Bomber Harris?

Aus aktuellem Anlass einfach mal eine Sammlung von schönen Bildern, die mir Google auf Anhieb zuführte. Da ich die Arbeit von Fotografen und Medien prinzipiell wertschätze, gibt es nur die Links. Nämlich hier:

Hier gehts um Leipzig.

Auch Frauen werden wahrgenommen.

Manchmal vielleicht ein klein wenig eindimensional.

Oder auch nur auf ihren Beruf reduziert.

(Oh, das ist Aachen. Aber geglaubt hättet ihr mir das, oder? Alternatives Dynamo halt.)

Aber hey!

Und hätten Letzteres eure und unsere und meine Großeltern auch so gesehen, vielleicht hätte insgesamt weniger gebrannt. Man möge mir diesen Vergleich, der bei weitem keine Gleichsetzung ist, verzeihen, aber das ist wie mit Spielen am Millerntor: Manche lernen daraus, einige brauchen etwas länger, andere sehr lang und… Dynamo. /juli

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Ich hab noch einen Koffer in…

Nürnberg? Ich habe zwei Geschichten zu erzählen!

Nummer eins. Es war März. Es war 2011. Wir standen in Berlins Mitte, so dort platziert, als hätte der Erzähler einer späteren Welt uns genau dorthin gewünscht. Wochenendticket, Regio. Nürnberg ist östlicher, als man das von Hamburg aus oft denkt. Und damit gedanklich näher.

Plauen. Gibt es auch. Klingt nach spontanem Unwohlsein, womit das lokale „Sternquell“ auch recht treffend beschrieben ist. Zugfahrt. Kennt man. Keine weitere Beschreibung wert. Nur erwähnt, weil ich an noch keine Zwischenstation auf einer Auswährtsfahrt jemals so wenig denken wollte wie an diese.

Nürnberg, um damit zu beginnen, lag damals in der Bundesliga. Der magische FC auch, halbwegs. Nach dem Derbysieg taumelnd, wenn nicht selbstvergessen, versuchte man, die historische Dimension dieses Ereignisses nicht durch weitere Punktgewinne in dieser Liga zu unterminieren. Von diesem Projekt begeistert, hatten wir uns unsere Tickets natürlich längst gesichert.

Gleiches taten die lokalen Ordnungsbehörden an der ersten zuständigen Raststätte mit demjenigen, der diese unsere Tickets in Händen hielt – ihn sich sichern. Kurz gesagt: Tickets weg, wir in Franken. Spricht dennoch für einen Besuch am Stadion des lokalen Bundesligisten, bekanntlich in einem wunderbaren Naherholungsgebiet gelegen. Irgendwas mit Reich.

Dieses Naherholungsgebiet inzwischen recht verspätet betretend, vernahmen wir, offenbar doch ein wenig spät dran, nicht nur den Anpfiff, sondern auch direkt in Folge ein einprägsames Beispiel des örtlichen Liedguts, genutzt zum Feiern von Torerfolgen. Einprägsam schon deswegen, weil wir auf halbem Wege um die Kurve daran erinnert wurden, wie sich ein solches Nürnberger Tor nun anhören möge. Und vor dem Eingang zum Gästeblock, sicher ist sicher, auch noch einmal.

Angesichts der bislang gespielten 15 Minuten waren wir frohen Mutes, dass die Magischsten der Magischen ohne größere Probleme mindestens vier oder fünf in Franken niemals besungene Tore würden beisteuern können, und zahlten deswegen anstandslos die für dieses einmalige Erlebnis wie ein Scherz anmutenden 27 Euro für einen Sitzplatz.

Der Rest der Geschichte dürfte den Älteren bekannt sein. Der erste Schritt zum Klassenerhalt war getan mit diesem 0:5 in Nürnberg.

Der erste Schritt zur Rückreise wiederum nicht (oder auch: in gleichem Maße). Ein wesentlicher Nachteil dieses Wochenendtickets besteht darin, dass es lediglich sehr begrenzte Optionen eröffnet. Unsere führte offenbar nach Halle. Über das allseits bekannte Großheringen. Eine Stadt, die neben dem Bahnhof aus einigen protofaschistischen Karnevalsfeiern und einem mysteriösen Industriegelände bestand. Jeder, der einmal an einem Samstagabend in Friedrichshain war, wird wissen, wovon ich rede.

Dennoch kam irgendwann überraschend doch noch ein Zug, der uns hiervor errettete. In das bereits einmal zu oft erwähnte Halle. Ein reichlich relativer Begriff von Rettung, aber der einzige verfügbare. Nicht der allerbeste Ort, um als St.-Pauli-Fan noch ein Bier zu trinken. Ein Bier, das für sechs Stunden reicht.

Wir taten dies in einer anonym bleiben wollenden Mönchengladbach-Fankneipe, die uns, als sie ihre eigene Existenz nicht mehr ertrug, in den „Dschungel“ verwies – also in die offenbar einschlägige Großstadtdisko. Sofern der geneigte Leser nach einem wirklich intensiven Gefühl von Einsamkeit sucht, sei ihm die Toilette einer Hallenser Disko im St.-Pauli-Outfit empfohlen. Am Abend nach einem Heimspiel des lokalen FC, wohlgemerkt. An einem Abend, an dem die lokalen Fans des lokalen FC mit den lokalen Frauen nicht so richtig viel Glück hatten. Also, wie bereits erwähnt, an einem Samstagabend.

Einer von ihnen, nennen wir ihn Ronny-Jerome oder liebevoll RJ, nahm uns aus mir bis heute nicht bekannten Gründen in Schutz, was durchaus wörtlich zu verstehen ist. Bier gab er uns und dazu den Weg hin zum Bahnhof, wo wir… feststellten, dass das nunmehr zu lösende neue Wochenendticket uns nicht nur nach Berlin, sondern vorher auch nach Aue bringen könnte. Wo der 1. FC Union mittags spielen sollte. Es sei der Fantasie des Lesers überlassen, was in der Folge hinsichtlich unserer Reisepläne passierte. Das Spiel endete 0:0. Und wir irgendwann am Ostbahnhof.

Wenn man bereits einschlägige Erfahrungen mit einer Region gemacht hat, möchte man sie beim nächsten Mal natürlich im geeignetsten, sichersten Umfeld bereisen, das gerade möglich ist. Im Falle des FC St. Pauli nennt sich dieses Umfeld „Sonderzug“.

Der vorstehende Absatz war notwendig, um die Inhalte wirken zu lassen. Genau wie der Sonderzug. Eine zeitliche Planung, die ihresgleichen sucht: Um ein Uhr auf nach Hamburg per Bus, so war der Plan. Dort um vier, sechs Uhr Abfahrt. Dann Nürnberg, Spiel, Satz, Sieg. Zurück. Drei Uhr Bus nach Berlin. Montag topfit. Läuft.

Oder so ähnlich. Das mit dem Sonderzug passte schon, der Bus vorher auch. Direkt hinter dem Fahrer sitzen, heißt, im Zweifel höchstens so schwerverletzt wie er selbst zu sein. Worauf er uns auch mehrfach hinwies. Wir waren erst brav, dann schlafend, dann da.

Hamburg neigt an Wochenenden meiner Beobachtung nach dazu, noch ein wenig besoffener zu sein als Berlin. Mag aber auch sein, dass der Hauptbahnhof während des Hafengeburtstags hier keinen gültigen Rückschluss zulässt. War jedenfalls nicht der beste Ort der Welt – denn der liegt ja bekanntlich dort, wo der Magische usw. spielt.

Also irgendwo im weitesten Sinne südlich. Sind wir dann mal hingefahren. War nett. Kann ich empfehlen, die Hinfahrt zu Spielen im Sonderzug. Alle so optimistisch.

Zwischendurch waren wir in Nürnberg. Ausgestiegen. Sonder-U-Bahnen. Bullen überall. Stadion. Fußballspiel, kann ich nicht empfehlen. Jede Ecke für Nürnberg vom Stadionsprecher angesagt, weil wir ja nicht mehr so gut mitzählen konnten. Irgendwas zwischen gewonnen und verloren und egal, glaube ich. Und dann auch wieder zurück in den Zug.

Der fuhr dann bis Lüneburg. Dort war Pause. Sehr lange Pause, wegen eines vermutlich tragischen Ereignisses, was ich auch nicht weiter kommentieren kann oder möchte. Unser Bus von Hamburg nach Berlin war jedenfalls weg. Guter Plan, mal wieder – siehe oben.

In Hamburg angekommen, mit rund zwei Stunden Verspätung, lief uns unverhofft allerdings die Deutsche Bahn über den Weg. Ohne jemals irgendeine Strecke mit ihr gefahren zu sein, warfen wir uns ihr willfährig an den Hals. Um uns loszuwerden, spendierte sie ein Taxi. Nach Berlin.

Drei Stunden später, zuhause angekommen (und zwar vor dem ursprünglich avisierten Bus), wusste ich, dass das mit mir und Nürnberg irgendwie nichts wird. Mit mir und St. Pauli bin ich da optimistisch. Wir haben ja noch ein paar Saisons. See ya! /juli

Oho, ein Rätsel!

Sommerpause ist keine gute Zeit für Fußballfans. Sommer vielleicht schon, aber bei Pause hört es auf. Inspiriert von den Kolleg_innen der „Welt“ habe ich mir auch mal Gedanken gemacht, wie man Fußballvereine in die Sprache meiner Generation umsetzen kann. Als anständiger Fan des magischsten aller FCs selbstverständlich für die zweite Liga. Das war teils wesentlich anspruchsvoller, und auf einige wird man nur mit Hilfe kommen, aber ich wünsche viel Spaß! Die erste komplett richtige Lösung in den Kommentaren gewinnt das obligatorische Bier (das Frodo wegen der Schlagergeschichte übrigens immer noch nicht haben wollte).

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Die Lösungen gebe ich wie gehabt dann raus, wenn ich frühmorgens betrunken das dringende Bedürfnis verspüre, dies zu tun. So entstehen ohnehin 90 % meiner Texte. So long! /juli

Wie jut, dass dir manchmal so’n Engel erscheint…

Ich durfte, wollte, konnte nicht schreiben.

Nicht über die wunderbare Absurdität gegen Düsseldorf. Nicht über die kleinen Tode in Karlsruhe und Heidenheim. Nicht über das Alles, was gegen Leipzig und in Lautern da war. Nicht einmal über die fünf Tore, die die Welt bedeuteten. Zuhause gegen Bochum. Alles das konnte, wollte ich nicht. Es war nur da, auf dem Platz. Was sollte ich denn groß sagen? So viele entworfene Texte, so wenig Ahnung davon, wo es hingeht. Ein dunkler, endloser Schacht.

Und heute nun sollte ich von einer Niederlage reden. Das sagt mir der Kicker, das sagt mir die Sportschau, das sagt mir die Welt. Wen interessiert das? Wen interessiert denn die ganze Welt, wenn der Mittelpunkt meines Herzens danach schreit, dass es das endlich gewesen ist. Wen interessieren denn dreißig Zeilen Text über etwas eigentlich so Egales, wenn das Egale gerade Weltrang erreicht? Aber nicht in diesen dreißig Zeilen, sondern in diesen neunzig Minuten.

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Jedenfalls waren die neunzig Minuten inhaltlich okay.

Ich gratuliere Darmstadt zum Aufstieg nach einem verdienten Sieg. Ich gratuliere dem FSV. Ich gratuliere Fürth. Ich gratuliere Sandhausen. Ich gratuliere Stuttgart. Ich gratuliere Hannover. Ich gratuliere auch Hertha. Ich gratuliere notfalls sogar dem hsv, wenngleich mir das Schweißperlen abringen wird, die ich schon vergessen wähnte.

Aber das Entscheidende war heute das, was nicht passiert ist. Und das, was vorher passiert ist. Und das Entscheidende ist das, was daraus wird. Ich brenne darauf, eine Geschichte zu erleben. Vielleicht hat sie heute ihren Anfang genommen. Und ich werde sie gerne mit begleiten und mit fortschreiben.

Dort oben im Erzgebirge, da hat sich eine wunderbare Geschichte in ein trauriges Ende gefügt. In ein tragisches zudem. Aber, lieber FC Erzgebirge, du findest deinen Weg zurück. Diesmal warst du derjenige, der weichen musste.

Und, mein magischer FC – und für dich weint. /juli

Et hätt noch immer joot jejange

Ich weiß nicht, was der durchschnittliche Fußballfan mit dem Duell zwischen der SG Dynamo Dresden und dem SC Fortuna Köln an Emotionen, Erinnerungen, Erwartungen verbindet. Aber dies ist ohnehin kein Ort für durchschnittliche Fußballfans. Meine Emotion war, so simpel, wie ich gestrickt bin: Hingehen.

Wir beginnen also dieses rheinische Wochenende in Dresden. Zu Gast mein Heimatverein, meine eigentliche, theoretische Liebe. Wie das mit theoretischen Lieben so ist, man muss gelegentlich an sie erinnert werden. Diesen Job übernahm ein freundlicher Mensch aus dem schönen Freital – oder umgekehrt. Dank seiner Schiedsrichtertätigkeit konnte ich bereits am Freitagabend nach entbehrungsreicher Fernbusreise meine Fantätigkeit aufnehmen. Angesagt war die Freizeitliga, angesetzt war ein Spiel zwischen erstaunlicherweise zwei Mannschaften. Um die Anonymität meines Gastgebers zu wahren – und nicht etwa, weil ich mich nicht an die Namen der Teams erinnern kann – , werde ich an dieser Stelle auf weitere Details verzichten. Es war umkämpft, es war gegen Ende fast schon eine Vorstufe von Dramatik, es war ein Freitagabendsfreizeitspiel in einem Dresdner Vorort. Gewinner selbstverständlich der souveräne Schiedsrichter.

So darf ein Amateurplatz durchaus aussehen.

So darf ein Amateurplatz durchaus aussehen.

Aber da war ja noch Dynamo. Ein Verein, zu dem ich ein höchst seltsames Verhältnis hege. Oft beeindruckt, manchmal erschrocken, in der Regel erstarrt beim Versuch, sie scheiße zu finden. Ich bekomme es nicht hin. Ich bekomme es nicht hin trotz aller entglasten Mannschaftsbusse, trotz aller Gästegeisterspiele am Millerntor, trotz aller Randale und allem Osten. Ich finde die einfach nicht scheiße, es tut mir leid.

Sie boten mir auch wenig Anlass dazu, diesmal, ausnahmsweise. Mein Gastgeber nahm mich im Auto mit, wir gingen am Heimbereich entlang, es war alles gut. An der mäßig motivierten Polizeikette vorbei bahnte ich mir meinen Weg zum Gästeblock, wenngleich es da nicht viel zu bahnen gab. Die versammelten Ticketverkäufer und Ordner machten eher den Eindruck, froh über jeden Menschen zu sein, den sie an diesem Tag zu Gesicht bekamen.

Als ich den Gästeblock mit einem halbwegs frisch gezapften Feldschlößchen in der Hand betrat, wusste ich, warum. Zwar hätte ich die anwesenden Fortunen nicht mit der frei gebliebenen Hand abzählen können, allzu weit entfernt davon war es aber auch nicht. Wenn Dresden das Dortmund des Ostens ist, war Köln heute offenbar höchstens Zwickau.

Man muss in Rechnung stellen, dass die Bahnen nicht fuhren. Noch weniger fuhren als sonst. Dass Ferienanfang war. Dass man vielleicht noch von Freitag verkatert war. Dass es vor dem Gästeblock einige ganz fiese Steine gab, die man sich in die Sohlen laufen konnte. Letztlich treffend gab es aber der Ersatz-Vorsänger der Fortuna mit dem ambitioniertesten Satz dieser Welt wieder: „Und die da drüben glauben, dass sie lauter sind als Fortuna Köln?!“

Nun ja. Waren sie. Was bei einem Zahlenverhältnis von 20 000 zu 20 auch nicht unbedingt allzu schwierig ist. Und man bedenke, wir reden von Dynamo Dresden. Eine beeindruckende Wand, dieser K-Block. Man kann als Gast mitunter froh sein, die eigenen Gedanken noch zu hören. Den Gedanken beispielsweise, dass 2,80 € für ein Stadionbier gar nicht so übel sind, wenn man am Millerntor inklusive Pfand beinahe das Doppelte hinlegt. Tja. Muss man hier auch mal anbringen.

Ich mag es dort. Wirklich.

Ich mag es dort. Wirklich.

Fußball wurde ebenfalls gespielt. Der Aufstiegsaspirant gegen den Underdog, immer wieder das alte, große, wunderschöne Spiel. Fortuna begann stark, begann überlegen, erarbeitete sich von Spielanteilen und Chancen ein leichtes Übergewicht. Dann kam Dynamo. Und das gewaltig. Der Beschuss hörte kaum mehr auf, fast keine Atempausen. Aber keine Schwächen bei Torhüter Andre Poggenborg. Man rettete sich mit einem dann dennoch im weitesten Sinne verdienten 0:0 nach einigen anstrengenden Minuten in die Pause.

Inzwischen war der Fortuna-Block weiter gewachsen. Minütlich fast erklommen mehr und mehr Kölner die steilen Stufen des Rudolf-Harbig-Stadions, sodass man schon annähernd für den Heimbereich hörbar werden konnte. Wenn man allerdings schon gehört wird, sollte man Besseres als „Wir hassen Ostdeutschland“ zu bieten haben. Ich persönlich hasse eine ganze Menge, beispielsweise leere Druckerpatronen, schales Bier, lange Blogartikel, schlechten Fußball, guten Fußball, mittelmäßigen Fußball und Fußball im Allgemeinen, wenn man verliert. Ich neige aber nicht dazu, dies alles kundzutun, während mein Team gerade im Begriff ist, sich einen nicht unbedingt hochverdienten Punkt zu erkämpfen. Und Deutschland hasse ich notfalls in allen vier Himmelsrichtungen.

Die zweite Hälfte brachte keine großen Highlights, mit Ausnahme des Schlusspfiffs. Recht entspannt konnte ich das Stadion verlassen, vorbei an einer eher aus Pflichtbewusstsein aufgestellten und reichlich gelangweilten Polizeikette, mitten unter die Dynamos. Was ich hörte, war kein Hass auf deutsche Himmelsrichtungen, sondern Respekt für den Gegner. Was ich hörte, war Kritik am eigenen Unvermögen, war kein Ärger, war nüchterne, faire Analyse. Muss man auch können.

Der Schlusspfiff des Spiels war somit auch Anpfiff für einen Abend in Dresden – endlich einmal ohne Druck, zeitig in Bus oder Shuttle oder Sonderzug einsteigen zu müssen, endlich einmal ohne verplanteste Abende in der Neustadt oder gar längere Aufenthalte in meinem nur allzu vertrauten Klinikum Friedrichstadt. Dies hier ist kein Ort für Architekturkritik und auch nicht für historische Schuld und Sühne, kein Ort für richtige und falsche Elbseiten oder Solidarfonds. Der lange Abend in Dresden hat insofern hier keinen Platz. Es sei nur eines zu bemerken: Dresden, ich mag dich. Aber sag es keinem weiter.

Und wer könnte das ernsthaft anders sehen?

Und wer könnte das ernsthaft anders sehen?

Am Sonntag sollte mich wiederum ein Fernbus pünktlich zum Berliner Südkreuz bringen, um Tennis Borussia beim FC Wilmersdorf zu bewundern. Das klappte. Halbwegs. Im zweiten Versuch und wesentlich teurer als gedacht, aber es klappte. Gepäck weg, Bier geholt, Caterer aus guten Gründen boykottiert, Spiel geschaut.

Wilmersdorf war erst vor wenigen Monaten der Abschluss einer langen lila-weißen Saison. Damals ein ordentliches Spiel auf schönem, sonnigen Platz, direkt zum Auftakt der Weltmeisterschaft. Diesmal ebenso. Fast exakt ebenso. Nur dass TeBe im Laufe der Sommerpause das Toreschießen lernte. Gerecht auf beide Halbzeiten verteilt, gelang somit ein souveräner Sieg und das Aufschließen zum tasmanischen Konkurrenten vom Werner-Seelenbinder-Sportpark.

Ob Juni, ob Oktober, das Bild bleibt gleich.

Ob Juni, ob Oktober, das Bild bleibt gleich.

Weiter ging es auf dem Hamburger Weg, der kurzzeitig über Sinsheim führte. Eine Leinwand, ein Fassbier, ein eher glor- als torreiches Unentschieden des künftigen deutschen Meisters gegen die SAP-Werkself, soweit die Zutaten. Insgesamt eher wenig erwähnenswert.

Am Montagabend aber sollte das Darben ein Ende haben. Der Magische FC gastierte im Dresden des Westens, im Hamburg des Südens, im München des Nordens, im Paderborn des Westwestens, im Berlin Nordrhein-Westfalens, bei der Fortuna der falschen Rheinseite, den Halbangstmachern von der Königsallee. Mehr als zwei Wochen Pause für beide Mannschaften, mehr als zwei Wochen Zeit für Prognose und Idee. Ein Punkt sollte möglichst her, das war wohl Konsens.

Hätte klappen können. Selbst sparte ich mir die Reise in dieses Modemekka und begnügte mich mit einem zumindest zeitweise brauchbaren Fernsehbild in der Astra-Stube Neukölln. Die, wie eventuell bereits erwähnt wurde, ein gar nicht so übler Ort ist, wenn man an Fußball und Bier interessiert ist.

Hätte jedenfalls klappen können. Die erste Hälfte begann stark, Alushi vergab eine relativ gigantische Chance. Einige Minuten später konnte Düsseldorf einen Ballverlust im Aufbauspiel nutzen, um über die verwaiste rechte Abwehrseite den Angriff zur Führung zu fahren. Soweit nicht unverdient, soweit aber auch nichts unmöglich.

Die zweite Halbzeit allerdings ging weiter, wie die erste endete. Ein unangenehmes Spiel gegen eine stark pressende, schnell fallende, viel meckernde und sehr viel Zeit habende Düsseldorfer Mannschaft. Eigentlich ein Spiel, an dessen Ende kaum 22 Spieler den Platz verlassen dürften. Sie taten es dennoch, seitens des Magischen FC teils erschreckend wehrlos, ohne Punkt in der Fremde zurück nach Hause. Wo sich am Samstag der Karlsruher SC die Ehre geben wird. Und da sollte es dringend ein wenig anders laufen.

Und nicht etwa so.

Und nicht etwa so.

Sonst haben wir ein Problem. Aber erzählt es keinem. /juli

Aber vorher geht es noch mal um TeBe

Meine Gedanken sind auf Montag gerichtet, wie es die von jedem Fan auf Entzug wären, würde sein Team an diesem unaussprechlichen Tag spielen. Keine Frage. Unterbrochen vielleicht durch ein paar Intermezzi (jaja!) wie dem Nachholspiel von TeBe am heutigen Abend in Köpenick oder auch meinem Besuch bei der einzigen Fortuna zum Gastspiel (jaja!) in Dresden. Unterbrochen sicherlich nicht durch irgendwelche allzu deutschen Mannschaften, die an irgendwelchen allzu deutschen Orten dieser Welt auf irgendeine allzu deutsche Weise völlig verkacken. Das kann man getrost ignorieren, und ein weiteres Wort hierzu wird man an dieser Stelle vergeblich nicht suchen.

Um die nervtötend laute Stille jener „Länderspielpausen“ zu füllen, gibt es schließlich Landespokale. Oder, um es mit TeBe zu sagen: Es gab sie.

Beginnen wir doch mit dem SV Babelsberg 03. Dem gelang es nämlich am Freitagabend, im sicherlich vernachlässigenswert schönen Luckenwalde, die dort beheimatete Sportmannschaft, deren Name mir soeben entfiel, mit 3:0 abzufertigen. Das bezeichnet man wohl als souverän. Souveränität, die man mit 03 grundsätzlich eher selten verbindet. Machte Hoffnung für den anstehenden lila-weißen Pokalauftritt bei Eintracht Mahlsdorf.

Ich persönlich wusste nicht, wo Mahlsdorf liegt. Um genau zu sein, weiß ich es bis heute nicht. Auch eine Auswärtsfahrt kann geographisch manchmal wenig hilfreich sein. Insbesondere, wenn man sich müht, sie zu vergessen.

Wir begannen daher für einen Sonntagmittag angemessen verkatert am östlichsten Rand meines Bewusstseins, dem S-Bahnhof Ostkreuz. Begrüßt von einigen Unentwegten, die wie ich selbst nach wie vor die angekündigte Uhrzeit von TeBe-Fantreffs für bare Münze nahmen. Ein Fehler möglicherweise, aber eine Chance zum Wachwerden.

Jenseits von Böse und Böser, jenseits von Lichtenberg und Biesdorf, erreichten wir unser Ziel. Zwischenziel. Freundlich begrüßte uns „Röschen’s Intimvitrine“, für meine Begriffe noch wesentlich freundlicher eine Bushaltestelle in Richtung Stadion. Linienbusauswärtsfahrten wären etwas, was mir fehlen würde, sollte TeBe endlich mal Gründe dafür liefern, dass es mir fehlen muss.

Und das ist auch schon alles, was ich über diesen Ort fotografisch zu sagen hätte.

Und das ist auch schon alles, was ich über diesen Ort fotografisch zu sagen hätte.

Der soziale Wohnungsbau in Mahlsdorf beschränkt sich im Wesentlichen vermutlich auf Garagen für jene, die nicht wissen, wo sie ihre Limousine abstellen wollen. Diejenigen, die bislang nicht von ihm profitierten, parkten den Sportplatz am Rosenhag zu. Was durchaus auch keine allzu schlechte Behandlung ist für ein Stadion mit Laufbahn und ohne Tribünen. Es sei immerhin zu erwähnen, dass der weit gereiste Fan für sein Steak im Brötchen bloß drei Euro bezahlte. Es sei denn, er reiste noch weiter bis zum nächsten Grill, wo er weitere fünfzig Cent sparte. In Mahlsdorf wird Engagement belohnt.

So war es, scheinbar, auch für TeBe. Raychouni lief, schon um sich die lange Anfahrt zu sparen, durch ganz Mahlsdorf und traf dann auch noch das Tor. Wie zuletzt bei der National… nein. Es war besser als etwaige Nationalmannschaften, ein episches Solo, das die TeBe-Fankurve vor Stolz oder Alkoholentzug oder beidem erzittern ließ. Somit stand nach der ersten Hälfte die erwünschte, erwartete, verdiente Führung im Cottbuser Westen zu Buche.

Kurz nach der Pause meldete sich Mahlsdorf zurück. Und nachdem TeBe diverse Großchancen vergeben hatte, konnte man dies relativ effektvoll mit dem Ausgleich zum 1:1 tun. Das Spiel kippte zusehends. Wo vorher lila-weiße Kurzpassstaffetten das Geschehen prägten, regierte nun das engagierte, kämpferische Spiel der Eintracht.

Folgerichtig ging der Gastgeber kurz vor Schluss in Führung und gab diese auch nicht mehr her, wenngleich TeBe in der Folge ein klarer Handelfmeter verweigert wurde. So setzte sich also das glanzlose Ausscheiden in frühen Phasen des Pokals gegen ebensowenig glanzvolle Gegner nahtlos fort.

Im Nachgang gab es noch Auseinandersetzungen mit der sicherlich höchst feierwilligen Heimmannschaft sowie einigen sicherlich höchst feierwilligen Heimmannschaftsfans, die es als Teil ihrer Feier ansahen, TeBe-Fans transphob zu beleidigen und körperlich zu bedrohen. Nun, es hat jeder eine andere Vorstellung von Spaß.

Und in so einem Fall weiß ich sehr gut, warum es im Zweifel immer noch mehr Spaß macht, bei den sportlichen Verlierern zu stehen. Steigt man halt stattdessen auf. /juli

Runde Sache

Wie schreibt man eigentlich über Fußball? Tja. Über dieser Frage brütete ich monatelang, panisch, kein Bein mehr auf die Erde bekommend oder doch mehr als je Beine habend. Am Ball vorbei, meist drüber, gelegentlich drunter, ihn selten treffend und dann meist schlecht. So entstehen Texte jedenfalls nicht. So steigt man auch nicht auf, das liegt sicherlich mit an mir.

Aber erklärt mir mal, wie denkt man eigentlich über Fußball? Gewonnen. Verloren. Eigentlich meistens verloren. Blöder Trainer. Blöder Trainer weg. Neuer Trainer da. Neuer Trainer toll. Neuer Trainer gewonnen. Neuer Trainer verloren. Neuer Trainer blöd. Neuer Trainer toll. Alter Trainer blöd. Alter Kader toll. Das klingt wie ein schlechter Neue-Deutsche-Welle-Song, nicht wahr? (Die Frage dahingestellt, ob es überhaupt gute gab.)

Ich persönlich denke über Fußball meist in exakt zwei Worten, die im Großen und Ganzen auch nicht wirklich Worte sind. Hin. Und: Da. Hin da!

Der Name dieses Blogs erinnert daran, dass für mich im Zweifel jedes Spiel ein Auswärtsspiel ist. Menschen, die die Autobahn zwischen Hamburg und Berlin auch nur einmal gesehen haben, werden mich voll und ganz verstehen. Kein Ort, an dem man seine Flitterwochen verbringen möchte. Falls man überhaupt Flitterwochen verbringen möchte. Ein Ort, den es zu überwinden gilt. Der Eiserne Vorhang des Magischen FC. Für mich persönlich jedenfalls, ganz bescheiden gesagt.

Wo wir schon bei „Eisern“ sind, können wir über den entsprechenden Gegner diverse Mutmaßungen anstellen. Sicher einer der angenehmeren Vereine aus dieser Region des Landes, bestimmt uns allen relativ wohlgesonnen. Blutsbrüder werden wir trotzdem nicht. Wer andere Menschen, wer Fans eines anderen Vereins als „Schädlinge“ bezeichnet wie gegen RB Leipzig geschehen, der kann sich meiner… gesunden Skepsis sicher sein. Also kein Freundschaftsspiel. Schade eigentlich, haben wir doch so selten.

Wäre dies ein Konzertbericht, ich würde die „Bratze-Beerdigung“ im Übel & Gefaehrlich höchst lobend erwähnen. So kann ich das leider nicht, weil meine Leser Input erwarten. Daher kann ich leider nur sagen, dass es vielleicht eins der besten Konzerte meines Lebens war, in einer Location, um die jede normal denkende Stadt dieser Welt Hamburg beneiden sollte. Reicht aber auch dazu.

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Erwacht von den viel zu Lebendigen zu den bloß Halblebendigen musste ich lediglich noch sieben Karten erwerben, um sechs davon loszuwerden, und schon konnte ich hungrig, verkatert und fernab der Heimat ins Stadion. Aus diesen Faktoren ein Erlebnis zu konstruieren, um das mich eigentlich die ganze Welt beneiden müsste, das schafft nur der magische FC.

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Und er fing ambitioniert an damit. Flanke, Budimir auf dem Weg zum Tor, Budimir gestoppt, Elfmeter. Rot. Kann man geben. Hätte ich jetzt nicht. Aber ich war ohnehin viel zu sehr damit beschäftigt, Jubel, Bierbecher, Kater und Zigarette in Einklang zu bringen, um dem Schiedsrichter hier zu widersprechen. Nöthe. Sicher. Tor. Kam mir ein wenig bekannt vor, kann man auch gerne weiterhin häufiger wiederholen.

Union rannte nun trotz Unterzahl an. Sofern „Anrennen“ bedeutet, dass man den Ball planlos nach vorne schlägt und dem Gastgeber das eigene Tor etwa so anbietet wie der Bierstand dem Fan ein neues Getränk. Die Chancen allerdings waren ähnlich exakt unter dem Eichstrich gezapft, und so ging es mit einer hochverdienten knappen Führung in die Pause.

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Nach etwa 65 Minuten wurde Lasse Sobiech von einem Gegenspieler in seiner Yogaübung gestört, indem dieser per Kopf versuchte, sein rechtwinklig gestrecktes Bein herabzuzwingen. Diese Unhöflichkeit wurde seitens des Schiedsrichtergespanns leider nicht geahndet, stattdessen wurde der meditierende Verteidiger verwarnt.

So verunsichert trat die gesamte Mannschaft des magischen FC in eine nur von gelegentlichen Sprints durchbrochene Sitzblockade ein. Was Gandhi nicht gelang, schaffte Marc Rzatkowski in der 73. Minute – die 2:0-Führung gegen inzwischen nicht mehr allzu imperialistische Unioner. Die sich folgerichtig auch nicht beschwerten, als der bislang ebenfalls recht friedlich gebliebene Philipp Tschauner kurz vor Schluss den Angriff zum verdienten 3:0 einleitete.

Ein verdienter Sieg vor dem heimischen Bunker, was will man mehr?

Beispielsweise – einen unverdienten, im höchst fremden südlichen Neukölln. Denn sofern man wieder nüchtern war oder sich jedenfalls wieder halbwegs geradeaus bewegen konnte, lockte in Rudow die Begegnung des örtlichen TSV gegen Tennis Borussia Berlin (von der virulenten Homolobby gerne auch als „TeBe“ bezeichnet).

Der TSV Rudow ist insbesondere wegen Christian Ziege bekannt. Der insbesondere wegen eines Schwarz-Rot-Gold-Iros bekannt ist. Was zum TSV Rudow passt, weil der neben Christian Ziege insbesondere wegen seiner Nazi-Fans bekannt ist. Die freuen sich jedes Jahr sehr auf das lila-weiße Gastspiel, weil sie dann zeigen können, wie sehr Nazi-Fan sie sind. Nehme ich an. Ich war noch nie Nazi-Fan.

Dementsprechend polizeilich gestaltete sich auch die Anreise. Der gemeine Rudower war im Prinzip pflegeleicht. Zwar scheißt er auf unsere bunte Welt, aber wir hatten rechtzeitig Zeitungspapier untergelegt. Ein Mittel, das man da gar nicht so gut kennt. Genau wie bunte Welten.

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Das Schlimmste, was man über dieses Spiel sagen kann, ist (neben dem Fakt, dass es in Rudow stattfand) die gesamte erste Halbzeit. TeBe wirkte etwas verkatert und der TSV Rudow entdeckte offenbar die Grenzen der faschistischen Ideologie.

In der zweiten Hälfte führte ein Blitzangriff des TSV zum Führer. Zur Führung. Aber so etwas kann man auch kontern. TeBe tat das nach etwa drei Minuten. Zehn Minuten später war Michael Fuß zur Stelle. Einer Stelle, die er im Nachhinein vermutlich nicht beschreiben könnte. Auf eine Weise, von der er im Nachhinein vermutlich keine Ahnung hat. Jedenfalls traf er. Zur Führung.

Und zum Sieg. Der Heimweg verlief erstaunlich ruhig, abgesehen von dem Hertha-Nachwuchs-Hooligan, der uns allen vermutlich in einigen Jahren ziemliche Probleme bereiten wird. Insbesondere dann, wenn er rausbekommt, wie man WordPress-Blogs zum Urheber zurückverfolgt.

Man kann nun mal nicht immer schreiben, das gebe ich zu. Aber wie wärs, wenn man öfter gewinnt? /juli