Alles braun in Braunschweig?!

Vorweg zwei, drei Worte von mir: Mir wurde das allmählich zu langweilig, dauernd Spiele vom Fernseher aus zu kommentieren. Deswegen bin ich gestern mal Richtung Millerntor gefahren. War halt nur blöderweise ein Auswärtsspiel. Hab mir stattdessen die Toten Hosen angeschaut und das war auch ganz okay. Noch viel okayer aber, dass sich jemand fand, der die Spielberichterei für mich gerne übernahm. Tausendfach dankbar kommen wir jetzt also zur Sache in jener neuen Kategorie, die ich selbstverständlich mit dem furchtbar wortspielerischen Namen „Gästeblog“ versehen *musste*. Von mir übrigens auch ein großes F*CKDFB, ich hab vor der O2-World auch extra nicht supportet bis 12:12. Dafür das Spiel per Handy verfolgt. Scheiße wars, will ich nie wieder. Trotz nettem Konzert. Aber – hey, ich rede zu viel! /juli

Ahoi!

Da der gute Juli in Hamburg auf ’nem Konzert weilte und demnach nicht in Braunschweig dabei sein konnte und mich bat vielleicht doch, wenn ich denn Bock habe, hier an seiner Stelle ’nen kleinen Bericht über unser gestriges Auswärtsspiel zu verfassen, komm‘ ich der Bitte natürlich gerne nach…

Eins vorweg: Es hätte klappen können!

Ja, 3 Punkte. Geholt gegen den Spitzenreiter.

Aber es hat nicht sollen sein und ich möchte jetzt nicht noch weitere Konjunktive bemühen. Also der Reihe nach:

Dienstag 11.30, der Wecker klingelt und versüßt einem in schönster Eintracht mit einem nicht ganz unerheblichen Kater, der der zurückliegenden Nacht geschuldet war, den Tag.

Nun, kennt man. Was tun? Ohne zu murren aufstehen, ab unter die Dusche, während das Lebenselixier namens Kaffee (schwarz, not brown) durch die Maschine plätschert und ab dafür.

Treffpunkt Steglitz. Kurzes Hallo, alles bester Stimmung und ab auf die Autobahn, um nach kurzweiliger, unkomplizierter Fahrt in Niedersachsens zweitgrößter Stadt aufzuschlagen. Relativ früh vor Ort fanden wir uns am Gästeparkplatz ein. Von unappetitlichen Braunschweigern bislang verschont, und angesichts der Tatsache das wir noch massig Zeit hatten – wollten nicht so früh ins Stadion, zum anderen mussten noch zwei St.Pauli-Supporter aus Wolfsburg zwecks Kartenübergabe abgepasst werden – entschlossen wir uns, uns in einem der unzähligen gastronomischen Betriebe in Stadionnähe bei ’ner Tasse Tee aufzuwärmen.

Doch weit gefehlt!

Team Green spielte nicht mit. Warum auch?

Ist mans doch gewohnt, selbst in Begleitung eines Rollifahrers weniger als Bürger, als Fußballfan, sondern vielmehr als notorischer Unruhestifter durchzugehen.  Fragen nach dem „Wieso“ und „Warum überhaupt“ wusste der knapp ’nen Kopp größer als ’n Spanferkel messende Ordnungshüter, zusammen mit seiner nicht weniger kompetenten, solariengebräunten Kollegin galant zu umgehen. Ihr könnt euch sicher denken, wie. Man kennt sowas ja und insgeheim wunder‘ ich mich, dass ich mich jedes verdammte Mal über so ein Gebaren überhaupt noch wundere.

a.c.a.b. (a.b. versteht sich).

Mittlerweile füllte sich der Ort. Die Hamburger Busse trafen ein, small talk hier und da, Kartenübergabe und guter Dinge in bester Gesellschaft nix wie in den zu dem Zeitpunkt bereits knackevollen Gästeblock.

By the way lag übrigens die Vermutung für uns nah, das sich hier einige Sitzplatzticketinhaber verirrten. Machte aber nix, ganz im Gegenteil.

Der gemeinsame Protest (Sicherheitskonzept und so, ihr wisst schon… Fck D*B) wurde mitgetragen, was sich sicherlich trotz sehr ernstem Backgrounds als ziemlich lustig gestaltete. Wurden doch nicht nur die akustischen Aussetzer von Teilen des Braunschweiger Anhangs, sondern auch jedes geäußerte Wort in unserem Block von allen Umstehenden mit „Psch“, „Pst“, „Ruhe“ und ähnlichem gekontert.

Sorgte für etliche Lacher.

Ab 12:12 ging natürlich die Post ab! Etwa zeitgleich ne große Chance zur Führung durch Schindler. War aber leider nichts, nur hätt‘ ichs gerade ihm wirklich gegönnt.

Daran änderte auch der erste Schockmoment nichts. 1:0 Führung der BSler durch Kumbela. St.Pauli kompensierte fehlende Schwäche durch Kampf und Druck und das gelang auch einigermaßen gut, immerhin gegen BS, das bislang heimstärkste Team der zwoten Liga. Nö, der Stimmung auf den Rängen (man hat ja manchmal das Gefühl, dass, wenn es so weiterginge und mit etwas Glück, könne hier wirklich was gehen), tat das keinen Abbruch.

Zumindest bis zur 22. Minute, als die Pfeife, also der Schiri, Bartels mit glatt rot vom Platz schickte. Foulspiel, soso.  Gelb, gut. Das hingegen war eine Riesenschweinerei.

Ohnehin erübrigt sich m.E. über die Schiedsrichterleistung dieses Abends jedes weitere Wort, nur soviel: Es gibt Spiele, da müssten nach diesen Kriterien mindestens 3-4 Spieler des Platzes verwiesen werden.

So aber wird durch komplett überzogene Entscheidungen das Spiel nicht moderiert sondern (mit-)entschieden. Und mir schwillt schon wieder der Kamm. Echt, jetzt auch ohne Fin Bartels gegen Lautern. Toll! Begleitet das ganze mit den üblichen dumpfen „Scheiß Sankt Pauli“-Macker-Fascho-Sprüchen des Braunschweiger Anhangs, deren Sorge – was den Schiri betrifft – in deren Forum wohl umsonst war.

Irgendwie ist ersteres wohl wieder schlimmer geworden in BS. Und gerade, wenn man nicht nur die mangelnde Sensibilität weiter Teile ihrer werten Anhängerschaft, sondern speziell die Reaktionen der Vereinsverantwortlichen betrachtet – leugnen, verharmlosen, wegreden – ist hier klare Kante mehr als angesagt. „Nazischweine, Nazischweine“ geht unsrerseits völlig in Ordnung.

St. Pauli also in Unterzahl. Braunschweig zwar bis Ende der ersten Halbzeit spielbestimmend, aber sooo viel kam da nu nich…

Halbzeitpfiff. Ab zum pissen und noch ’nen Kaffee (braun!)

Zu Beginn der zwoten Hälfte leider (immer wieder) zuviele kleine Nicklichkeiten, sprich, individuelle Fehler im Spielaufbau. Sehr gelungene Pyroaktion bei uns im Block, weitestgehend optimistische Stimmung und wirklich guter Support.

Gogia dann für Buchtmann, fand ich jetzt nicht so wirklich nachvollziehbar & knapp 10 Minuten später wurde – endlich, leider Gottes – Ebbers durch Gyau erlöst.

Ich schäme mich fast, das zu schreiben, nur fürchte ich fast, dass Ebbers sein 100. Tor verwehrt bleiben wird. Das gestern war wiederholt nur ’n Schatten seiner selbst, dabei würd‘ ich ihm so sehr wünschen, nochmals an alte Leistungen anzuknüpfen.

Gyau hingegen? Zack, 1:1 Ausgleich, alles liegt sich in den Armen.

Aber nix wars. Torwartfoul angeblich. Ich muss mich ernsthaft zusammennehmen, nicht nochmals auf die unterirdische Leistung des (*hust*) „Unparteiischen“ zurückzukommen.

Gekämpft wird weiterhin. Braunschweig nutzt seine Konter nicht wirklich, das 1:1 liegt in der Luft und Frontzeck bringt Saglik (endlich!) für Funk, der ’nen sehr mauen Tag erwischt hat.

Braunschweig anschließend auch nur noch zu zehnt, mehr als berechtigt. Scheiß Schauspieler.

4 Minuten Nachspielzeit, teils offener Schlagabtausch, wir aber auch mit Glück.

Dann wars vorbei. Meine Stimmung irgendwo so zwischen „Scheiße, aber beinahe“ und dem Wissen, hier Moral und Kampf- und Teamgeist erlebt zu haben, und das war gestern einfach klasse!

Unter anderen Umständen – Boll am Start, kein Platzverweis für Bartels – wäre möglicherweise (verdient) auch mehr drin gewesen.

Aber lassen wir das.

2,5 Stunden später saß ich beim ersten Bier des tages in der Astrastube Neukölln, wo noch ’nen kleiner Geburtstag begossen wurde und war trotz der widrigen Umstände ganz zufrieden

St. Pauli hat bewiesen das man sich weder vor Löwen, noch vor anderen großen Tieren zu verstecken braucht! Gerade nicht wenn man sich personell auf so dünnem Eis bewegt. War ja nicht immer so in dieser Saison. DAS zählt letztlich und das wird am Samstag hoffentlich auch die Region zu spüren bekommen.

In diesem Sinne – WIR SIND SANKT PAULI & gestreckter Mittelfinger gen Braunschweig! /marcus

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Von harten Männern und filterlosen Zigaretten

Der Meidericher SV also. Gegner mit großem Namen, Stadion mit noch größerem. Glücklicherweise fand das Spiel nicht in der Schauinsland-Reisen-Arena statt, nicht in der Stadt, zu der mir neben einer großartigen Einwohnerin nur Love-Parade und ein auffälliges Dehnungs-i im Namen einfallen. Reicht auch. Für mich wars aber sowieso die Astra-Stube Neukölln. Die mir inzwischen für permanente Erwähnung meiner Ansicht nach auch mal Gratisgetränke gewähren sollte. Permanente Erwähnung wäre gar nicht mal so nötig, wenn es bei mir ein wenig mehr so liefe wie letzte Saison. Aber ich schrieb bereits: Es gibt Faktoren, die es erschweren, Spiele im Stadion zu sehen. Dieses Jahr gibt es leider mehr als genug davon. Im Portemonnaie, im Kalender, im Herz, im Kopf, im Bauch, im November.

Bleibt man also im kalten Berlin. Trotz viel Lust auf Millerntor, trotz wichtiger Jahreshauptversammlung im Montag. Immer wieder mal der Gedanke, vielleicht doch, irgendwann, den eigenen Lebensmittelpunkt noch mehr nach Hamburg zu verlegen, als er es in den letzten Monaten schon war und natürlich immer irgendwie ein wenig ist. Das Problem ist meine Liebe zu dieser Stadt – auch wenn Liebe ohne Leiden natürlich noch niemand gesehen hat. Erst recht nicht in Berlin und erst recht nicht beim Magischen FC. Das Leben ist eins der härtesten.

Aber was beschwert man sich? Es ist warm, verraucht, nette Menschen und kühle Getränke sind anwesend in diesem Teil von Leben. Zur Mittagsstunde natürlich. Hat jemand was von Anstoßzeiten gesagt? Nee, die sind toll. Astra statt Frühstück. Lässt das Leiden sicher auch besser ertragen. So es denn eins gibt. Eingeplant war das heute nicht, gegen den Abstiegskandidaten vom Rande des Ruhrgebiets. Ohne „Abstiegskandidat“ abfällig zu meinen. Dafür ist man nicht in der Situation.

Der Kapitän wieder nicht an Bord. Das macht Sorgen. Auch mit Blick darauf, dass selbst ein Fabian Boll möglicherweise nicht ewig spielen wird. Einen Ersatz gibt es natürlich nicht, kann es nicht geben. Wie man es kompensieren können wird, in hoffentlich möglichst ferner Zeit, ist mir unklar. Nicht bloß spielerisch. Sondern als Herz und Seele dieser Mannschaft. Personenkult liegt mir an sich fern – aber wenn ich mein Trikot doch noch beflocken lassen sollte, weiß ich, mit wessen Namen. Trikots liegen mir übrigens auch eher fern. Dennoch konnte ich letzte Saison bei „Fanräume“ als Sponsor nicht widerstehen.

Worum ging es? Richtig, Duisburg, Heimspiel. Nachdem ich soeben ein treffendes atmosphärisches Abbild von Vor-Anpfiff-Tresengesprächen erschuf, könnte man auch mal über Fußball reden. Beziehungsweise über dessen Aspekte auf dem Platz. Auch wenn es vielleicht nicht die interessantesten sind, nicht immer, ohne das Spiel würde alles drumherum eher mäßig gut funktionieren.

Problematisch hierbei, dass die wandelnde Zumutung Ulli Potofski der Ansicht war, seine Ansichten über das Geschehen auf, neben, über und unter dem Platz von sich geben zu müssen. Das harte Los des Fernsehzuschauers. Aus dessen wohl einprägsamster Sentenz am heutigen Tag erklärt sich auch der Titel dieses Beitrags. Wobei ich mich nach wie vor frage, inwieweit die so kommentierte Zigarette auch wirklich eine war.

Das Dehnungs-i fand sich wiederum in den ersten zehn Minuten ganz gut wieder, die aus braun-weißer Sicht, nun, nicht existierten. Danach kam die Mannschaft aber langsam in Tritt. Das hochinteressant von Bartels eingeleitete 1:0 durch Ginczek war logische Folge. So hätte es eigentlich weitergehen können, hätte man das mit dem Toreschießen etwas besser drauf. Im Konjunktiv ist St. Pauli längst Deutscher Meister.

So kam dann doch was anderes. Nämlich das 1:1. Ob nun Kringe, ob nun Tschauner, ob nun beide – eine Flanke aus grob geschätzten 35 m sollte andere Dinge tun, als im Tor zu landen. Das kann man, denke ich, so festhalten. Tat sie aber. Und was will man tun. Halbzeitschnittchen essen und sich sicher sein, dass da noch mehr kommt, erschien als beste Option.

Wir hatten recht. Es kam: Fin Bartels. Der war zwar schon vorher da, in Hälfte zwei aber wesentlich anwesender als im ersten Durchgang. Sein 2:1 in Minute 65 nach herrlicher Vorarbeit von Buchtmann inzwischen höchst verdient. Vor lauter Dankbarkeit ob dieses Fairnessanfalls der Fußballgottheit fühlte sich Duisburgs Pamic kurz darauf zu einem latent überflüssigen Foul in Nähe der Mittellinie angetrieben. War insofern besonders nett, dass er zu diesem Zeitpunkt bereits Gelb hatte. Zwei davon ergeben eine andere Farbe. Nicht künstlerisch betrachtet, aber fußballerisch schon.

Gegen zehn Duisburger gestaltete sich das Ganze etwas einfacher. Nachdem Bartels noch das 3:1 markierte, nahm er sich selbst den eigentlich fälligen Hattrick. Nicht weiter schlimm, da der eingewechselte Saglik auf fast schon gemütliche Weise den Schlusspunkt zum 4:1 setzte. Das reicht dann selbst dem FC St. Pauli zum Sieg. Souverän, schon wieder. Unfassbar, das zweimal an einem Wochenende sagen zu dürfen.

Es bleibt vom Wochenende neben den drei Punkten der Wunsch nach einer spannenden, nach einer erfolgreichen JHV. Die Gelegenheit, das eine oder andere an diesem Verein loszuwerden, was stört. Und der Blick auf den Mittwoch zu Gast beim Spitzenreiter. Stand jetzt wird dies das erste braun-weiße Spiel seit Chemnitz 2010 sein, das ich komplett verpasse – und das letzte dieser Art bis Cottbus am 3. Februar, sofern sich nicht in Johannesburg eine magische Kneipe findet. Weil ich unsinnigerweise in Hamburg bin. Jedenfalls fußballerisch unsinnigerweise. Dazu noch an einem nicht eben sonderlich zentral gelegenen Veranstaltungsort. An Tagen wie diesen kann das schon mal passieren. Weiter geht es am Wochenende. Hoffentlich mit drei Punkten mehr im Gepäck. Chemnitz 2010 reloaded muss nämlich nicht sein. Eigentlich muss Chemnitz überhaupt nicht sein.

PS: Verehrter Herr Potofski: Es ist nicht eben sonderlich erstaunlich, dass auch Menschen, die „aussehen wie“ der Duisburger Torhüter, mit Nachnamen Müller heißen. Jedenfalls nicht im Jahr 2012. Ich persönlich schlage vor, Sie buchen einen möglichst langen Urlaub auf den Philippinen, um sich um die dortige Verbreitung dieses Namens Gedanken zu machen. Oder sonstwo. Ist mir eigentlich egal. Hauptsache lang. Grüße aus einer der bestimmt auch irgendwie schönsten Städte der Welt, die heute immerhin vergleichsweise trocken war. Und jetzt: Das Wetter. /juli

Ohne Polizei

Wieder Freitagabend, wieder Mommsenstadion. Wieder ein Highlight. Diese Berlin-Liga ist so ein bisschen wie indisches Essen: Meistens recht ähnlich im Geschmack, gelegentlich etwas fleischlos, aber eigentlich doch immer ganz geil. Und nicht allzu teuer. Wenn es einen Oscar für schiefe Vergleiche gäbe – nun ja. Mahlzeit. Diesmal jedenfalls eine Tour in den tiefen Westen ganz ohne berittene Polizisten, ganz ohne Kommerzmüll, ganz ohne Anti-Antifa-Parolen. Ein schöner Kontrast zu Montag. Amateurfußball kann so erholsam sein.

Das dieswöchige Derby fand also gegen Türkiyemspor statt. Einem Kreuzberger Verein, der in den 80ern und 90ern drittklassig mit tausenden von Fans für Furore sorgte. Den aber, wie so viele Vereine in dieser Spielklasse, auch Finanzsorgen plagen. TeBe dürfte das bekannt vorkommen. Immerhin gab es bisher meines Wissens keinen Song von Landser, der sich mit TeBe befasst. Das ist bei Türkiyemspor anders. Macht sie keineswegs unsympathischer. Ich hoffe, nicht den Inhalt des Songs beschreiben zu müssen, um diesen Satz verständlich zu machen. Und vermutlich ist es das Vorrecht des St. Paulianers, selbst bei einem derartigen Spiel im Vorspann gleich zweimal von Faschoscheiße zu sprechen. Oder aber das Vorrecht des Andereskennenden. Whatever.

Meine persönliche Hoffnung, es sei diesmal mit einem ansehnlichen Gästeblock zu rechnen, wurde allerdings enttäuscht. Auch in Kreuzberg sind die großen Zeiten vorbei. Eine Liga des Ruinierten, irgendwie. Oder des wieder aufwärts Strebenden, will man es positiv sehen. Sehen wir es lieber positiv. Sechs Punkte fehlten TeBe vor dem Spiel in Richtung Tabellenspitze. Angesichts der letzten, äh, Spiele durchaus überraschend. Da ist halt immer alles drin.

Ein paar Menschen hatten sich dennoch eingefunden, diesem Klassiker beizuwohnen. Ich auch schon wieder. Langsam dürfte sich eine Dauerkarte fast rentieren. Das Kölner Südstadion jedenfalls ist als mein meistbesuchtes Stadion inzwischen überholt worden. Auch eine Art, zum Berliner zu werden. Oder zum Westberliner. Oder nix davon, keine Ahnung.

Ein paar Menschen. Mindestens einer davon recht enthusiastisch.

Spielerisch durchaus ansehnliche erste Hälfte. Der Führungstreffer für TeBe in Minute 27, markiert durch Akgün. Nein, ich beherrsche die Namen immer noch nicht so wirklich. Aber ich hab in der 52. Minute ein Foto von der Anzeigetafel gemacht. Die zu diesem Zeitpunkt sogar mal funktionierte. Bis dahin kann ich also Sachverstand vortäuschen und danach dürfte der Leser ohnehin schon derartig hingerissen sein, dass meine sonstige Ahnungslosigkeit kaum mehr auffällt.

So sah das nämlich aus. Entweder progressiv oder optimistisch, ein solches Foto zu einem solchen Zeitpunkt.

Akgün also, mit einem Ball, der in diesem Stadion normalerweise fünf Meter über dem Tor oder aber mit der Geschwindigkeit eines durchschnittlichen M41er-Busses in den Armen des gegnerischen Torhüters landet. Es gibt sie noch, diese Wunder.

In Minute 33 dann auf der Gegenseite ein Elfmeter, für den das Attribut „merkwürdig“ schmeichelhaft wäre. Phrasenschwein sagt: Elfmeter ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Das tat er. Drin war das Ding auch. 12 Minuten später pfiff er ein weiteres Mal, Halbzeitstand also 1:1. Immerhin seit längerer Zeit keine grausame Leistung von TeBe, das machte Mut. Die Führung wäre durchaus verdient gewesen. Fand auch der gleich mehrfach etwas verfrüht anwesende Weihnachtsmann im schicken Union-Rot. Ja, das war Provokation. Ist mal nötig, hier einen anderen Ton anzuschlagen, wenn sich selbst letzte Woche nur ein einziger höchstpersönlich gezählter Herthaner über die bösen Unterstellungen dieses Blogs aufregte.

Die zweite Hälfte ließ sich gut an, will sagen, sehr gut, will sagen, mit der Führung in Minute 47. Die hab ich persönlich so irgendwie quer durch den Zaun mitbekommen, nebenbei mangels anderer technischer Möglichkeiten immerhin den Torjubel teilweise eingefangen. Mehr ging nicht. Ohne, dass ich mich jetzt auch hier noch über Auslöseverzögerungen oder mangelnde Lichtstärke auslassen werde. Das kann sowieso keiner mehr hören und darum wird sich demnächst gekümmert.

Das da hinten ist nämlich eine Jubeltraube und nicht etwa ein Freistoßausführungsplenum oder so.

Auf dem Platz ging aber noch so einiges. Zum Beispiel ein wunderschön herausgespieltes 3:1. Recht untypisch für TeBe – ein Angriff, der nicht nur bis zur Torlinie aus tollen Kombinationen bestand, sondern sogar darüber hinweg. Per elegantem Abstauber. Da scheint eine Mannschaft ihre Torgefahr wiederzuentdecken. War nach dem Tasmania-Offensiv-Slapstick in der Vorwoche nicht unbedingt zu erwarten.

Der Rest dann Formsache. Irgendwie. Also so Formsache im TeBe-Style. Man muss sich natürlich ein 3:2 fangen. Erstaunlich war das erkonterte 4:2, das diesem Sieg ein völlig ungewohntes Gefühl gab. Er wirkte fast souverän. Nett der Wechselgesang mit der Mannschaft. Und nett, mit einer solchen Erkenntnis den Rückweg aus Charlottenburg anzutreten. Kann man gerne mal wieder so machen.

Damit dann auch Ende der Fahnenstange für Türkiyemspor. Bis zum nächsten Mal, hoffentlich, und alles Gute fürs Insolvenzverfahren.

Aus Traditionsgründen stand im weiteren Verlauf des Abends noch eine Runde Groundhopping durch Neuköllner Eckkneipen auf dem Plan. Hierzu keine weiteren Informationen. Nur soviel: Die hiesigen Bierpreise erfordern wirklich ein erstaunliches Maß an Selbstkontrolle. Das ich gestern bewiesen hab, wofür ich mir jetzt selbst ein wenig auf die Schulter klopfen werde. So in etwa bis morgen um 13:30 Uhr. Millerntor. Duisburg. Ich nicht da, leider. Freu mich drauf, trotzdem. Wird gut. Vielleicht gar souverän. /juli

Du kannst so hässlich sein

Nach Abpfiff, nach dem mehr als unschönen Weg zum Bahnhof, nach der Tour gen Stresow und zurück Richtung Charlottenburg und dann irgendwie in angenehmere Teile dieser Stadt – da kam ich in Versuchung, meinen gesamten Spielbericht bereits per Handy in der Bahn zu schreiben. Er hätte gelautet „Ich habe nicht annähernd Lust, über diesen Drecksverein, seine Kommerzarena und seine Fascho-Fans auch nur ein Wort mehr als diesen Satz zu verlieren.“ So richtig hab ich das zwar immer noch nicht, aber bei allem Frust und Ärger ist mein eigener Anspruch dann doch etwas höher. Außerdem spare ich mir diesen Satz für das nächste Spiel in Rostock auf. Im Pokal oder so.

Was war passiert? Hm. Gehen wir auf Spurensuche. Treffpunkt so ab 16 Uhr die Astra-Stube Neukölln, die ich nach dem Warm-up am Vortag etwas später als zum idealen Zeitpunkt verlassen hatte. So viele bekannte Gesichter, so gute Musik, so tolle Leute – kann halt mal passieren. Von dort aus ging es Richtung Alexanderplatz. Bin nicht gut im Schätzen, aber waren schon einige Leute. Ein wenig Pyro, etwas Lärm. Nix Dramatisches, trotz des angeblich „feindlichen“ Verhältnisses zu Hertha. Aber gut, dazu kommen wir mit Sicherheit später noch.

Die übliche unfassbar lange S-Bahn-Fahrt. Gefühlt ist Cottbus das eindeutig näher gelegene Auswärtsspiel. In der Bahn einige echt nette Herthaner. Ist mir auch schon anders passiert, kam insofern etwas unerwartet. Als freundlicher Problemfan, der ich bin, hatte ich fast die Hoffnung, auch dieser Verein könne langsam ein wenig von seiner Beschissenheit abgelegt haben.

So also sieht ein Handyfoto aus, wenn man eigentlich ganz andere Dinge als Fotografieren im Kopf hat.

Die Berliner Polizei jedenfalls nicht. Aber ich mag Pferde ja. Zumindest ohne Bullen auf dem Rücken. Sehr martialisch, passend zur Kulisse der Olympischen Spiele von 1936. Wobei dieses Stadion von außen ohne Frage schöner ist als von innen. Maskottchen, Werbung, ein extrem nerviger Stadionsprecher – es sind diese Momente, in denen man weiß, was man am Millerntor hat. Ohne dass dort alles perfekt wäre. Aber der Unterschied, der ist himmelweit. Übrigens auch, was das Maß an Kontrollen und Ordnern und perfekt reguliertem Schwachsinn angeht. Zwei Kontrollen, gelegentlich auch drei, es nervt.

Das galt auch für das Spielerische. Angesichts der doch recht vielen Ausfälle bei Braun-Weiß sicher eine ordentliche kämpferische Leistung, bestimmt kein schlechtes Spiel. 85 Minuten lang erschien es ausreichend, um wenigstens einen Punkt mitzunehmen. Aber wie lange ein Spiel dauert, ist bekannt. Auch ein, zwei auf verzweifelte Weise gefährliche Angriffe der Magischen änderten daran nichts mehr.

Schluss. Etwas enttäuschend, aber nicht eben unerwartet. Und natürlich verdient, keine Frage. Wir sind diese Saison nicht in der Situation, uns wirklich mit Teams wie Hertha messen zu können. Eine bittere Erkenntnis, aber so ist es eben. Wenn alles perfekt läuft, dann hat man sicher Chancen. Lief es nicht, jedenfalls nicht auf dem Platz. Die Leistung auf den Rängen hingegen, die war sehr in Ordnung.

Hier sieht man sie. Irgendwie. Ein bisschen.

Auch wenn Stadionsprecher und Musikbeschallung direkt nach Abpfiff alles taten, um jede Atmosphäre im Keim zu ersticken. Selten so nervig erlebt. Es schien fast, als ob die Mannschaft auf das Ende dieses Plastikmülls wartete, bis sie in die Kurve kam. Dass und wie sie das tat, war aller Ehren wert. Ein angemessener Dank an alle Mitgereisten jedenfalls.

Der Grund für meine aufgebrachte Stimmung in der Bahn aber war neben diesem furchtbaren Stadion ein anderer. Rückweg, kurz vor der S-Bahn, die übliche Polizeikette. Ein, zwei fliegende Flaschen und Becher, nicht sonderlich gezielt. „Deutsche, wehrt euch, geht nicht zu St. Pauli“, „Nieder mit der Antifa!“ Soso. Es ist nicht unbedingt so, dass mich solche Gesänge bei St.-Pauli-Auswärtsspielen in gewissen Regionen dieses Landes (womit sicher nicht nur der Osten gemeint ist, was ja auch angesichts der Lage des Olympiastadions merkwürdig anmuten würde) wirklich überraschen. Was Hertha angeht, schon ein wenig. Die habe ich bisher immer nur als teilweise prollig, nervig, wasweißich empfunden… ein Verein, der zumindest keine übermäßig großen Naziprobleme (mehr!) hat. Ich weiß nicht, ob diese Menschen am Bahnhof Herthaner waren. Es waren jedenfalls nicht wenige und die Herthaner schienen sich von ihnen nicht sonderlich gestört. Abstoßend. Nein, ich mochte Hertha auch vorher nicht. Ja, ich mag sie jetzt noch weniger. Bin selbst überrascht, dass das möglich war.

Bleibt zu summieren: Ein Verein, der mit Gästefans so umgeht und sie dermaßen massiv kontrolliert, ist ein Drecksverein. Ein Stadion, in dem Verletzungen von einer Apotheke und gelbe Karten von der Bahncard gesponsert werden, in dem mittels Halbzeitspielchen und Permanentmusik jede Atmosphäre verlässlich getötet wird, ist eine Kommerzarena. Dass sich darin ausschließlich oder mehrheitlich Fascho-Fans aufhalten, glaube ich natürlich nicht. Dass die am Ende zu allem Übel aber auch noch ihren Auftritt hatten, führt zum Fazit: Gute Ansätze, aber Scheißtag. Berlin von seiner unschöneren Seite. Am Sonntag wird alles anders. Und sowieso. /juli

TeBe ist überall

Hätte ich diesen Artikel mit meinem Handy geschrieben, so wäre es vermutlich ein recht überraschender Bericht über Tansania geworden. Der glorreiche SV Tasmania Berlin ist nicht mehr relevant genug für die Autokorrektur. Dabei hat er doch – vielmehr: sein Vorgänger SC Tasmania 1900 – große Berühmtheit durch sein Abschneiden in der Bundesligasaison 1965/66 erlangt, in der Tasmania… tja, stets redlich bemüht war. Einige der damaligen Minusrekorde bestehen bis heute. Andere wurden erst in der Saison 2009/2010 durch einen allseits beliebten Spandauer Zweitligisten unterboten.

Werner-Seelenbinder-Sportpark also. Rixdorf. Vulgo: Bezirk Berlin-Neukölln. Weltweit bekannt durch brennende Mülltonnen mit Migrationshintergrund und den Mangel an anständiger deutscher Wurst. Ein Glück, dass ich in Kreuzberg wohne und nicht in dieser schweinefleischbefreiten Zone. Das wird man ja wohl in diesem eurem Lande noch sagen dürfen.

Während ich solches Zeug erzähle, machen jene Herren sich schon mal auf den Weg.

Die von dort anfallenden 200 Meter zum Hermannplatz legte ich also wie immer fröhlich ehrenmordend und drogenkonsumierend zurück. Vorbei an den beiden dort beheimateten Wurstständen – auf Kreuzberger Seite, wohlgemerkt. Das ist ja wichtig. In Vorfreude auf ein Spiel, das immerhin wieder einmal ein Aufeinandertreffen zweier ehemaliger Berliner Bundesligisten bedeuten sollte. Zwei von vier. Was TeBe angeht, bereits die zweite Veranstaltung dieser Art in der laufenden Saison – die erste verlief gegen Blau-Weiß 90, nun, nicht übel. Es wäre insofern nicht vermessen, TeBe als eindeutige Nummer eins der Stadt anzuerkennen. Wenigstens misst man sich mit den hiesigen ehemaligen Bundesligisten. Das können die Spandauer nicht von sich behaupten.

Dennoch, sieben lila Tore waren diesmal eher nicht zu erwarten. Dafür reichlich Publikum in Braun-Weiß, schon angesichts der günstigen Lage unweit der Astra-Stube und des für Nicht-Berliner zeitlich natürlich absolut hervorragenden Anstoßes der St.-Pauli-Partie bei Hertha am Montag um 20:15 Uhr. Was bei denen in der Wurst ist, weiß ich übrigens nicht.

Das Stadion, nun, ist ein eher simples. Mit hervorragender Auswahl an Getränken und sonstigem allerdings. Die Tüte gemischter Süßigkeiten für 50 Cent verführte durchaus, das Bier für 2 Euro noch wesentlich mehr. Trotz sehr glühweintauglicher Temperaturen. Den gab es auch, aber nicht allzu lange. Genauso wie – hey, Wurst.

Die waren auch alle da. Sogar noch mehr. Aber ich wollte herbstliche Tristesse vermitteln.

Spielerisch lief es wie bei TeBe zuletzt üblich. Phasenweise fast drückend überlegen und mit besten Torchancen, aber ohne Zählbares. Bei Tasmania umgekehrt, somit recht glückliche 1:0-Führung für die Gastgeber zur Halbzeit. In Hälfte zwei änderte sich daran nichts, vom erwartbaren Seitenwechsel einmal abgesehen. Das 2:0 also als logische Folge der eigenen Harmlosigkeit. In der Nachspielzeit erzielte Lila-Weiß dann zwar noch den Anschlusstreffer, das kam aber eindeutig zu spät. Resultat: Der Schlusspfiff und eine unnötige, unbefriedigende Auswärtsniederlage.

Auch er konnte das nicht so richtig ändern.

Einige Spieler von Tasmania sahen das etwas anders und fühlten sich offenbar dazu aufgefordert, den Gästefans sehr deutlich zu zeigen, wer gerade das Spiel gewonnen hat. Kam nicht unbedingt gut an. Auch nicht bei der Mannschaft. Als Bonus somit noch eine kleine dritte Halbzeit inklusive roter Karte für einen TeBeler. Warum, weiß ich nicht genau. Vermutlich Tätlichkeit oder so. Was man halt macht, wenn sich nach Schlusspfiff alle gegenseitig durch die Gegend schubsen. Irgendwie ähnlich wie letzte Woche.

Da geht es vermutlich um die Wurst.

Nur ohne Punkt, diesmal. Und das, obwohl man nicht eben behaupten kann, Tasmania sei mit TeBe Schlittschuh, äh, Schlitten gefahren. Nun, TeBe ist überall. Manchmal ärgert man sich ein wenig, dass man auch dabei war. Obwohl – nein, eigentlich nicht.

Direkt nebenan hingegen fuhr man Schlittschuh. Es ist ja nicht alles schlecht in Neukölln, angeblich.

Gleich geht’s los Richtung Spandau. Der Besuch bei der alten Dame. Kaffeeklatsch wird es wohl eher keiner werden, was eigentlich etwas bedauerlich ist. Wobei mir ein Auswärtssieg in jedem Fall lieber wäre. Sofern sich noch irgendwo elf braun-weiße Spieler auftreiben lassen. Man möge gespannt sein. /juli

 

Du bist einfach zu bescheiden

Zugegeben, meiner (heiligen) Bloggerpflicht kam ich in der letzten Woche eher mäßig nach. War doch so viel passiert. Viel Arbeit, für mich. Ein großer Erfolg, für mich – und sein Gegenteil. Und nebenbei wurde gar noch Fußball gespielt. Da fehlte die Zeit und die Freiheit, schon im Geiste, Brauchbares zu formulieren. Zwei oder drei Varianten sind im Papierkorb gelandet – zugunsten der Entscheidung, mit längerer Anlaufzeit Lesenswerteres zu servieren. Hoffe, das klappt.

Eine kurze Rückschau sei mir dennoch erlaubt. Dürfte ohnehin schwierig werden, das zu verhindern jetzt. Zu der im Titel dezent angedeuteten Partie kommen wir gleich. Mittwoch Pokal. Stuttgart. Nun, ich verfolgte es wegen einer zwei Stunden vor Anpfiff beendeten Prüfung am Fernseher. Dort kam es mir so vor, als hätte man mit erschreckend schwacher (eher: kaum wahrnehmbarer) Leistung ein hochverdientes 0:3 aus braun-weißer Sicht kassiert. Was meine ohnehin nicht hohen Erwartungen eher noch unterbot. Berichte aus dem Stadion aber überzeugten mich später von einem überraschenden 4:3-Auswärtssieg. Womit man natürlich zufrieden sein kann. Belassen wir es dabei.

Samstag ging es weiter, bei 1860 München. Bin kein großer Fan dieses Vereins und ehrlich gesagt auch nicht dieses Stadions. Mag daran liegen, dass der magische FC dort bisher eher. Ja. Ich lasse den Satz bewusst an dieser Stelle enden. Zu mittäglicher Uhrzeit, ein Hoch auf die Anstoßzeiten, lief aus mir nicht bekannten Gründen diesmal alles, wirklich alles, komplett anders. Nicht nur der Sieg, damit wäre ich psychisch irgendwie noch klargekommen. Es war die Art und Weise. Souverän. Spielerisch stark, taktisch perfekt eingestellt, defensiv meistens sehr sicher und vorne jederzeit torgefährlich. Es hätte höher als 2:0 ausgehen können, müssen. Nach 45 Minuten freute ich mich tatsächlich auf die zweite Hälfte, das ist mir seit dem letzten Spiel der vergangenen Saison nicht mehr passiert. Lass es niemals enden.

Grund genug also, nach sieben Punkten aus drei frontzeckschen Spielen auch den Meistertitel sowie die Champions-League-Plätze wieder ins Visier zu nehmen. Wurde Zeit. Vor Barcelona aber stand wie üblich Bochum. Montagabend, ein weiteres Hoch auf die Anstoßzeiten. Somit für mich mal wieder: Keine Chance. Oder vielleicht schon. Aber nur, wenn ich das mit dem Staatsexamen perspektivisch eher sein lasse. Ist zwar immer wieder eine Überlegung, würde auf Dauer aber wohl zu gewissen Problemen führen. Da ich kein Problemfan bin, auch wenn die blauen und grünen Damen und Herren das eventuell gelegentlich anders sehen, beließ ich es bei der wunderbaren, vermutlich an dieser Stelle noch nicht ausreichend erwähnten Astra-Stube Neukölln.

Die überraschend voll war, wenn man bedenkt, dass Scheiß-Sport1 das Spiel auch übertrug. Na, wie auch immer. An Kalla als Kapitän werde ich mich vermutlich nie so richtig gewöhnen. Hab ja gar nix gegen ihn, aber in mein wahrscheinlich einfach sehr archaisches Bild von einem Spielführer passt er irgendwie nicht. War aber so, kann man nicht ändern. Glaub ich, ich hab es nicht versucht.

Alles andere wesentlich positiver. Daniel Ginczek lässt die leichten liegen, macht die schwierigen rein. Das reicht erstmal. Unschön, wenn man danach völlig abschaltet, Bochum laufen lässt, sich anscheinend nur noch irgendwie in die Pause retten will. Schön dennoch: Das klappte.

Ein zweifelhafter Freistoß und der Rücken von Christoph Dabrowski sorgten für das am Millerntor gefühlt in letzter Zeit nicht unübliche Ereignis, dass eine Mannschaft ohne Torchance einen Punkt entführt. Eine Gastmannschaft, wohlgemerkt. Dass sich Markus Thorandt in diesem Zusammenhang wegen Meckerns seine fünfte gelbe Karte abholte und deswegen nächsten Montag (ausgerechnet…) in Berlin fehlen wird, kann ich menschlich voll verstehen. Ist sportlich aber irgendwie scheiße.

Es besteht trotzdem eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich irgendwo im magischen Kader noch Innenverteidiger, vielleicht Außenverteidiger, eventuell defensive Mittelfeldspieler finden lassen. Bei der U23 zu suchen, dürfte sich aktuell eher nicht empfehlen, aber über deren Spiel in Hannover schreibe ich mal lieber gar nix. Man muss sich den Tag ja nicht selbst verderben.

Ein Punkt zuhause gegen Bochum also. Für Euphorie reicht das nicht. Für Frust auch nicht. Ich mag keine Unentschieden, ich will mich für eine Emotion entscheiden können. Hoffen wir, dass das am Sonntag und Montag klappt – Tasmania und Hertha bitten zum Tanz. Ich werde berichten. Dann gibts auch wieder Bilder. Venceremos. /juli

Freitage

Es gibt sie, diese Tage. Wo man keine Kraft und Motivation findet für die Dinge, die man eigentlich machen sollte. Die angeblich wichtig sind. Stattdessen den Blick permanent und nur auf ein halbwegs interessantes Amateurfußballspiel am Abend richtet. Man bezeichnet diese Tage in meinem Fall als Freitage.

Auch auf der Haupttribüne befasst man sich mit den wichtigen Dingen.

Die Anwesenheit großer Teile des wunderbaren Fanclubs Last Minute Sankt Pauli sollte der Stern werden, unter dem dieses Spiel stand. Tennis Borussia Berlin gegen den SC Gatow, ein Freitagabend im Mommsenstadion. Auf zum Eichkamp, schnell noch einen TeBe-Debütanten eingesammelt und los gings. Premieren im Mommsenstadion sind ja immer so eine Sache, jedenfalls wenn es um Menschen in meinem Bekanntenkreis geht. Gewonnen hat TeBe bei diesen Gelegenheiten noch nie, in der Regel stand am Ende ein Unentschieden. Wie auch bei mir selbst, damals, gegen Neustrelitz oder so. In weitaus angenehmeren Tagen, rein sportlich betrachtet.

Wie dem auch sei. Serien sind dazu da, sie zu beenden und die Berlin-Liga ist kein ganz schlechter Ort. Wenn man sie aber nach oben verlassen will, dennoch, so sollte man gegen Teams wie den SC Gatow wohl gewinnen.

Wie die Spieler der Borussia das sehen, weiß ich nicht. Vielleicht war ich einfach schlecht gelaunt, möchte die erste Halbzeit jedenfalls aber als „grauenhaft“ umschreiben. Kaum Erwähnenswertes, schon gar nicht spielerisch. Ein Lattentreffer von TeBe in Koproduktion mit der gegnerischen Abwehr, sonst nur viel Angefangenes und wenig Beendetes. Immerhin regnete es nicht. Lobenswert. Und es gab Glühwein.

So jedenfalls sieht es die sportliche Leitung. Kritisch, möchte ich meinen.

Mit meiner Prognose, es könne nur besser werden, lag ich dennoch falsch. Ein absurder Torwartfehler leitete den Gatower Führungstreffer ein, der zwar unverdient, aber angesichts des merkwürdigen Auftritts von TeBe auch nicht allzu überraschend war. Danach kam weiterhin nicht viel. Es lief einfach nichts zusammen. Es gibt sie, diese Tage. Im Falle von TeBe nennt man sie Spieltage.

Wenn nix zusammenläuft, kann man auch mal selbst sitzen bleiben.

In der 95. Minute war dann eigentlich auch alles gelaufen. Die ersten verließen das Mommsenstadion. Mach ich persönlich ja nie vor Abpfiff. Bessere Entscheidung in diesem Fall. Es gab nämlich noch was zu sehen. Eckball TeBe. Na gut, das an sich klingt nicht zwingend nach großem Sport. Besonders nicht, wenn man die Eckbälle von TeBe kennt. Vor der Ausführung ein Platzverweis, Lila-Weiß in Unterzahl. Sah nach einigen netten Worten an die Adresse des (gar nicht mal so üblen) Schiedsrichters aus. Torhüter mit im gegnerischen Sechzehner, wenn auch nicht unbedingt am Ball, sondern eher an den Gegenspielern interessiert. Kann man machen.

Tja, und Tor. Ganz lapidar gesagt. Hatte keiner mehr mit gerechnet, passierte aber trotzdem. Fußball halt. Last Minute und so. Lucky Punch. Der Quatsch eben, den einem Marcel Reif und Kollegen bei solchen Gelegenheiten immer erzählen. 1:1 jedenfalls, ein irgendwie gewonnener Punkt, insgesamt zwei Punkte zu wenig und das sich allgemein ausbreitende Gefühl, man hätte nicht unbedingt sämtliche relevanten Ereignisse dieses Spiels in Minute 95 verlegen müssen.

Der Herr auf der anderen Seite des Zauns hätte sich wohl eher gefreut, hätte sich die 95. Minute ihre Ereignisse erspart.

Es gibt sie, diese Abende. Wo ein furchtbares Spiel in ein furioses Finale mündet und man am Ende keine Ahnung hat, was man damit anfangen soll. Man bezeichnet diese Abende in meinem Fall als TeBe-Spiele. Darüber zu schreiben, ist vermutlich meine persönliche Rettung vor dem endgültigen Wahnsinn. Schönen Sonntag, übermorgen abend gibt’s wieder Helden in braun-weiß. Und hoffentlich am Ende deutlich weniger Ratlosigkeit meinerseits.

PS: Es soll nicht der Eindruck vermittelt werden, TeBe-Spiele seien meistens unansehnlich, langweilig und unergiebig. Das Gegenteil ist der Fall. Und wenn doch, kann man sich beispielsweise mit hochkomplizierten Fangesängen ablenken. Als Klatschpappenäquivalent empfehle ich hier Gesangsbücher. Wobei, das klingt schon fast wieder nach Union. /juli