I’m coming on like a hurricane

Will man vom Sonntag reden, so sollte man beim Freitag beginnen. Griechische Weintrauben sind in gleichem Maße wie griechischer Rotwein ein Fehler, halten wir das fest. Beendeten meinen Abend ein wenig früher. Empfindlicher Magen anscheinend. Tja. Passiert den Besten. Und Griechenland kann da auch nix für.

Vorher wars aber großartig. Der wunderbare Yok (alias Quetschenpaua, Quetschmän… man hat viele Namen) releaste einen record im Syndikat. Es ist selten, so viele scheinbar so verschiedene Gefühle in eigentlich dermaßen kurzer Zeit zu sehen, zu hören, zu empfinden. Die Liebe zur Welt und zum Menschen, zur Musik und zu dem, was sich mit ihr ausdrücken lässt. Der Hass auf das Bestehende, auf die diskriminierenden, ausschließenden, klein machenden Verhältnisse. Die Gewissheit, die Haltung, dass man sich nicht klein machen lässt. Und die Hoffnung auf Neues. Eine autonome Reise quer durch Leben und Kämpfen. Was oftmals sowieso das Gleiche ist. Ein toller, nachdenklich machender, mutig stimmender Abend. Das ist es nämlich – eure Welt, die wollen wir noch immer nicht. Vielen Dank dafür.

Mir ist bewusst, dass ich meinen eigenen Anspruch momentan ein klein wenig verleugne. „Immer anderswo“ bezieht sich aktuell im Wesentlichen auf Orte in Sichtweite der Berliner Ringbahn. Das ist unschön. Aber es gibt Situationen im Leben, die den Ruf von dort draußen übertönen. Selbst wenn es mein Millerntor ist, das unübertönbar ruft – hörte ich da ein „S! – G! – D!“? Man kann es als Vernunft bezeichnen. Vernunft ist natürlich langweilig. Aber sie wird es mir ermöglichen, so ich mich denn für sie belohne, bald diesen Anspruch wieder zu erfüllen. Leistungsgesellschaft halt, wie man in Neukölln sagt. Aldta.

Nun, wie dem auch sei. Die wunderbare Astra-Stube Neukölln ist naturgemäß nicht der beste Ort, ein Spiel des Magischen FC zu verfolgen. Ich habe aber den Verdacht, es könnte der zweitbeste sein. Schon aus dem simplen Grund, dass sie mir passioniertem Langschläfer ermöglicht, die absurden Spielansetzungen der zweiten Liga halbwegs zu ertragen. Und mittags ein Bier vor mir stehen zu haben. Hm. Aber dank der Magischen Zeitumstellung war das Ganze heute ohnehin ein Drama minderer… Dramatik. Irgendwelche Vorteile muss der Herbst schließlich haben.

An dieser Stelle geht ein Gruß auf die andere Seite der Welt. Meine Schwester erfüllt seit rund einem Monat den eingangs erwähnten Anspruch für mich mit und versetzt mich mit Fotos aus dem sonnigen Neuseeland in permanenten Neid. Da dort der Sonntag schon Geschichte war, hätte ich sie natürlich nach dem Spielausgang fragen können. Oder so. Hab ich aber nicht gemacht, man will sich nicht des eigenen Leidens berauben. Und außerdem ahne ich in dieser Frage ein gewisses logisches Problem. Aber man ist ja kein Physiker. Insofern bloß ein schöner Gruß und ein – mit freundlicher Genehmigung – wärmendes Foto. Ich fürchte, zu fußballerischen Texten werde ich sie eher nicht zwingen können. Auch die Macht eines großen Bruders findet irgendwo ihre Grenzen.

Eigentlich gar nicht mal so wärmend, das Foto. Aber man fühlt sich wie in Herr der Ringe.

Einen langen Anlauf nehme ich soeben. Das ist okay, schließlich werde ich ja pro Zeile bezahlt. Mit Aufmerksamkeit, Begeisterung und freundlichem Desinteresse. Deswegen sei natürlich noch zu erwähnen, dass Philipp Tschauner seinen Vertrag verlängert hat. Freut mich. Sehr. Der ist nämlich ein Guter.

Nicht bestätigt haben sich hingegen die topaktuellen Meldungen aus selbiger Astra-Stube, André Schubert sei beim VfL Wolfsburg untergekommen (Quasi-O-Ton von Martin Winterkorn: „Wir haben einen Trainer gesucht, der Erfahrung sowohl mit Abstiegskampf, als auch mit völlig uninteressanten Vereinen in langweiligen Regionen hat.“). Nun, wäre schön gewesen. Zumindest glaubhaft genug war es offenbar für Teile des geneigten Publikums.

Zurück in die Realität. Vorhang auf, Hells Bells, Helden in Braun-Weiß. Vielleicht ja doch großes Drama heute. Ich mag Spiele gegen Dresden. Warum, weiß ich selbst nicht so genau. Vielleicht, weil die Begegnungen gegen die elbflorentinischen Gegner in der Vergangenheit häufig schwer bedeutungsgetränkt waren. Aus der jüngeren Vergangenheit fallen mir ein Aufstieg sowie ein größtenteils in Dresden verspielter Relegationsplatz ein. Und außerdem lehrt es Bescheidenheit, selbst in der Südkurve noch übertönt zu werden von einem sicher nicht durchweg sympathischen, aber durchgängig lauten Gästeblock. Ein Anti-Paderborn quasi. Mich konnten sie in diesem Fall nicht übertönen. Erstens mal sowieso aus Prinzip nicht, zweitens war ich ja anderswo.

Es könnte jetzt eine detaillierte Beschreibung der Seitenwahl und des Anstoßes folgen. Aber so langsam nervts mich selbst, dass nicht endlich mal das Spiel anfängt. Geht ja angeblich um Fußball hier.

Rein da.

Das klassische Drama hat fünf Akte. Deren erste waren nach 28 Minuten so erledigt wie ich selbst. Keinen Zugriff gefunden, keine Mittel. Gar nicht im Spiel. Dresden schon. So schnell liegste 0:2 hinten, ohne auch nur ansatzweise Land zu sehen. Ich überlegte, mir in der Pause schon mal die günstigsten Reiserouten nach Heidenheim und Erfurt rauszusuchen. Da war nix. Nix von dem, was gegen Union und bei Paderborn noch so viel Hoffnung gab. Als sei die damals in Regensburg am Bahnhof vergessene Elf wieder zurück in Hamburg und auf dem Platz – verdrängt diejenigen, die doch die Wende wollten und schaffen konnten.Wenn man nun weiß, dass der zweite Akt eines Dramas die Steigerung ist und sein Ende die Katastrophe, so konnte es einem angst und bange werden.

Aber der Kapitän ist wieder an Bord. Und so schief dieses Bild jetzt sein mag, er setzte den Startpunkt des folgenden Hurrikans. Starke Phase gaaanz kurz vor der Pause. Anschlusstreffer. Boll. Hoffnung. Den Ball mehr hineingewollt als hineingespielt, aber das reicht ja manchmal.

Nach meiner Erinnerung gab es in jüngerer Vergangenheit bloß zwei Spiele, in denen der FC St. Pauli einen Zweitorerückstand drehen konnte. Einmal gegen Rostock, magisch. Einmal gegen 1860 München, irgendwie allseits erwartet. Ich hatte trotzdem das Gefühl, es geht was. Die Mannschaft wohl auch. Sie kam mit Feuer zurück.

Gerade einmal vier Minuten nach der Pause setzte Avevor den vierten Akt. Das retardierende Moment. Diesmal jedoch aus Dresdner Sicht. Ausgleich. Nach einer Ecke. Verrückt. Und es wurde noch verrückter. Daniel Ginczek did it again, auch das nur sechs Minuten danach. Ich nehme an, das Millerntor stand Kopf. Die kleine, bescheidene und gut gefüllte Kneipe meiner Wahl tat es jedenfalls. Der fünfte Akt – die Katastrophe des Elbflorenz. Der Rest war Zittern, Unzulänglichkeiten, Kampf, Chancen… und es reichte. Es reichte zum zweiten Saisonsieg. Nichts Wichtigeres kann es geben. Manchmal muss es der pure Wille sein, ein Spiel zu gewinnen. Leben heißt Kämpfen, ich erwähnte es eingangs. Das hier, das war vielleicht der Beginn unseres Überlebens. Diese zehn Minuten. Wir werden sehen, was sie uns bringen.

Am Mittwoch sieht die Welt natürlich etwas anders aus. Auswärts im Pokal beim VfB Stuttgart, der soeben etwas glücklich die Frankfurter Eintracht mit 2:1 besiegte. Die Phrase mit den eigenen Gesetzen des Pokals ist hier eigentlich überflüssig. Es wird ein schwieriges, ganz schwieriges, momentan eigentlich fast unmögliches Spiel. Wir werden es trotzdem gewinnen. Deal?

 

PS: Sprachkritik ist ein kleines Hobby von mir. Wie ich es jedem empfehlen würde, fange ich damit bei mir selbst an. Beispielsweise wird in diesem Blog nicht durchgängig gegendert, so etwa im vorigen Satz. Das hat verschiedene Gründe. Erstens finde ich es sperrig beim Schreiben und Lesen. Zweitens denke ich in dem Kontext, der hier meistens herrscht, nicht in derartigen Kategorien. Ob das Schwäche oder Stärke ist, falsch oder richtig oder einfach einer von vielen möglichen Wegen, mag jede_r (ja, in dem Fall finde ich es wichtig) für sich selbst entscheiden. Und mir sehr gerne auch mitteilen. Ich kenne den Stand dieser Diskussion halbwegs, mich interessieren Meinungen. Eigene vielleicht sogar.

Wie ich darauf komme? Nun, dem aufmerksamen Leser wird meine gelegentliche Verwendung des Begriffes „Elbflorenz“ aufgefallen sein. Mir ist bewusst, dass diese Bezeichnung für Dresden gerade nach der Bombardierung der Stadt eine wichtige Rolle in der NS-Propaganda spielte. Man könnte das Wort insofern nicht zu Unrecht als lingua tertii imperii sehen, auch wenn sein Ursprung deutlich älter ist. Ich möchte darauf hinweisen, dass mein Bezug zu der Schönheit der Stadt Dresden ein nicht vorhandener ist. Obwohl es die wahrscheinlich gibt. Meine Besuche in Dresden beschränkten sich bisher auf Fußballspiele, ein an Körperverletzung grenzendes Fanclubturnier sowie auf Im-Schnee-Sitzen, um Menschen, die Menschlichkeit negieren, keinen Raum zu geben. In Florenz war ich noch nie. Deswegen kann das Wort hier eigentlich nicht anders als mit einem sarkastischen Unterton verwendet werden. Und genau so ist es gedacht.

Darf man das, kann man das, sollte man das, muss man vielleicht sogar? Auch hier bin ich auf Meinungen gespannt und nehme alternativ gerne auch Einladungen nach Dresden und/oder Florenz an. Man kann dieses Thema weit, sehr weit fortführen. Aber wenn das PS länger wäre als der Spielbericht, würde der Metadiskurs zum Hauptinhalt – und hey, das wollen wir doch alle nicht. Punkt. Oder beziehungsweise: Deren drei. /juli

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Deniz Naki – einer von ihnen

Ich habe grundsätzlich Angst vor Auswärtsspielen in Paderborn. Warum? Nun, erstens wegen meiner allgemeinen Angst vor der Region Ostwestfalen an sich. Das kann man vermutlich medikamentös behandeln, aus irgendeinem Grund wurde schließlich das Paderborner Dosenbier erfunden. Schmeckt nicht. Ist aber billig. Insofern ein ganz gutes Bier. Zweitens wegen der Paderborner Vergangenheit des Magischen FC. Damit meine ich nicht deren vor wenigen Wochen personell überwundenen Teil, sondern die reine Statistik. Ich bin ja – iudex non calculat – weit entfernt davon, Statistiker zu sein, aber gut sahen wir da selten bis nie aus. So eine Art noch abgelegeneres Kaiserslautern. Und kälter. Wie die Erfahreneren sicher gerne bestätigen werden.

So gesehen war das ein guter Tag. Keine gefrorenen Bierleitungen, keine peinliche Niederlage. Man kann schlimmere Sonntage erleben. Bessere sicher auch, wie etwa den der nächsten Woche. Nach einem solchen Spiel ist im Zweifel ohnehin die nächste Woche der Quell aller Hoffnung.

Ich selbst allerdings hatte mich aus finanziellen, zeitlichen und angstbedingten Gründen für die wunderbare Astra-Stube Neukölln entschieden. Klingt nach schwacher Ausrede, isses auch, aber irgendwie kollidieren die Spieltage im Moment dauernd mit anderen fast genauso wichtigen Dingen. Tja, immerhin lenkte mich so keins der typischen Risiken von Auswärtsfahrten (beispielsweise Paderborner-Bier) vom Spiel ab. Schwacher Trost.

Übel war das echt nicht. Wahnsinnig stark gestartet, von Beginn an viel Torgefahr. Ginczek widerlegt sämtliche bekannte Physik und trifft den Pfosten. Oder Lukas Kruse. Oder den sonnigen Himmel Paderborns. Jedenfalls vorerst nicht das Tor, trotz eines Festivals an Ecken. Das schwierige Verhältnis des FC St. Pauli zu Eckbällen mag größtenteils Legende sein. Aber eine, die heute stimmte. Ob nun Kringe oder später Daube – meist durchaus ordentlich geschlagene Bälle. Bis auf den Schützen bekam das leider niemand mit. Deswegen vermutlich auch kein Drama, dass uns deren letzte mit dem Halbzeitpfiff geraubt wurde.

Prognostiziert wurde mir für die zweite Hälfte ein furioser Auftakt wie zu Beginn der ersten, nur diesmal mit Toren. Nun, ich wähle meinen Platz gerne in der Nähe von Experten. So war es, so sollte es sein. Daniel Ginczek trifft gelegentlich auch mal andere Dinge. Hochverdient, stark gespielt, mutmachend.

Man zeige mir denjenigen, der das „Ausgerechnet!“ bei der Einwechslung von Deniz Naki nicht schon auf den Lippen hatte. Ausgerechnet, tja. Der Fußballgott war, wie von mir erbeten, wohl wirklich in Paderborn. Hat ein Faible für merkwürdige Geschichten, die gute Frau (oder wasauchimmer). Jedenfalls aber für wunderschön herausgespielte Ausgleichstore ehemaliger Spieler eines Vereins. So war es, so sollte es sein. Deniz Naki traf das Tor. Eher nervig, insgesamt betrachtet.

Nachdem Lukas Kruse sich trotz diverser Überredungsversuche nicht darauf einließ, seine unfair gigantische Zahl toller Paraden durch wenigstens einen kapitalen Fehler auszugleichen, änderte sich daran auch nix mehr groß. Außer, dass der Schlusspfiff uns schon wieder eine Ecke raubte. Aber dazu ist bereits alles gesagt.

Was bleibt, ist ein Punkt. In Paderborn. Hatten wir letztes Jahr auch schon. Damals war ich damit ein wenig zufriedener, behaupte ich. Diesmal bleibt vor allem das Gefühl, viel liegengelassen zu haben. Und die Hoffnung auf den nächsten Sonntag, die Grundemotion jedes Fußballfans. Ich glaube, sie ist begründet. Herzlich willkommen, Michael Frontzeck. /juli

Kann man geil finden

Amateurfußballpanorama. Langsam wirds etwas besser mit der Kamera, Flutlicht muss ich trotzdem noch üben.

Nach den Highlights der vergangenen Wochen mit Pokal, Dampferfahrt und noch mal Pokal wirkte der Weg zurück in den grauen (bzw. lila-weißen) Ligaalltag weiter und steiniger denn je. Das mag auch daran liegen, dass mit Herannahen des Winters die Sichtbedingungen in den Wäldern des Eichkamp sich nicht eben verbessern. Wie Fackeln im Sturme der Berlin-Liga wies uns Zigarettenglut den Weg. Zum Mommsenstadion. Derby in einer nicht eben derbyarmen Spielklasse – Tennis Borussia gegen den Berliner SC. Also, den Berliner SC ohne ein „Hertha“ davor. Das dauert noch ein paar Jahre. So oder so oder so.

Man kann eigentlich nur hoffen, dass die zahlreichen Erstis der Humboldt-Universität, die im Vorfeld mit Freikarten bombardiert worden waren, nicht zur ersten Halbzeit gekommen sind. Oder sich nach der feierlichen Enthüllung der „Fußballfans gegen Homophobie“-Bande erstmal auf die Suche nach einem Späti gemacht haben – was in dieser Region Berlins durchaus einmal 45 Minuten dauern kann. Es wäre jedenfalls sicher von Vorteil für die Entwicklung der Fanbasis von TeBe, niemandem diese erste Hälfte als Premierenhalbzeit im Mommsenstadion zugemutet zu haben.

Interessant bis zu diesem Punkt einzig die Schiedsrichterleistung. Sehr viel laufen gelassen, was ich grundsätzlich ja gut finde. In diesem Fall profitierte davon der Berliner SC mit recht… origineller Zweikampfführung. Die in Liga 6 nicht selten vertretene und vermutlich gelegentlich auch zutreffende Theorie, der gute Mann hätte seine Karten zuhause gelassen, wurde dennoch widerlegt. Jedenfalls viel Spielfluss dadurch, ohne die ganz großen Szenen.

In der 50. Minute dann das momentan gefühlt Übliche. Rückstand. Nicht eben verdient, aber Gerechtigkeit steht nicht… ach, das hatten wir schon. Wird langsam zum Running Gag. Was TeBe aber kann: Sich gegen Niederlagen wehren. Diesmal per Elfmeter, absolut berechtigt. Über den ersten Versuch hüllen wir den Mantel des Schweigens – er erinnerte leicht an Antonin Panenka 1976, abgesehen davon, dass er bei ähnlicher Geschwindigkeit flach geschossen war. Kann passieren, sollte nicht. Vor allem nicht bei Rückstand. Zählte aber auch nicht. Versuch zwei war besser. Ausgleich.

Und gelegentlich geht ja alles ganz schnell. Fünf Minuten später tatsächlich die Führung. Hab ich nicht dran geglaubt, zu uninspiriert war die erste Hälfte. Aber manchmal wird eine spielerische Steigerung, wie sie TeBe zeigte, eben auch belohnt. Danke, Fußballgott (schau Sonntag bitte mal in Paderborn vorbei). Der Rest des Spiels bestand größtenteils aus paritätisch verteilten Freistößen ohne Ergebnis. Und dem Abpfiff, fachmännisch ausgeführt. Hierfür keinerlei Kritik.

Held des Spieltags eindeutig Mirco Langen, der Torhüter des BSC. Hat sich vor und nach der Wiederholung des Elfmeters kräftig um Verwarnungen und anderes beworben und wurde erhört. Wie allgemein der BSC den ungünstigen Eindruck machte, kräftig auszuteilen, aber nicht einstecken zu können beziehungsweise zu wollen. Nicht schön, sowas. Aber wenn es nicht belohnt wird, dann ist die Welt doch sowieso mal wieder komplett in Ordnung.

Danach ging es nach Spandau. Mit einem abstrakten, aber ohne einen konkreten Grund, jedenfalls für mich. Nicht weiter schlimm, in den letzten Wochen verbrachte ich völlig unabsichtlich sowieso dauernd Zeit in diesem abstrusen Stadtteil. Nette Abende kann man da auch haben. Held dieses Abends eindeutig mein geschätzter Nachbar mit Anspruch: „Ich trinke Rum grundsätzlich nur mit Wodka.“ Auch das kann mal passieren. Ist es an diesem Abend allerdings nicht mehr.

Grundsätzlich gut finde ich das. Oder halt geil. Muss jeder für sich selbst wissen. Ein schöner Sieg zum Ende der Glühweinsaison („Glühweinsaison ist, wenn es Glühwein gibt“). Ein schicker Tabellenstand. Und ganz viele Seifenblasen. Hoffen wir, dass sie nicht zerplatzen.

Ich geh jetzt mal den Wikipedia-Eintrag über Paderborn lesen. Wenn es ihn schon gibt. Einen wunderschönen Samstag und für alle meine Kampfgenoss_innen morgen drei Punkte in den Bergen und Tälern, an den reißenden Strömen und tiefblauen Meeren Ostwestfalens (ein Landstrich, bei dem ich immer an den letztjährigen TeBe-Pokalgegner SV Norden Nordwest denken muss, fuck Himmelsrichtungen). Und bitte: Rum pur bringt Unglück. /juli

Ich hab keine Angst vor euch!

Lila-weißes Kunstpack nach dem Spiel. So ganz komm ich auch noch nicht klar mit der Kamera.

Zu Optimismus gehören immer zwei. Der Optimist und sein Objekt. Zumindest eins von beiden fehlte mir auf meiner diesmal trockenen Tour durch das üblich nasse Berlin. Am Westkreuz erstaunlich viele Menschen, so ganz ohne Verabredung – auch in solchen Momenten weiß man, dass man am richtigen Ort ist.

Selbiger war am Freitag das Mommsenstadion. Tennis Borussia Berlin gegen den BAK, ein Pokalhighlight erster Güte. Hoffenheimbesiegerbezwinger? Ja, vielleicht. Aber nüchtern betrachtet waren die Chancen darauf doch eher mäßig. Mal wieder zwei Ligen Unterschied, diesmal allerdings in die andere Richtung. Eine Sensation musste her. Und was ist schon besser geeignet für eine Sensation als ein fußballerisch quasi konkurrenzloser regnerischer Freitagabend unter dem wärmenden Flutlicht (und mit dem ebenfalls wärmenden Glühwein, die Saison hat wohl begonnen) des Eichkamp?

Einiges, anscheinend. Ein gutes, wirklich gutes Spiel von TeBe. Aber die zwei Klassen Unterschied, die bleiben. Es gibt auf der Welt Dinge, die meisten, die sich nicht mit purem Willen egalisieren lassen. Dann steht es halt auch mal schnell 0:2. Der Anschlusstreffer, keine Frage, war einer der schönsten, die ich je im Mommsenstadion sehen durfte. Hoffnung machte sich trotzdem nicht so richtig breit in der Halbzeit.

Zu Recht. Einsdrei, vorbei. Die befürchtete Klatsche, immerhin, die wurde es nicht. Besser als die TSG. Aber kein Wunder, neigt man doch bei TeBe dazu, keinen Tim Wiese im Tor zu haben. Und sowieso ist alles besser als in Sinsheim. Oder in Deutschland. Eine Insel der Realitätsverweigerung, diese Borussia – zum Glück. Kann man manchmal echt gut gebrauchen. Diese Welt hat es nicht verdient, ernst genommen zu werden.

Die luxusüberdachte Tribüne jedenfalls feierte. Und unter der Tribüne wurde weitergefeiert. Im Taxi auch. Und sowieso im Clash. Die Frage, inwieweit es eventuell angeheirateten Menschen zu erklären sei, warum man nach einer Niederlage bis fünf Uhr feiert, war zumindest recht pragmatisch zu beantworten. Sicher nicht sinnvoll, aber Sinn ist ein seltenes und weitaus überschätztes Gut.

Ein Panorama aus Sicht meines Nebenmannes. Wenn er noch was gesehen hätte.

War es das also mal wieder mit dem Plan, 2014 international zu spielen. Aber wir haben doch immer noch uns. Nicht wahr? /juli

Auch im Regen

Tourifoto, irgendwie. Aber deutlich nasser.

Ich weiß nur, es wird regnen und hört so schnell nicht auf… Rosenstolz, jaja. Nicht unbedingt der Kern meines Musikgeschmacks (was für den bereits hier zitierten John Lennon ebenso gilt, am Rande bemerkt). Dennoch ging mir dieser Song schon bei meiner mittäglichen Ankunft im nassen Hamburg nicht mehr aus dem Sinn. Er passte zur sportlichen Situation des magischen FC, zu meinen Gedanken, nicht zuletzt ganz profan zum Wetter. Und wenn ich mir einmal einen Titel ausgesucht habe, bleibt der. Selbst wenn er am Ende nicht mehr ganz zur Realität passt. Realität ist in gewissen Situationen ohnehin ein völlig überschätzter Aspekt – es geht ums Gefühl.

Und davon war an diesem ganzen langen Tag mehr als genug da, immer wieder und in ganz widersprüchlichen Richtungen. Schon bei meinen Wegen kreuz und quer durch Hamburg auf der Suche nach etwas, das ich nicht genau beschreiben kann und will. Am Ende auch nicht weiter wichtig, weil bloße Randerscheinung. Ziel und Anlass der Fahrt war schließlich das Millerntor. FC St. Pauli gegen den 1. FC Union Berlin. Mein erstes Spiel in Hamburg seit dem 21. Dezember 2011. Ich behaupte ja immer, lieber auswärts zu fahren und tue das in der Tat auch wesentlich häufiger. Bin mir seit Freitag nicht mehr ganz sicher, ob das Selbstbetrug sein könnte. Noch so ein Gefühl. Aber mal nicht kitschig werden.

Die Hinfahrt war insgesamt nicht so geil. Zwar in netter Gesellschaft, was deren selbstgewählten Teil anging. Dabei aber vergessen, dass auch Unionern das Quer-durchs-Land-Ticket ein Begriff sein könnte. Ich hab ja gar nicht mal viel gegen den Verein, eher im Gegenteil sogar eine gewisse Grundsympathie. Was daran liegen könnte, dass das Publikum und der Verein beim anderen Berliner Proficlub mich nun überhaupt nicht reizen. Und Menschen polarisieren eben gerne. Nicht eben hochsympathisch aber erschien mir schon häufiger derjenige Teil des Köpenicker Publikums, der über die Berliner S-Bahn hinaus reisefreudig ist. So auch in diesem Fall. Neben der weltbewegenden Erkenntnis, dass „bei Pauli auch die Frauen saufen“ (was als soziologische Beobachtung sicher nicht unbedingt falsch ist, aber angesichts meiner in diesem Moment alkoholfrei trinkenden Begleiterinnen etwas anlassfrei anmutete), gab es immerhin nix Spektakuläres. Höchstens Anstrengendes. Und wir haben es, das sei zu erwähnen, sogar überlebt.

Danach wie angedeutet zweieinhalb Stunden auf Spurensuche. Kann man machen. Bin ohnehin zu selten in Hamburg momentan. Der Regen hat da auch nicht so gestört, passte irgendwie einfach. Bei meinem Eintreffen am AFM-Container gegen 16 Uhr wars sowieso wieder trocken. Hauptgrund für mein Zittern um den Erhalt der gewählten Überschrift. Aber für das Hamburger Wetter bin ich ja nun nicht verantwortlich.

Lange nicht gesehen.

Dass man für den Zeitpunkt zwischen Ankunft und dem Moment, in dem man sein Ticket auch wirklich in der Hand hält, Zeit einplanen sollte, ist keine wirklich neue Erkenntnis. Das lag in diesem Fall nicht an meinem persönlichen Kartengott (du bist toll), sondern an anderen Faktoren. Aber zwanzig Minuten Vorlaufzeit reichen auf der Süd in der Regel ja aus. Spannend, zum ersten Mal die (zumindest für mich noch ziemlich) neue Gegengerade von innen zu sehen. Bin gespannt, wie das wird am Ende. Erstaunlich viel Optimismus um mich herum, schon vor Anpfiff wirklich gute, wenn auch etwas angespannte Stimmung. Den Namen „Frontzeck“ vernahm ich im Stadion nicht, fällt mir soeben auf. Vielleicht hab ich das ja auch nur geträumt mit diesem Trainertausch.

Zur Choreo möchte ich nicht viel sagen. Die Perspektive von der Süd aus ist da optisch naturgemäß etwas ungünstiger. Auf der Anzeigetafel wars sehr chic und Stadionverbote sind zweifellos ein immer noch und immer wieder wichtiges Thema. Mir selbst wurde an diesem Abend wieder so richtig klar, was für ein Gefühl das Stehen am richtigen, einzigen Ort – dem Stadion meines Vereins – bedeutet. So schön es anderswo auch ist. Derart zuhause ist man, soweit es um Fußball geht, einfach nirgendwo anders. Es ist unerträglich, wenn diese Möglichkeit und dieses Gefühl durch oftmals kollektive Strafen mit ebenso oftmals zweifelhafter Beweislage entzogen wird. Dass das auch ein Zeichen von Hilflosigkeit ist, bringt den Betroffenen leider nix.

Nun ja, das Spiel gab es auch noch. Sah gut aus. Ein Auftreten als Mannschaft, endlich wieder. Ich war ein bisschen überrascht. Deutlich besser im Spiel jedenfalls als Union. Aber was hilfts – bei denen steht ein Mattuschka auf dem Platz, und dessen wirklich herausragende Fähigkeit sind nun mal Sonntagsschüsse. So schnell liegt man hinten. Saglik dann noch im Pech, und am Stand von 0:1 änderte sich bis zur Pause nix mehr. Unverdient, aber wie gesagt: Gerechtigkeit steht in keinem Regelwerk dieser Welt. Wo es drinsteht, wird gelogen.

In der Halbzeitpause ein wenig Blindenfußball, auch als Werbung für das seit etwa einer halben Stunde vermutlich beendete Blindenfußball-Hallenmasters in Hamburg. War bestimmt ne tolle Veranstaltung – ich persönlich fand das jedenfalls alles recht beeindruckend. Super Sache. Und echter Sport, nix anderes. Hoffentlich gut besucht gewesen, verdient hat es das allemal.

Die zweite Hälfte begann nicht übel, nämlich mit dem Ausgleich. Florian Mohr mal wieder. Was soll man auch machen, wenn es die Stürmer nicht selbst richten. Noch besser als ein Ausgleich wäre eine Führung, darum kümmerte sich der ohnehin starke und engagierte Fin Bartels. Noch besser als eine Führung ist ein Sieg, und den gabs nicht. Trotz kämpferisch und teils sogar spielerisch mehr als brauchbaren Auftretens. Trotz eines Mahir Saglik, der im genau richtigen Moment Gegengerade und Süd zu Lautstärken antrieb, die vielleicht sogar den Unionern im Gästeblock nicht ganz entgangen sind. Die waren ja sowieso laut wie immer. Jedenfalls aber schön zu sehen, dass ein Saglik, dem bei vielen immer noch das Etikett „Söldner“ anzuhaften scheint, sich bei uns offenbar auch zuhause fühlt. Oder ihm wenigstens nicht ganz egal ist, wenn 20 000 das Team zum Sieg schreien wollen.

Wie gesagt, dazu reichte es nicht. Herrn Mattuschka und seine Fähigkeiten erwähnte ich bereits. Sowas klappt auch zweimal. Ein 2:3, wie irrtümlich zunächst durchgesagt, wurde es zwar nicht. Die Durchsage traf aber das Gefühl, das im ersten Moment vorherrschte. Nicht ein gewonnener, sondern zwei verlorene Punkte. Das Stadion habe ich trotzdem mit einem Lächeln verlassen. Endlich wieder ein Spiel, das diesen Namen auch wirklich verdient hat. Es hat Lust auf mehr gemacht. Paderborn, wir kommen. Vielleicht hört der Regen ja doch bald wieder auf.

Astra einpacken, Fanladenrumsteherei, zurück nach Berlin. Diesmal glücklicherweise mit dem Auto. Viel zu spät angekommen. Versucht, zu schlafen. Versucht, den bereits mit dem Klingeln drohenden Wecker zu verdrängen. Daran ein wenig gescheitert.

Denn Teil zwei des Fußballwochenendes stand ja im Grunde direkt bevor. Club Italia gegen Tennis Borussia Berlin. TeBe auswärts im eigenen Stadion. Anstoß um 12 Uhr. Diversen Verrückten schienen das ausreichende Argumente zu sein, ab 9 Uhr mit dem Schiff vom Berliner Dom gen Jungfernheide aufzubrechen. Klar war ich dabei.

Kurz vor Weltuntergang.

Das erste Bier hatte ich beruhigenderweise erst gegen etwa 9:15 in der Hand. Mein Zustand fügte sich recht gut ein in die Absurdität dieser ganzen Fahrt. Dem Union-Dampfer begegneten wir natürlich auch. Er hat es, glaube ich, überstanden. Über die Musikuntermalung sei der Mantel des Schweigens gehüllt. Ich schrieb über mein letztes TeBe-Spiel, dass gewisse Dinge nur dann zu ertragen seien, wenn man Teil davon ist. So dürfte es hier auch gewesen sein. Manchmal verbietet es sich, wach und nüchtern auf Dinge zurückzuschauen. Eigentlich so gut wie immer.

Ein Marsch zum Stadion inklusive Pyro und purem Hass war selbstredend auch im Programm. Man weiß ja, wie man sich auswärts zu verhalten hat, und das „Hooligänse“-Banner gab die Richtung eindeutig vor. Eine Stunde vor Anpfiff (und der war um 12! Samstags!) am Stadion, alle zusammen in den Gästeblock. Der sah so aus, wie er eben bei einem ehemals hochklassig spielenden Verein aussieht, dem in den letzten Spielzeiten ein wenig die Gastmannschaften mit eigenen Fans abhanden gekommen sind. Und die Gästetoiletten anscheinend auch. Zumindest ich hab sie nicht gefunden.

Eine 2:0-Halbzeitführung klingt nach einer sicheren Sache. Aber wir sprechen hier ja über TeBe. Deswegen hatte sich nach Ausgleich in Unterzahl irgendwann so ziemlich jeder mit einem unbefriedigenden, aber immerhin auswärts geholten Punkt halbwegs abgefunden. Dieses Spiel aber dauerte dank des für Club Italia häufig durchaus hilfreichen Schiedsrichters 96 Minuten – und bereits das Ende der regulären Spielzeit nutzte Lila-Weiß für die erneute Führung. Die man dann mit der ganzen Cleverness und Abgezocktheit eines Sechstligisten über die Zeit brachte. Also: mit Ach und Krach.

In der Folge noch diverse unmotivierte Getränke im Casino des Mommsenstadions. Mit grandiosem Timing brach ich schließlich auf – in dem Moment, in dem ich das Stadion verließ, ging die Welt unter. Es ist erstaunlich, wie durchnässt man nach fünf Minuten Fußweg trotz eines Regenschirmes sein kann. Da es ja regnete, hatte selbstverständlich auch die S-Bahn ihre Schwierigkeiten. Irgendwann aber war ich tatsächlich… nee, nicht zu Hause. Aber das ist eine völlig andere Geschichte.

Meine Kamera ist übrigens jetzt endlich auch da – ab sofort also Schluss mit den mäßigen Handyaufnahmen. Naja, zumindest teilweise. Wenn ich Lust hab. Wir werden sehen. Ist sowieso Länderspielpause jetze. Aber Fußball is ja immer. TeBe spielt zum Beispiel Freitag gegen den BAK. Und im Notfall schreib ich irgendwas übers Leben daneben. Vielleicht auch nicht. Wunderbaren Sonntag. /juli

 

PS: Eine 2:0-Halbzeitführung klingt nicht nur nach einer sicheren Sache, sondern auch nach einer ziemlich falschen Information. Meine Expertise im Wahrnehmen von Toren war etwas getrübt durch… nun, sagen wir, Schlafmangel. Es stand zur Halbzeit im Mommsenstadion natürlich 2:1, vielmehr 1:2 aus Sicht des Heimvereins. Das Endergebnis war richtig. Der Spielverlauf auch, irgendwie. /juli

Am Nordend der Welt

Das größte Stadion von ganz Wilhelmsruh. Übrigens noch mit dem Handy fotografiert, Kamera dauert.

Tag der deutschen Einheit. Mir ja egal. Aber heißt: frei. Okay, als Student ist das ein wirklich ziemlich relativer Begriff. Jedenfalls hatte ich Zeit. Zeit, um ans Ende der Welt zu fahren. Zeit für den Pokalkracher des Tages – Bezirksligist Concordia Wilhemsruh gegen Berlinligist Tennis Borussia. Ost-West-Derby also sogar. Fehlten eigentlich nur noch die Scorpions.

Die Hinreise – ich sage bewusst nicht Fahrt – gestaltete sich, freundlich formuliert, katastrophal. Auch ohne Mauer. Halloumi am U-Bahnhof Wittenau: Durchaus essbar, für eine ausdrückliche Empfehlung reicht es aber nicht. Konnte das sowieso nicht richtig genießen, weil die drei Minuten bis zur Ankunft des Busses dafür ein wenig knapp bemessen waren. War leider der falsche. Was ich ein wenig spät bemerkte. Den Versuch, meinen Fehler noch zu korrigieren, ignorierte der Fahrer des anderen Busses – womit ich dann verhältnismäßig verlassen am Märkischen Zentrum stand. Das nichts mit irgendeinem Aspekt zu tun hat, den man dem Wort „Zentrum“ normalerweise abgewinnen könnte.

Lange Fahrt kurz erzählt: Am Ende doch da. Vermutlich das kleinste Stadion Berlins mit eigener Bushaltestelle: Die, Vorsicht, Nordendarena. Das stolperfrei zu schreiben, ist ähnlich schwierig wie es zu lesen, aber als passionierter Dangerseeker hab ich ja auch todesverachtend auf den Bindestrich verzichtet. Korrekt also: Nordend-Arena.

Man kann nun lange darüber streiten, inwieweit der Name „Arena“ für ein solch monumentales Bauwerk eventuell die falsche Dimension haben könnte. Stattdessen kann man das Positive sehen: Es gab Kuchen. Und der Eintritt, gerade mal zwei Euro. Zehn Steher für nen Zwanni quasi. Die zehn Bier für nen Zwanni hätten nicht ganz gepasst. Zehn Bälle hätte man allerdings für nen Zwanni bekommen – gebrauchte Markenfußbälle, Replikas natürlich. Respekt, gute Sache. Insgesamt alles schwer okay, typisch Berliner Amateurfußball. Die Leute und die Musik fielen nicht weiter auf. Bis auf die Vereinshymne – Concordia, ein ganzes Leben lang. Nee, muss nicht, sorry.

Hätte nicht gedacht, dass Berliner Fußball dermaßen dörflich sein kann. TeBe schien dadurch nicht sonderlich irritiert, frühe Führung. Dann viel Tristesse. Ausgleich. Wieder Führung. Verschossener Elfmeter von TeBe. Gelb-rote Karte für Concordia. Wieder Ausgleich. Einige Slapstick-Einlagen beiderseits. Schläfrigkeit meinerseits. Blöd, war ja Pokal. Und ich danach verabredet. Fußball kann dir ganz schön den Tagesplan durcheinanderbringen, wenn der eingeplante Kantersieg gegen den Bezirksligisten versehentlich in einem Elfmeterschießen endet.

War aber zum Glück nicht so. Bin mir weiterhin nicht ganz sicher, worüber der mäßig gut gefüllte, aber gut gelaunte Gästeblock mehr gejubelt hat: Über das Erreichen der nächsten Pokalrunde oder doch eher darüber, das weite Rund der Nordend-Arena halbwegs pünktlich verlassen zu dürfen. Wenn ich ehrlich bin… na, lassen wir das. Gesamtfazit: Es war ziemlich schlimm. Auch wenn ein 3:2 inklusive gelb-roter Karte und verschossenem Elfmeter für den Unvoreingenommenen gar nicht mal so übel klingen dürfte. Aber ich bin ja auch ein bisschen Ästhet. Okay, war ein Witz.

Auch der Rückweg gestaltete sich schwierig – ein wenig bemitleide ich den Busfahrer, der in seine Tagesplanung vermutlich nicht zwingend einberechnet hatte, im beschaulichen Wilhelmsruh überrannt zu werden von etwas, das sich als eine lila-weiße Wolke von Rauch, Alkohol und Lärm halbwegs treffend charakterisieren lässt. Halt so Typen, die man nur dann ertragen kann, wenn man selbst dazugehört. Dann allerdings geht das ganz hervorragend.

Zwischendurch noch die endgültige Bestätigung, dass ein gewisser Herr Frontzeck künftig einen Hamburger Zweitligisten trainieren wird. Hmja. Kann jetzt nicht sagen, dass ich vor Freude in die Luft gesprungen wäre. Mach ich sowieso eher selten, ich hab grundlegende Sympathie für die Schwerkraft und ihre Effekte. So am Boden zerstört wie andere bin ich deswegen aber nicht. Mag daran liegen, dass mich viele Dinge ohnehin gerade ein wenig kalt lassen. Mag aber auch daran liegen, dass der gute Mann nun mal da ist und es nix (mehr) bringt, ihn jetzt noch schlechtzureden. Es wird sich zeigen, was kommt. Wie man in meiner Heimat sagt: Wat willste maache. Ist viel Wahres dran.

Zum Tagesabschluss ein wenig Fernsehfußball. Für Höherklassiges als das untere Mittelfeld der zweiten Liga hab ich mich bisher ja nicht so richtig qualifiziert, daher nur so viel: Elfer für Manchester City hätt ich wohl auch gegeben. Zwar mit Bauchschmerzen, aber mit etwa 51 zu 49 Prozent. Auch wenn es ungerecht ist. Aber Gerechtigkeit steht nicht im Regelwerk. Weder in dem des Fußballs, noch in dem des Lebens. Übers Leben bei Gelegenheit mehr, sobald es wieder ein wenig mehr davon gibt bei mir. Morgen geht’s nach Hamburg. Ick freu mir. Trotz alledem. Drei Punkte? Ich sag mal: Warum nicht.

Ach, und, Deutschland: Halts Maul. /juli