Oho, ein Rätsel!

Sommerpause ist keine gute Zeit für Fußballfans. Sommer vielleicht schon, aber bei Pause hört es auf. Inspiriert von den Kolleg_innen der „Welt“ habe ich mir auch mal Gedanken gemacht, wie man Fußballvereine in die Sprache meiner Generation umsetzen kann. Als anständiger Fan des magischsten aller FCs selbstverständlich für die zweite Liga. Das war teils wesentlich anspruchsvoller, und auf einige wird man nur mit Hilfe kommen, aber ich wünsche viel Spaß! Die erste komplett richtige Lösung in den Kommentaren gewinnt das obligatorische Bier (das Frodo wegen der Schlagergeschichte übrigens immer noch nicht haben wollte).

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Die Lösungen gebe ich wie gehabt dann raus, wenn ich frühmorgens betrunken das dringende Bedürfnis verspüre, dies zu tun. So entstehen ohnehin 90 % meiner Texte. So long! /juli

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Warum ich mein Land nicht liebe

Nationaler Taumel. Schwarzrotgoldene Schminke. Hupkonzerte. Fanmeilen. Schland. Über all dies ließe sich nun, nach einem fraglos historischen Sieg wie dem 7:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen desolate Brasilianer schreiben. Antizyklisch natürlich, kritisch, hinterfragend wohl auch. Viele haben es vorgemacht. Viele haben schon vor Beginn des Turniers ihre Abneigung gegen derlei Dinge verkündet, in jedes verfügbare Schaufenster gestellt, verbreitet und sicher noch gefestigt. Das halte ich für völlig legitim. Und ich teile diese Abneigung. Ich teile sie nicht bloß wegen meiner emotionalen wie rationalen Distanz zu nationalen Symbolen, zu dem, wofür sie stehen zumal. Denn bei einem solchen Turnier wird das nationale Symbol transformiert zum Ausweis des Ahnungslosen, zum Erkennungszeichen desjenigen, dem jede Erkenntnis fehlt.

Ich habe nichts gegen Menschen, die nichts wissen. Im Gegenteil. Wenn alle fragen würden, anstatt zu wissen, wäre die Welt wohl ein weitaus angenehmerer Ort. Ich habe etwas gegen Menschen, die nichts wissen wollen. Ich habe etwas gegen den Tunnelblick. Ich habe etwas gegen die Herde. Dem Hirten hingegen kann ich es noch nicht einmal sonderlich übel nehmen, dass er seinen Job macht. Mag er nun FIFA heißen oder Bundesregierung, Deutschland oder DFB. Ich verstehe vollkommen, dass eine WM eine Bühne ist, auf der sich jeder, aber auch wirklich jeder, im Lichte grenzenloser Bewunderung und Anerkennung sonnen darf. Und praktischerweise kann man schnell verschwinden, wenn es mal nicht so läuft.

Mancher würde dagegen lieber verschwinden, wenn es mal läuft. Wohin diese Herde will, woher sie kommt, ich weiß es nicht. Sie trampelt das von mir so geliebte Spiel nieder, ihr Geblöke als Leidenschaft verkaufend, den Weg zur Schlachtbank als Weg eines „richtigen Fans“. Sie wissen nicht, was sie tun und warum.

Wie viele Millionen Menschen, denen dieser Sport etwas bedeutet, saß ich fassungslos dabei, als wieder einmal eine deutsche Mannschaft für eine tiefe Zäsur in allem, dessen man sich sicher zu sein glaubte, sorgte. So wie vor zwei Jahren der FC Bayern und Borussia Dortmund. Damals bereits sollte die Welt oder wenigstens Europa am deutschen Wesen genesen. Jeder war plötzlich rot oder gelb und sowieso deutsch. Eine Fanmeile in Berlin, Public Viewings allerorten. Die Schickeria München brachte es damals auf den Punkt, erlöste mich von meiner Befürchtung, es sei nunmehr wirklich jeder Schaf. Ihr Transparent trug die Botschaft „Alle reden vom deutschen Finale – wir nicht. Wir kommen aus München, wir sind die Bayern, scheiß BVB!“. Das war so erfrischend. Nicht schön, mag sein, aber wenigstens ehrlich. Geradezu lyrisch inmitten nationaler Prosa.

Natürlich kann man nun vergleichen. Man kann fragen, ob das Unterstützen eines Vereins nicht dem selben Grundmodell folgt wie jener Fußballpatriotismus, der das Land gerade in seinen kruppstahlharten Armen hält. Ob nicht gerade der Grundzustand jedes echten Fans sei, blind zu folgen, so wie der Verliebte.

Man kann das tun, aber dann hat man keine Ahnung. Weder vom Fußball, noch von der Liebe. „Der Grundzustand des Fußballfans ist bittere Enttäuschung, egal wie es steht“, so schrieb es Nick Hornby. Ich teile das nicht völlig. Den Grundzustand des Fußballfans halte ich wie den Grundzustand des Liebenden für etwas, das eigentlich niemandem richtig zugänglich ist. Für ein Schweben in anderen Sphären, für eine Entrücktheit. Eine völlige Fokussierung auf Dinge, die nie ein anderer so verstehen wird wie er selbst. Mögen es auch scheinbare Kleinigkeiten sein. Im Fußball, wie in der Liebe, bedeuten sie manchmal die Welt.

Die schwarzrotgeile Schlandherde der Ahnungslosen hat keinen Blick für die kleinen Dinge, sie verschwinden unter dem Marschschritt ihrer gen Finale stampfenden Stiefel. Ihr Grundzustand, er ist Ignoranz.

Und Ignoranz, nicht Hass, ist das wahre Gegenteil von Liebe. /juli

Wer suchet, der findet

Zum Saisonstart gibt’s neben dem nächsten Häppchen Afrika-Cup ein klein wenig Nabelschau von mir. Nämlich die schönsten Suchbegriffe, die sich seit dem Start dieses Blogs im letzten September so angefunden haben. Fast so verstörend wie meine eigene Google-Chronik – und eventuell, ganz vielleicht, ein Hinweis darauf, wie dieses „Internet“ so funktioniert. Also, hier meine persönliche Top 20:

Platz 20 geht an „champions weiß oder braun“. So schnell wird man vom Fußballfan zum Pilzsammler. Als hilfsbereiter Mensch ist das aber alles kein Problem. Mein Tipp: Immer das Billigste.

Platz 19 war auf der Suche nach etwas sehr Nachvollziehbarem. „lila wolken umschreibung“. In diesem Fall kann ich leider nicht ganz so gut weiterhelfen. Ich empfehle aber: Drogen. Egal welche. Auf die Dosis kommt es an.

Den Suchbegriff auf Platz 18 nahm ich mir persönlich sehr zu Herzen – „handyfotos hässlich“. Lieber Suchender, auch hier habe ich Abhilfe geschaffen. Meine Fotos entstehen inzwischen mit einer grandiosen Pentax K-5. Sie sind zwar immer noch hässlich, dafür aber teurer.

Mit einem ähnlichen Problem befasst sich Platz 17: „spiel hässlich wiedeer schön“. Auch hier sei auf meine patentierte Lösung bei St.-Pauli-Spielen verwiesen – Drogen. Siehe oben.

Die Schwierigkeit bei Platz 16 erschließt sich mir leider nicht so ganz. „slip n slide selber machen“. Als irgendwie punkrockaffiner Mensch bin ich ja der Ansicht, man sollte grundsätzlich alles selber machen. Wie das in diesem Fall geht? Ich empfehle Ausprobieren. Oder doch lieber Drogen.

Nicht aber jene, die Platz 15 konsumieren möchte. „zigarettenglut lila machen“. Man möge mir glauben, das kann nicht gesund sein. Rauchen sowieso nicht. Und Lila macht auch noch depressiv, wie jedem Besucher des Mommsenstadions bekannt sein dürfte.

Platz 14 hätte mich gerne auch persönlich ansprechen können. „kann aus geil finden mehr werden“. Das ist durchaus einfach zu beantworten: Ja. Lies hier einfach ein bisschen, und schon wirst du mich sogar sehr geil finden.

Platz 13 sucht ein „klatschwerkzeug“. Empfehlung: Hände.

Sofern die mal nicht ganz sauber sind, darfst du es gerne mit Platz 12 versuchen, „verrückte handwaschbecken“. Wobei ich selbst geistig gesunde Handwaschbecken in jeder Lebenslage bevorzugen würde.

Von reinem Pragmatismus getrieben wird Platz 11. „kann ich mit dem quer-durchs-land-ticket mit dem schieffahren?“. Hm… nein. Dazu sage ich jetzt mal nichts. In diesem Fall sind alle billigen Wortspiele bereits gemacht und für qualifizierte Antworten ist dieses Blog noch nie zuständig gewesen.

Auch Platz 10 befindet sich in einer Notlage: „kommen die toten hosen nach braunschweig“. Wenn sie es nicht vermeiden können, werden sie das vermutlich tun. Aber ich darf dich beruhigen: Normalerweise kündigen sie Derartiges recht deutlich an. Dir wird also genug Zeit zur Flucht verbleiben. Komm doch ans Millerntor.

Bei Platz 9 frage ich mich wirklich, wie er hierher geraten ist. „spielen wir ein spiel! zu euch kommen unerwartet gäste ihr habt zu hause -saft , -wasser und kalten tee. was machst du als erstes auf?“. Das ist unrealistisch. Zuhause habe ich lediglich Bier, Wein und harte Alkoholika. Mit diesen Getränken lenke ich mich von dem Fakt ab, dass zu mir nie unerwartet Gäste kommen. Und: Ich hasse Spiele.

Hingegen liegt mir Nummer 8 deutlich näher: „wenn die so spielen wie die letzten spiele das verlieren wir 4:1 aber ich bin optimist und sage 1:2“. Genau das ist die Form von Optimismus, die diesen Blog seit Jahrzehnten auszeichnet. Du bist St. Pauli, komm in meine virtuellen Arme.

Platz 7 hat sich deutlich verfahren. „naki männer von vorne gesehen(mit frauen“. Man muss das einfach mal sacken lassen, denke ich. Meine Empfehlung wäre, bis dahin einfach mal bei Youtube nach dem grandiosen Hip-Hop-Video von Deniz Naki zu suchen. Das dürfte dem Gewünschten schon recht nahe kommen.

Auf der 6 findet sich ein ambitionierter Sportinteressierter mit der berechtigten Frage nach „olympische spiele 1936-schiedsrichter aus der pfalz“. Wieso ihn diese Frage hierher führt? Tja, das sollte ich vielleicht bei Gelegenheit googlen. Bedenklich ist das schon.

Die 5 scheint mir etwas unangenehme Intentionen zu haben. „was kann man alles mit einem stubenküken machen“. Ich empfehle, es liebevoll und aufmerksam zu behandeln, dann wird es schon bald zu einem stolzen Schwan heranwachsen und kann auf den Grill.

Nummer 4 weist mich dezent auf ein Problem dieses Blogs hin, nämlich „gegenderte menschen“. Die finden sich hier nicht. Ich bevorzuge einfach Menschen. Sollte man mich dereinst auch mit dem Suchbegriff „Menschen“ bei Google finden, dann habe ich es wohl endgültig geschafft. Weltherrschaft, Champions-League-Sieg, sowas halt.

Den Drittplatzierten würde ich gern als Einleitung für jeden meiner Texte benutzen: „morgen ist derby. nicht irgendeine, sondern das derby! dazu sollte man etwas wissen und das erzähle ich hier mal kurz“. Wohin soll ich die Lizenzgebühren überweisen?

Knapp, aber verdient ging Platz 2 an „werden in neuseeland jugendtrainer gesucht?“. Hm. Hmhm. Nun, vermutlich schon. Einfach mal in Neuseeland nachfragen, würde ich sagen.

Und Platz 1 hat es wirklich geschafft. Hier endet selbst meine gewaltige Kompetenz in sämtlichen Fragen des Fußballs, ob auf oder neben dem Platz. Hier komme ich in Regionen, die eine unendliche Weisheit und Lebenserfahrung fordern, die ich hoffentlich einmal erwerben werde können, zu der ich es jedoch bislang nicht brachte. Mein herzlicher Dank an den Unbekannten mit der Frage „wie viel verdient taxifahrer in neustrelitz“.

Ich bin ratlos. So viele Themen, die es in den kommenden Wochen ausführlich zu bearbeiten gilt. Bis dahin erst einmal ein großes Danke an all meine treuen Leser der letzten Saison. Es hat immer Spaß gemacht, auch wenn manchmal die Zeit nicht reichte. Und es wird in dieser Saison mindestens genauso viel Spaß machen, vielleicht auch endlich wieder sportlich. Ich wünsche euch und mir alles Gute.

In zwei Stunden geht es los für den Magischen FC. Auf zur Löwenjagd – um gleich den Grundstein für die nächsten spannenden Suchbegriffe zu legen. /juli

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

We slip and slide…

Was ein Jahr. Ein Jahr von Hoffnung und Enttäuschung. Der großen Siege, der katastrophalen Niederlagen. Des Ankommens, der Flucht. Ein Jahr von Himmel und Hölle. Nie in der Mitte, immer das Extrem. Ein Jahr Trauer. Ein Jahr Freude. Ein Jahr Leben.

Vorweg: Mein Fazit für die ersten drei Monate dieses Blogs ist ein gutes. Es ging mir nicht so sehr um die große Öffentlichkeit, wenngleich es schön ist, gelesen zu werden. Der Ansatz ist eigentlich ein sehr persönlicher, auch wenn man das nicht immer merkt. Und nicht immer merken muss oder soll. Es ergaben sich viele interessante Gespräche aus der ganzen Sache hier und damit bin ich absolut zufrieden. Die Motivation ist groß, das im nächsten Jahr so fortzuführen. Weiterhin mit viel Fußball, sicherlich auch gelegentlich mit anderen Dingen. Kann ja jeder lesen, was er lesen möchte. Ein wenig persönlicher werden die nächsten Zeilen trotzdem, und wie angekündigt auch etwas weniger sportlich als gewohnt. Man möge dies, wiederum, entschuldigen. Oder eben nicht.

Aber ganz kurz dann doch noch sportlich, um hier mal andere Farben reinzubringen. Und weil ich das Foto loswerden wollte.

Aber ganz kurz dann doch noch mal sportlich, um hier mal andere Farben reinzubringen. Und weil ich das Foto loswerden wollte.

Es ist ja immer leicht, sich über das Schlechte zu beschweren. Lange nicht so leicht, das Gute, das Richtige, rechtzeitig zu erkennen. Das Neue bereitwillig anzunehmen. Sich vom Alten zu lösen. Andere Wege zu beschreiten, andere Ziele zu finden. Gewöhnung ist der Tod jeder Bewegung. Wer ankommt, hört auf zu laufen.

Und wer Konfetti im Bier hat, hört auf zu trinken.

Und wer Konfetti im Bier hat, hört auf zu trinken.

Berlin. Langsam komme ich auch an bei dir. Mehr als vier Jahre sind es jetzt, die mich rausgerissen haben aus meiner Vorstadtwelt. Dieses war das erste wirklich echte. Deine Vielfalt, deine Leidenschaft, deine Belanglosigkeit, deine Trägheit. Deine faszinierende Schönheit und deine raue Tristesse. Eine Stadt als Spiegel des Lebens, oder so. Ick hab dir gern. Meistens.

Und bleibe doch trotzdem immer noch ein wenig Tourist.

Und bleibe doch trotzdem immer noch ein wenig Tourist.

Magischer FC, um doch noch einmal sportlich zu werden. Du hast es uns nicht leicht gemacht. Mehr Frust als Euphorie, diese Hinrunde. Großartige Momente natürlich auch. Immer wieder zerstört aber durch einen rätselhaften Unwillen, der mir gleichzeitig selbst so gut bekannt ist. Etwas zu können heißt nicht, etwas zu werden oder gar zu sein. Der Weg ist nicht einfach nur da, er will gegangen werden. Dass ich immer dabei sein werde, das ist klar. Gilt im Rahmen des Möglichen übrigens auch für das lila-weiße Berliner Äquivalent. An dieser Stelle danke fürs Lesen, Verlinken, Kommentieren. Wüsste ich, wie es geht, ich würde euch vielleicht sogar ein alternatives Layout in passenderen Farben zur Verfügung stellen. Aber muss halt so reichen.

So trist die Welt auch manchmal erscheint.

So trist die Welt auch manchmal erscheint.

Freunde. So wichtig im Hellen und im Dunkeln. Anker und Fallschirm, Halt und Freiheit. Die Momente, wo ich euch brauchte, waren diesmal so zahlreich wie eigentlich noch nie. Ihr wart immer da. Mehr gibt es nicht zu sagen. Das Gleiche für euch, wenns nötig wird. Jederzeit.

Und auch da wart ihr mit Sicherheit dabei.

Und auch da wart ihr mit Sicherheit dabei.

Leben. Du gehst weiter. Durchschütteln, weitermachen. Es stehen Herausforderungen an, sie wollen gemeistert werden. Ob im Sport, ob in der Liebe, ob im Leben, ob im Beruf. Wenn man es richtig macht, ist das sowieso alles dasselbe. Richtig zu machen gibt es viel. Falsch wird vieles sein am Ende. Muss man in Kauf nehmen, gehört dazu. Diesem Jahr wird ein weiteres folgen, ich bin mir da relativ sicher. Und verschlafen wird nicht.

Weiter Weg.

Da ist er ja, der Weg.

Euch allen das Beste. Für 2013. Und sowieso. Dieses bisschen Pathos hier musste sein, ausnahmsweise. /juli

Auf dass so etwas nie wieder passiert.

Auf dass so etwas nie wieder passiert.