Weiter, immer weiter

Ein Glück nur, dass diese katastrophale Woche morgen endlich ihr Ende findet. Der Nachteil daran ist: Übermorgen fängt nach dem Gesetz der Serie eine neue an und ich sehe ehrlich keinen Anlass für Optimismus. Von privaten Sachen will ich jedenfalls jetzt gar nicht groß erzählen. Wer mich kennt, weiß, was gerade abgeht oder kann es zumindest erfahren. Und wer mich nicht kennt, den wird es wohl auch nicht sonderlich interessieren. Erwähnt sei dies trotzdem, weil es natürlich auch meine hier festgehaltene Sicht der Dinge beeinflusst. Ist in Bezug auf den tragischen FC aber auch nicht weiter schlimm. Dessen aktuelle Performance passt ohnehin perfekt zu meiner eigenen Seelenlage.

Spiel eins nach Schubert also, wenigstens so halb. Ein Cotrainerteam, wunderbares Wort, kann in derart kurzer Zeit wohl auch nicht alles umkrempeln. Ich bin Optimist, ich kann nicht anders. Eigentlich. Am Freitag hatte ich ein miserables Gefühl. Vor dem Spiel, wohlgemerkt. Die einzige Hoffnung war, dass jeder Sturz irgendwo sein Ende findet. Ob man das wirklich als Hoffnung bezeichnen kann, mag jeder, der schon einmal etwas tiefer gestürzt ist, gerne selbst beurteilen. Permanentes Stürzen ist jedenfalls rein physikalisch schon keine Option, so viel war klar.

Physik ist offenbar auch nicht die Sache des FC St. Pauli. Halbwegs akzeptabler Beginn, wirklich. Sogar ein Tor geschossen, im weitesten Sinne jedenfalls. Und ein schon fest verbuchtes Gegentor doch nicht kassiert. Das war jedenfalls nicht unerträglich, in den besten Momenten hatte es immerhin etwa so viel mit Fußball zu tun wie dieses Blog hier. Als Aufhänger für die eigene Existenz also, wenn auch nicht unbedingt als deren Inhalt.

Ein Schubser reicht ja meist für einen Sturz. In diesem Fall war es das zu Befürchtende. Die Regensburger Führung nahm der Mannschaft alles, was sie sich vorgenommen hatte, was auch immer das genau war. Das Desaster hielt endlich auch in die Abwehr Einzug. Unnötig, einzelne Spieler negativ herauszuheben – die Fähigkeit, das gerade Geschehende auch nur ein wenig abzubremsen, wenn schon nicht zu verhindern, die war keinem von ihnen anzumerken.

Hätte, wäre, könnte. Die paar Minuten nach der Pause blieben das Höchste der Gefühle. Ein weiterer Regensburger Konter, ein drittes Regensburger Tor. Danach im Wesentlichen Leere. Und recht viel Bier, zugegeben. Mehr ist spielerisch nicht zu berichten. Unsere Mannschaft macht es momentan nicht eben wahnsinnig leicht, einen Spielbericht mit Inhalt zu füllen. Kann man als Herausforderung sehen. Darf sich gerne aber auch mal wieder ändern.

Freitag dann also gegen Union Berlin, am Millerntor. Damit komme ich dann zu den kleinen Dingen, die vielleicht doch positiv sein könnten. Erstens plane ich, meine Abstinenz zu beenden – viel zu lange nicht in Hamburg gewesen. Ist angesichts meiner bisherigen Saisonbilanz (drei Spiele, 1:3 Tore, 2 Punkte) an und für sich vielleicht auch kein großer Grund zum Jubeln. Aber das war ja alles auswärts.

Außerdem wird sich in den nächsten Tagen meine neue Kamera die Ehre geben. Damit ist dann der Grundstein gelegt für die weltbesten Fotos als Krönung dieses Projekts hier. Vielleicht tut mir die Mannschaft ja den Gefallen und gibt mir ein, zwei gute Motive. Die Anzeigetafel wird es nicht sein. Von der besitze ich nur ein einziges Foto. Es zeigt ein Tor in braun-weiß und acht in rot-weiß. Ganz so gut ist Union vielleicht auch wieder nicht.

Gute Besserung wünsche ich unabhängig von dem allem Boris Vukcevic. Wenn etwas Derartiges passiert, dann hat unsere Mannschaft mit der am Freitag gezeigten Einstellung natürlich völlig recht – scheiß auf Fußball.

 

PS: Mir wurde eben klar, dass es auch einen Song von der Band Frei.Wild gibt, der den gleichen Titel trägt wie dieses Posting. Ich ändere den deswegen aber nicht, sondern optimiere meine Chancenverwertung: Mit nationalistischer Kackscheiße hat das alles hier und hab ich selbst nichts, aber auch gar nichts zu tun. Frei.Wild zählt für mich dazu. Haben wir das auch geklärt. /juli

 

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Imagine there’s no football

Man muss zu diesem Tag und diesem Spiel gestern nicht mehr Worte verlieren, als John Lennon es tut.


Na gut. Schön immerhin, das Stadion mal wieder ganz in rot zu sehen. Gegen die Goliathwache. Richtige, wichtige, schöne Aktion. Gerade in diesen Tagen, in denen Eskalationsstufe um Eskalationsstufe erreicht wird. In denen man sich fragt, ob man noch Fußballfan oder schon Krimineller ist. Oder auch umgekehrt. Wer uns Freund und Helfer sein will, der kann gerne auf der Gegengerade vorbeikommen. Aber in zivil. Oder natürlich auf dem Platz, im Trikot, wie es unser anscheinend wenigstens ein bisschen wieder genesener Kapitän Fabian Boll gestern tat. Aber nehmt uns nicht unser Stadion. Wir brauchen es selbst. Euch brauchen wir da nicht.

Zum Spielerischen möchte ich echt nix sagen. Wirklich nicht. Täte ich sonst auch nach Niederlagen, klar. Aber langsam frage ich mich ernsthaft, wohin die Reise geht. Wenn es so weiterläuft, werden wir uns in einigen Wochen noch umschauen. Und feststellen, dass sich Umschauen nicht lohnt – denn viel ist dann nicht mehr hinter uns.

Freitag liegt vor uns. Regensburg. Dazu später mehr. /juli
PS: Manchmal ist man zu schnell. In diesem Fall waren es 10 Minuten, knapp. Offenbar hat sich der Verein bereits umgeschaut und festgestellt, dass André Schubert der falsche Mann ist. Quelle: Vereinsseite auf Facebook. Formulieren wir es so: Ich bin sehr gespannt. /juli

Heute hier, morgen dort

Ein Braun-Weißer

Hat zwar nix mit dem Spiel zu tun, fühlt sich der Situation aber ähnlich gewachsen wie unsere Boys in Brown zuletzt.

Der gute alte Hannes Wader. Treffend in jeder Lebenslage. Bin kaum da, muss ich fort. Heute aber nicht nach Hamburg, dort, wo mein Herz heute abend 90 Minuten lang für den zweiten Heimsieg dieser bisher ziemlich bitteren Saison schlagen wird. Dieser Tag ist ein gutes Beispiel dafür, wie wenig und wie viel Fußball ausmacht. Für mich sind es diesmal 90 Minuten Freiheit.

Mein zweites Opus in diesem Blog ist aber eindeutig ein zu früher Punkt für Nabelschau. Über Anstoßzeiten reden, geschenkt. Dass es für den Großteil der arbeitenden (oder so tuenden, also studierenden) Bevölkerung überhaupt kein Problem darstellt, heute „abend“ um 17:30 am Millerntor zu erscheinen, stellt ja keiner in Frage. Besonders einfach ist es für Versprengte wie mich mit guten 300 Kilometern Anreise. Was hilft alles Meckern? Fehler liegen nicht im Wesen von DFB und DFL.

Heute also wird mein Kosmos sich um die Astra-Stube Neukölln drehen. Kneipenfußball, trauriges Schicksal des Auswärtigen. Dennoch, besser als dort kann man es als Braun-Weißer in Berlin nicht treffen. Außerdem, treffen kann man dort immerhin mich. Zwischen großem Astra und dem weltbesten Mexikaner, zwischen Fachleuten aller Art und Pöbelei jeder Sorte. Ein guter Ort. Ein Ort, für den sich dieser eine Absatz Werbung lohnte. Bitte verzeiht.

Auf dem Platz, tja. Ich bin gespannt, welche Wahrheit da heute liegt. Die Wahrheit eines Aufstiegskandidaten? Glaube ich nicht. Die Wahrheit, dass es immer noch tiefer gehen kann, als man es für möglich hielte? Ja, vielleicht. Die Wahrheit, dass das Millerntor immer wieder jeden zu Höchstleistungen tragen, treiben kann? Ich hoffe es. Ich wäre gerne dabei und würde sie lieben, meine verlorene Stimme am nächsten Morgen.

Und der Gegner? Auch den gibt es. Der Verein für Rasenspiele Aalen 1921 e.V. wird später am Tag unsere Messlatte sein. Ein langer, aber vermutlich eher nicht der größte Name dieser Liga. Besserer Start als der magische FC, was nicht allzu schwierig ist. Drei Siege, drei Niederlagen. Man könnte sich eine Favoritenstellung herbeireden. Aalen liegt übrigens in Baden-Württemberg. Das ist wichtig, wenn man Opfer der verbreiteten „a“-„h“-Schwäche sein sollte. Sonst kann es nämlich passieren, dass man in einer der finstersten Ecken meines Bindestrichheimatbundeslandes aufschlägt. Oberliga Westfalen. Eigentlich beruhigend: Dort werden wir nie landen.

Genug der Worte. Es ist so einfach. Marius Ebbers wird seine hundert Zweitligatore vollmachen. Daniel Ginczek zum Torjäger mutieren. Markus Thorandt und Florian Mohr vergessen machen, dass es Stürmer wie Cidimar gibt. Also, falls man das überhaupt vergessen machen muss. Mit Sicherheit wird ihn allein dieser Satz mindestens zwei Tore schießen lassen, aber das war er wert. Wir machen sowieso mehr. Heute glaube ich daran.

Glaubt mal mit mir. Einen wunderbaren englischwöchigen Fußballabend für euch und euren Verein. Solange er nicht gerade VfR Aalen heißt. Und der versprochene Bezug auf das Leben und den ganzen Rest: Ich werde jetzt frühstücken. Aufschnitt. /juli

Die Verträge sind gemacht…

So ist es und so wird es sein.

Vorfreude. Bürokratie. Geldverbrennerei. Am 18. Januar gehts los – Amsterdam, Kairo, Johannesburg. Weil: Afrika-Cup. Na, jedenfalls ist das eine grandiose Ausrede für knappe drei Wochen Auszeit mitten in der Examensvorbereitung. Und ist ja immer gut, da zu sein, wo Fußball gespielt wird. Macht die Tagesplanung echt einfacher.

Deswegen hab ich das dringende Bedürfnis entwickelt, mich auch mal der Welt mitzuteilen. Hier. Mit grandiosen Fotos, sobald ich ne Kamera habe. Mit purem Dynamit in Textform, natürlich. Mit verbaler Bierdusche und rhetorischem Klein-Klein. Ohne Fahnenschwenken, das mag ich nicht. Ohne wilde Tiere, die haben Stadionverbot. Ohne Klischees, dafür sind andere zuständig. In ständiger Rotation mit allen, die mitspielen können und wollen. Und im Doppelpass mit jedem von euch, der es erträgt.

Am 18. Januar ist Anpfiff. Alles, was vorher kommt, darf man gerne als Aufwärmübung lesen. Auch in Berlin wird Fußball gespielt und Leben gelebt, da findet sich bestimmt was Berichtenswertes. Oder in Hamburg. Von mir aus auch in Köln. Der FC St. Pauli, Tennis Borussia Berlin, der SV Babelsberg 03 und diverse Kleinstadtvereine meiner Wahl sind die fußballerischen Begleiter on the road to Africa. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, dabeizusein.

Übrigens: Der Einsatz von Sportmetaphern wird noch reduziert, versprochen. Aber muss ja klar sein, wohin die Reise geht. Dieses Blog wird trotzdem mehr (oder jedenfalls: was anderes) sein als eine Sammlung von Spielberichten. Fußball gehört zum Leben dazu, aber nicht umgekehrt. Ist also logisch, sich ab und zu mit anderen Themen zu beschäftigen. Kleiner Vorgeschmack: Ich geh jetzt einkaufen. Aufschnitt. Schöne Woche. /juli