb-roter Karte gegen TeBe kurz vor Schluss noch mal richtig Spannung in die Angelegenheit bringen können. Dafür allerdings, das ist das objektiv betrachtet Ärgerliche an Strafstößen, hätte man ihn nicht verschießen dürfen. So blieb es beim 4:2 als Endstand. Dass die Mannschaft diesen zunächst mit einem schon erwähnten Ex-Funktionär feiern zu müssen meinte, stieß nicht unbedingt auf Gegenliebe und brachte ebenjenem dann doch noch ein paar Sprechchöre ein. Letztlich aber nicht mehr als eine Randnotiz, freuten sich doch ganz offensichtlich auch die Spieler über den zuletzt so ungewohnten Support.

Ein mehr als gelungener Auftakt für TeBe, für Tasmania letztlich wohl auch ein zumindest akzeptables Ergebnis. Klar, man verliert nie gerne. Aber an so einem Tag gegen diesen Gegner in einem solchen Spiel ist es vielleicht erträglich. Es kommen andere Tage, andere Gegner. Das ist machbar, Tas.

Ich selbst zog mich zwecks weiterem Bierkonsum auf das Tempelhofer Feld zurück, fast schon Tradition nach Besuchen beim SV Tasmania.

Und weiß, dass ich wiederkommen kann. Zu Tasmania sowieso, klar. Aber vor allem auch: endlich wieder zu TeBe. /juli

Hauptsache Italien

Zu den intensivsten Erlebnissen als Fußballfan zählen, das mag in der Natur der Sache liegen, letzte Spieltage. Nicht unbedingt in Deutschland – Bayern München Meister, der magische FC stabil auf irgendwas zwischen 6 und 9, der hsv in Liga 2, das ist jenseits von langweilig und spannend. Vielleicht ein bisschen egal. Wie ohnehin immer empfiehlt es sich also, den Blick zu heben und zu schauen, was denn anderswo so geht.

In diesem konkreten Fall ging mein Blick zunächst nach Italien. Dort stand Juventus zwar früh als Meister vor Neapel fest. Die Plätze dahinter versprachen aber Spannung. Maßgeblich für mich allerdings ein anderer Grund – die sich verdichtenden Gerüchte, in Milan plane man den Abriss des Giuseppe-Meazza-Stadions, von Fans des AC aufgrund der Vereinsvergangenheit des Namensgebers bevorzugt nur nach dem Stadtteil als San Siro bezeichnet. Der Grund dafür sagt viel über die traurige Gegenwart im italienischen Fußball: Für beide Vereine ist San Siro eine Nummer zu groß. Blick auf den Spielplan, Inter am letzten Ligawochenende zuhause, passt.

Blick auf die Karte

Milan als Stadt hat aus der Ferne betrachtet zwei hervorstechende Eigenschaften: Es ist ziemlich teuer und verfügt mit Malpensa über einen erstaunlich abgelegenen Flughafen. Beides Gründe, die ich in meine Reiseplanung einbezog. In der Schweiz nämlich, ebenfalls abgelegen und teuer, wurde auch noch Fußball gespielt. Besonders reizvoll hierbei das Duell des FC Lugano, Kurs Europa, gegen den Rekordmeister Grasshoppers Zürich, schon zum Zeitpunkt meiner Planungen zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in Liga 2 abgestiegen. Der fußballerische Aspekt stand also.

Mit einer Ankunft am späten Freitagabend und einem Abflug am frühen Montagmorgen, allerdings ohne Auto und Führerschein, ging es an die Feinarbeit. Letztlich gestaltete sich das alles ganz simpel: Von Malpensa aus mit dem Zug nach Como, am nächsten Tag ebenfalls per Zug nach Lugano. Mangels Verbindungen nach Spielende wiederum am Sonntagmorgen per Bus nach Malpensa, dort per Shuttle zum Flughafenhotel, per Shuttle zurück zum Flughafen, per Zug nach Milan. Mit der Straßenbahn zum Stadion, per Bus zurück zum Hotel, mit dem Flugzeug nach Berlin und per Bus und U-Bahn direkt an den Schreibtisch, um das ganze unterwegs ausgegebene Geld wieder reinzuholen. Nichts leichter als das.

Letztlich also eine Tour wie ein traditionelles italienisches Menü: Viel zu viel in viel zu kurzer Zeit, geht schon ein bisschen ins Geld, voller Highlights und dermaßen gehaltvoll, dass kein vernünftiger Mensch auf die Idee käme, das regelmäßig zu machen. Na, dann mal los.

Antipasti

Como 1907 hatte bedauerlicherweise schon zwei Tage zuvor seine Saison beendet, sodass ich von dem quasi direkt am Stadion gelegenen Hostel insofern nicht profitieren konnte. Dem geneigten Fußballreisenden sei diese Unterkunft jedoch nicht nur wegen ihrer Lage empfohlen – abgesehen von den ansonsten auch in Como brutalen Hotelpreisen würde ich es tatsächlich als das beste Hostel bezeichnen, in dem ich je war. Außerdem verfügt es über eine wunderhübsche Google-Rezension, in der sich der Verfasser intensiv darüber aufregt, dass dieser einstmals herrliche Ort nunmehr ein Treffpunkt für Linksextreme geworden sei. Nach Schweizer Maßstäben könnte es keine größere Empfehlung geben als diese, genau mein Ort also. Werbung für Unterkünfte mache ich hier keine, aber die Hosteldichte in Como ist überschaubar: Es gibt meiner Auffassung nach exakt eines.

Da es keinen Fußball gab, werde ich, der ich mich stets auf den Sport und das Geschehen auf dem Platz beschränke, nichts schreiben über den wunderschönen Comer See, die lombardischen Berglandschaften oder die beeindruckende Aussicht auf Stadt und See vom nahegelegenen Brunate. Ausdrücklich ebenfalls nicht erwähnt seien die Weine oder das Essen (wobei eine dort angebotene Pizzakreation mit Pommes Frites tatsächlich in ganz besonderem Maße nicht erwähnt sein möge; glücklicherweise war es schon Samstag, und samstags isst man offenbar keine Pizza). Mit solchen Profanitäten mögen sich Touristen befassen, ich hingegen wählte aus der verwirrenden Vielfalt lokaler Bahnhöfe den mir passend erscheinenden aus und bestieg den Zug nach Lugano.

Primo Piatto

Gewitter in den Bergen sind eine wirklich beeindruckende Sache. Wunderschön zu betrachten, sofern man sich nicht mittendrin befindet. Weswegen dieser Absatz mit einer solchen Erkenntnis beginnt, dürfte offensichtlich sein.

Ich verbrachte die folgenden zwei Stunden damit, mich abzutrocknen und einen Weg Richtung Stadt zu finden. In Lugano nutzt man hierfür eine eher etwas überflüssige Zahnradbahn, quasi als Pendat der wenige Stunden zuvor gefahrenen Seilbahn von Como nach Brunate. Ich kam mir zunehmend wie ein Verkehrsmittelhopper vor und fragte mich, ob das mit dem Fußball noch mal was werden würde. Immerhin waren die Hotspots der Stadt unmissverständlich markiert.

Auch die Innenstadt war abgesehen von irgendeiner uninteressanten Laufveranstaltung erstaunlich ruhig. Zwar ging ich bereits davon aus, dass nach einer so desolaten Saison nicht allzu viele Grasshoppers-Fans den für lokale Verhältnisse doch recht langen Weg auf sich genommen haben würden. Allerdings hätte ich schon erwartet, dass diese wenigen Fans zumindest pflichtschuldig ein wenig randalieren. Hiervon aber keine Spur, die Stadt gab sich nahezu enttäuschend beschaulich.

Das Stadio di Cornaredo gehört zu jenen Vertretern seiner Zunft, deren Namen ich mir partout nicht merken kann. „Stadion Lugano“ ist einer der Top-Suchbegriffe der letzten Tage auf meinem Handy. Vielleicht wäre hier ein griffiger Sponsorenname angemessen. Schauinsland-Reisen oder Sparkasse Erzgebirge oder so. Gut, Sparkasse Erzgebirge vielleicht nicht. Obwohl sich landschaftlich hier gewisse Gemeinsamkeiten ergeben.

Hübsch, die Lage. Und das Stadion eigentlich auch. Wenngleich man doch verwöhnt ist vom deutschen Fußball und seinen modernen Errungenschaften. Dächern, beispielsweise.

Das Bier irgendwo zwischen alkoholfrei und undefinierbar, sicher bin ich mir bis heute nicht (wobei das beeindruckende Spirituosenangebot eigentlich gegen Ersteres sprechen würde). Der Gästeblock eher mäßig gut gefüllt, fast durchweg schwarz gekleidet, größtenteils sitzend und komplett schweigend. Auf allen Heimtribünen hingegen recht viel Betrieb, der tabellarischen Situation entsprechend.

Mit einem Sieg konnte der FC Lugano heute aus eigener Kraft ein Ticket nach Europa buchen, oder zumindest in jene seltsame Vorhölle namens Euro-League-Qualifikation. Um dann vermutlich gegen einen Vertreter aus Liechtenstein, Aserbaidschan, dem Vatikan, Atlantis oder Taka-Tuka-Land zu scheitern, wie es das Schicksal so vieler Euro-League-Qualifikations-Qualifizierter war und auf ewig sein wird. Platz 3 und damit der direkte Weg nach Kerneuropa allerdings durchaus auch in Reichweite, zumal der dort befindliche FC Luzern zeitgleich beim überragenden Team der Liga in Bern gefordert war.

Soweit zum optimistischen Teil. Der pessimistische, in meinem Klischeebild der Schweiz von jeher der beliebtere, sah wie folgt aus: Da die vier in der Tabelle allesamt auf Schlagdistanz hinter Lugano einsortierten Vereine aus Thun und Sion, Zürich und St. Gallen direkt aufeinandertrafen und also mit einiger Wahrscheinlichkeit jeweils einer von beiden gewinnen würde, konnte man sich ohne eigenen Sieg ganz schnell auf Platz 6 ohne jede Chance auch nur auf Ferner-liefen-Europa wiederfinden. Gleichzeitig vermutete man bei den Grasshoppers nach 20 sieglosen Spielen gewisse Bestrebungen, sich ein wenig zu steigern, um diesmal zumindest nicht schon während des Spiels die Trikots an die eigene Fankurve aushändigen zu müssen.

Alles angerichtet mithin. Theoretisch war noch die Augsburger Discolegende Caiuby für die Zürcher am Start, das beschränkte sich mit Blick auf den Kader dann aber auch auf die Theorie. Ansonsten ein Spiel für Experten, was die Namen angeht. Einzig Grasshoppers-Torwart Heinz Lindner könnte etwaig anwesenden Frankfurtern noch ein vager Begriff sein, ähnlich wie sein Landsmann und Mannschaftskollege Marco Djuricin vor einigen (also vielen) Jahren bei irgendeinem egalen Berliner Verein für, nun, „Furore“ sorgte. Eine Auswahl voriger Vereine der übrigen Spieler: Lorca FC, Gramozi Erseke, FC Koper, Chieti Calcio, FC Le Mont, Zug 94, Slaven Belupo Koprivnica. Nächste Tour steht.

Wie um aller Skepsis entgegenzuwirken, dominierte der Gastgeber von Beginn an Spiel und Gegner fast nach Belieben. Wie um sie zu bestärken, brachte dies jedoch nichts ein. Zwar fuhr Lugano Angriff um Angriff in Richtung des Grasshoppers-Tors, ohne selbst wirklich unter Druck zu geraten. Jedoch erwies sich das Konzept, jeden dieser Angriffe mit einem völlig missglückten Fernschuss abzuschließen, als wenig ertragreich – sofern man zahlreiche Abstöße und teils sogar Einwürfe für den Gegner nicht als Ertrag bewertet. Die Fans des Heimvereins taten dies nicht, im Nieselregen machten sich erste Spuren von Frustration bemerkbar. Dass der FC St. Gallen beim FC Zürich früh in Führung ging, während Luzern bei den Young Boys weiterhin ein Unentschieden hielt, tat sein Übriges. Allen war klar, das konnte ganz schnell kippen.

Stoisch weiterhin die Gästekurve, laut und mit reichlich pyrotechnischen Erzeugnissen gesegnet die heimischen Ultras. Merkwürdig immer noch das Bier, immer nasser der Regen. Die Pause bereits in Sichtweite, lösten die Grasshoppers sich vermehrt aus der Luganer Umklammerung, schienen zu merken, dass da was geht. Verlieren jedoch kurz vor dem Strafraum den Ball, und dann geht es ganz schnell. Der Ball auf der rechten Seite, runter an die Grundlinie, Flanke auf den langen Pfosten, Kopfball, Tor Lugano. Wie eine Erlösung. Dass Tore im Fußball oft nicht aus logischer Konsequenz, also in der eigentlich „passenden“ Phase des Spiels fallen, macht den Fußball aus. Diese Saison gewinne ich allerdings zunehmend den Eindruck, dass die Tore sich inzwischen vollends weigern, in derartigen Druckphasen zu fallen, und sich stattdessen aus purem Trotz rein willkürlich über die Spielzeit verteilen. Zürich jedenfalls hatte sich mit viel Aufwand doch noch ins Spiel reingearbeitet und kassierte als Belohnung diesen Konter. Gleichzeitig verbreitete sich – mit etwas Verzögerung – auch die Nachricht von der Berner Führung. Kurs Platz 3 damit.

Keine lange Freude allerdings. Minute 44, Freistoß für die Grasshoppers aus dem Halbfeld. Die Abwehrreihe des FC Lugano bewegte sich während der Ausführung bereits in Richtung Kabine und bemerkte dabei nicht, dass der Ball noch im eigenen Strafraum lag. Ärgerlich. Abstauber, Ausgleich. Pausenpfiff. Ein bisschen wie eine kalte Dusche, aber so richtig passiert war angesichts der anderen Ergebnisse noch nichts. Bern lag weiterhin in Front, ebenso wie St. Gallen. Zwischen Sion und Thun stand weiterhin die Null. Damit Platz 4 aktuell, immerhin.

Entsprechend wach und engagiert kam Lugano zurück aus der Kabine. Gleich der erste nennenswerte Angriff brachte die erneute Führung: Zürich konnte einen gefährlichen Freistoß nur bis zur Strafraumkante klären, von dort landete die Direktabnahme eines gewissen Mattia Bottani im Eck. Glückwunsch auch an dieser Stelle, hübsches Ding. Noch hübscher wäre kurz danach das 3:1 gewesen. Wenn man von der Mittellinie aus alleine auf den Torwart zuläuft, sind das knapp 50 Meter Dribbling. Läuft man 60 Meter, ist man vermutlich zu weit. Das sieht dann entsprechend etwas dämlich aus. Immerhin, quasi zeitgleich glich der FCZ gegen St. Gallen aus. Wir erinnern uns: Unentschieden sind gut, sofern man nicht selbst betroffen ist. Noch besser das 2:0 der Young Boys, womit Luzern sich schon halb aus dem Rennen um Platz 3 verabschiedete.

Die Grasshoppers entwickelten nun wieder mehr Druck. In Minute 62 fand ein wunderschöner Pass aus dem Halbfeld im vorhin erwähnten Djuricin seinen Abnehmer. Djuricin entschied sich, das zu tun, was er diese Saison offenbar bevorzugt tut: Nicht treffen. Zugegebenermaßen begünstigt durch einen großartigen Reflex des Luganer Torhüters. Ohnehin müßig, denn der Nachschuss fand sein Ziel. Ausgleich. Und weil im Sinne der Dramaturgie alles überall zeitgleich passieren muss, traf der FC Thun auch noch in Sion. Thun in Führung, Unentschieden in Zürich, Luzern hinten, aber punktgleich: Wie die Mathematiker unter uns erfasst haben werden, bedeutete ein weiteres Gegentor für Lugano Platz 6 und damit den… Luxit.

Natürlich fiel es. Und natürlich schoss es Djuricin nunmehr höchstpersönlich, in Minute 70 mit einem vielleicht nicht gänzlich unhaltbaren Fernschuss. Weiterhin stoisch zur Kenntnis genommen vom schweigenden Gästeblock, im Nieselregen von Lugano.

Die Schlussphase, wenige Minuten später. Ein hartes Einsteigen im Mittelfeld gegen einen Luganer. Gelb. Gelb-Rot. 12, 13, 14 Minuten Überzahl und Anrennen. Alles versuchen. Auch der Gästeblock jetzt erwacht, für die letzten 10 Minuten und unter dem Motto „Immer 100 % GC“.

Regen, Pyro, Brechstange. Intensiv. Die Young Boys schießen Luzern ab, egal jetzt. Lugano muss sich selbst helfen. Fünf Minuten auf der Uhr, ein Wechsel noch. Brlek heißt er anscheinend. Kommt im Strafraum an den Ball. Latte. Wirft sich in den Abpraller rein, trifft ihn, drückt ihn irgendwie in den Winkel. Tor. 3:3. Platz 3.

Auch wenn der Schiedsrichter pünktlich abpfeift, Schluss ist noch lange nicht. Ein Konkurrent verbleibt, St. Gallen spielt in Zürich weiterhin um Sieg und Platz 3. Ein ganzes Stadion mit Blick auf das Handy, den Gästeblock mutmaßlich ausgenommen. Die Minuten ziehen sich dahin, irgendwann ist es geschafft. Platzsturm nach Schweizer Art – erst die Tore öffnen lassen, dann mal schauen, dass man sich Richtung Platz begibt. Ich finde mich im Arm eines wildschweinartigen Maskottchens namens Mr. Lug wieder, aber auch das macht den Abend nicht kaputt.

Große Feier im Discozelt hinter der Tribüne, möglicherweise sogar mit Caiuby, vielleicht aber auch nicht.

Ich mache mich auf den Heimweg, schließlich war das erst Teil eins.

Secondo Piatto

Ein viel zu früher Fernbus bringt mich erneut über die Grenze. Ohne dass ich etwas von dieser Grenze merke, am Tag der Europawahl. Wie großartig das ist, würden viele wohl erst bemerken, wenn es wieder anders wäre. Auch sonst klappt erstaunlicherweise alles. Der Bus, die Hotelshuttles, die Gepäckabgabe, merkwürdigerweise sogar schon der Check-In, und schlussendlich der Zug nach Milan.

Gibt mir nicht so wirklich was, die Stadt. Essen und das Eis später ohne Frage super, aber anderenfalls hätte man Milan wohl auch nicht erlaubt, sich als Teil von Italien zu bezeichnen. Der Dom ist sicher auch hübsch, klar. Andererseits laufen überall Massen von Leuten rum, und schon nach recht kurzer Zeit fragt man sich, was die eigentlich alle dort wollen.

Diese Sache mit der Mode, daran glaube ich nicht. Natürlich ist Berlin im Vergleich zu jedem Ort des bislang bekannten Universums eine geradezu unfassbar schlecht gekleidete Stadt, aber wenn Milan eine Modehauptstadt sein soll, gilt das nach erster Anschauung vermutlich für eine Mehrzahl der Orte, in denen sich das zumindest gelegentliche Tragen von Bekleidung kulturell durchgesetzt hat.

Nicht schlimm, man ist ja nicht zum Spaß hier. Über San Siro dürfte alles geschrieben und gesagt sein, was man sagen und schreiben kann. Wer bei FIFA 98 nicht für jedes Duell dieses Stadion ausgewählt hat, hat den Fußball nie geliebt. Und da ich bei Erscheinen dieses Spiels in einem höheren einstelligen Lebensalter war, ist der Einfluss des Giuseppe-Meazza-Stadions auf meine Liebesgeschichte mit dem Fußball ganz erheblich.

Ein bisschen wie eine wuchtige und gleichwohl elegante Mischung aus Schildkröte und Elefant erhebt sich die Arena inmitten eines weitläufigen Betontals, der Oberrang gestützt von den charakteristischen Treppentürmen. Ein Stadion wie ein Mercedesstern – man muss weder mögen, wie es aussieht, noch, für wen es steht, aber wiedererkennen wird man es unweigerlich. Genau jene Art von Stadion also, die zunehmend verdrängt wird von komfortablen Zweckbauten diverser Maßkonfektionsanbieter einerseits und absurden Milliardärsträumen wie etwa jüngst in Tottenham andererseits. Allmählich mache ich mir Sorgen, noch zum Fußballromantiker zu werden. Erst das nasse, großartige, dreckige Unentschieden von Lugano und jetzt solche Gedanken.

Gut was los rund um das Rund. Zwar heißt der Gegner bloß Empoli, es geht aber für Inter noch um die Champions League. Reizvoller noch – die Konkurrenten um die verbleibenden Qualifikationsplätze heißen Atalanta Bergamo und AC Milan. Gegen die direkten Nachbarn gewinnt man eben besonders gerne, und sei es auch nur indirekt.

Bekannt war mir über Inters Fanszene bis dato nur, dass die Ultras dort eine gewisse Affinität zum Heben ihres rechten Armes zeigen – zwar nicht derart intensiv wie beim Paradebeispiel SS Lazio, aber durchaus ambitioniert und mit guten Kontakten auch Richtung Rom. Ich entschied mich daher, einen Platz in etwa 120 Meter Entfernung von den Ultras zu wählen. Dabei vergaß ich blöderweise, dass dieser Platz nun in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gästeblock lag und dass derartige Bereiche des Stadions europaweit traditionell von einer ganz anderen, ebenfalls nicht zwingend angenehmen Gruppierung frequentiert werden.

Unter den Althooligans von Milan sind Keltenkreuze ein beliebtes wie verbreitetes Motiv, ich selbst hatte leider ausnahmsweise keine passende Oberbekleidung dabei. Mir schien daher insgesamt eine gewisse Zurückhaltung geboten. Von dem vagen Plan, eventuell den Gegner aus Empoli ein klein wenig anzufeuern, nahm ich gedanklich Abstand. Sogar die bereitgestellte Klatschpappe faltete ich vorschriftsgemäß zurecht, ohne zu intensiv darüber nachzudenken, ob ich in meinem Fanleben bereits mit faschistisch vorgebildeten klatschpappenschwingenden Althools konfrontiert war und wenn ja, wie die optimale Strategie für die kommenden rund 105 Minuten wohl aussähe.

Ich entschied, mich auf das Spiel zu konzentrieren und energisch jedem Blick auszuweichen, der mir begegnete. Gab schließlich auch genügend Anlass hierzu. Für Empoli ging es um den Klassenerhalt, man musste entweder auf den ebenfalls noch nicht geretteten AC Florenz und seinen Sieg gegen den CFC Genua im Parallelspiel hoffen oder aber angesichts des schwächeren Torverhältnisses zumindest einen Punkt beim großen Favoriten Inter holen. Inter hingegen brauchte einen Sieg, um sicher in der Champions League zu sein. Schon bei einem Unentschieden wäre man auf Schützenhilfe von SPAL Ferrara gegen den AC Milan sowie von Sassuolo gegen Bergamo angewiesen gewesen – auf zwei Vereine also, für die es um nichts mehr ging. Auch vom AS Rom ging noch zumindest theoretische Gefahr aus. Empoli war dabei nicht zu unterschätzen, zeigte die Formkurve dort doch ganz im Gegensatz zur eigenen steil nach oben.

Auf dem Feld fand sich ein wenig mehr Prominenz als zuvor in Lugano. Namen wie de Vrij, Nainggolan, Perisic oder Icardi mag man schon das eine oder andere Mal zuvor gehört haben. Aufseiten des magischen FC gab es der Vollständigkeit halber noch die Anwesenheit von Jacob Rasmussen zu vermelden, der für den FC Empoli die Ersatzbank hütete. Inter-Trainer Luciano Spalletti gelang es im hervorragend geschnittenen Anzug doch noch, den Ruf der Modestadt Milano bei mir zu retten, während sein Amtskollege bodenständige Funktionsbekleidung bevorzugte. Abstiegskampf halt. Ähnlich gestaltete sich auch das Spiel selbst.

Unter den Augen von diesmal ausnahmsweise knapp 70.000 Fans begann Inter erwartungsgemäß stark. Empoli konnte den Angriffen der Gastgeber wenig entgegensetzen, abgesehen von einem zeitweise fast unverschämten Maß an Glück und engagiertem Zeitspiel insbesondere ihres im Übrigen starken Torhüters – durchaus zum Missfallen der um mich herum verteilten Sympathie- und Keltenkreuzträger. Die Klatschpappen bebten vor Zorn. Um die 30. Minute kam tatsächlich auch Empoli zu einer etwas größeren Gelegenheit, jedoch letztlich ohne größere Mühen vereitelt durch Inters Torhüter Handanovic.

Der Ausdruck „vaffanculo“, auf eine Übersetzung verzichte ich an dieser Stelle, besitzt ohnehin eine erhebliche Prominenz im italienischen Fußball (wie auch in der italienischsprachigen Schweiz, lernte ich am Vortag). Hier schien er mir die gesamte erste Hälfte aus Sicht der Interisti erschöpfend zu beschreiben, insbesondere die in der Tat etwas erstaunliche Entscheidung, diese pünktlich zu beenden. Teilerfolg für den Trainingsanzugfußball. Begleitet allerdings vom Gefühl, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis Inter in Führung geht, und die einzige Hoffnung von Empoli darin liegen dürfte, dass ebenjene Zeit im Fußball glücklicherweise sehr klar begrenzt ist. Allerdings, sie mussten. Der AC Milan lag bei SPAL knapp in Führung, und Bergamo war bereits zur Halbzeit beim Stand von 1:1 gegen Sassuolo in Überzahl.

Kurz nach Wiederanpfiff war es dann so weit. Baldé konnte sich in zentraler Position aus rund 22 Metern vor dem Tor von Empoli ein Bier aufmachen, einen Liegestuhl aufbauen, auf dem Handy die Zwischenstände von den anderen Plätzen überprüfen, feststellen, dass ein Tor hilfreich wäre, und ebenjenes sodann schießen. Sprich: Ein wenig mehr Druck von der Abwehr wäre an dieser Stelle wohl durchaus anzuraten gewesen. So forderte man das bereits reichlich bemühte Spielglück doch zu sehr heraus. Verdient natürlich, die Führung von Inter, aber dennoch ärgerlich. Meinen Ärger nicht zu zeigen, bemühte ich mich aus bereits benannten Gründen. Offenbar erfolgreich, immerhin bin ich in der Verfassung, diesen Text zu schreiben. Baldé wiederum schien sich über seinen Treffer wirklich sehr zu freuen, entledigte er sich doch seines Trikots und sah dafür Gelb.

Kurz nach dem Führungstreffer sah sich ein Empoli-Verteidiger veranlasst, einen eher mäßigen Rückpass auf den eigenen Torwart zu spielen, dessen Mäßigkeit sich darin äußerte, dass er fast auf dem Fuß des in den Strafraum startenden Icardi landete. Aus meiner Sicht nicht restlos aufzuklären ist, ob er durch den Torhüter oder durch Selbstzweifel zu Fall gebracht wurde, das Ergebnis jedenfalls war ein Strafstoß für Inter. Nach längerem Videostudium war das Ergebnis ein Strafstoß für Inter. Inter bekam also einen Strafstoß und bekam den Strafstoß erneut nach gefühlten fünf Minuten. Schöne neue Welt.

Aus Protest gegen sich selbst verschoss Icardi dementsprechend. Oder, wäre man ihm wohlgesonnen: Scheiterte am Torhüter.

Empoli gelang es in der Folge, tatsächlich so etwas wie Druck aufzubauen, wobei dieser Begriff angesichts der spielerischen Möglichkeiten das Hinzudenken von Anführungszeichen erfordert. In Minute 70 gelang es bereits einem Angreifer fast, Handanovic zu umkurven und zum Ausgleich einzuschieben. Kurz darauf war es dann soweit: Schnelle Ballstafette auf der rechten Angriffsseite, Ball kommt an der Grundlinie in den Strafraum von Inter. Der Flachpass in die Mitte sitzt perfekt im Rücken der Abwehr, und frei vor dem leeren Tor bleibt Traore aus zwei Metern und dreieinhalb Zentimetern Distanz wenig anderes übrig, als zu treffen. Also, das Tor. Auch er überlegte zunächst offenkundig, sich seines Trikots zu entledigen, ließ dies aber dann doch bleiben und wurde folgerichtig anders als Baldé nicht verwarnt.

Wieder alles offen also, und Inter in Nöten. Entsprechend investierten sie ab diesem Zeitpunkt viel mehr in das eigene Offensivspiel, und wieder war das Gefühl greifbar, dass hier unweigerlich ein weiterer Treffer für die Gastgeber fallen würde. So kam es auch. Vecino traf mit seinem Versuch in Minute 81 zwar nur den Pfosten, aber dem völlig frei stehenden Nainggolan bereitete es keinerlei Mühe, den Abpraller zur erneuten Führung zu verwerten.

Kurz vor Ablauf der Uhr standen plötzlich gleich vier Spieler der Gäste völlig frei vor dem Tor von Handanovic. Den Pass in die Mitte konnte allerdings ein Inter-Verteidiger souverän per Grätsche an die eigene Torlatte klären. Um mich herum bemerkte ich allmählich leichte Besorgnis und wahrte mit Mühe einen neutralen bis beunruhigten Gesichtsausdruck. Die soeben beschriebene Szene nämlich bildete den Einstieg in eine noch spektakulärere Schlussphase.

Einen ersten Beliebtheitspunkt bei den Heimfans und der Fraktion Keltenkreuz verdiente sich der – fairerweise gesagt tatsächlich etwas unglücklich agierende – Schiedsrichter, indem er nach dem frühzeitigen Abpfiff beim Stand von 0:0 in Hälfte eins nunmehr volle fünf Minuten Nachspielzeit anzeigen ließ. Natürlich spielte dies ausschließlich Empoli in die Karten, war die Höhe des Siegs für Inter doch völlig egal und kam es doch nur noch darauf an, nicht mehr den Ausgleich zu kassieren. Das war der Mannschaft offenbar sehr bewusst, so unsicher, wie sie in den letzten Minuten agierte.

Schon in der ersten Minute der Nachspielzeit kam Empoli zu einer weiteren großen Möglichkeit, Handanovic rettete Inter erneut. Nach einer Ecke für die Gäste in Minute 94 allerdings war es dann doch ein Konter der Mailänder, der die scheinbare Entscheidung bringen sollte – war doch der gegnerische Torwart mit aufgerückt und liefen also drei Nerazzurri auf einen einsamen Verteidiger und das leere Tor zu. Einer dieser drei traf von der Mittellinie zum entscheidenden 3:1, der Schiedsrichter beendete das Spiel, ohne erneut anzupfeifen. Irgendjemand auf der Bank von Empoli sah zwischendurch auch noch Rot, vermutlich aus Gründen. Schluss also, Abstieg.

Scheinbar.

Moderne Zeiten, wie gesagt. Wo auch immer das Köln Italiens liegt, in den dortigen Räumlichkeiten hatte jemand etwas bemerkt. Das Etwas war der dritte Inter-Angreifer, der Schütze des 1:0 Keita Baldé, der nicht bloß gemeinsam mit seinen beiden Mannschaftskollegen auf das leere Tor der Gäste zulief, sondern dabei auch noch unter intensivem Einsatz seiner Hände den gegnerischen Torwart zu einer Diskussion über Sieg und Niederlage überreden wollte. Hierfür sieht das Regelwerk in derartigen Spielsituationen eine Verwarnung vor.

Ist man schon verwarnt, etwa weil man im Jubel sein Trikot ausgezogen hat, sind wiederum andere Konsequenzen vorgesehen. So auch in diesem Fall für Baldé. Statt 3:1 und Abpfiff also 2:1, Platzverweis und Freistoß für Empoli inmitten der gegnerischen Hälfte. Wäre zu diesem Zeitpunkt zufällig geplant gewesen, Monsieur Louis Le Prince, den Erfinder der Filmkamera, nach Abpfiff im Mittelkreis des Giuseppe-Meazza-Stadions mit einem Nobelpreis zu ehren, hätte in diesem Moment angesichts der leicht irritierten Stimmungslage unter den Keltenkreuzträgern hiervon abzuraten sein müssen.

8 Minuten über der Zeit brachte Empoli den Ball noch einmal in Inters Strafraum. Wieder rechte Strafraumseite, wieder der flache Pass von der Grundlinie in die Mitte – ins Leere. Eine Flanke, ein Kopfball und – Handanovic. Keine Pointe. Schluss, diesmal wirklich. Weil sich Florenz und Genua derweil auf ein 0:0 geeinigt hatten, das beiden reichte, war am Ende also doch Empoli der Verlierer und Inter der große Gewinner dieses Spieltags. Nicht jedes Drama bekommt das Ende, das es verdient. Der Sieg von Bergamo spielte am Ende für Inter ebensowenig eine Rolle wie das 3:2 des Stadtrivalen bei SPAL. Platz 4 als Resultat, den AC Milan in die Euro League verdrängt, das reichte.

Dolce

Mir blieb nicht viel Zeit, hierüber vertieft nachzudenken, musste ich doch den letzten Bus zum Flughafen Malpensa erreichen, um dort in das letzte Hotelshuttle umzusteigen. Wenn man Reisen derart ambitioniert plant, schleichen sich Nachlässigkeiten meist auf den letzten Metern ein, wie ich erst kürzlich auf der falschen Seite eines geschlossenen Gates am Flughafen von Barcelona feststellen durfte.

Ein eleganter Weg, um Sonderzüge und die damit verbundenen Umständlichkeiten zu vermeiden, ist es, die Stadionbahnhöfe einfach unmittelbar nach Spielende zu schließen. Hatte ich bei der Anfahrt noch vermutet, die entsprechenden Ankündigungen falsch übersetzt zu haben, musste ich nun einsehen, dass mein Italienisch immer noch besser ist als gedacht. Das Verkehrskonzept funktionierte in gewisser Weise – ein zweieinhalb Kilometer langer Fußweg entzerrt ordentlich, ganz im darwinschen Sinne. Immerhin wurde ich so auch diverse Keltenkreuze los.

Schlussendlich klappte auch das irgendwie alles, zu meinem eigenen Erstaunen und trotz des völlig überraschend gigantischen Staus auf der Autobahn ins Umland. Viele Verkehrsmittel, drei Städte, zwei Spiele. Zweimal Europa gesichert, zweimal abgestiegen. Bisschen Nieselregen, bisschen Drama. Ist schon mehr los, anderswo. /juli

Was bleibt

Überlassen wir die Chronik den Chronisten – sie finden sich beispielsweise hier, hier und hier. Befassen will ich selbst mich nur mit jener Farce, der ich mich am gestrigen Abend pflichtgemäß aussetzte und die den Namen „Mitgliederversammlung“ kaum verdient hat.

Um am Anfang zu beginnen: Wie der Leser weiß, hege ich neben meiner offenkundigen Vorliebe für den magischen FC auch eine gewisse Sympathie für Tennis Borussia Berlin. So weit geht die Sympathie, dass ich tatsächlich in diesem Verein sogar Aktiver bin, also in gewisser Weise die lila-weiße Botschaft über die Sportplätze der Stadt verbreite.

Oder besser: verbreitete. Denn unabhängig davon, wie lange ich mir diese Karikatur eines Vereins persönlich noch gebe, Werbung für ihn machen kann momentan kein klar denkender Mensch.

Beweisen muss ich hier nix, wenn es darum geht, wie berechtigt meine Empörung ist. Erstmal steht vieles hier zum Nachlesen, zweitens erinnere ich mich an alles. Erstes Spiel so zehn Jahre her, Regionalliga damals, geile Sache. Nicht alles toll im Verein, aber hat immer Spaß gemacht. Wegen der Leute. Wegen dieser Fans. Wegen dieser einen Sache, die den Verein TeBe ebenso ausmacht, wie sie den FC St. Pauli ausmacht, und von der ich mir wünsche, dass sie jeden Verein ausmachen möge – wegen so vieler überragender Leute, die ihren Einsatz und ihr Geld und ihre Mühe und ihr Herzblut geben und dafür nichts haben wollen außer vielleicht mal ein unverdientes 1:0 in der Nachspielzeit. Wenn es keine Umstände macht. Die sich ein Zuhause schaffen wollen, weil sie es hier gut finden. Die allen ein Zuhause schaffen wollen, weil sie Menschen mögen und ihren Verein. Und die deswegen überall, wo mich der Fußball bisher hingebracht hat, einen Namen haben. Ich muss es nicht erwähnen: Einen guten. Nun aber das.

Wie angekündigt, möchte ich mich gar nicht allzu lange mit der Vorgeschichte aufhalten, die gibt’s kompetent zusammengefasst in den Links oben. Springen wir also direkt rein in den Veranstaltungssaal des Queens 45 bc, laut Selbstauskunft eingerichtet im Stil der 20er-Jahre.

Zumindest aber springen wir vor den Saal. Zwischen ihm und mir stand nämlich eine nahezu gigantische Masse von Menschen angesichts der Tatsache, dass der Verein vor wenigen Tagen meines Wissens noch lediglich etwa 900 Mitglieder hatte. Angenehm international aber, die Stimmung, man vernahm bulgarische und gelegentlich englische Töne, durchaus schöne Sprachen. Auch die zahlreich anwesenden Vertreter der (Bau-)Arbeiterklasse, lobenswert. Eigentlich. Wenn nicht…

Ja. Wenn nicht tatsächlich der Gipfel von Dreistigkeit und Dummheit gleichermaßen damit erklommen worden wäre, wagenladungsweise bulgarische Bauarbeiter als, Entschuldigung, Stimmvieh zu einer für sie großteils unverständlichen und völlig unwichtigen Veranstaltung zu karren, um sich die eigenen Mehrheiten zu sichern. Das sind die Momente, in denen man ahnt, an diesem Abend könnte einiges etwas anders verlaufen, als man es von einem Verein mit nicht völlig durchgedrehter Führung üblicherweise erwarten würde. Und wer meint, das würde sich nun gegen bulgarische Bauarbeiter richten oder gegen Bulgaren oder gegen Arbeiter, der hat’s nicht verstanden. Es geht um Skrupellosigkeit.

TeBe hat keinerlei Stimmrechtsbeschränkungen für neue Mitglieder in der Satzung verankert. Heißt: Wer sich an einem schönen Mittwochabend in Berlin auf einem Spaziergang entlang des Messedamms ganz plötzlich ein wenig lila-weiß fühlt oder nach Feierabend noch eine nette, gegebenenfalls bezahlte, aber jedenfalls mit Freibier und warmem Buffet versüßte Beschäftigung sucht – give me your tired, your poor.

Dazu passend ein solider Block Menschen im Mittelteil des viel zu kleinen Raumes, der nahezu sämtliche Sitzgelegenheiten besetzte, dies offenbar bereits seit dem Einlass um 16 Uhr an einem Mittwochnachmittag tat und beabsichtigte, keinen Millimeter abzurücken von ihrer Okkupation des Saales oder ihrer anscheinend nicht unbedingt von Sachkunde getragenen Vorliebe für die Pläne eines gewissen Vorstandes. Unnötig zu erwähnen, dass man nahezu alle dieser Personen noch nie in irgendeinem Berliner Stadion erblickte. Na gut, Fitnessstudio ist halt auch ein zeitintensives Hobby. Bis auf gelegentliche Mitgliederversammlungen von Fußballvereinen bleiben einem da kaum Freuden. Plumper Sarkasmus? Ja. Stimmt. Aber das nehme ich in Kauf, wenn die anderen Optionen sich auf Fassungslosigkeit und pure Verzweiflung reduzieren.

Die Versammlung begann mit der Wahl ihrer Leitung. Bei Vereinen, die als Vereinszweck nicht gerade Lacksaufen in die Satzung aufgenommen haben, wird diese üblicherweise übernommen von einem verdienten Mitglied, das selbst zumindest in der betreffenden Mitgliederversammlung nicht für ein Amt kandidiert. Objektivität, Neutralität, kennt ihr. Tja, und dann gibt es noch TeBe. Was soll man sagen. Versammlungsleiter und angehender Aufsichtsrat, das macht sich halt auch verdammt gut im Lebenslauf auf der Homepage der Berliner FDP. Großzügigerweise bestimmte der Freidemokrat frank und frei einen Assistenten, der ihm wenigstens die Leitung während des lästigen ihn selbst betreffenden Wahlgangs abnehme. Unnötig zu erwähnen, dass die Versammlung zu diesem zweiten Leiter gar nicht erst befragt wurde.

A propos Abstimmungen: Das Prozedere lief der Einfachheit halber so, dass zwei Vertreter des Vorstands mit ihren Händen voll Stimmkarten vorgaben, wie die Saalmitte sich zu entscheiden habe. Dafür braucht man natürlich eine gewisse räumliche Nähe, ist klar.

Interessant übrigens auch die sonstige Sitzverteilung. Auf dem Podium Vorstand und Ältestenrat. Aufsichtsrat? Nö, warum denn. Ist ja auch wenig Platz hier. Schade eigentlich, dass es keinen Thron gab.

Irgendwas um die knapp 600 Mitglieder also anwesend. Aha. Von neulich noch 900. Hat man auch nicht alle Tage. Bei so einer Beteiligung müsste der FC St. Pauli seine Jahreshauptversammlung ans Millerntor verlegen. Aber erstens sind die Mitglieder von St. Pauli viel fauler und desinteressierter als die von TeBe, und zweitens hat St. Pauli eine Sperrklausel in der Satzung. Steht dem Leser frei, zu entscheiden, welcher Punkt zutrifft und entscheidend sein könnte.

Sodann ging es um die Tagesordnung. Die „Wahl des Aufsichtsrats“ sollte in eine „Neuwahl des Aufsichtsrats“ umgeändert werden. Ohne dazu weitschweifige rechtliche Ausführungen zu machen, die gibt’s an anderer Stelle: Das ist so weit an der Satzung und am Vereinsrecht vorbeigeschossen, wie einige Geschäftsführer einzelner Fitnessketten vom Literaturnobelpreis entfernt sind. Natürlich kann man einen Aufsichtsrat nicht neu wählen, wenn da noch Leute sitzen. Natürlich kann man das auch nicht per Änderung der Tagesordnung beschließen, dass man das wolle. Natürlich kennt die Satzung auch hierfür Regelungen, und natürlich war Hochwürden Versammlungshalbleiter der Auffassung, über Dinge wie eine Satzung könne man streiten, da würden die einen so sagen und die anderen so und am Ende müsse man einfach auch mal sein Ding durchziehen. Wiederum unnötig zu erwähnen: Bulgarien vergab alle 12 Punkte an unseren Künstler vom Vorstandstisch und das Teil stand dann plötzlich ernsthaft so in der Tagesordnung.

Was dort nicht stand, wohl aber im Protokoll der letzten Versammlung, waren ganze übernommene Textpassagen vom Protokoll der vorletzten Versammlung, dummdreisterweise sogar inklusive deren Endzeit. Ganz der allgemeinen Endzeitstimmung entsprechend, vertagte wer-auch-immer den Tagesordnungspunkt der Protokollgenehmigung souverän auf wann-auch-immer.

Derweil im Internet: Der Hashtag #tebemv kletterte und kletterte bis auf Rang 1 der Twitter-Trends, wo er für den Rest der Nacht die Stellung halten sollte. Schätze, ungefähr so hat man sich das mit der Werbung für den Verein vorgestellt. Ein Glück aber auch, dass es angeblich keine schlechte Publicity gibt, denn sonst gäbe es jetzt ganz schön viel schlechte Publicity. Nicht nur bei Twitter.

Jedenfalls bangten und litten Fans aus ganz Deutschland mit uns im Raum, die wir uns ganz allmählich von jeglicher Realität entfernten, um wenigstens noch auf den Spuren der Vereinsführung zu bleiben. Pöbeleien aus dem spontan von TeBe überzeugten Block, Unruhe allerorten, der Stil der 20er schien sich in einer epochentypischen Saalschlacht zu manifestieren (Credits für diesen Satz an duweißtwen).

Derweil wurde, seitens der aktiven Fans dankenswerterweise auch auf bulgarisch, berichtet. Tischtennis läuft wohl ganz gut, Fußball ist okay, schöne Sache. Eigentlich ja das Wichtige in so einem Verein, aber wie soll man sich darauf in einer derartigen Situation noch konzentrieren? Ich kann es nicht, ich will es auch nicht. Der Trainer der ersten Mannschaft allerdings hätte es wohl besser mal tun sollen. Schweigen kann eine Tugend sein.

Der Bericht des Aufsichtsrats war vernichtend. In klaren, ruhigen Worten alles auseinandergenommen, was dieser Vorstand in den letzten Jahren angestellt hat. Und das in wesentlich weniger als den 2 bis 732 Stunden Redezeit, die die meisten von uns dafür wohl brauchen würden. War auch ein bisschen überzeugender als der nachfolgende Bericht des kommissarischen Aufsichtsrats, der vor allem daran krankte, dass es ihn überhaupt nicht gibt. Kein weiteres Wort hierzu, man muss das Erfinden von Gremien nicht auch noch unterstützen.

Dann endlich sprach der größte Fitnessunternehmer aller Zeiten. Er committete extrem fancy im standing seiner supporters, oder so. Der Kerl könnte von mir aus auch Latein reden. Das Gute an so’ner Redeweise ist ja, dass sie meistens von Leuten betrieben wird, denen man eh nicht zuhören will. Es ist, das muss ich hier noch mal extra betonen, extrem bedauerlich, wenn dann so einer das vereinsrechtliche Mikro in die Hand gedrückt bekommt. Und das war nun wirklich unermesslich nett ausgedrückt. Verstanden hab ich nur, dass der Verein ordentlich abgewickelt werden soll, sobald er mal weg ist. Warum man das dann machen soll, weiß ich nicht. Aber gehen kann er gerne.

Sodann wurde über die Berichte abgestimmt. Warum, wusste jetzt auch keiner so genau. Vermutlich sollte die Versammlung entscheiden, ob sie der Auffassung war, dass es sich um Berichte gehandelt habe. Und bei einem Nein hätten dann alle noch mal einen Versuch gehabt. Diese Aussicht war hinreichend abschreckend, repulsive oder halt auch спирачка, wenn man Bulgarisch bevorzugt. Also gab es ein Ja der Versammlung fürs Berichtsein der Berichte. Schon wieder diese Identitätspolitik beim Fußball, schlimm.

Weil eh schon alles egal war, wurde zum Auftakt der Aussprache dann noch ein offener Brief verlesen. Sachen vorlesen bringt immer Stimmung in die Bude. Nicht, dass das so vorgesehen wäre, aber hey. Nach diesen etwa fünf enthusiastischen Minuten erwog man dann im Club der Versammlungsbegleiter irgendwie kurz, angesichts der Unmengen von Wortmeldungen (fünf) die Redezeit auf zwei Minuten zu beschränken. Wurde wahrscheinlich aber dann doch nicht gemacht, so genau weiß das alles keiner. Vielleicht hätten auch alle einfach nach zwei Minuten mit Zuhören aufhören müssen oder so. Ich bin da auch nicht so drin, mit Satzung. Einfach Ding durchziehen und Feuer frei.

Schicke Männerrunde in der Aussprache. Die einzige Frau mal wegbuhen, nachdem die Versammlungsentgleitung dafür schon die Vorlage liefert, kann man machen. Und dann nix davon gemerkt haben wollen. Oder wie Fitnessmensch zuvor sagte: Wir sind hier nicht in Leipzig. Nee, stimmt. Wirkt eher wie Cottbus.

Die immer wieder aufkommenden Tumulte sorgten dann auch dafür, dass 15 bis 20 Vertreter der Staatsmacht vor dem Gebäude aufzogen. Kann aber auch sein, dass die noch in den Verein eintreten wollten. Wer weiß das in diesen kalten Zeiten schon.

Gewählt wurde tatsächlich auch noch. Dann aber doch nicht der ganze Aufsichtsrat, sondern nur eine Nachwahl. Anscheinend hatte zwischendurch mal irgendjemand Verantwortliches – und nein, ich habe keine Ahnung, wer das gewesen sein könnte – so etwas Ähnliches wie einen nüchternen Moment. Also. In einem komplett sinnfreien System kurz mal Zettel gegen Zettel getauscht, und schon konnte es losgehen.

Das Ärgerliche an der bulgarischen Sprache ist ja, dass sie meines Wissens auch ein anderes Alphabet hat. Man musste also auf dem Stimmzettel ein wenig Ordnung schaffen, womit „man“ wie immer bei dieser Veranstaltung so ziemlich alles und jeden meinen kann. Alphabetische Sortierung der vorgedruckten Namen kam deswegen nicht so gut, da wäre dann ja alles durcheinander. Also halt einfach nach Eingang der Kandidatur. Naja, angeblich zumindest. Im Ergebnis ganz simple Anleitung: Die obersten fünf, und dein Vorstand ist stolz auf dich.

Da man blöderweise zuerst sieben Kandidaten hatte, man wollte ja eigentlich alle sieben Posten neu besetzen, zogen schnell noch zwei zufällig ausgewählte Topperformer ihre Kandidatur zurück – und zwar jeweils im Rahmen ihrer dadurch wahnsinnig sinnvollen Vorstellungsrede, aber wir haben ja keine Zeit. Wobei „zufällig ausgewählt“ auch nicht ganz stimmt, denn es waren auf dem Stimmzettel natürlich die Kandidaten auf den Plätzen 6 und 7. Demokratie, ein schwieriges Geschäft.

Während die Zählkommission sich an die Arbeit machte, kam die Versammlungserheiterung zum Tagesordnungspunkt „Anträge“. Da gab es zwei. Satzungsändernde Anträge, die der Einladung nicht beigefügt waren. Damit unzulässig. Schade, denn so konnte man nicht mehr wirklich zum Inhalt kommen.

Der eine wollte den Begriff der Minderheit, die eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen kann, auf mindestens 50 % der Mitglieder definieren – glücklicherweise gelang es dem Verfasser, irgendeine Minderheit oder Mehrheit seiner intellektuellen Kapazität zu nutzen und den Antrag zurückzuziehen. Sympathisch fände ich ja, wenn es bei Mitgliederversammlungen wie bei Gericht eine Kostenentscheidung gäbe und so ein Quatsch dann halt auch einfach mal teuer wird. Passt doch ins neue Vereinskonzept.

Der andere wollte das anscheinend für einige wenige Vorstandsvorsitzende rechtlich völlig unklar und total nebulös formulierte Vorschlagsrecht des Ältestenrates zur Wahl neuer Aufsichtsräte dadurch ersetzen, dass der Ältestenrat diese Aufsichtsräte künftig einfach gleich selbst be- und ernenne. Tja, so ist sie halt, die Demokratie, um es mit den Worten des Verleitungssammlers zu sagen.

War leider auch eh unzulässig und außerdem schon zu spät und eigentlich auch alles zu albern angesichts der stabilen Mehrheitsverhältnisse – die nach der Wahl unverzüglich den Ort des Geschehens verlassen hatten – und also ganz okay, auch das Ding zurückzuziehen. Hab ich das mit der Kostenentschei…? Ja, hab ich.

Dann gabs noch Sonstiges. Der Versammlungsentgleiste wollte wissen, ob der Jens noch irgendwas machen will. Wollte der Jens nicht. War also Schluss. Schluss? Naja, da fehlte ja noch ein Wahlergebnis.

Der Vergeltungsgleiter schlug vor, man könne ja erstmal die Sitzung schließen und sich dann alles über Facebook und so zusammendiagnostizieren. Für diese Idee war der Raum jedoch nicht mehr hinreichend bulgarisch. Wenn man offenkundig verarscht wird, ist ja schließlich die Auflösung auch irgendwie spannend. Schließlich kommt vielleicht irgendwann doch noch Kurt Felix aus der Ruine eines Fußballvereins hervorgesprungen und fragt, ob wir Spaß verstehen und überdies eigentlich noch alle Latten am Zaun haben.

War aber nicht so. Die Ergebnisse kamen, während die Uhr sich der 1 annäherte und außer dem Vorstand und Konsorten tatsächlich quasi nur noch Leute im Raum waren, denen der Verein wirklich am Herzen liegt. Und die Ergebnisse, sie waren nicht so, dass ich darüber reden möchte.

Ebensowenig, und da schließt sich der Kreis, wie aktuell über TeBe. /juli

Wie es den Elefanten geht

Faro mag den meisten Fußballfans meiner Generation insbesondere als der Ort im Gedächtnis sein, an dem sich Schweden und die Niederlande im Sommer 2004 ein eng umkämpftes EM-Viertelfinale lieferten, aus dem die Niederlande als Sieger hervorgingen, nur um vier Tage später mit einer Niederlage gegen den Gastgeber das Turnier zu verlassen. Niemand hat behauptet, dass Siege im Fußball eine sonderlich langlebige Angelegenheit wären.

Ebenso kurzlebig ist der Glanz, die Aura, die die Spielstätten jener Turniere umgibt, in vielen Fällen. Insbesondere die WM 2010 in Südafrika prägte das Wort vom „weißen Elefanten“, jenen architektonischen Wunderwerken, die nach wenigen Wochen Ruhm, unbeachtet von der weiten Fußballwelt und ungenutzt von der lokalen, langsam verfallen. Auch das Estádio Algarve, gelegen zwischen den Städten Faro und Loulé, schien mir ein solcher Ort zu sein. Jedenfalls die gängigen Nachschlagewerke führten als aktuellen Nutzer einerseits die Nationalmannschaft von Gibraltar auf, andererseits einen mir unbekannten Verein namens Olhanense. Olhanense selbst wusste davon nichts.

Erst in Faro angekommen, konnte mir die an dieser Stelle vorbehaltlos empfohlene App „Groundhopper“ Auskunft geben: Sonntag. 15 Uhr. Dritte portugiesische Liga. Louletano DC gegen Vasco da Gama Vidigueira. Eine heiße Schlacht um die Plätze kurz vor dem Tabellenende. Das klang nicht nach einem Spiel, das ohne meine Anwesenheit auskommen müssen sollte.

Die Einbindung des Estádio Algarve in den öffentlichen Nahverkehr der Region entspricht seiner Bedeutung. Leider nicht der damaligen, sondern der heutigen. Mit anderen Worten: Es gibt sie nicht. Nach einer Diskussion mit einigen Schwierigkeiten, die sich wie üblich um die Fragen drehten, wohin ich wolle, ob ich das ernsthaft wolle, warum ich das wolle und ob ich das ernsthaft aus diesen Gründen wolle, hielt ich endlich eine Busfahrkarte bis zum örtlichen IKEA in der Hand. Mir war versichert worden, von dort sei das Stadion mehr oder weniger fußläufig erreichbar. Möglicherweise war mir auch versichert worden, es gebe dort ganz ausgezeichnete Regale. Ganz so genau weiß ich das nicht, mein Portugiesisch ist nur unwesentlich besser als das Schicksal des Estádio Algarve.

Diesen mutmaßlichen Racheakt der Schweden für ihr eben bereits erwähntes Ausscheiden erreichte ich allerdings nicht ganz, in einer Anwandlung von heillosem Optimismus verließ ich den Bus kurz davor. Meine Aufzeichnungen verrieten mir, ich befände mich nun so nah am Estádio Algarve, wie mich irgendein von Menschenhand erschaffenes Nahverkehrsmittel bringen könne.

Mitten auf einer reichlich staubigen, reichlich einsamen Landstraße, misstrauisch beäugt von demjenigen Einheimischen, der an diesem Tage dafür abgestellt worden war, Neuankömmlinge misstrauisch zu beäugen. Das Stadion fest im Blick, unternahm ich den Versuch, ihm näher zu kommen. Dem Stadion, nicht dem Einheimischen.

Mein Versuch scheiterte glanzlos. Ich folgte dem Weg in die grobe Richtung des Stadions für einige Meter, als ich bereits lautes Bellen aus allen Richtungen vernahm. Der erste Vertreter dieser in meinen Augen leicht überschätzten Gattung Haustiere sprang mühelos über jenen Zaun, den ich kurz zuvor noch als beruhigend empfunden hatte. Nahe dem Horizont sah ich, dass mehrere, wesentlich größere Exemplare sich anschickten, es ihm nachzutun. Das wirkte, als könnten dies zwanzig sehr lange Minuten werden.

Mit Krokodilen kann ich ja, siehe Südafrika. Aber Hunde sind nicht so meins. Ich kehrte um und versuchte, nicht darüber nachzudenken, welch erbärmliches Bild es abgeben würde, würde ich diesen Umstand später wie gewohnt akribisch an dieser Stelle dokumentieren. Allerdings nahm ich mir vor, mich künftig schwerer zu bewaffnen. Insbesondere mit Ködern. Gruß an dieser Stelle an meinen Mitreisenden in spe – vorwärts immer! Ich komm dann nach.

Die Segnungen der Zivilisation holten mich fünf Minuten später von dieser gottverlassenen, hundeverseuchten, staubigen Landstraße ab und brachten mich für einen nicht nennenswerten einstelligen Betrag bis vor die Tore des Stadions. Das mag dem Anspruch an die Romantik der Wildnis widersprechen, den mancher Leser an dieser Stelle nun hegen mag, nicht aber meinem Bedürfnis nach Fußball ohne Bisswunden. (Also, bei mir.)

Wohl aus Respekt gegenüber sämtlichen Bezwingern der lokalen Wildhunde verzichtete der Heimverein auf einen Ticketverkauf. Im Gegensatz zu einigen anderen Erfahrungen, die ich in solchen Situationen in der Vergangenheit bereits machte, wurde man allerdings dennoch ins Stadion gelassen. Glücklicherweise sogar mit einer mehr oder minder ausführlichen und mehr oder minder portugiesischen Wegbeschreibung, denn einfach war das nicht.

Nach diversen Treppenaufgängen und verschlossenen Türen stand ich schließlich vor der Ehrentribüne. In der Loge zu meiner Rechten fand ein ein reichlich dubioser Cocktail aus Wahlkampfveranstaltung, Weihnachtsfeier, Vorstandssitzung und Goldhochzeit statt, dessen Klänge, wie ich sogleich feststellen sollte, glücklicherweise auch in voller Lautstärke über die Stadionlautsprecher in den Innenraum übertragen wurden. Nur angemessen allerdings, schließlich zählte diese Veranstaltung fragwürdiger Art mehr Rentner als das Spiel selbst Zuschauer.

Da die Loge dementsprechend besetzt war, nahm ich gezwungenermaßen auf der Ehrentribüne Platz. Während ein blaues Kunstlederderivat meine Körperrückseite umschmeichelte – wie einst die von Sepp Blatter – versuchte ich, herauszufinden, wer denn in welcher Farbe spielt. Wie einst Sepp Blatter. Das Spiel gab den grob geschätzt 200 Zuschauern allerdings nicht viel Anlass, mir zu zeigen, wem die Mehrheit anhing und bei wem es sich demzufolge vermutlich um das Heimteam handeln dürfte. Es mag allerdings denkbar sein, dass ein Großteil der Anwesenden lediglich Schutz vor wilden Tieren suchte oder in Kleingruppen diskutierte, wem ihre Stimme bei der nebenan mutmaßlich stattfindenden Wahl des lokalen Karnevalsdiktators gehören solle.

Durch aufwändige Analyse einiger Fanschals fand ich schließlich Folgendes heraus: Rot – Louletano DC. Grün – Vasco da Gama Vidiguera. Dies erklärte auch, warum derartig viele Spieler der in grün spielenden Mannschaft über ihrer Nummer den Nachnamen „Vidiguera“ tragen, wie mir soeben beim Schreiben dieses Artikels auffällt.

Letztlich war das relativ egal, denn auf ungefähr unterem Regionalliganiveau neutralisierten sich beide Teams derartig inbrünstig, dass der Schiedsrichter schließlich entnervt entschied, allen Anwesenden eine längere Erfrischungspause zu genehmigen. Guter Mann. Fraglich bloß, ob sich in diesem Stadionzombie Erfrischungen auftreiben ließen.

Unmittelbar nach der Pause zeigten die Gastgeber dann doch ihre Qualität. Eine schnelle Kombination über links – zu schnell für mich, der ich gerade wider Erwarten doch noch einen Bierstand entdeckt hatte – führte zum Abschluss und der wiederum zum Tor. Kurz darauf fasste sich ein weiterer Spieler der Heimmannschaft ein Herz und jagte den Ball aus rund 20 Metern zum Doppelschlag unter die Latte. Ohne noch mehr in Kicker-Prosa verfallen zu wollen: Das war wohl die Vorentscheidung.

Die Gäste fanden nicht ansatzweise ein Mittel, während ihre Gegner beim Scheitern an Pfosten, Latte und eigenen Extremitäten nunmehr teils erstaunliche Slapstick-Qualitäten bewiesen. Um zumindest in dieser Kategorie ebenfalls ein Zeichen zu setzen, entschied sich der technisch im Übrigen auffallend begabte Kapitän der Gäste, nunmehr jedes Mal, wenn ein Gegenspieler seine Kreise störte, mit beiden Händen nach ihm zu schlagen. Der Schiedsrichter goutierte dies nicht, was dazu führte, dass er einen Funktionär ungeklärter Funktion aufgrund dessen lauter und nachhaltiger Beschwerden über die mangelnde Achtung gegenüber den Kampftechniken seines Spielführers auf die Tribüne verwies. Sprich, einen halben Meter nach hinten.

So klang das Spiel allmählich aus, seine Highlights jeglicher Natur hatte es nun endgültig aufgebraucht. Tatsächlich noch mehr zu erwarten, hätte vermutlich geheißen, die dritte portugiesische Liga doch ein wenig zu überschätzen. Insgesamt aber konnte ich mich über mangelnde Unterhaltung keineswegs beschweren.

Überwältigt vom eben Gesehenen und dem Bier für einen Euro stolperte ich gen algarvischen Sonnenuntergang, begleitet von den, wie ich befürchte, völlig ironiefrei gemeinten Klängen von Nelly Furtados EM-Hymne „Forca“. Immerhin die Lautsprecher: Ganz nah an der Weltklasse! Sollte der magische FC einmal auf dieser Position aufrüsten wollen, sollte er ernsthaft darüber nachdenken, den Kadaver dieses weißen Elefanten auszuweiden. Nur bitte ohne Nelly Furtado.

Auf der Rückfahrt, diesmal vorausschauend direkt unter Vermeidung der Hunde gebucht, ließ ich mir diverse interessante Details der lokalen Shopping-Mall erläutern. Da es mich bereits in wenigen Stunden nach Lissabon zieht, werde ich, so fürchte ich, hierüber an dieser Stelle nicht mehr näher berichten können. Vielleicht aber demnächst in meinem Shopping-Blog. Irgendwie muss sich der Quatsch hier ja zu Geld machen lassen, hat beim Fußball schließlich meines Wissens auch ganz gut geklappt. Bleiben Sie dran, es folgt die Champions League! /juli

Andererseits.

Zu langes Schweigen, zugegeben. Und angesichts des Derbys noch nicht einmal Befriedigung. Wäre ich Dienstleister, wäre ich kein guter. Da ich tatsächlich Dienstleister bin, ein schwacher Versuch hiermit, in puncto Fußball. Oder: Soccer. Und anderem.

Denn ich grüße, oder vielmehr: grüßte aus einer ganz neuen Welt. Einer Welt, in der Erzgebirge Aue eine vermutlich eher untergeordnete Bedeutung hat, doch dazu später. Einer Welt, die meine Liebe nicht kennt. Oder vielleicht doch, aber bloß zeitversetzt. Bitte – kommt mit.

In den Straßen der Bronx

JFK, mein Flug fliegt ein. Gut, mal hier zu sein. Ich bin orientierungslos, wer wäre das nicht? Hey – das ist immerhin New York. City, Alder. Irgendwie diverse Stunden fern der Heimat, ziemlich weit weg von Zuhause. Aber das ist okay. Was man hier zuerst macht, sind die Standards. Sprich: Auf Häuser klettern. Die sind hoch, das ist beeindruckend, die Sicht ist gut, wir sind alle relativ winzig. Tolle Sache.

Den Rest von dem Quatsch kennt auch jeder, deswegen mache ich hier einfach einen Absatz.

Im Prinzip läuft vieles in dieser Stadt darauf hinaus, dass wir winzig sind. Was dieses Europa ausnahmsweise gut kann, nennt sich dort Soccer. Das kann, so viel sei vorausgeschickt, New York nicht viel besser als der Rest des Landes. Ich meine, Soccer, hey… nun gut. Besser noch ein bisschen New York.

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Aber nur ein bisschen.

Netterweise findet sogar diese Randsportart Soccer in einem Tempel des lokalen Sports statt. Dort, wo die Yankees üblicherweise die World Series sichern, dürfen gelegentlich auch Amateursportler unterschiedlicher Provenienz ihr Glück ohne Schläger versuchen.

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Stars über ihrem Zenit, mal wieder. Ähnlich wie damals in Mbombela, als es mir vergönnt war, Didier Drogba zum ersten (und glücklicherweise letzten?) Mal in meinem Leben zu sehen. Den Link zum entsprechenden Artikel erspare ich (insbesondere) mir. Die Drogbas dieser Tage hießen Rooney und Villa. David Villa, der den beeindruckenden und überdies auch auf der Leinwand des Yankees Stadium mehrfachst eingeblendeten Rekord innehat, der erste Spieler gewesen zu sein, den der dort wahnsinnig heimische und extrem traditionsreiche New York City FC (nachfolgend NYCFC oder ähnlich) jemals unter Vertrag genommen hat. Wayne Rooney auch anwesend, vermutlich für den Traditions-Soccer-Club DC United. Über den habe ich nun nicht weiter recherchiert, warum auch.

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Man hat in den US of A eine Form des Soccer erfunden, die uns so bislang unbekannt war. Es spielt sich alles, so es sich überhaupt abspielt, in der Offensive ab. Alles, was mit Arbeit oder Taktik oder Konzept zu tun hätte, ist in den Football gewandert, zu dem wir gleich kommen. Jedenfalls waren die Stars beteiligt, was nur angemessen ist. DC United ging in Führung im Wesentlichen aufgrund einer mittigen Freistoßvorlage des Herrn Rooney, deren Birnbaumsche Kopfballvollendung niemand in Reihen des NYCFC zu verhindern wusste. Steve Birnbaum übrigens, sofern Scouts sogar hier unterwegs sein sollten.

 

Spät, aber gelungen erinnerte sich David Villa daran, wer er ist. Per Freistoß. So als erster Spieler aller Zeiten ist es nicht falsch, gelegentlich Zeichen zu setzen. Insbesondere nicht fünf Minuten vor Schluss. Mehr passierte schließlich auch nicht. Ein 1:1, also ein dem US-Sport eigentlich eher ungeläufiges Ergebnis, stand am Ende für den NCY… NYF… NYF…. für New York… und auch für DC zu Buche.

Big Fucking Giants

Für Football ist letztlich kein Weg zu weit. Das gilt im Zweifel auch für die Giants, und zwar sogar dann, wenn sie im strömendsten Nieselregen mitten in New Jersey die Jags erwarten. Dass das im besten Fall ziemlich blöd wird, war klar. Es wurde sogar noch etwas blöder.

New Jersey ist teilweise ganz schön weit weg, und bei den Giants ist es teilweise ganz schön nass. Es mag empfehlenswert sein, sich den Eintritt zu sparen und lieber auf dem Parkplatz, möglicherweise etwas trockener, Teil der Party zu sein.

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Einer Party, die es im Stadion ohnehin nicht gab. Dafür war Eli Manning mal wieder zu nervös, dafür die Defense der Jaguars zu solide. Dafür brauchte es keinen Blake Bortles in Bestform, dafür reichte sogar einer in Schlimmstform. Fußb… Socc… Foot… Socc… nee, Football in ganz schlimmer, aber außerordentlich teurer Weise.

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Beruhigend immerhin, dass hier alles anständig läuft. Das MetLife hasst Gepäck und mag Ausländer. Jedenfalls, sofern sie entweder keinen Alkohol kaufen oder bei der Bierbestellung das Formular für Alkoholerwerb von Nicht-US-Bürgern ausfüllen. Selbstverständlich mit Passnummer, Alter und der deutlichst erklärten Versicherung, Alkohol auch im Heimatland erwerben zu dürfen. Da kann nix mehr passieren. Widmen wir uns besser der Schönheit der Landschaft.

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Ein zweites Bier erwirbt man trotzdem nicht zwingend, zumal der gängige Kurs von $ 11 für ein Bud Light nicht unbedingt überzeugt. Dass Bud Light generell nicht überzeugt, geschenkt. LaGuardia, Flug nach…

Windy City

Chicago. Al Capone. Mafia. Dings. Baseball. Die Chicago Cubs, hörte ich, spielten nahezu neben meinem Hostel, ähem, meiner Herberge am Abend meiner Ankunft gegen die Milwaukee Brewers. Zwar eine merkwürdige Sportart, dennoch ein Topspiel, so viel erfuhr ich ebenfalls. Zwischen mir und dem Spiel stand nur Chicago. Und eine Pizza, aber das darf man nicht unterschätzen.

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Das Wrigley Field erscheint Legende, und das wohl nicht zu Unrecht. Ein wunderbares Stadion, wenn auch für den falschen Sport.

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Insbesondere an diesem Abend würden mir wohl ausnahmsweise auch die Cubs-Fans Recht geben, denn sie verloren tatsächlich gegen die Brauerei-Werkself. Die mit Elf so wenig zu tun haben dürfte wie mit der Brauerei, aber man kann nicht von jedem Sport Ahnung haben, schätze ich.

Ach so, ach ja – Chicago:

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Ziemlich nett, im Großen und Ganzen. Sollte man mal für die Cubs anreisen, sollte man eventuell noch einen Tag für die Stadt einplanen.

Interlude I – Mais, wie man weiß

In Chicago beginnt der California Zephyr. Der, wie der Name sagt, ein Zephyr nach California sein mag. Oder auch, bescheidener formuliert, ein Zug von Ost nach West. Einsetzend an prominentem Ort. Endend irgendwo bei San Francisco.

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Zwischen Chicago und Denver liegt Mais. Viel Mais.

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Der Mais heißt Illinois, Iowa und Nebraska. Manche sagen Great Plains dazu. Plains ist korrekt, über Great kann man streiten. Jedenfalls gibt es auch dort eine Nacht, die ohne weitere Fragen hereinbricht. Und das dann doch in schönster Weise.

Mile High Heat

Denver. Home of the Broncos, im Wesentlichen.

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Nebenbei auch mitten in den Rocky Mountains. Und außerdem das Freiburg der USA, die Stadt mit den meisten Sonnentagen des Landes nämlich. Dazu noch den sonnigsten davon, wie Denver auch an jenem Tag zu zeigen beliebte. Weit über sämtlichen Grad Fahrenheit, die mir bekannt sind. Was lag da näher, als, direkt nach der Ankunft, an einem Freitagmittag das Coors Field aufzusuchen? Okay, zugegeben – der in Colorado völlig legale Begrüßungsjoint neben dem Bett wäre auch eine Option gewesen. Aber: Coors Field.

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Coors ist übrigens ein im Wesentlichen trinkbares Bier, und auf dem danach benannten Feld spielte ein im Wesentlichen unterstützbarer Club namens Colorado Rockies gegen die Arizona Diamondbacks.

 

Entscheidend war vor allem, auch angesichts des Wetters, dass die Rockies mindestens sieben Punkte holten, denn dies würde uns alle am nächsten Tag in lokalen Taco-Bell-Filialen in ungeahnte Genüsse zu unglaublichen Preisen stürzen.

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Das gelang.

Interlude II – Hoch wie nie

Der California Zephyr tat weiterhin sein Bestes. Das ist, grundsätzlich gesagt, nicht viel.

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Was aber auch Fahrplanstörungen niemandem nehmen können, ist die unfassbare Schönheit der Rocky Mountains.

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Und so ging es bis in die Hauptstadt einer Kirche, die kein Mensch für relevant erachtet.

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Nein, nicht bis ans Millerntor. Wenngleich sogar das hier wahrscheinlich nicht für allzu relevant erachtet worden wäre.

Was würde Jesus tun?

Ungeachtet aller Verspätungen kamen wir in Salt Lake City an. Immerhin um 2 Uhr morgens, also mehr als drei Stunden vor dem Versuch des magischen FC, auch in Aue ausnahmsweise nicht völlig blamabel zurückzubleiben.

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Es war ein untauglicher Versuch, das wissen wir inzwischen alle. Dennoch möchte ich den Charme eines Fußballspiels meines Vereins, per zweifelhaftem russischem Stream über ein sehr zweifelhaftes W-LAN eines mehr als zweifelhaften Motels übertragen, nicht missen.

Oder in diesem Fall vielleicht doch. Jesus hätte übrigens ausgeschlafen, sagte mir das Buch Mormon. Es folgen unfassbar tolle Bilder – beispielhaft festgemacht an einem unfassbar tollen Bild – eines ziemlich sinnlosen Sees, aus dem man nicht mal trinken kann. Daher der Name der Stadt.

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Aber sieht schon super aus.

Interlude III – Durch die Wüste

Auf Salz folgt was anderes, allgemein bekannt. Nicht dass Amtrak oder der California Zephyr an dieser Stelle allzu sehr zu loben wären, aber sie haben für einen fragwürdigen Zug jedenfalls ein günstiges Umland gewählt.

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Was am Ende dieses Umlands liegt, ist Emeryville. Und Emeryville interessiert auch eigentlich niemanden. Deswegen hier eine völlig andere Stadt.

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From Coast to Coast

Was dahinter liegt, ist San Franciso. Und daneben der Pazifik. Dass dieser Landstrich eine gewisse Schönheit hat, möchte ich nicht bestreiten.

 

Nichtsdestotrotz gab es dort auch Sport. Die Oakland Athlethics, landläufig bekannt als A’s, trafen auf die Los Angeles Angels, landläufig vermutlich gar nicht bekannt. Oakland ist eine charmante Stadt nahe San Francisco, ebenfalls in der Bay Area gelegen, mit einem modernen und einladenden Stadion.

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Kurz und gut, da ich von dem Sport an sich nach wie vor keine Ahnung habe: Ich sah, selten genug, einen Heimsieg. Einen für meine Begriffe überzeugenden.

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Allein die Tatsache, dass dort California Kölsch (Schrägstrich Kolsch) ausgeschenkt wird, sollte im Übrigen jeden meiner Leser spontan zum Fan der A’s werden lassen.

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Dass San Francisco großartig ist, bedarf keiner weiteren Erwähnung. Besonders für jemanden wie mich.

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In entsprechend angenehmer Gesellschaft aufwachend, durfte ich daher noch den Magischen FC erneut begrüßen, der sich diesmal um 9:30 Uhr aus mir unbekannten Gründen in Ingolstadt abmühte. Schön ist auch anders. Vielleicht sollte man das ganze Franchise nach Kalifornien verlegen.

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Wenn das der Plan ist: Nehmt mich mit, scheiß auf Derby. Ach, ist schon vorbei? Dann wars offenkundig egal. Oder ich schreib noch was drüber. /juli