Was kann uns schon geschehen?

Wenn ein Schlager das größte Thema nach einem Heimspiel des immer noch ziemlich magischen FC ist, muss es ein gutes Heimspiel gewesen sein. Niemand tanzte Samba mit uns und auch in die Hölle wurden wir nicht geschickt. Es war dennoch Wahnsinn. Wahnsinn, weil es an der Zeit dafür war. Wahnsinn, weil endlich, endgültig, die letzte Saison dort landet, wo sie hingehört. Auf dem Müll (Müll, Sondermüll.).

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins konnte ich diesen Spieltag zwar nicht begehen, aber bekanntlich sind Kreuzberger Nächte lang. Selbst wenn sie in Neukölln stattfinden. Es war schon dunkel, als ich durch die Weichselstraße heimwärts ging – aber in mir wurde es langsam wieder hell. Hell, weil das Ende der harten, fußballlosen Zeit endlich da war. Hell, weil sich alle Wünsche und Hoffnungen, manifestiert in diesen 90 Minuten, dann doch bestätigt hatten.

Aber beginnen wir dort, wo die meisten Dinge beginnen. Am Anfang. Der war gar nicht mal so schlecht. Jenseits jeglicher Produktivität auf den Anpfiff hinzitternd, natürlich. Aber das kennt man doch. Mein Fallschirm und mein Rettungsboot war einmal mehr der FC St. Pauli. Dennoch, ein bisschen Spaß muss sein, und so befasste ich mich notgedrungen noch ein wenig mit der Ligakonkurrenz aus Aue, Sandhausen, Aalen und Ingolstadt. Man kann sich die Anstoßzeiten ja nicht aussuchen. Auch wenn sie einst besser gewesen sein mögen – für mich und vor allem für Düsseldorf am Rhein.

Es mag sein, dass sieben Fässer Wein uns nicht gefährlich seien. Mit Astra sieht das natürlich schon etwas anders aus. So erklärt sich vielleicht auch die gefahrensuchende Rekordkundschaft in der kleinen Kneipe in unserer Straße. Aber immerhin, diese Straße, sie trug St. Pauli.

Und von Anfang an war uns klar: Das wird ein heißer Sommer. Vielleicht sogar einer, wie er früher einmal war. Eine großartige erste Viertelstunde des Ach-ja-doch-irgendwie-Magischen FC. Natürlich ist das noch kein Maßstab, aber mit unserem Glück ist bis hierhin alles okay.

1860 kam zurück. Sie waren ja auch nie weg. Rzatkowski rettete auf der Linie für den geschlagenen Tschauner. Und dann war Halbzeit.

Schuld war nur Michael Frontzeck. Doch dann fing für mich die große Liebe an. Zwar wechselte er nicht, warum auch. Zwar wurde dieses merkwürdige Zweitteam des FC Bayern stärker und stärker. Aber es gibt auf Erden nicht nur den einen. Es gibt so viele – und vor allem Lennart Thy. Der Thy, der schon abgeschrieben war letzte Saison. Der war weg. Und dann macht ausgerechnet dieser Thy dieses Ding, dieses Tor. Eiskalt wie eine Hundeschnauze, so was hat man noch nicht gesehen. Gabor Kiraly offenbar auch nicht. Jedenfalls machte er keine größeren Anstalten, diesen Ball zu halten. Hätte man machen können. Musste man aber nicht zwingend.

Der Rest war die obligatorische Panik vor dem überflüssigen Ausgleich. Muss man nix zu sagen, kennt jeder. Gefangen hat man ihn nicht, und das ist aller Ehren wert. Ein guter Auftakt. Zu einer hoffentlich grandiosen Saison.

Wer in den Kommentaren die meisten Schlager nennt, auf die in diesem Text eventuell angespielt worden sein könnte, bekommt übrigens ein Bier von und mit mir ausgegeben. Ich verfolge dabei einen recht weiten Schlagerbegriff, aber möchte behaupten, dass sich auch recht unmusikalische (und dennoch bekannte) Phrasen hier wiederfinden. Wer auch immer die eingebaut hat. Nun ja. Faires Angebot, finde ich. /juli

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Wer suchet, der findet

Zum Saisonstart gibt’s neben dem nächsten Häppchen Afrika-Cup ein klein wenig Nabelschau von mir. Nämlich die schönsten Suchbegriffe, die sich seit dem Start dieses Blogs im letzten September so angefunden haben. Fast so verstörend wie meine eigene Google-Chronik – und eventuell, ganz vielleicht, ein Hinweis darauf, wie dieses „Internet“ so funktioniert. Also, hier meine persönliche Top 20:

Platz 20 geht an „champions weiß oder braun“. So schnell wird man vom Fußballfan zum Pilzsammler. Als hilfsbereiter Mensch ist das aber alles kein Problem. Mein Tipp: Immer das Billigste.

Platz 19 war auf der Suche nach etwas sehr Nachvollziehbarem. „lila wolken umschreibung“. In diesem Fall kann ich leider nicht ganz so gut weiterhelfen. Ich empfehle aber: Drogen. Egal welche. Auf die Dosis kommt es an.

Den Suchbegriff auf Platz 18 nahm ich mir persönlich sehr zu Herzen – „handyfotos hässlich“. Lieber Suchender, auch hier habe ich Abhilfe geschaffen. Meine Fotos entstehen inzwischen mit einer grandiosen Pentax K-5. Sie sind zwar immer noch hässlich, dafür aber teurer.

Mit einem ähnlichen Problem befasst sich Platz 17: „spiel hässlich wiedeer schön“. Auch hier sei auf meine patentierte Lösung bei St.-Pauli-Spielen verwiesen – Drogen. Siehe oben.

Die Schwierigkeit bei Platz 16 erschließt sich mir leider nicht so ganz. „slip n slide selber machen“. Als irgendwie punkrockaffiner Mensch bin ich ja der Ansicht, man sollte grundsätzlich alles selber machen. Wie das in diesem Fall geht? Ich empfehle Ausprobieren. Oder doch lieber Drogen.

Nicht aber jene, die Platz 15 konsumieren möchte. „zigarettenglut lila machen“. Man möge mir glauben, das kann nicht gesund sein. Rauchen sowieso nicht. Und Lila macht auch noch depressiv, wie jedem Besucher des Mommsenstadions bekannt sein dürfte.

Platz 14 hätte mich gerne auch persönlich ansprechen können. „kann aus geil finden mehr werden“. Das ist durchaus einfach zu beantworten: Ja. Lies hier einfach ein bisschen, und schon wirst du mich sogar sehr geil finden.

Platz 13 sucht ein „klatschwerkzeug“. Empfehlung: Hände.

Sofern die mal nicht ganz sauber sind, darfst du es gerne mit Platz 12 versuchen, „verrückte handwaschbecken“. Wobei ich selbst geistig gesunde Handwaschbecken in jeder Lebenslage bevorzugen würde.

Von reinem Pragmatismus getrieben wird Platz 11. „kann ich mit dem quer-durchs-land-ticket mit dem schieffahren?“. Hm… nein. Dazu sage ich jetzt mal nichts. In diesem Fall sind alle billigen Wortspiele bereits gemacht und für qualifizierte Antworten ist dieses Blog noch nie zuständig gewesen.

Auch Platz 10 befindet sich in einer Notlage: „kommen die toten hosen nach braunschweig“. Wenn sie es nicht vermeiden können, werden sie das vermutlich tun. Aber ich darf dich beruhigen: Normalerweise kündigen sie Derartiges recht deutlich an. Dir wird also genug Zeit zur Flucht verbleiben. Komm doch ans Millerntor.

Bei Platz 9 frage ich mich wirklich, wie er hierher geraten ist. „spielen wir ein spiel! zu euch kommen unerwartet gäste ihr habt zu hause -saft , -wasser und kalten tee. was machst du als erstes auf?“. Das ist unrealistisch. Zuhause habe ich lediglich Bier, Wein und harte Alkoholika. Mit diesen Getränken lenke ich mich von dem Fakt ab, dass zu mir nie unerwartet Gäste kommen. Und: Ich hasse Spiele.

Hingegen liegt mir Nummer 8 deutlich näher: „wenn die so spielen wie die letzten spiele das verlieren wir 4:1 aber ich bin optimist und sage 1:2“. Genau das ist die Form von Optimismus, die diesen Blog seit Jahrzehnten auszeichnet. Du bist St. Pauli, komm in meine virtuellen Arme.

Platz 7 hat sich deutlich verfahren. „naki männer von vorne gesehen(mit frauen“. Man muss das einfach mal sacken lassen, denke ich. Meine Empfehlung wäre, bis dahin einfach mal bei Youtube nach dem grandiosen Hip-Hop-Video von Deniz Naki zu suchen. Das dürfte dem Gewünschten schon recht nahe kommen.

Auf der 6 findet sich ein ambitionierter Sportinteressierter mit der berechtigten Frage nach „olympische spiele 1936-schiedsrichter aus der pfalz“. Wieso ihn diese Frage hierher führt? Tja, das sollte ich vielleicht bei Gelegenheit googlen. Bedenklich ist das schon.

Die 5 scheint mir etwas unangenehme Intentionen zu haben. „was kann man alles mit einem stubenküken machen“. Ich empfehle, es liebevoll und aufmerksam zu behandeln, dann wird es schon bald zu einem stolzen Schwan heranwachsen und kann auf den Grill.

Nummer 4 weist mich dezent auf ein Problem dieses Blogs hin, nämlich „gegenderte menschen“. Die finden sich hier nicht. Ich bevorzuge einfach Menschen. Sollte man mich dereinst auch mit dem Suchbegriff „Menschen“ bei Google finden, dann habe ich es wohl endgültig geschafft. Weltherrschaft, Champions-League-Sieg, sowas halt.

Den Drittplatzierten würde ich gern als Einleitung für jeden meiner Texte benutzen: „morgen ist derby. nicht irgendeine, sondern das derby! dazu sollte man etwas wissen und das erzähle ich hier mal kurz“. Wohin soll ich die Lizenzgebühren überweisen?

Knapp, aber verdient ging Platz 2 an „werden in neuseeland jugendtrainer gesucht?“. Hm. Hmhm. Nun, vermutlich schon. Einfach mal in Neuseeland nachfragen, würde ich sagen.

Und Platz 1 hat es wirklich geschafft. Hier endet selbst meine gewaltige Kompetenz in sämtlichen Fragen des Fußballs, ob auf oder neben dem Platz. Hier komme ich in Regionen, die eine unendliche Weisheit und Lebenserfahrung fordern, die ich hoffentlich einmal erwerben werde können, zu der ich es jedoch bislang nicht brachte. Mein herzlicher Dank an den Unbekannten mit der Frage „wie viel verdient taxifahrer in neustrelitz“.

Ich bin ratlos. So viele Themen, die es in den kommenden Wochen ausführlich zu bearbeiten gilt. Bis dahin erst einmal ein großes Danke an all meine treuen Leser der letzten Saison. Es hat immer Spaß gemacht, auch wenn manchmal die Zeit nicht reichte. Und es wird in dieser Saison mindestens genauso viel Spaß machen, vielleicht auch endlich wieder sportlich. Ich wünsche euch und mir alles Gute.

In zwei Stunden geht es los für den Magischen FC. Auf zur Löwenjagd – um gleich den Grundstein für die nächsten spannenden Suchbegriffe zu legen. /juli

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mbombela, 29.01.2013 – Busse und Bordelle

Ohne Frage bin ich mir der Tatsache bewusst, dass diese Überschrift eine recht ähnliche Funktion erfüllt wie Freibier in einer Kneipe. Die Erwähnung von Bordellen und St. Pauli in ein und demselben Kontext kommt eigentlich einer Einladung für Menschen gleich, die nicht unbedingt auf der Suche nach Reiseberichten über afrikanische Fußballturniere sind. Dieses Wissen aber ändert nichts an den Fakten, ich bin also völlig wehrlos angesichts der hiermit generierten völlig neuen Leserkreise. Der Hinweis, dass es nach wie vor mehr oder weniger um Fußball geht, sei mir dennoch gestattet. Und mit Fußball meine ich keinerlei sexuelle Vorlieben, sondern den Sport. Der zwar in seinen besten Momenten recht nah an eine sexuelle Vorliebe kommen kann, aber diese besten Momente verpasse ich irgendwie immer.

Beginnen wir also einfach mit den Bussen. Ich deutete es bereits an und ohnehin wird kein klar denkender Mensch so etwas gedacht haben – natürlich existiert keine Möglichkeit, ohne Umsteigen von Durban aus das nunmehr Mbombela zu nennende Nelspruit zu erreichen. Auch nicht zum Afrika-Cup. In der Theorie existieren Fußballfans für die südafrikanische Regierung zwar, in der Praxis aber bleiben sie brav an einem Ort oder zumindest bei einer Mannschaft. Oder sind reich und fliegen sowieso dauernd durch die Gegend.

Wir aber waren bekanntlich weder reich, noch reisefaul, höchstens ein wenig verrückt. Soweit zumindest die einzige relevante Erkenntnis, die ich irgendwo kurz vor Johannesburg mit abermals schmerzendem Rücken gewann. War die Park Station doch ohnehin ein guter Ort für Erkenntnisse jener Art, ich verweise nur auf unser dortiges Nachtlager vor der Abreise in Richtung Durban. In gewisser Weise pünktlich kamen wir an – zwar nicht zu einer Zeit, die mit dem Fahrplan auch nur annähernd korrespondierte, immerhin aber mit genügend Abstand zum folgenden Bus, der uns später tatsächlich ohne weitere Umwege in Richtung Mbombela bringen sollte.

Davor gab es aber, wie der geneigte Leser bereits vermutet haben wird, Unmengen von Dingen zu erledigen. Manchmal bewunderte ich D. für seine gnadenlose Übersicht über sämtliche anstehende Aufgaben in jeglicher Lebenslage. Man hätte ihn um 5 Uhr morgens wecken können und er hätte auf Anhieb gewusst, dass als nächstes die Anschaffung einer Gold Card für meine Wenigkeit auf dem Plan stand.

Das passte insofern ganz gut, dass der Bus recht exakt um 5 Uhr morgens die Park Station erreichte. Was eine Gold Card ist? Ich möchte behaupten, eine sehr südafrikanische Art von Zahlungsmittel. Gültig in nur einem der zahlreichen Nahverkehrsnetze Johannesburgs, den Verkehrsmitteln des Gautrain nämlich. Dazu zählte ein recht umfangreiches, von einem Betrunkenen geplantes Busnetz sowie die Züge der hochmodernen und völlig überteuerten U-Bahn, eingerichtet selbstverständlich im Vorfeld der WM 2010. Erwerben lässt sich diese Karte lediglich an U-Bahnhöfen, nicht aber an den wesentlich zahlreicheren Bushaltestellen und selbstverständlich auch nicht in den Fahrzeugen selbst. Auch aufladen lässt sie sich dort nicht. Hat man keine, hat man Pech. Ist die Karte leer, hat man Pech. Kostet die Fahrt 3 Rand und man hat noch exakt 20 Rand auf der Karte, hat man Pech. Weil ebenjene 20 Rand für immer und ewig auf der Karte verbleiben müssen. Aus Gründen. Selbstverständlich ist dies kein Pfand, das wird nämlich noch einmal unabhängig davon bezahlt. Insgesamt also eine durchdachte und simple Variante des bargeldlosen Zahlens. In etwa so verständlich, sachgerecht und realistisch wie eine Anleitung zum Bau eines funktionsfähigen Atomkraftwerks aus grober Leberwurst.

Diese Karte also galt es zu jener unerträglichen Uhrzeit an der Park Station zu erwerben, da wir sie zukünftig noch brauchen würden, wie uns D.s hellseherische Fähigkeiten oder auch sein inzwischen etwa auf 300 Seiten angewachsener Reiseplan verrieten. Überraschenderweise ging der Kauf völlig problemlos vor sich. Vermutlich sahen auch die Bahnangestellten ein, dass die im Gold-Card-System bereits angelegte Verwirrung ausreichend groß war und sie nicht weiter zu ihr beitragen mussten.

Frühstück bei Wimpy. Klingt fast ein wenig glamourös, bedeutet aber vor allem Speck. Was fraglos nicht die schlechteste Sache ist, die einem frühmorgens an der Park Station passieren kann. Vielleicht auch nicht die beste. Aber nach den Tagen in Durban befanden sich meine Ansprüche an ein gutes Frühstück etwa auf dem Niveau meiner Erwartungen an das Johannesburger Nahverkehrssystem.

Nahverkehr aber, der war uns ohnehin völlig fremd. Als Fernbusfirma hatten wir uns diesmal, hauptsächlich des schönen Namens und der Abwechslung wegen, City to City ausgesucht. Hier waren keine Verwechslungen möglich, auch wenn wir uns redlich bemühten. Der Bus kam erstaunlich pünktlich. Nachdem wir eingestiegen waren, drehte er eine etwa einstündige und völlig überflüssige Runde um den Busbahnhof. Vermutlich, um Mbombela nicht zu früh zu erreichen. Dort kamen wir nämlich fast auf die Minute pünktlich an. Eine Leistung, die ich auch bei der Deutschen Bahn für bemerkenswert erachten würde und die deswegen auch an dieser Stelle mein besonderes Lob findet.

Ein weiteres Lob für unsere jederzeit bis ins Detail perfekte Planung. Nahverkehrstickets für Johannesburg hatten wir nun, nicht aber ein Hostel in Mbombela. Was relativ blöd ist, wenn man sich in ebenjenem Mbombela befindet und dort auch die Nacht zu verbringen gedenkt. Aber mal ehrlich, dieser ganze Durban-Komfort wurde doch langsam sowieso langweilig. Dauernd Sonne, abends mit sicherer Unterkunft in einem ausreichend komfortablen Hostel, nebenbei ein bisschen Fußball und abgesehen davon eigentlich nur hervorragende Weine, Strand, ein bisschen Fotografieren und Pseudo-Sightseeing. Da hatte man, ich erwähnte es, doch tatsächlich das Gefühl, im Urlaub zu sein.

Konnte so nicht weitergehen. Jetzt wieder: Abenteuer. Die Möglichkeit zum totalen Scheitern, so ähnlich wie dort oben in Lesotho. Planlosigkeit. Spannung. Kurz: Endlich wieder richtiges Afrika-Cup-Feeling. Trotz immerhin wieder verdammt guten Wetters. Strömender Regen hätte besser gepasst zu unserer Reise ins Ungewisse. Aber was sage ich – hätten wir ein Wunschkonzert haben wollen, wir hätten vermutlich eine Bank überfallen oder so, um uns dann in einem 5-Sterne-Hotel all inclusive einzuquartieren. Wie das normale Touristen halt machen.

Sicher bin ich mir da nicht, aber vermutlich war der Ort, den wir schlussendlich aufsuchten, ebenfalls einer, den normale Touristen gerne frequentieren. Ein beschaulich schmutziger Seitenhof an der Hauptstraße, äthiopische Schriftzeichen und ein großes „Guest-House“-Schild. Weiteres Suchen ersparten wir uns, schließlich wusste der liebe D. mit absoluter Sicherheit zu berichten, dass es schlechterdings unmöglich sei, in Mbombela zentral gelegene Hostels zu finden. Nun, ob es ein Hostel war, blieb dahingestellt. Nachdem wir unsere jeweils 100 Rand für die Nacht entrichtet und unser Gepäck deponiert hatten, wurde uns das Zimmer gezeigt. Ein Doppelbett, dessen Sauberkeit knapp unterhalb unserer eigenen rangierte, nach mehr als 24 Stunden ohne Dusche bei seit Tagen absurd hohen Temperaturen. Der, nun, Angestellte jenes, nun, Etablissements befreite netterweise noch den Zimmerboden von benutzten Kondomen. Jedenfalls größtenteils. In dezenter Panik ob der Serviceleistungen, die eventuell im Preis inklusive waren oder deren Bezahlung gar noch von uns erwartet werden würde, verabschiedeten wir uns schnell in Richtung Stadion. Nicht ohne uns versichert zu haben, dass die entrichteten 100 Rand tatsächlich für die ganze Nacht galten und nicht etwa der Stundenpreis waren.

Die Shuttlebusse aus der Innenstadt sollten ab etwa 16 Uhr ihren Weg antreten. Somit vertrieben wir uns die Zeit bis etwa 17 Uhr auf einem malerischen Baumarktparkplatz in brütender Hitze, immerhin gut versorgt mit den gängigen 0,75-l-Flaschen des großartigen Castle Milk Stout.

Burkina Faso gegen die Titelverteidiger aus Sambia war angesagt, wobei Sambia einen Sieg benötigte, um das historische Ausscheiden in der Vorrunde noch zu vermeiden. Dafür taten sie leider genau nichts. Folgerichtig endete das Spiel 0:0. Nachdem die Fans aus Burkina Faso den Weg wohl in weiser Voraussicht größtenteils gar nicht angetreten hatten, fanden wir uns nunmehr inmitten eines recht aufgebrachten sambischen Rückfahrbusses wieder. Angeheizt wurde die Stimmung besonders durch einen schwankenden Herrn, der im Wechsel seine Vuvuzela und seine Bierflasche bediente, mit jeweils eher mäßigem Erfolg. Unser latentes Desinteresse an den Ereignissen des Spieltags versteckend, gelang uns eine unverletzte Rückreise in das Bordell unserer Wahl.

D. entschied sich nun doch noch für eine Dusche. Ich wiederum entschied mich nach einem Blick auf die sanitären Anlagen für rasche Flucht, zumal jede noch so gründliche Dusche sich nach wenigen Minuten in jenem Bett genannten Schmutzberg wohl ohnehin wieder egalisiert hätte. Zwar ist man nach knapp zwei Wochen in diesem Land jegliches Extrem gewohnt – und ja, auch im Positiven! – , aber ich war der Meinung, nach ein paar Stunden Schlaf könne ich in meinem gewohnten morgendlichen Halbwachkoma die Herausforderungen jener Waschräumlichkeiten weitaus besser meistern. Von leisem, fernem Stöhnen begleitet schliefen wir ein. /juli