Epilog – Uns geht die Sonne nicht unter

Es war kein brandaktueller, aus der Hitze des Moments in die Welt gesendeter Bericht. Nein, es war nicht einmal ein Bericht. Es war nicht einmal ein ganzes Turnier. Burkina Faso unterlag Nigeria im Finale des Afrika-Cup, während ich mir in einem Neuköllner Kino „Django Unchained“ anschaute. Es war nicht der ganze Fußball. Keine Zusammenfassung von Geschehnissen auf dem Rasen, nicht mal eine trockene. Wenngleich der Rasen das oft genug war.

Auch Werbung kann relevante Fragen stellen.

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Es war, es ist ein Ausschnitt. Es war, es ist eine Rückschau. Und mit jedem Monat, der verging, wurde es immer mehr Rückschau, war es immer mehr „All Bright and Shining“ wie in Durban. Natürlich war es das nicht, natürlich war es das nie. Auch damals, in jener beschrieenen Hitze des Moments war es das nie. Es war immer ein Tanz. Ein Tanz um das Elfenbein der nicht verwesen wollenden weißen Elefanten.

Es war aber auch immer der Ritt. Ein wilder Ritt durch Fußballkulturen, durch Farben, durch Freundschaft, durch Planen und Vergessen, durch Improvisation und Alkohol. Durch nicht einmal einen Bruchteil von dem, was diesen Kontinent oder auch nur dieses Land ausmacht. Und doch durch so viel Großartiges.

Ein Ritt, der sich lohnt. Ich empfehle, ein nicht allzu gezähmtes Pferd zu wählen. /juli

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Kapstadt, 04.02.2013 – Nahfreud

Schluss. Anders konnte ich an diesem Tag nicht aufwachen. Erfreut, es überhaupt zu können. Auch südafrikanisches Bier schützt vor Kopfschmerzen nicht. Aber es stand wie in hässlichen, rissigen, brüchigen und dennoch viel zu standfesten Stein gemeißelt vor mir: Schluss. Schluss auch nicht im afrikanischen Sinne, dass man noch ein paar Stunden Zeit hätte. Nein, Schluss im deutschesten Sinne überhaupt. Schluss im Sinne von Flughafen, Reisepass, Gepäckaufgabe, Zoll. Schluss im Sinne jener Worte, die man im Geiste trägt, wenn man den Nachbarn wegen Ruhestörung anzeigt.

800 Rand in der Tasche und keinen Grund, sie auszugeben. An dieser Stelle ist ein Holznashorn immer eine sinnvolle Investition. Ein Nashorn überhaupt als Sinnbild dieser Reise, will man sie Reise nennen. Dieses Wanddurchbrechens für den hehren Zweck Fußball. Was kann daran denn falsch sein.

Und in jede Richtung.

Und in jede Richtung.

Oh, der Bus, er ruft. Auch Kapstadt hat im Übrigen ein hervorragend ausgebautes Nahverkehrssystem. Das mag vielleicht interessieren, wenn man auf dem Weg dorthin ist. Ich bin auf dem Weg dort weg, und es zerreißt mich. Auf sehr komfortable Weise. Man sollte wissen, dass Mango Air die günstigste Fluglinie für Inlandsflüge ist. Man sollte auch wissen, dass Mango Air kostenlosen Kaffee auf ihren Flügen anbietet. Man sollte überdies wissen, dass der kostenlose Kaffee kurz vor der Landung in Tütchenform verteilt wird. Man sollte sich klar darüber sein: This is Africa. Es soll so sein.

Warum Fernweh? Es ist doch niemals das, was uns ruft. Es ist immer das, wo wir sind. Nahfreud. /juli

Kapstadt, 03.02.2013 – Cape Town Welcomes You

Fremd am Ort ohne Spiel. Fern vom Pokal, fern vom Gefühl. Fremd dem eingeschlagenen Weg, dem Ende so nah. Kapstadt. Cape Town. Eine wunderbare Stadt, sich orientieren fällt schwer. Das Stadion friedlich in der Bucht, ein weißer Elefant, so gigantisch wie verwahrlost. So herrlich wie zwecklos. Nicht der Weg, den es diesmal zu beschreiten galt.

Urlaub, jetzt, offenbar. Dem AFCON so fern, dem Ende so nah. Feel the beat, so weit war ich längst. At Africa’s Feet, ich bin doch hier. Wie kann man denn die bloße Leidenschaft in reinen Urlaub umwälzen?

Nun, ich tat es. Dies war der letzte Auftritt von D., der beste denkbare Begleiter. Bloß die Straße hoch war mein Weg. Die legendäre Long Road, dort, wo so viele Entdecker dieser Welt beginnen und enden. Ich hatte beides vor, möglichst gleichzeitig. Was soll man auch sonst mit zwei Tagen ohne Fußball machen?

Man kann sich über junge Französinnen im gleichen Schlafsaal freuen. Sofern man sich geistig allgemein nicht in allzu hohe Sphären begeben möchte. Das war mir aber auf diversen Ebenen zu unbefriedigend, und so begann ich, letztlich doch erschöpft von unserer Parforce-Tour, wenigstens den kleinen, halbwegs harmlosen, halbwegs touristischen Teil von Cape Town zu erkunden, der direkt vor mir lag. Eine durchaus erfolgreiche Idee. Der geistige Bruder des lizensierten Original-Südafrika-Trikot-Verkäufers aus Johannesburg war glücklicherweise anwesend und konnte mir, da ich nun seinen (geistigen) Bruder schon kannte, ein halbwegs fast annähernd originales Trikot der Orlando Pirates verkaufen. Wie der geneigte Leser weiß, tut meine Wenigkeit für einen Totenkopf auf dem Trikot annähernd alles, und so wechselten 80 Rand ihren Besitzer.

„Spektakulär“ ist ein Wort, das nicht für diesen Tag erfunden wurde. Vermutlich deswegen suchten mich letztlich dann doch noch, wenigstens ein letztes Mal, T. und M. heim, die natürlich rein zufällig ihre immer merkwürdiger riechenden Rucksäcke im selben Hostel deponierten. Am Ende waren wir Deutsche. Aber dort waren Dänen. Hier waren Australier. Hüben Engländer, drüben Franzosen. Ach, und eine Schweizerin. Es war nicht wichtig. Wir waren betrunken. Es ging um Thomas Broich. Um feuchte Träume. Und um Südafrika. /juli