Alles braun in Braunschweig?!

Vorweg zwei, drei Worte von mir: Mir wurde das allmählich zu langweilig, dauernd Spiele vom Fernseher aus zu kommentieren. Deswegen bin ich gestern mal Richtung Millerntor gefahren. War halt nur blöderweise ein Auswärtsspiel. Hab mir stattdessen die Toten Hosen angeschaut und das war auch ganz okay. Noch viel okayer aber, dass sich jemand fand, der die Spielberichterei für mich gerne übernahm. Tausendfach dankbar kommen wir jetzt also zur Sache in jener neuen Kategorie, die ich selbstverständlich mit dem furchtbar wortspielerischen Namen „Gästeblog“ versehen *musste*. Von mir übrigens auch ein großes F*CKDFB, ich hab vor der O2-World auch extra nicht supportet bis 12:12. Dafür das Spiel per Handy verfolgt. Scheiße wars, will ich nie wieder. Trotz nettem Konzert. Aber – hey, ich rede zu viel! /juli

Ahoi!

Da der gute Juli in Hamburg auf ’nem Konzert weilte und demnach nicht in Braunschweig dabei sein konnte und mich bat vielleicht doch, wenn ich denn Bock habe, hier an seiner Stelle ’nen kleinen Bericht über unser gestriges Auswärtsspiel zu verfassen, komm‘ ich der Bitte natürlich gerne nach…

Eins vorweg: Es hätte klappen können!

Ja, 3 Punkte. Geholt gegen den Spitzenreiter.

Aber es hat nicht sollen sein und ich möchte jetzt nicht noch weitere Konjunktive bemühen. Also der Reihe nach:

Dienstag 11.30, der Wecker klingelt und versüßt einem in schönster Eintracht mit einem nicht ganz unerheblichen Kater, der der zurückliegenden Nacht geschuldet war, den Tag.

Nun, kennt man. Was tun? Ohne zu murren aufstehen, ab unter die Dusche, während das Lebenselixier namens Kaffee (schwarz, not brown) durch die Maschine plätschert und ab dafür.

Treffpunkt Steglitz. Kurzes Hallo, alles bester Stimmung und ab auf die Autobahn, um nach kurzweiliger, unkomplizierter Fahrt in Niedersachsens zweitgrößter Stadt aufzuschlagen. Relativ früh vor Ort fanden wir uns am Gästeparkplatz ein. Von unappetitlichen Braunschweigern bislang verschont, und angesichts der Tatsache das wir noch massig Zeit hatten – wollten nicht so früh ins Stadion, zum anderen mussten noch zwei St.Pauli-Supporter aus Wolfsburg zwecks Kartenübergabe abgepasst werden – entschlossen wir uns, uns in einem der unzähligen gastronomischen Betriebe in Stadionnähe bei ’ner Tasse Tee aufzuwärmen.

Doch weit gefehlt!

Team Green spielte nicht mit. Warum auch?

Ist mans doch gewohnt, selbst in Begleitung eines Rollifahrers weniger als Bürger, als Fußballfan, sondern vielmehr als notorischer Unruhestifter durchzugehen.  Fragen nach dem „Wieso“ und „Warum überhaupt“ wusste der knapp ’nen Kopp größer als ’n Spanferkel messende Ordnungshüter, zusammen mit seiner nicht weniger kompetenten, solariengebräunten Kollegin galant zu umgehen. Ihr könnt euch sicher denken, wie. Man kennt sowas ja und insgeheim wunder‘ ich mich, dass ich mich jedes verdammte Mal über so ein Gebaren überhaupt noch wundere.

a.c.a.b. (a.b. versteht sich).

Mittlerweile füllte sich der Ort. Die Hamburger Busse trafen ein, small talk hier und da, Kartenübergabe und guter Dinge in bester Gesellschaft nix wie in den zu dem Zeitpunkt bereits knackevollen Gästeblock.

By the way lag übrigens die Vermutung für uns nah, das sich hier einige Sitzplatzticketinhaber verirrten. Machte aber nix, ganz im Gegenteil.

Der gemeinsame Protest (Sicherheitskonzept und so, ihr wisst schon… Fck D*B) wurde mitgetragen, was sich sicherlich trotz sehr ernstem Backgrounds als ziemlich lustig gestaltete. Wurden doch nicht nur die akustischen Aussetzer von Teilen des Braunschweiger Anhangs, sondern auch jedes geäußerte Wort in unserem Block von allen Umstehenden mit „Psch“, „Pst“, „Ruhe“ und ähnlichem gekontert.

Sorgte für etliche Lacher.

Ab 12:12 ging natürlich die Post ab! Etwa zeitgleich ne große Chance zur Führung durch Schindler. War aber leider nichts, nur hätt‘ ichs gerade ihm wirklich gegönnt.

Daran änderte auch der erste Schockmoment nichts. 1:0 Führung der BSler durch Kumbela. St.Pauli kompensierte fehlende Schwäche durch Kampf und Druck und das gelang auch einigermaßen gut, immerhin gegen BS, das bislang heimstärkste Team der zwoten Liga. Nö, der Stimmung auf den Rängen (man hat ja manchmal das Gefühl, dass, wenn es so weiterginge und mit etwas Glück, könne hier wirklich was gehen), tat das keinen Abbruch.

Zumindest bis zur 22. Minute, als die Pfeife, also der Schiri, Bartels mit glatt rot vom Platz schickte. Foulspiel, soso.  Gelb, gut. Das hingegen war eine Riesenschweinerei.

Ohnehin erübrigt sich m.E. über die Schiedsrichterleistung dieses Abends jedes weitere Wort, nur soviel: Es gibt Spiele, da müssten nach diesen Kriterien mindestens 3-4 Spieler des Platzes verwiesen werden.

So aber wird durch komplett überzogene Entscheidungen das Spiel nicht moderiert sondern (mit-)entschieden. Und mir schwillt schon wieder der Kamm. Echt, jetzt auch ohne Fin Bartels gegen Lautern. Toll! Begleitet das ganze mit den üblichen dumpfen „Scheiß Sankt Pauli“-Macker-Fascho-Sprüchen des Braunschweiger Anhangs, deren Sorge – was den Schiri betrifft – in deren Forum wohl umsonst war.

Irgendwie ist ersteres wohl wieder schlimmer geworden in BS. Und gerade, wenn man nicht nur die mangelnde Sensibilität weiter Teile ihrer werten Anhängerschaft, sondern speziell die Reaktionen der Vereinsverantwortlichen betrachtet – leugnen, verharmlosen, wegreden – ist hier klare Kante mehr als angesagt. „Nazischweine, Nazischweine“ geht unsrerseits völlig in Ordnung.

St. Pauli also in Unterzahl. Braunschweig zwar bis Ende der ersten Halbzeit spielbestimmend, aber sooo viel kam da nu nich…

Halbzeitpfiff. Ab zum pissen und noch ’nen Kaffee (braun!)

Zu Beginn der zwoten Hälfte leider (immer wieder) zuviele kleine Nicklichkeiten, sprich, individuelle Fehler im Spielaufbau. Sehr gelungene Pyroaktion bei uns im Block, weitestgehend optimistische Stimmung und wirklich guter Support.

Gogia dann für Buchtmann, fand ich jetzt nicht so wirklich nachvollziehbar & knapp 10 Minuten später wurde – endlich, leider Gottes – Ebbers durch Gyau erlöst.

Ich schäme mich fast, das zu schreiben, nur fürchte ich fast, dass Ebbers sein 100. Tor verwehrt bleiben wird. Das gestern war wiederholt nur ’n Schatten seiner selbst, dabei würd‘ ich ihm so sehr wünschen, nochmals an alte Leistungen anzuknüpfen.

Gyau hingegen? Zack, 1:1 Ausgleich, alles liegt sich in den Armen.

Aber nix wars. Torwartfoul angeblich. Ich muss mich ernsthaft zusammennehmen, nicht nochmals auf die unterirdische Leistung des (*hust*) „Unparteiischen“ zurückzukommen.

Gekämpft wird weiterhin. Braunschweig nutzt seine Konter nicht wirklich, das 1:1 liegt in der Luft und Frontzeck bringt Saglik (endlich!) für Funk, der ’nen sehr mauen Tag erwischt hat.

Braunschweig anschließend auch nur noch zu zehnt, mehr als berechtigt. Scheiß Schauspieler.

4 Minuten Nachspielzeit, teils offener Schlagabtausch, wir aber auch mit Glück.

Dann wars vorbei. Meine Stimmung irgendwo so zwischen „Scheiße, aber beinahe“ und dem Wissen, hier Moral und Kampf- und Teamgeist erlebt zu haben, und das war gestern einfach klasse!

Unter anderen Umständen – Boll am Start, kein Platzverweis für Bartels – wäre möglicherweise (verdient) auch mehr drin gewesen.

Aber lassen wir das.

2,5 Stunden später saß ich beim ersten Bier des tages in der Astrastube Neukölln, wo noch ’nen kleiner Geburtstag begossen wurde und war trotz der widrigen Umstände ganz zufrieden

St. Pauli hat bewiesen das man sich weder vor Löwen, noch vor anderen großen Tieren zu verstecken braucht! Gerade nicht wenn man sich personell auf so dünnem Eis bewegt. War ja nicht immer so in dieser Saison. DAS zählt letztlich und das wird am Samstag hoffentlich auch die Region zu spüren bekommen.

In diesem Sinne – WIR SIND SANKT PAULI & gestreckter Mittelfinger gen Braunschweig! /marcus

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