Et hätt noch immer joot jejange

Ich weiß nicht, was der durchschnittliche Fußballfan mit dem Duell zwischen der SG Dynamo Dresden und dem SC Fortuna Köln an Emotionen, Erinnerungen, Erwartungen verbindet. Aber dies ist ohnehin kein Ort für durchschnittliche Fußballfans. Meine Emotion war, so simpel, wie ich gestrickt bin: Hingehen.

Wir beginnen also dieses rheinische Wochenende in Dresden. Zu Gast mein Heimatverein, meine eigentliche, theoretische Liebe. Wie das mit theoretischen Lieben so ist, man muss gelegentlich an sie erinnert werden. Diesen Job übernahm ein freundlicher Mensch aus dem schönen Freital – oder umgekehrt. Dank seiner Schiedsrichtertätigkeit konnte ich bereits am Freitagabend nach entbehrungsreicher Fernbusreise meine Fantätigkeit aufnehmen. Angesagt war die Freizeitliga, angesetzt war ein Spiel zwischen erstaunlicherweise zwei Mannschaften. Um die Anonymität meines Gastgebers zu wahren – und nicht etwa, weil ich mich nicht an die Namen der Teams erinnern kann – , werde ich an dieser Stelle auf weitere Details verzichten. Es war umkämpft, es war gegen Ende fast schon eine Vorstufe von Dramatik, es war ein Freitagabendsfreizeitspiel in einem Dresdner Vorort. Gewinner selbstverständlich der souveräne Schiedsrichter.

So darf ein Amateurplatz durchaus aussehen.

So darf ein Amateurplatz durchaus aussehen.

Aber da war ja noch Dynamo. Ein Verein, zu dem ich ein höchst seltsames Verhältnis hege. Oft beeindruckt, manchmal erschrocken, in der Regel erstarrt beim Versuch, sie scheiße zu finden. Ich bekomme es nicht hin. Ich bekomme es nicht hin trotz aller entglasten Mannschaftsbusse, trotz aller Gästegeisterspiele am Millerntor, trotz aller Randale und allem Osten. Ich finde die einfach nicht scheiße, es tut mir leid.

Sie boten mir auch wenig Anlass dazu, diesmal, ausnahmsweise. Mein Gastgeber nahm mich im Auto mit, wir gingen am Heimbereich entlang, es war alles gut. An der mäßig motivierten Polizeikette vorbei bahnte ich mir meinen Weg zum Gästeblock, wenngleich es da nicht viel zu bahnen gab. Die versammelten Ticketverkäufer und Ordner machten eher den Eindruck, froh über jeden Menschen zu sein, den sie an diesem Tag zu Gesicht bekamen.

Als ich den Gästeblock mit einem halbwegs frisch gezapften Feldschlößchen in der Hand betrat, wusste ich, warum. Zwar hätte ich die anwesenden Fortunen nicht mit der frei gebliebenen Hand abzählen können, allzu weit entfernt davon war es aber auch nicht. Wenn Dresden das Dortmund des Ostens ist, war Köln heute offenbar höchstens Zwickau.

Man muss in Rechnung stellen, dass die Bahnen nicht fuhren. Noch weniger fuhren als sonst. Dass Ferienanfang war. Dass man vielleicht noch von Freitag verkatert war. Dass es vor dem Gästeblock einige ganz fiese Steine gab, die man sich in die Sohlen laufen konnte. Letztlich treffend gab es aber der Ersatz-Vorsänger der Fortuna mit dem ambitioniertesten Satz dieser Welt wieder: „Und die da drüben glauben, dass sie lauter sind als Fortuna Köln?!“

Nun ja. Waren sie. Was bei einem Zahlenverhältnis von 20 000 zu 20 auch nicht unbedingt allzu schwierig ist. Und man bedenke, wir reden von Dynamo Dresden. Eine beeindruckende Wand, dieser K-Block. Man kann als Gast mitunter froh sein, die eigenen Gedanken noch zu hören. Den Gedanken beispielsweise, dass 2,80 € für ein Stadionbier gar nicht so übel sind, wenn man am Millerntor inklusive Pfand beinahe das Doppelte hinlegt. Tja. Muss man hier auch mal anbringen.

Ich mag es dort. Wirklich.

Ich mag es dort. Wirklich.

Fußball wurde ebenfalls gespielt. Der Aufstiegsaspirant gegen den Underdog, immer wieder das alte, große, wunderschöne Spiel. Fortuna begann stark, begann überlegen, erarbeitete sich von Spielanteilen und Chancen ein leichtes Übergewicht. Dann kam Dynamo. Und das gewaltig. Der Beschuss hörte kaum mehr auf, fast keine Atempausen. Aber keine Schwächen bei Torhüter Andre Poggenborg. Man rettete sich mit einem dann dennoch im weitesten Sinne verdienten 0:0 nach einigen anstrengenden Minuten in die Pause.

Inzwischen war der Fortuna-Block weiter gewachsen. Minütlich fast erklommen mehr und mehr Kölner die steilen Stufen des Rudolf-Harbig-Stadions, sodass man schon annähernd für den Heimbereich hörbar werden konnte. Wenn man allerdings schon gehört wird, sollte man Besseres als „Wir hassen Ostdeutschland“ zu bieten haben. Ich persönlich hasse eine ganze Menge, beispielsweise leere Druckerpatronen, schales Bier, lange Blogartikel, schlechten Fußball, guten Fußball, mittelmäßigen Fußball und Fußball im Allgemeinen, wenn man verliert. Ich neige aber nicht dazu, dies alles kundzutun, während mein Team gerade im Begriff ist, sich einen nicht unbedingt hochverdienten Punkt zu erkämpfen. Und Deutschland hasse ich notfalls in allen vier Himmelsrichtungen.

Die zweite Hälfte brachte keine großen Highlights, mit Ausnahme des Schlusspfiffs. Recht entspannt konnte ich das Stadion verlassen, vorbei an einer eher aus Pflichtbewusstsein aufgestellten und reichlich gelangweilten Polizeikette, mitten unter die Dynamos. Was ich hörte, war kein Hass auf deutsche Himmelsrichtungen, sondern Respekt für den Gegner. Was ich hörte, war Kritik am eigenen Unvermögen, war kein Ärger, war nüchterne, faire Analyse. Muss man auch können.

Der Schlusspfiff des Spiels war somit auch Anpfiff für einen Abend in Dresden – endlich einmal ohne Druck, zeitig in Bus oder Shuttle oder Sonderzug einsteigen zu müssen, endlich einmal ohne verplanteste Abende in der Neustadt oder gar längere Aufenthalte in meinem nur allzu vertrauten Klinikum Friedrichstadt. Dies hier ist kein Ort für Architekturkritik und auch nicht für historische Schuld und Sühne, kein Ort für richtige und falsche Elbseiten oder Solidarfonds. Der lange Abend in Dresden hat insofern hier keinen Platz. Es sei nur eines zu bemerken: Dresden, ich mag dich. Aber sag es keinem weiter.

Und wer könnte das ernsthaft anders sehen?

Und wer könnte das ernsthaft anders sehen?

Am Sonntag sollte mich wiederum ein Fernbus pünktlich zum Berliner Südkreuz bringen, um Tennis Borussia beim FC Wilmersdorf zu bewundern. Das klappte. Halbwegs. Im zweiten Versuch und wesentlich teurer als gedacht, aber es klappte. Gepäck weg, Bier geholt, Caterer aus guten Gründen boykottiert, Spiel geschaut.

Wilmersdorf war erst vor wenigen Monaten der Abschluss einer langen lila-weißen Saison. Damals ein ordentliches Spiel auf schönem, sonnigen Platz, direkt zum Auftakt der Weltmeisterschaft. Diesmal ebenso. Fast exakt ebenso. Nur dass TeBe im Laufe der Sommerpause das Toreschießen lernte. Gerecht auf beide Halbzeiten verteilt, gelang somit ein souveräner Sieg und das Aufschließen zum tasmanischen Konkurrenten vom Werner-Seelenbinder-Sportpark.

Ob Juni, ob Oktober, das Bild bleibt gleich.

Ob Juni, ob Oktober, das Bild bleibt gleich.

Weiter ging es auf dem Hamburger Weg, der kurzzeitig über Sinsheim führte. Eine Leinwand, ein Fassbier, ein eher glor- als torreiches Unentschieden des künftigen deutschen Meisters gegen die SAP-Werkself, soweit die Zutaten. Insgesamt eher wenig erwähnenswert.

Am Montagabend aber sollte das Darben ein Ende haben. Der Magische FC gastierte im Dresden des Westens, im Hamburg des Südens, im München des Nordens, im Paderborn des Westwestens, im Berlin Nordrhein-Westfalens, bei der Fortuna der falschen Rheinseite, den Halbangstmachern von der Königsallee. Mehr als zwei Wochen Pause für beide Mannschaften, mehr als zwei Wochen Zeit für Prognose und Idee. Ein Punkt sollte möglichst her, das war wohl Konsens.

Hätte klappen können. Selbst sparte ich mir die Reise in dieses Modemekka und begnügte mich mit einem zumindest zeitweise brauchbaren Fernsehbild in der Astra-Stube Neukölln. Die, wie eventuell bereits erwähnt wurde, ein gar nicht so übler Ort ist, wenn man an Fußball und Bier interessiert ist.

Hätte jedenfalls klappen können. Die erste Hälfte begann stark, Alushi vergab eine relativ gigantische Chance. Einige Minuten später konnte Düsseldorf einen Ballverlust im Aufbauspiel nutzen, um über die verwaiste rechte Abwehrseite den Angriff zur Führung zu fahren. Soweit nicht unverdient, soweit aber auch nichts unmöglich.

Die zweite Halbzeit allerdings ging weiter, wie die erste endete. Ein unangenehmes Spiel gegen eine stark pressende, schnell fallende, viel meckernde und sehr viel Zeit habende Düsseldorfer Mannschaft. Eigentlich ein Spiel, an dessen Ende kaum 22 Spieler den Platz verlassen dürften. Sie taten es dennoch, seitens des Magischen FC teils erschreckend wehrlos, ohne Punkt in der Fremde zurück nach Hause. Wo sich am Samstag der Karlsruher SC die Ehre geben wird. Und da sollte es dringend ein wenig anders laufen.

Und nicht etwa so.

Und nicht etwa so.

Sonst haben wir ein Problem. Aber erzählt es keinem. /juli

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Aber vorher geht es noch mal um TeBe

Meine Gedanken sind auf Montag gerichtet, wie es die von jedem Fan auf Entzug wären, würde sein Team an diesem unaussprechlichen Tag spielen. Keine Frage. Unterbrochen vielleicht durch ein paar Intermezzi (jaja!) wie dem Nachholspiel von TeBe am heutigen Abend in Köpenick oder auch meinem Besuch bei der einzigen Fortuna zum Gastspiel (jaja!) in Dresden. Unterbrochen sicherlich nicht durch irgendwelche allzu deutschen Mannschaften, die an irgendwelchen allzu deutschen Orten dieser Welt auf irgendeine allzu deutsche Weise völlig verkacken. Das kann man getrost ignorieren, und ein weiteres Wort hierzu wird man an dieser Stelle vergeblich nicht suchen.

Um die nervtötend laute Stille jener „Länderspielpausen“ zu füllen, gibt es schließlich Landespokale. Oder, um es mit TeBe zu sagen: Es gab sie.

Beginnen wir doch mit dem SV Babelsberg 03. Dem gelang es nämlich am Freitagabend, im sicherlich vernachlässigenswert schönen Luckenwalde, die dort beheimatete Sportmannschaft, deren Name mir soeben entfiel, mit 3:0 abzufertigen. Das bezeichnet man wohl als souverän. Souveränität, die man mit 03 grundsätzlich eher selten verbindet. Machte Hoffnung für den anstehenden lila-weißen Pokalauftritt bei Eintracht Mahlsdorf.

Ich persönlich wusste nicht, wo Mahlsdorf liegt. Um genau zu sein, weiß ich es bis heute nicht. Auch eine Auswärtsfahrt kann geographisch manchmal wenig hilfreich sein. Insbesondere, wenn man sich müht, sie zu vergessen.

Wir begannen daher für einen Sonntagmittag angemessen verkatert am östlichsten Rand meines Bewusstseins, dem S-Bahnhof Ostkreuz. Begrüßt von einigen Unentwegten, die wie ich selbst nach wie vor die angekündigte Uhrzeit von TeBe-Fantreffs für bare Münze nahmen. Ein Fehler möglicherweise, aber eine Chance zum Wachwerden.

Jenseits von Böse und Böser, jenseits von Lichtenberg und Biesdorf, erreichten wir unser Ziel. Zwischenziel. Freundlich begrüßte uns „Röschen’s Intimvitrine“, für meine Begriffe noch wesentlich freundlicher eine Bushaltestelle in Richtung Stadion. Linienbusauswärtsfahrten wären etwas, was mir fehlen würde, sollte TeBe endlich mal Gründe dafür liefern, dass es mir fehlen muss.

Und das ist auch schon alles, was ich über diesen Ort fotografisch zu sagen hätte.

Und das ist auch schon alles, was ich über diesen Ort fotografisch zu sagen hätte.

Der soziale Wohnungsbau in Mahlsdorf beschränkt sich im Wesentlichen vermutlich auf Garagen für jene, die nicht wissen, wo sie ihre Limousine abstellen wollen. Diejenigen, die bislang nicht von ihm profitierten, parkten den Sportplatz am Rosenhag zu. Was durchaus auch keine allzu schlechte Behandlung ist für ein Stadion mit Laufbahn und ohne Tribünen. Es sei immerhin zu erwähnen, dass der weit gereiste Fan für sein Steak im Brötchen bloß drei Euro bezahlte. Es sei denn, er reiste noch weiter bis zum nächsten Grill, wo er weitere fünfzig Cent sparte. In Mahlsdorf wird Engagement belohnt.

So war es, scheinbar, auch für TeBe. Raychouni lief, schon um sich die lange Anfahrt zu sparen, durch ganz Mahlsdorf und traf dann auch noch das Tor. Wie zuletzt bei der National… nein. Es war besser als etwaige Nationalmannschaften, ein episches Solo, das die TeBe-Fankurve vor Stolz oder Alkoholentzug oder beidem erzittern ließ. Somit stand nach der ersten Hälfte die erwünschte, erwartete, verdiente Führung im Cottbuser Westen zu Buche.

Kurz nach der Pause meldete sich Mahlsdorf zurück. Und nachdem TeBe diverse Großchancen vergeben hatte, konnte man dies relativ effektvoll mit dem Ausgleich zum 1:1 tun. Das Spiel kippte zusehends. Wo vorher lila-weiße Kurzpassstaffetten das Geschehen prägten, regierte nun das engagierte, kämpferische Spiel der Eintracht.

Folgerichtig ging der Gastgeber kurz vor Schluss in Führung und gab diese auch nicht mehr her, wenngleich TeBe in der Folge ein klarer Handelfmeter verweigert wurde. So setzte sich also das glanzlose Ausscheiden in frühen Phasen des Pokals gegen ebensowenig glanzvolle Gegner nahtlos fort.

Im Nachgang gab es noch Auseinandersetzungen mit der sicherlich höchst feierwilligen Heimmannschaft sowie einigen sicherlich höchst feierwilligen Heimmannschaftsfans, die es als Teil ihrer Feier ansahen, TeBe-Fans transphob zu beleidigen und körperlich zu bedrohen. Nun, es hat jeder eine andere Vorstellung von Spaß.

Und in so einem Fall weiß ich sehr gut, warum es im Zweifel immer noch mehr Spaß macht, bei den sportlichen Verlierern zu stehen. Steigt man halt stattdessen auf. /juli

Runde Sache

Wie schreibt man eigentlich über Fußball? Tja. Über dieser Frage brütete ich monatelang, panisch, kein Bein mehr auf die Erde bekommend oder doch mehr als je Beine habend. Am Ball vorbei, meist drüber, gelegentlich drunter, ihn selten treffend und dann meist schlecht. So entstehen Texte jedenfalls nicht. So steigt man auch nicht auf, das liegt sicherlich mit an mir.

Aber erklärt mir mal, wie denkt man eigentlich über Fußball? Gewonnen. Verloren. Eigentlich meistens verloren. Blöder Trainer. Blöder Trainer weg. Neuer Trainer da. Neuer Trainer toll. Neuer Trainer gewonnen. Neuer Trainer verloren. Neuer Trainer blöd. Neuer Trainer toll. Alter Trainer blöd. Alter Kader toll. Das klingt wie ein schlechter Neue-Deutsche-Welle-Song, nicht wahr? (Die Frage dahingestellt, ob es überhaupt gute gab.)

Ich persönlich denke über Fußball meist in exakt zwei Worten, die im Großen und Ganzen auch nicht wirklich Worte sind. Hin. Und: Da. Hin da!

Der Name dieses Blogs erinnert daran, dass für mich im Zweifel jedes Spiel ein Auswärtsspiel ist. Menschen, die die Autobahn zwischen Hamburg und Berlin auch nur einmal gesehen haben, werden mich voll und ganz verstehen. Kein Ort, an dem man seine Flitterwochen verbringen möchte. Falls man überhaupt Flitterwochen verbringen möchte. Ein Ort, den es zu überwinden gilt. Der Eiserne Vorhang des Magischen FC. Für mich persönlich jedenfalls, ganz bescheiden gesagt.

Wo wir schon bei „Eisern“ sind, können wir über den entsprechenden Gegner diverse Mutmaßungen anstellen. Sicher einer der angenehmeren Vereine aus dieser Region des Landes, bestimmt uns allen relativ wohlgesonnen. Blutsbrüder werden wir trotzdem nicht. Wer andere Menschen, wer Fans eines anderen Vereins als „Schädlinge“ bezeichnet wie gegen RB Leipzig geschehen, der kann sich meiner… gesunden Skepsis sicher sein. Also kein Freundschaftsspiel. Schade eigentlich, haben wir doch so selten.

Wäre dies ein Konzertbericht, ich würde die „Bratze-Beerdigung“ im Übel & Gefaehrlich höchst lobend erwähnen. So kann ich das leider nicht, weil meine Leser Input erwarten. Daher kann ich leider nur sagen, dass es vielleicht eins der besten Konzerte meines Lebens war, in einer Location, um die jede normal denkende Stadt dieser Welt Hamburg beneiden sollte. Reicht aber auch dazu.

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Erwacht von den viel zu Lebendigen zu den bloß Halblebendigen musste ich lediglich noch sieben Karten erwerben, um sechs davon loszuwerden, und schon konnte ich hungrig, verkatert und fernab der Heimat ins Stadion. Aus diesen Faktoren ein Erlebnis zu konstruieren, um das mich eigentlich die ganze Welt beneiden müsste, das schafft nur der magische FC.

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Und er fing ambitioniert an damit. Flanke, Budimir auf dem Weg zum Tor, Budimir gestoppt, Elfmeter. Rot. Kann man geben. Hätte ich jetzt nicht. Aber ich war ohnehin viel zu sehr damit beschäftigt, Jubel, Bierbecher, Kater und Zigarette in Einklang zu bringen, um dem Schiedsrichter hier zu widersprechen. Nöthe. Sicher. Tor. Kam mir ein wenig bekannt vor, kann man auch gerne weiterhin häufiger wiederholen.

Union rannte nun trotz Unterzahl an. Sofern „Anrennen“ bedeutet, dass man den Ball planlos nach vorne schlägt und dem Gastgeber das eigene Tor etwa so anbietet wie der Bierstand dem Fan ein neues Getränk. Die Chancen allerdings waren ähnlich exakt unter dem Eichstrich gezapft, und so ging es mit einer hochverdienten knappen Führung in die Pause.

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Nach etwa 65 Minuten wurde Lasse Sobiech von einem Gegenspieler in seiner Yogaübung gestört, indem dieser per Kopf versuchte, sein rechtwinklig gestrecktes Bein herabzuzwingen. Diese Unhöflichkeit wurde seitens des Schiedsrichtergespanns leider nicht geahndet, stattdessen wurde der meditierende Verteidiger verwarnt.

So verunsichert trat die gesamte Mannschaft des magischen FC in eine nur von gelegentlichen Sprints durchbrochene Sitzblockade ein. Was Gandhi nicht gelang, schaffte Marc Rzatkowski in der 73. Minute – die 2:0-Führung gegen inzwischen nicht mehr allzu imperialistische Unioner. Die sich folgerichtig auch nicht beschwerten, als der bislang ebenfalls recht friedlich gebliebene Philipp Tschauner kurz vor Schluss den Angriff zum verdienten 3:0 einleitete.

Ein verdienter Sieg vor dem heimischen Bunker, was will man mehr?

Beispielsweise – einen unverdienten, im höchst fremden südlichen Neukölln. Denn sofern man wieder nüchtern war oder sich jedenfalls wieder halbwegs geradeaus bewegen konnte, lockte in Rudow die Begegnung des örtlichen TSV gegen Tennis Borussia Berlin (von der virulenten Homolobby gerne auch als „TeBe“ bezeichnet).

Der TSV Rudow ist insbesondere wegen Christian Ziege bekannt. Der insbesondere wegen eines Schwarz-Rot-Gold-Iros bekannt ist. Was zum TSV Rudow passt, weil der neben Christian Ziege insbesondere wegen seiner Nazi-Fans bekannt ist. Die freuen sich jedes Jahr sehr auf das lila-weiße Gastspiel, weil sie dann zeigen können, wie sehr Nazi-Fan sie sind. Nehme ich an. Ich war noch nie Nazi-Fan.

Dementsprechend polizeilich gestaltete sich auch die Anreise. Der gemeine Rudower war im Prinzip pflegeleicht. Zwar scheißt er auf unsere bunte Welt, aber wir hatten rechtzeitig Zeitungspapier untergelegt. Ein Mittel, das man da gar nicht so gut kennt. Genau wie bunte Welten.

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Das Schlimmste, was man über dieses Spiel sagen kann, ist (neben dem Fakt, dass es in Rudow stattfand) die gesamte erste Halbzeit. TeBe wirkte etwas verkatert und der TSV Rudow entdeckte offenbar die Grenzen der faschistischen Ideologie.

In der zweiten Hälfte führte ein Blitzangriff des TSV zum Führer. Zur Führung. Aber so etwas kann man auch kontern. TeBe tat das nach etwa drei Minuten. Zehn Minuten später war Michael Fuß zur Stelle. Einer Stelle, die er im Nachhinein vermutlich nicht beschreiben könnte. Auf eine Weise, von der er im Nachhinein vermutlich keine Ahnung hat. Jedenfalls traf er. Zur Führung.

Und zum Sieg. Der Heimweg verlief erstaunlich ruhig, abgesehen von dem Hertha-Nachwuchs-Hooligan, der uns allen vermutlich in einigen Jahren ziemliche Probleme bereiten wird. Insbesondere dann, wenn er rausbekommt, wie man WordPress-Blogs zum Urheber zurückverfolgt.

Man kann nun mal nicht immer schreiben, das gebe ich zu. Aber wie wärs, wenn man öfter gewinnt? /juli

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Ich wurde geboren in einem Krankenhaus in Köln-Marienburg. Dafür kann man nichts. Dadurch entscheidet sich aber vieles. Es ist niemals Helau, es ist immer Alaaf. Es ist niemals Alt, sondern immer Kölsch. Mag sein, dass sich das in Berlin egalisiert. Mag sein, dass man am Ende doch Arm in Arm mit Düsseldorfern immer die gleichen Lieder singt. Aber am Anfang steht immer dieses Krankenhaus. In Köln-Marienburg.

Welcher Teufel auch immer mich ritt, ich fuhr dennoch nach Düsseldorf. Und das noch nicht einmal zur Fortuna, sondern zur römischen Zwei. Einer römischen Zwei, die dem Fußballfan an sich das bedeutet, was dem normal denkenden Menschen ein Glas Alt bedeutet. Oder ein Sackgassenschild. Oder eine massive Betonwand. Kein Ort, an den man dringend laufen sollte. Und, der Vollständigkeit halber, kein Glas, das man dringend trinken sollte.

Diese römische Zwei spielte immerhin gegen die SG Wattenscheid 09, deren Farben jeder Mensch kennen sollte, der ein Faible für miserable Fußballmusik hat. Falls ich tatsächlich noch Leser haben sollte… das ohnehin. Falls ich tatsächlich noch Leser haben sollte, die nicht über diese wunderbare Eigenschaft verfügen, so sei ihnen ein wohlbekanntes Videoportal empfohlen. Dort werden Dinge geleistet, die ich hier nicht leisten kann und will. Trash hat im Fußball viele Orte, aber dies ist ein trashfreier Ort. Wenigstens bis zur nächsten Zeile.

Biografien sind es, die den Leser binden. Ich persönlich wuchs teilweise in der wunderbaren Kölner Vorstadt Brühl auf. Von dort nach Köln möchte die Deutsche Bahn von mir inzwischen 3,70 € haben. Ist für 15 km bestimmt legitim, die könnte man schließlich auch laufen. Der HKX allerdings, seines Zeichens eine Privatbahnlinie, verlangt für die Strecke zwischen Köln und Düsseldorf, jeweils Hauptbahnhof, nur einen Obulus von 3 €. Was durchaus konsequent ist, diese Strecke kann man schließlich nicht mehr laufen (oder hoppen, was nach wie vor meine bevorzugte Form des Fortbewegens ist).

Ein Geburtstag war zu feiern. Ein doppelter gar. Nicht meiner, denn erstens bin ich nicht doppelt und zweitens in einer am Anfang des Textes bereits gewürdigten anständigen Stadt geboren. Man kann sich dennoch nicht von dem Makel befreien, Fortunen zu kennen. Und so zogen wir in das altehrwürdige Paul-Janes-Stadion ein, harrend der Dinge, die da kommen würden. Im Heimbereich, warum auch immer. Kein formvollendetes Gastspiel. Und nicht einmal ein Groundpunkt für mich, der ich diesen Garten Eden der Düsseldorfer Fußballkultur bereits beim Fortuna (II)-Derby vor einem Jahr beehrt hatte.

Da ist das Ding.

Da ist das Ding.

Es fing schlecht an. Also, global betrachtet schlecht. Im Prinzip passierte gar nichts, bis auf die Tatsache, dass zwei Mannschaften sich über die Sportart zu einigen versuchten, die sie gemeinsam auf dem Rasen künftig darbieten wollten. Kurz hinter Beachvolleyball traf ein gewisser Herr Taskin aus der Halbdistanz das Wattenscheider Tor. Was eine Halbzeitführung für die gastgebende römische Zwei bedeutete.

Quasi. Weil Sonntagsschüsse in der Regionalliga prinzipiell durchaus beliebt sind und zudem noch nicht Halbzeit war. Der Ausgleich aus rund zwanzig Metern warf die Pausenteebeutelzusammensetzung der Römisch-Zwei-Fortuna dann doch völlig durcheinander. Das Stadion kochte, und zwar keinen Pausentee. Insbesondere die geschätzten fünfzig Wattenscheider, die allerdings angesichts der eingangs angestellten Berechnungen auch Anfahrtskosten von je etwa zwanzig Millionen Euro hätten haben müssen.

Die hätte man mal besser in den Kader investiert. Dieser gewisse Herr Taskin hatte jedenfalls in Minute 58 keine allzu großen Probleme damit, einen annähernd abgewehrten Freistoß doch noch zur Führung einzuköpfen. Bejubelt von doch durchaus zahlreichen Menschen, die sich nicht mit der Vorstellung zufriedengeben wollten, dass das Fußballwochenende nur durch die Haarpflegeprodukte von Roman Weidenfeller und Andrea Pirlo an Form gewinnt.

Kopfbälle waren in diesem Spiel prinzipiell beliebt, so auch zwei Minuten später. Man kann es als Ausgleich bezeichnen, man kann es als folgerichtig bezeichnen. Vermutlich war es beides. Jedenfalls entwickelte sich ab dann ein offener Schlagabtausch, der zwar kein Abtausch war und auch ziemlich frei von Schlägen, aber zumindest offen.

Jens Langeneke war es schließlich vergönnt, diesen Zustand zu beenden. Zwar bestand nach wie vor kein Abtausch und in diesem Fall fehlte auch die Offenheit, aber zumindest war es ein Schlag. Mit seiner ganzen Erfahrung boxte sich der Verteidiger vom Platz.

Es passierte trotzdem nicht mehr viel. So bleibt am Ende bloß die Erkenntnis, dass der Torwart der zweiten Mannschaft von Fortuna Düsseldorf jedenfalls namentlich große Ähnlichkeiten mit einem ehemaligen Trainer des FC St. Pauli hat.

Heimat. Jaja.

Heimat. Jaja.

Und dass der HKX zum Glück in beide Richtungen fährt. /juli

In Sachen Anhalt

Das hier ist Fußball? Ach so. Darauf konnte im Prinzip niemand kommen. Es fing doch schon so diffus merkwürdig an. Sechs mir bekannte Menschen, mich selbst mitgezählt, die es vorziehen, in sechs unterschiedlichen Bahnen zu diesem Spiel zu fahren. Divide et impera. Teile und saufe.

Das Spiel, ach so. Der SV Babelsberg, seines Zeichens 1903 gegründet und offenbar neulich 110 Jahre alt geworden. Gratulation. Und der 1. FC Magdeburg. Seines Zeichens Scheißverein und Europapo. Irgendwann mal. Das versprach ein gewisses Maß an Unterhaltung. Sollte es auch geben.

Ein relativ üblicher Babelsberger Anfang soweit. Von den genannten sechs Bahnen nahm ich zwar nicht die späteste, aber immerhin die vorletzte. Die Chance, zu erfahren, ob es in 14482 wirklich besser sei als in Sachsen-Anhalt, war mir somit genommen. Ich glaube dennoch, dass dem so ist.

Es brannte zumindest einiges, als ich das wunderbare Karl-Liebknecht-Stadion betrat. Die durchaus beeindruckende Jubiläums-Blockfahne auf Babelsberger Seite übrigens nicht. Immerhin. Man kann Pyrotechnik ja mögen, wie ich alter Südländer das grundsätzlich tue, aber unter einer brennenden 40-Meter-Blockfahne möchte man auch nicht unbedingt stehen. Das sahen auch die Magdeburger so, die deswegen zur Warnung diverse Signalraketen abfeuerten. Funktionierte.

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Hier ist deutlich sichtbar, wie Magdeburger und Babelsberger Fans zwecks Gewährleistung der Sicherheit aller Anwesenden kommunizieren. Per Rauchzeichen, weil Sprache in Sachsen-Anhalt noch nicht so verbreitet ist.

 

Fußball gab es tatsächlich, im allerweitesten Sinne. Nachdem ich zuletzt in Lichterfelde bereits die ersten beiden Babelsberger Tore verpasste, kam mir persönlich auch das ganz gelegen. Weniger gelegen kam mir, dass direkt inmitten eines sehr angeregten Gesprächs über Einbauküchen (und ihre Vermeidung) das erste Tor des Tages fiel. Für Babelsberg, soviel wurde mir erklärt. Im weitesten Sinne nach einer Ecke. Nun ja, St. Pauli kann halt nicht überall sein.

War auch verdient. Im Spielverlauf präsentierte sich die Mannschaft von Cem Efe nun ballsicher, schnell im Umschaltspiel und…. ja. Mehr halt nicht. Die Torchancen hatte der charmante Europapo aus Magdeburg. Eine davon nutzten sie dann kurz vor der Halbzeit nach beeindruckender Einzelleistung. Würde ich persönlich 50 Meter mit Ball sprinten, ich würde mir wünschen, dass am Ende dieser 50 Meter ein Späti mit Kippen und Bier auf mich wartet. Und jemand, der mir den Ball abnimmt. Der geschätzte Sachse und Anhaltiner sah das offenbar teilweise anders und freute sich viel mehr über den ebenfalls anwesenden Mitspieler, dem er nach diesem Gewaltakt einen butterweichen Ball servieren konnte. Ob er den Torjubel dann trotzdem mit Kippen und Bier verbrachte, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Es gab eine zweite Halbzeit, soviel sollte man auch vorab erwähnen. Die Pause war dennoch viel zu kurz, um dem hervorragenden indischen Imbiss am Stadioneingang die ihm eigentlich gebührende Ehre zukommen zu lassen. Babelsberg mag für fußballerische Gourmets ein schwieriges Pflaster sein, für den handelsüblichen Gourmand ist es der richtige Ort. Ach ja, lecker war die ganze Angelegenheit nebenbei auch.

In Minute 52 ging Magdeburg in Führung. Warum, das wusste niemand so ganz genau. Insbesondere der Gästeblock wusste nicht, wohin mit seinen Emotionen. Dieses Problem zu lösen, blieb fortan den diesmal eher recht weißen Blau-Weißen überlassen. Wie es dem Land der Frühaufsteher angemessen erscheint, ließ man sich exakt 15 Minuten Zeit für das Verfluchen des Gegners, den Versuch, ihn stumm zu schalten oder an die Wand zu werfen und schlussendlich für eine recht überzeugende Snooze-Ecke. 2:2. Soll es geben, gelegentlich, in dieser Sportart.

Diverse Anhänger des 1. FC Magdeburg waren dennoch der Ansicht, dass eine engere Bindung zwischen Spielern und Fans hergestellt werden müsste. Lautstark wurde auch der Wunsch geäußert, Fanutensilien mit den Anhängern des SV Babelsberg auszutauschen. Der Versuch gelang halbwegs. Bedauerlicherweise betrat in diesem Moment ein drittes Team den Rasen und setzte völlig neue Maßstäbe im Offensivspiel. Derart verschüchtert, war es weder dem Europapo aus Magdeburg, noch der blau-weißen Equipe möglich, wieder den Rasen zu betreten.

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So sehen Sieger aus.

Am Ende wurde das Spiel erstaunlicherweise doch zwischen zwei Mannschaften fortgesetzt, unter freundlicher Mithilfe der geschickt auf der Grundlinie postierten Ordner. Und es kam zu einem regulären Ende. Es gab keine Platzverweise, es gab keine Toten. Insofern darf man vermutlich von einem erfolgreichen Ostderby sprechen. /juli

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Ein Spiel im Kiez. Klingt erstmal gar nicht so massiv ungewöhnlich für die Auftritte der Lila-Weißen in dieser Saison und Liga, bedeutete in diesem Fall aber wirklich nur einen etwa zwanzigminütigen Fußmarsch von der eigenen Haustür bis zum Stadion. Also in etwa die zu erwartende Laufleistung der auflaufenden Akteure, womit man als Fan ja schon mal seinen Anteil am bevorstehenden Auswärtssieg hatte.

Zum BSV Hürtürkel also. Neuköllner Traditionsverein, wie man hörte und sah. Als Traditionsverein nämlich belässt man es selbstverständlich nicht mit den in der Berlin-Liga üblichen Eintrittspreisen, sondern verlangt durchaus auch mal 10 Euro für einen Stehplatz. Über eventuell existierende Sitzplätze ist bisher nichts überliefert. Legitim, könnte man meinen, würde man etwa an ein Zweitligaspiel anderer, hier nicht genannter Berliner Vereine gegen den hamburger sportverein denken. Oder so. Bei einem mittwöchigen Nachholspiel in Liga sechs eventuell etwas überzogen. Sah nicht nur ich so, sondern auch mehr als genug andere. Wenn dieser Verein schon, wie nun mehrfach berichtet, den Grauen Wölfen nahesteht, dann müssen sie von uns sicher nicht profitieren. Nicht bezüglich der Einnahmen und, wenn möglich, bitte auch nicht sportlich.

Und von ihm sowieso nicht.

Und von ihm sowieso nicht.

Die Fontanestraße ist sicherlich keine der prominenteren Adressen dieses wunderschönen Stadtteils. Dennoch führte sie uns direkt hinter den Zaun dieses wunderbaren Kunstrasensportplatzes, auf dem bald schon die Akteure der lila-weißen Borussia jeglichem eventuell erscheinenden Gegner zeigen sollten, was eigentlich dieses Spiel namens Fußball bedeutet. Eine ganze Fanszene hinter einem Zaun – in etwa so stelle ich mir die Gefangenensammelstelle Hohenschönhausen vor.

Wobei die da bestimmt kein Sterni haben. Neues Objektiv übrigens, Beifall bitte.

Wobei die da bestimmt kein Sterni haben. Neues Objektiv übrigens, Beifall bitte.

Etwas unterhaltsamer als dort war es, so vermute ich, durchaus. Angenehmer Support, eilends vom nächstgelegenen Späti organisierte Bierkästen, eine schwungvolle Anfangsphase. Lief ja ganz gut. Bis zum ersten Gegentor, wie meistens. Dass diesem ein Ausgleichstor folgte, gehört zu den positiveren Aspekten jener Begegnung. Dass dieses heckenbedingt eher unsichtbar für die Mehrzahl der Beteiligten war – nun, ist halt Fußball.

Aber man sah schon gut.

Aber man sah schon gut.

Hürtürkel hatte jedoch bereits realisiert, dass die nicht allzu kurze Winterpause tatsächlich beendet war. Dies äußerte sich in einem wiederum raschen Gegenzug und dem Führungstreffer. Immerhin nicht per Fallrückzieher aus zwanzig Metern wie jüngst in Adlershof, durchaus aber mit so geflissentlichem wie berechtigtem Ignorieren der gegnerischen Abwehrversuche.

Durch kam halt außer Hürtürkel keiner. Auch dieser Eiswagen verkaufte keineswegs Eis.

Durch kam halt außer Hürtürkel keiner. Auch dieser Eiswagen verkaufte keineswegs Eis.

Wie das nun einmal in diesem Sport der Fall sein kann, folgte auf ein 2:1 auch ein 3:1. Der insgesamt sehr souveräne und für die Verhältnisse dieser Liga erstaunlich normalgewichtige Schiedsrichter ließ unfassbarerweise wirklich mal einen Vorteil laufen, was einer jener gewiss höchst prominenten, für mich aber namenlosen Hürtürkel-Spieler für einen wunderbaren Heber nutzte. Der ziemlich ordentlich saß. Kann passieren. Gerade bei TeBe.

Ähnlich ansprechend war das 4:1, bei dem der lila-weiße Torwart die Annehmlichkeiten eines Kunstrasenplatzes liegenderweise angemessen auskosten konnte. Etwas blöd, so vor der Pause. Man fühlte sich ein wenig wie Wolfsburg am Tag zuvor im Pokal gegen den FC Bayern. Nur, dass noch deutlich mehr Zeit zu spielen, vielmehr: Zu verspielen war.

Und die Spannung war sowas von hoch.

Und die Spannung war sowas von hoch.

Das jedoch passierte nicht. Unter dem frenetischen Jubel der angereisten Jahnsportplatzverweigerer hielt TeBe heldenhaft das 1:4 und verwies somit den VfL Wolfsburg auf die Plätze. Auf welche Plätze genau, dies wird von zukünftigen Blogautorengenerationen zu klären sein. Und genau auf diese verweise ich nunmehr, verbleibend mit dem Hinweis auf ein sicherlich wiederum unvergessliches Erlebnis beim Heimspiel gegen Mahlsdorf am kommenden Sonntag. Vorher irgendwann spielt auch noch der Magische FC. Ich wollte es bloß gesagt haben. /juli

Die Stadt der Farbenblinden

Es mag in meiner Leserschaft Menschen geben, die sich wundern, dass ich schon wieder zum Schreiben in der Lage bin. Ihnen allen möchte ich zurufen: Geht so.

Zurück also, zwischendurch mal, aus Südafrika ins kalte Berlin. Mag sein, dass ich inzwischen eine Mehrzahl meiner TeBe-Artikel so einleite, wahr ist dennoch: Adlershof gehört nicht eben zu meinen Lieblingsregionen dieser Stadt. Nichtsdestotrotz liegt es fast vor der Haustür, obwohl mein Wohnsitz sich entgegen der Meinung von Facebook und – anderer von mir genutzter Internetportale keineswegs im Ostteil der Stadt befindet. Ein Bus fährt trotzdem von der Haustür aus bis fast in die Spielerkabinen des Adlershofer BC, wo am Samstag Tennis Borussia Berlin zu einem erneuten Versuch antrat, die Winterpause endgültig zu beenden. Ein guter Grund also, den Zugtreffpunkt an der Hermannstraße auszulassen und sich wie üblich mit viel zu knappem Zeitplan direkt auf den Weg zu begeben.

Das Wetter eiskalt, aber immerhin kein Schnee. Die Laune durchaus gut, hatte doch der Magische FC am Vorabend in üblich dramatischer Weise den Tabellenletzten aus Regensburg mit einem Last-Minute-3:2 in Unterzahl bezwungen. Angesichts der grauen Haare, die ich diesem Spiel bereits jetzt zu verdanken habe, wird es hierzu keinen gesonderten Bericht geben. Meine St.-Pauli-Rückrunde startet bloggenderweise erst am Freitag beim Spiel an der Alten Försterei.

Er bekam noch genug zu tun.

Er bekam noch genug zu tun.

Nachdem nun ein guter Teil meiner Stammleser verjagt sein dürfte, kann es ja losgehen. Einige Minuten nach Anpfiff, für meinen Teil. Auf einem Sportplatz, dessen wirklich einziger Vorteil der dortige Auftritt der Lila-Weißen war. Die durchaus gut und gefällig nach vorne spielend begannen, ihrer Favoritenrolle Taten folgen zu lassen. Nach rund 25 Minuten, wenn ich meinem Gefühl trauen darf, war es dann so weit. Ein hochverdientes 1:0 für TeBe. Zimmermann, wie ich dann spätestens bei Auswertung meiner Fotos erkennen konnte. Und es ging ähnlich ordentlich weiter, eine Viertelstunde später folgte das 2:0 durch Greinert. Konnte man so machen. Mit einem befremdlichen Gefühl souveräner Führung im Rücken ging es Richtung Halbzeit, Richtung Vereinsheim, Richtung Wärme.

Dieses Foto, im Übrigen, wertete ich hierfür aus.

Dieses Foto, im Übrigen, wertete ich hierfür aus.

Wohl allein die Tatsache, dass jenes Vereinsheim keine Fenster in Richtung des Spielfeldes besaß, hielt mich davon ab, Opfer meiner eigenen Bequemlichkeit zu werden und die 2. Hälfte im Warmen sitzend zu verbringen. Die Berlin-Liga ist nun mal kein Ort für derartige Befindlichkeiten.

Ebenso wie TeBe kein Team für souveräne Siege ist. Dafür gab es nun in einer wirren zweiten Halbzeit große Kunst zu bestaunen. In Minute 63 wuchtete ein Spieler des Adlershofer BC sich in rund 18 m Torentfernung in ibrahimovicsche Höhen und den Ball per Fallrückzieher in perfektem Bogen unhaltbar zum Anschlusstreffer ins Tor. Einer der sehenswertesten Treffer, die ich in dieser Liga bisher miterleben durfte.

Er führte zu kollektivem Zittern, nunmehr nicht bloß wetterbedingt. Lila-Weiß vergaß auf einen Schlag so ziemlich alles, was in Hälfte eins noch gut bis hervorragend lief. Unpräzise Pässe, harmlose Torschüsschen, teils katastrophales Stellungsspiel und unmotiviert geführte Zweikämpfe ergaben eine mitunter grauenhafte und gleichzeitig durchaus vertraute Mischung. Der beliebteste Ort auf dem Platz war nunmehr das Abseits.

Auch dieser Pass kam nicht an. Glaube ich.

Auch dieser Pass kam nicht an. Glaube ich.

Nutzen konnten die in Regensburg-Optik gekleideten Adlershofer dies nicht mehr. Zur Enttäuschung ihrer heute nicht unbedingt zu Support aufgelegten Ultra-Gruppierung sowie diverser eher zweifelhafter Anwesender mit unschönen Worten wie „Stolz“ auf ihren Jacken blieb es beim 2:1 für TeBe. Ein insgesamt doch verdienter und nicht unwichtiger Auswärtssieg, will man den Blick weiter fest auf die Tabellenspitze gerichtet halten.

Machte seinen Job eher mäßig. Bekam das mit dem Schlusspfiff aber gut hin.

Machte seinen Job eher mäßig. Bekam das mit dem Schlusspfiff aber gut hin.

War damit das Pflichtprogramm meines Fußballwochenendes erledigt, so folgte nun die Kür. Ein wenig Bundesliga-Konferenz im Vereinsheim. Trotz meiner FC-Bayern-Sympathie etwas bedauerlich deren Sieg gegen starke Düsseldorfer. Für die Liga natürlich gut, denn so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man sich bald über andere Dinge als den Meistertitel unterhalten darf. Wird auch mal Zeit. Wolfsburg mit einem eher absurden Sieg. Zudem durchaus brauchbares Fassbier.

Was folgte, war der S-Bahnhof Adlershof. Es gibt schönere Orte auf der Welt, insbesondere wenn gerade die Anhänger eines Köpenicker Zweitligisten von ihrer Auswärtsniederlage in Cottbus zurückkehren. Diejenigen aus unserer Reisegruppe, die einen lila-weißen Schal trugen, wurden folgerichtig als „Scheiß-Herthaner“ beschimpft. Mich erinnerte das an eine ähnliche Situation vor einigen Wochen in der Ringbahn, als ein Fan ebenjenes Westberliner Vereins mir angesichts meines braun-weißen Schals erklärte, warum er Union nicht mag. Es ist eben, zu bestimmten Uhrzeiten in gewissen Situationen an diversen Wochentagen, die Stadt der Farbenblinden. Als die Freunde von der anderen Mauerseite dies auch erkannten, stimmten sie immerhin noch den beliebten Klassiker „Lila-Weiß ist schwul“ an, von uns begeistert unterstützt. Ihre Verwirrung hierüber (wohl vor allem angesichts der sie begleitenden Dame mit lila-weiß gefärbten Haaren) hielt nicht lange an, sodass es noch dazu reichte, das DDR-Volkslied „We hate TeBe and BFC too“ anzustimmen, bevor sich die Aufzugtüren endlich schlossen.

Derartig eingestimmt auf sämtliche Absurditäten, die ein Tag potentiell noch bereithalten kann, machten wir uns auf den Weg Richtung Schokoladen, wo die Partizan-Minsk-Soliparty sich bereits vorbereitete, uns einige Situationen entsprechender Qualität zu bescheren. Es sei soviel verraten: Erfolgreich. Aber das, da bin ich überzeugt, wissen andere Menschen sogar noch besser als ich. Dies jedoch, trotz meiner natürlich völlig unabsichtlich irreführenden Tag-Setzung zu diesem Artikel, ist eine völlig andere Geschichte. /juli