Bomber Harris?

Aus aktuellem Anlass einfach mal eine Sammlung von schönen Bildern, die mir Google auf Anhieb zuführte. Da ich die Arbeit von Fotografen und Medien prinzipiell wertschätze, gibt es nur die Links. Nämlich hier:

Hier gehts um Leipzig.

Auch Frauen werden wahrgenommen.

Manchmal vielleicht ein klein wenig eindimensional.

Oder auch nur auf ihren Beruf reduziert.

(Oh, das ist Aachen. Aber geglaubt hättet ihr mir das, oder? Alternatives Dynamo halt.)

Aber hey!

Und hätten Letzteres eure und unsere und meine Großeltern auch so gesehen, vielleicht hätte insgesamt weniger gebrannt. Man möge mir diesen Vergleich, der bei weitem keine Gleichsetzung ist, verzeihen, aber das ist wie mit Spielen am Millerntor: Manche lernen daraus, einige brauchen etwas länger, andere sehr lang und… Dynamo. /juli

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Runde Sache

Wie schreibt man eigentlich über Fußball? Tja. Über dieser Frage brütete ich monatelang, panisch, kein Bein mehr auf die Erde bekommend oder doch mehr als je Beine habend. Am Ball vorbei, meist drüber, gelegentlich drunter, ihn selten treffend und dann meist schlecht. So entstehen Texte jedenfalls nicht. So steigt man auch nicht auf, das liegt sicherlich mit an mir.

Aber erklärt mir mal, wie denkt man eigentlich über Fußball? Gewonnen. Verloren. Eigentlich meistens verloren. Blöder Trainer. Blöder Trainer weg. Neuer Trainer da. Neuer Trainer toll. Neuer Trainer gewonnen. Neuer Trainer verloren. Neuer Trainer blöd. Neuer Trainer toll. Alter Trainer blöd. Alter Kader toll. Das klingt wie ein schlechter Neue-Deutsche-Welle-Song, nicht wahr? (Die Frage dahingestellt, ob es überhaupt gute gab.)

Ich persönlich denke über Fußball meist in exakt zwei Worten, die im Großen und Ganzen auch nicht wirklich Worte sind. Hin. Und: Da. Hin da!

Der Name dieses Blogs erinnert daran, dass für mich im Zweifel jedes Spiel ein Auswärtsspiel ist. Menschen, die die Autobahn zwischen Hamburg und Berlin auch nur einmal gesehen haben, werden mich voll und ganz verstehen. Kein Ort, an dem man seine Flitterwochen verbringen möchte. Falls man überhaupt Flitterwochen verbringen möchte. Ein Ort, den es zu überwinden gilt. Der Eiserne Vorhang des Magischen FC. Für mich persönlich jedenfalls, ganz bescheiden gesagt.

Wo wir schon bei „Eisern“ sind, können wir über den entsprechenden Gegner diverse Mutmaßungen anstellen. Sicher einer der angenehmeren Vereine aus dieser Region des Landes, bestimmt uns allen relativ wohlgesonnen. Blutsbrüder werden wir trotzdem nicht. Wer andere Menschen, wer Fans eines anderen Vereins als „Schädlinge“ bezeichnet wie gegen RB Leipzig geschehen, der kann sich meiner… gesunden Skepsis sicher sein. Also kein Freundschaftsspiel. Schade eigentlich, haben wir doch so selten.

Wäre dies ein Konzertbericht, ich würde die „Bratze-Beerdigung“ im Übel & Gefaehrlich höchst lobend erwähnen. So kann ich das leider nicht, weil meine Leser Input erwarten. Daher kann ich leider nur sagen, dass es vielleicht eins der besten Konzerte meines Lebens war, in einer Location, um die jede normal denkende Stadt dieser Welt Hamburg beneiden sollte. Reicht aber auch dazu.

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Erwacht von den viel zu Lebendigen zu den bloß Halblebendigen musste ich lediglich noch sieben Karten erwerben, um sechs davon loszuwerden, und schon konnte ich hungrig, verkatert und fernab der Heimat ins Stadion. Aus diesen Faktoren ein Erlebnis zu konstruieren, um das mich eigentlich die ganze Welt beneiden müsste, das schafft nur der magische FC.

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Und er fing ambitioniert an damit. Flanke, Budimir auf dem Weg zum Tor, Budimir gestoppt, Elfmeter. Rot. Kann man geben. Hätte ich jetzt nicht. Aber ich war ohnehin viel zu sehr damit beschäftigt, Jubel, Bierbecher, Kater und Zigarette in Einklang zu bringen, um dem Schiedsrichter hier zu widersprechen. Nöthe. Sicher. Tor. Kam mir ein wenig bekannt vor, kann man auch gerne weiterhin häufiger wiederholen.

Union rannte nun trotz Unterzahl an. Sofern „Anrennen“ bedeutet, dass man den Ball planlos nach vorne schlägt und dem Gastgeber das eigene Tor etwa so anbietet wie der Bierstand dem Fan ein neues Getränk. Die Chancen allerdings waren ähnlich exakt unter dem Eichstrich gezapft, und so ging es mit einer hochverdienten knappen Führung in die Pause.

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Nach etwa 65 Minuten wurde Lasse Sobiech von einem Gegenspieler in seiner Yogaübung gestört, indem dieser per Kopf versuchte, sein rechtwinklig gestrecktes Bein herabzuzwingen. Diese Unhöflichkeit wurde seitens des Schiedsrichtergespanns leider nicht geahndet, stattdessen wurde der meditierende Verteidiger verwarnt.

So verunsichert trat die gesamte Mannschaft des magischen FC in eine nur von gelegentlichen Sprints durchbrochene Sitzblockade ein. Was Gandhi nicht gelang, schaffte Marc Rzatkowski in der 73. Minute – die 2:0-Führung gegen inzwischen nicht mehr allzu imperialistische Unioner. Die sich folgerichtig auch nicht beschwerten, als der bislang ebenfalls recht friedlich gebliebene Philipp Tschauner kurz vor Schluss den Angriff zum verdienten 3:0 einleitete.

Ein verdienter Sieg vor dem heimischen Bunker, was will man mehr?

Beispielsweise – einen unverdienten, im höchst fremden südlichen Neukölln. Denn sofern man wieder nüchtern war oder sich jedenfalls wieder halbwegs geradeaus bewegen konnte, lockte in Rudow die Begegnung des örtlichen TSV gegen Tennis Borussia Berlin (von der virulenten Homolobby gerne auch als „TeBe“ bezeichnet).

Der TSV Rudow ist insbesondere wegen Christian Ziege bekannt. Der insbesondere wegen eines Schwarz-Rot-Gold-Iros bekannt ist. Was zum TSV Rudow passt, weil der neben Christian Ziege insbesondere wegen seiner Nazi-Fans bekannt ist. Die freuen sich jedes Jahr sehr auf das lila-weiße Gastspiel, weil sie dann zeigen können, wie sehr Nazi-Fan sie sind. Nehme ich an. Ich war noch nie Nazi-Fan.

Dementsprechend polizeilich gestaltete sich auch die Anreise. Der gemeine Rudower war im Prinzip pflegeleicht. Zwar scheißt er auf unsere bunte Welt, aber wir hatten rechtzeitig Zeitungspapier untergelegt. Ein Mittel, das man da gar nicht so gut kennt. Genau wie bunte Welten.

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Das Schlimmste, was man über dieses Spiel sagen kann, ist (neben dem Fakt, dass es in Rudow stattfand) die gesamte erste Halbzeit. TeBe wirkte etwas verkatert und der TSV Rudow entdeckte offenbar die Grenzen der faschistischen Ideologie.

In der zweiten Hälfte führte ein Blitzangriff des TSV zum Führer. Zur Führung. Aber so etwas kann man auch kontern. TeBe tat das nach etwa drei Minuten. Zehn Minuten später war Michael Fuß zur Stelle. Einer Stelle, die er im Nachhinein vermutlich nicht beschreiben könnte. Auf eine Weise, von der er im Nachhinein vermutlich keine Ahnung hat. Jedenfalls traf er. Zur Führung.

Und zum Sieg. Der Heimweg verlief erstaunlich ruhig, abgesehen von dem Hertha-Nachwuchs-Hooligan, der uns allen vermutlich in einigen Jahren ziemliche Probleme bereiten wird. Insbesondere dann, wenn er rausbekommt, wie man WordPress-Blogs zum Urheber zurückverfolgt.

Man kann nun mal nicht immer schreiben, das gebe ich zu. Aber wie wärs, wenn man öfter gewinnt? /juli

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Ich wurde geboren in einem Krankenhaus in Köln-Marienburg. Dafür kann man nichts. Dadurch entscheidet sich aber vieles. Es ist niemals Helau, es ist immer Alaaf. Es ist niemals Alt, sondern immer Kölsch. Mag sein, dass sich das in Berlin egalisiert. Mag sein, dass man am Ende doch Arm in Arm mit Düsseldorfern immer die gleichen Lieder singt. Aber am Anfang steht immer dieses Krankenhaus. In Köln-Marienburg.

Welcher Teufel auch immer mich ritt, ich fuhr dennoch nach Düsseldorf. Und das noch nicht einmal zur Fortuna, sondern zur römischen Zwei. Einer römischen Zwei, die dem Fußballfan an sich das bedeutet, was dem normal denkenden Menschen ein Glas Alt bedeutet. Oder ein Sackgassenschild. Oder eine massive Betonwand. Kein Ort, an den man dringend laufen sollte. Und, der Vollständigkeit halber, kein Glas, das man dringend trinken sollte.

Diese römische Zwei spielte immerhin gegen die SG Wattenscheid 09, deren Farben jeder Mensch kennen sollte, der ein Faible für miserable Fußballmusik hat. Falls ich tatsächlich noch Leser haben sollte… das ohnehin. Falls ich tatsächlich noch Leser haben sollte, die nicht über diese wunderbare Eigenschaft verfügen, so sei ihnen ein wohlbekanntes Videoportal empfohlen. Dort werden Dinge geleistet, die ich hier nicht leisten kann und will. Trash hat im Fußball viele Orte, aber dies ist ein trashfreier Ort. Wenigstens bis zur nächsten Zeile.

Biografien sind es, die den Leser binden. Ich persönlich wuchs teilweise in der wunderbaren Kölner Vorstadt Brühl auf. Von dort nach Köln möchte die Deutsche Bahn von mir inzwischen 3,70 € haben. Ist für 15 km bestimmt legitim, die könnte man schließlich auch laufen. Der HKX allerdings, seines Zeichens eine Privatbahnlinie, verlangt für die Strecke zwischen Köln und Düsseldorf, jeweils Hauptbahnhof, nur einen Obulus von 3 €. Was durchaus konsequent ist, diese Strecke kann man schließlich nicht mehr laufen (oder hoppen, was nach wie vor meine bevorzugte Form des Fortbewegens ist).

Ein Geburtstag war zu feiern. Ein doppelter gar. Nicht meiner, denn erstens bin ich nicht doppelt und zweitens in einer am Anfang des Textes bereits gewürdigten anständigen Stadt geboren. Man kann sich dennoch nicht von dem Makel befreien, Fortunen zu kennen. Und so zogen wir in das altehrwürdige Paul-Janes-Stadion ein, harrend der Dinge, die da kommen würden. Im Heimbereich, warum auch immer. Kein formvollendetes Gastspiel. Und nicht einmal ein Groundpunkt für mich, der ich diesen Garten Eden der Düsseldorfer Fußballkultur bereits beim Fortuna (II)-Derby vor einem Jahr beehrt hatte.

Da ist das Ding.

Da ist das Ding.

Es fing schlecht an. Also, global betrachtet schlecht. Im Prinzip passierte gar nichts, bis auf die Tatsache, dass zwei Mannschaften sich über die Sportart zu einigen versuchten, die sie gemeinsam auf dem Rasen künftig darbieten wollten. Kurz hinter Beachvolleyball traf ein gewisser Herr Taskin aus der Halbdistanz das Wattenscheider Tor. Was eine Halbzeitführung für die gastgebende römische Zwei bedeutete.

Quasi. Weil Sonntagsschüsse in der Regionalliga prinzipiell durchaus beliebt sind und zudem noch nicht Halbzeit war. Der Ausgleich aus rund zwanzig Metern warf die Pausenteebeutelzusammensetzung der Römisch-Zwei-Fortuna dann doch völlig durcheinander. Das Stadion kochte, und zwar keinen Pausentee. Insbesondere die geschätzten fünfzig Wattenscheider, die allerdings angesichts der eingangs angestellten Berechnungen auch Anfahrtskosten von je etwa zwanzig Millionen Euro hätten haben müssen.

Die hätte man mal besser in den Kader investiert. Dieser gewisse Herr Taskin hatte jedenfalls in Minute 58 keine allzu großen Probleme damit, einen annähernd abgewehrten Freistoß doch noch zur Führung einzuköpfen. Bejubelt von doch durchaus zahlreichen Menschen, die sich nicht mit der Vorstellung zufriedengeben wollten, dass das Fußballwochenende nur durch die Haarpflegeprodukte von Roman Weidenfeller und Andrea Pirlo an Form gewinnt.

Kopfbälle waren in diesem Spiel prinzipiell beliebt, so auch zwei Minuten später. Man kann es als Ausgleich bezeichnen, man kann es als folgerichtig bezeichnen. Vermutlich war es beides. Jedenfalls entwickelte sich ab dann ein offener Schlagabtausch, der zwar kein Abtausch war und auch ziemlich frei von Schlägen, aber zumindest offen.

Jens Langeneke war es schließlich vergönnt, diesen Zustand zu beenden. Zwar bestand nach wie vor kein Abtausch und in diesem Fall fehlte auch die Offenheit, aber zumindest war es ein Schlag. Mit seiner ganzen Erfahrung boxte sich der Verteidiger vom Platz.

Es passierte trotzdem nicht mehr viel. So bleibt am Ende bloß die Erkenntnis, dass der Torwart der zweiten Mannschaft von Fortuna Düsseldorf jedenfalls namentlich große Ähnlichkeiten mit einem ehemaligen Trainer des FC St. Pauli hat.

Heimat. Jaja.

Heimat. Jaja.

Und dass der HKX zum Glück in beide Richtungen fährt. /juli

Was kann uns schon geschehen?

Wenn ein Schlager das größte Thema nach einem Heimspiel des immer noch ziemlich magischen FC ist, muss es ein gutes Heimspiel gewesen sein. Niemand tanzte Samba mit uns und auch in die Hölle wurden wir nicht geschickt. Es war dennoch Wahnsinn. Wahnsinn, weil es an der Zeit dafür war. Wahnsinn, weil endlich, endgültig, die letzte Saison dort landet, wo sie hingehört. Auf dem Müll (Müll, Sondermüll.).

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins konnte ich diesen Spieltag zwar nicht begehen, aber bekanntlich sind Kreuzberger Nächte lang. Selbst wenn sie in Neukölln stattfinden. Es war schon dunkel, als ich durch die Weichselstraße heimwärts ging – aber in mir wurde es langsam wieder hell. Hell, weil das Ende der harten, fußballlosen Zeit endlich da war. Hell, weil sich alle Wünsche und Hoffnungen, manifestiert in diesen 90 Minuten, dann doch bestätigt hatten.

Aber beginnen wir dort, wo die meisten Dinge beginnen. Am Anfang. Der war gar nicht mal so schlecht. Jenseits jeglicher Produktivität auf den Anpfiff hinzitternd, natürlich. Aber das kennt man doch. Mein Fallschirm und mein Rettungsboot war einmal mehr der FC St. Pauli. Dennoch, ein bisschen Spaß muss sein, und so befasste ich mich notgedrungen noch ein wenig mit der Ligakonkurrenz aus Aue, Sandhausen, Aalen und Ingolstadt. Man kann sich die Anstoßzeiten ja nicht aussuchen. Auch wenn sie einst besser gewesen sein mögen – für mich und vor allem für Düsseldorf am Rhein.

Es mag sein, dass sieben Fässer Wein uns nicht gefährlich seien. Mit Astra sieht das natürlich schon etwas anders aus. So erklärt sich vielleicht auch die gefahrensuchende Rekordkundschaft in der kleinen Kneipe in unserer Straße. Aber immerhin, diese Straße, sie trug St. Pauli.

Und von Anfang an war uns klar: Das wird ein heißer Sommer. Vielleicht sogar einer, wie er früher einmal war. Eine großartige erste Viertelstunde des Ach-ja-doch-irgendwie-Magischen FC. Natürlich ist das noch kein Maßstab, aber mit unserem Glück ist bis hierhin alles okay.

1860 kam zurück. Sie waren ja auch nie weg. Rzatkowski rettete auf der Linie für den geschlagenen Tschauner. Und dann war Halbzeit.

Schuld war nur Michael Frontzeck. Doch dann fing für mich die große Liebe an. Zwar wechselte er nicht, warum auch. Zwar wurde dieses merkwürdige Zweitteam des FC Bayern stärker und stärker. Aber es gibt auf Erden nicht nur den einen. Es gibt so viele – und vor allem Lennart Thy. Der Thy, der schon abgeschrieben war letzte Saison. Der war weg. Und dann macht ausgerechnet dieser Thy dieses Ding, dieses Tor. Eiskalt wie eine Hundeschnauze, so was hat man noch nicht gesehen. Gabor Kiraly offenbar auch nicht. Jedenfalls machte er keine größeren Anstalten, diesen Ball zu halten. Hätte man machen können. Musste man aber nicht zwingend.

Der Rest war die obligatorische Panik vor dem überflüssigen Ausgleich. Muss man nix zu sagen, kennt jeder. Gefangen hat man ihn nicht, und das ist aller Ehren wert. Ein guter Auftakt. Zu einer hoffentlich grandiosen Saison.

Wer in den Kommentaren die meisten Schlager nennt, auf die in diesem Text eventuell angespielt worden sein könnte, bekommt übrigens ein Bier von und mit mir ausgegeben. Ich verfolge dabei einen recht weiten Schlagerbegriff, aber möchte behaupten, dass sich auch recht unmusikalische (und dennoch bekannte) Phrasen hier wiederfinden. Wer auch immer die eingebaut hat. Nun ja. Faires Angebot, finde ich. /juli

Wer suchet, der findet

Zum Saisonstart gibt’s neben dem nächsten Häppchen Afrika-Cup ein klein wenig Nabelschau von mir. Nämlich die schönsten Suchbegriffe, die sich seit dem Start dieses Blogs im letzten September so angefunden haben. Fast so verstörend wie meine eigene Google-Chronik – und eventuell, ganz vielleicht, ein Hinweis darauf, wie dieses „Internet“ so funktioniert. Also, hier meine persönliche Top 20:

Platz 20 geht an „champions weiß oder braun“. So schnell wird man vom Fußballfan zum Pilzsammler. Als hilfsbereiter Mensch ist das aber alles kein Problem. Mein Tipp: Immer das Billigste.

Platz 19 war auf der Suche nach etwas sehr Nachvollziehbarem. „lila wolken umschreibung“. In diesem Fall kann ich leider nicht ganz so gut weiterhelfen. Ich empfehle aber: Drogen. Egal welche. Auf die Dosis kommt es an.

Den Suchbegriff auf Platz 18 nahm ich mir persönlich sehr zu Herzen – „handyfotos hässlich“. Lieber Suchender, auch hier habe ich Abhilfe geschaffen. Meine Fotos entstehen inzwischen mit einer grandiosen Pentax K-5. Sie sind zwar immer noch hässlich, dafür aber teurer.

Mit einem ähnlichen Problem befasst sich Platz 17: „spiel hässlich wiedeer schön“. Auch hier sei auf meine patentierte Lösung bei St.-Pauli-Spielen verwiesen – Drogen. Siehe oben.

Die Schwierigkeit bei Platz 16 erschließt sich mir leider nicht so ganz. „slip n slide selber machen“. Als irgendwie punkrockaffiner Mensch bin ich ja der Ansicht, man sollte grundsätzlich alles selber machen. Wie das in diesem Fall geht? Ich empfehle Ausprobieren. Oder doch lieber Drogen.

Nicht aber jene, die Platz 15 konsumieren möchte. „zigarettenglut lila machen“. Man möge mir glauben, das kann nicht gesund sein. Rauchen sowieso nicht. Und Lila macht auch noch depressiv, wie jedem Besucher des Mommsenstadions bekannt sein dürfte.

Platz 14 hätte mich gerne auch persönlich ansprechen können. „kann aus geil finden mehr werden“. Das ist durchaus einfach zu beantworten: Ja. Lies hier einfach ein bisschen, und schon wirst du mich sogar sehr geil finden.

Platz 13 sucht ein „klatschwerkzeug“. Empfehlung: Hände.

Sofern die mal nicht ganz sauber sind, darfst du es gerne mit Platz 12 versuchen, „verrückte handwaschbecken“. Wobei ich selbst geistig gesunde Handwaschbecken in jeder Lebenslage bevorzugen würde.

Von reinem Pragmatismus getrieben wird Platz 11. „kann ich mit dem quer-durchs-land-ticket mit dem schieffahren?“. Hm… nein. Dazu sage ich jetzt mal nichts. In diesem Fall sind alle billigen Wortspiele bereits gemacht und für qualifizierte Antworten ist dieses Blog noch nie zuständig gewesen.

Auch Platz 10 befindet sich in einer Notlage: „kommen die toten hosen nach braunschweig“. Wenn sie es nicht vermeiden können, werden sie das vermutlich tun. Aber ich darf dich beruhigen: Normalerweise kündigen sie Derartiges recht deutlich an. Dir wird also genug Zeit zur Flucht verbleiben. Komm doch ans Millerntor.

Bei Platz 9 frage ich mich wirklich, wie er hierher geraten ist. „spielen wir ein spiel! zu euch kommen unerwartet gäste ihr habt zu hause -saft , -wasser und kalten tee. was machst du als erstes auf?“. Das ist unrealistisch. Zuhause habe ich lediglich Bier, Wein und harte Alkoholika. Mit diesen Getränken lenke ich mich von dem Fakt ab, dass zu mir nie unerwartet Gäste kommen. Und: Ich hasse Spiele.

Hingegen liegt mir Nummer 8 deutlich näher: „wenn die so spielen wie die letzten spiele das verlieren wir 4:1 aber ich bin optimist und sage 1:2“. Genau das ist die Form von Optimismus, die diesen Blog seit Jahrzehnten auszeichnet. Du bist St. Pauli, komm in meine virtuellen Arme.

Platz 7 hat sich deutlich verfahren. „naki männer von vorne gesehen(mit frauen“. Man muss das einfach mal sacken lassen, denke ich. Meine Empfehlung wäre, bis dahin einfach mal bei Youtube nach dem grandiosen Hip-Hop-Video von Deniz Naki zu suchen. Das dürfte dem Gewünschten schon recht nahe kommen.

Auf der 6 findet sich ein ambitionierter Sportinteressierter mit der berechtigten Frage nach „olympische spiele 1936-schiedsrichter aus der pfalz“. Wieso ihn diese Frage hierher führt? Tja, das sollte ich vielleicht bei Gelegenheit googlen. Bedenklich ist das schon.

Die 5 scheint mir etwas unangenehme Intentionen zu haben. „was kann man alles mit einem stubenküken machen“. Ich empfehle, es liebevoll und aufmerksam zu behandeln, dann wird es schon bald zu einem stolzen Schwan heranwachsen und kann auf den Grill.

Nummer 4 weist mich dezent auf ein Problem dieses Blogs hin, nämlich „gegenderte menschen“. Die finden sich hier nicht. Ich bevorzuge einfach Menschen. Sollte man mich dereinst auch mit dem Suchbegriff „Menschen“ bei Google finden, dann habe ich es wohl endgültig geschafft. Weltherrschaft, Champions-League-Sieg, sowas halt.

Den Drittplatzierten würde ich gern als Einleitung für jeden meiner Texte benutzen: „morgen ist derby. nicht irgendeine, sondern das derby! dazu sollte man etwas wissen und das erzähle ich hier mal kurz“. Wohin soll ich die Lizenzgebühren überweisen?

Knapp, aber verdient ging Platz 2 an „werden in neuseeland jugendtrainer gesucht?“. Hm. Hmhm. Nun, vermutlich schon. Einfach mal in Neuseeland nachfragen, würde ich sagen.

Und Platz 1 hat es wirklich geschafft. Hier endet selbst meine gewaltige Kompetenz in sämtlichen Fragen des Fußballs, ob auf oder neben dem Platz. Hier komme ich in Regionen, die eine unendliche Weisheit und Lebenserfahrung fordern, die ich hoffentlich einmal erwerben werde können, zu der ich es jedoch bislang nicht brachte. Mein herzlicher Dank an den Unbekannten mit der Frage „wie viel verdient taxifahrer in neustrelitz“.

Ich bin ratlos. So viele Themen, die es in den kommenden Wochen ausführlich zu bearbeiten gilt. Bis dahin erst einmal ein großes Danke an all meine treuen Leser der letzten Saison. Es hat immer Spaß gemacht, auch wenn manchmal die Zeit nicht reichte. Und es wird in dieser Saison mindestens genauso viel Spaß machen, vielleicht auch endlich wieder sportlich. Ich wünsche euch und mir alles Gute.

In zwei Stunden geht es los für den Magischen FC. Auf zur Löwenjagd – um gleich den Grundstein für die nächsten spannenden Suchbegriffe zu legen. /juli

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie buchstabiert man eigentlich Liebe?

Wo schlägt eigentlich dein Herz? Meins, das schlägt an einem oftmals viel zu weit entfernten Ort. Meins, das schlägt natürllich links, in einiger Hinsicht – aber längst nicht nur. Meins schlägt auch weit im Norden. Am Millerntor. Manchmal setzt es auch aus. Dann bin ich mir ziemlich sicher, dass ich sterben muss. Aber das bin ich bisher noch nie. Ein gutes Zeichen dafür, dass es weiterschlägt.

Es ist ein langer Weg, der dorthin führt. Wir traten ihn an, fast nüchtern, fast pünktlich, fast ein bisschen optimistisch. Hafengeburtstag, ganz nette Sache irgendwie. Ja, St. Pauli spielt auch. Genau: Das ist diese Sache, die einem seit Monaten konsequent jedes Wochenende versaut. Die Helden von Sandhausen und Regensburg, die Meister der stillstehenden Herzen. Die, die so gar nichts auf die Reihe kriegen. So wie wir, nur besser bezahlt. Wahrscheinlich.

Rathenow, Stendal, Uelzen. Das sind tatsächlich Städte, Städte mit Bahnhöfen sogar. Vier Stunden war sie weg, die Elbe. Vier Stunden – das sind umgerechnet glatte zweieinhalb Heimniederlagen. Man hat, in Berlin lebend, ein hartes Los. Zumindest einmal alle zwei Wochen.

Es gibt Menschen, die wünschen mir ein Stadionverbot. Menschen sogar, die nebenberuflich nicht als Innenminister arbeiten. Neun Spiele, kein Sieg diese Saison für mich, das klingt nicht eben nach Europapokal. Es sei denn, man heißt Schalke. Aber so hieß, soweit ich mich erinnern kann, niemand von uns. Wie auch immer wir hießen, wir kamen an. Irgendwie.

Eine der besten Gastgeberinnen der Welt hatte sich ihren ruhigen Abend redlich verdient, also ging es nur zu zweit Richtung Hafengeburtstag. Vorbei an so vielen Dingen, die man an keinem Ort der Welt jemals hören oder sehen möchte, außerdem an einigen Fischbrötchen, Richtung Hafenstraße. Wo natürlich, die braun-weiße Welt ist ein Dorf, bereits das halbe Ruhrgebiet rumstand. Von dem ich mich gefühlt erst gestern, in Duisburg, nach einem kaum so zu bezeichnenden Fußballspiel und einem großartigen Gartennachmittag, verabschiedet hatte. Der Abend wurde auf angemessene Weise viel zu lang. Die Nacht dafür unangemessen kurz, wie sich eben alles im Leben ausgleicht. Aber die Gastgebergötter hatten ja für Frühstück gesorgt.

Ein wenig Bundesliga. Klassenerhalt für Werder, schön. Für Düsseldorf leider nicht. Mein Tunnelblick in Richtung Sonntagmittag erlaubte mir ohnehin nicht, mir um diese Dinge Sorgen zu machen. Es gibt Schlimmeres als Abstiege in Liga 2. Ohnehin gibt es Schlimmeres als Abstiege. Einen mitzuerleben, das wollte ich mir dennoch möglichst ersparen.

Natürlich lief man wieder den selben Menschen über den Weg. Das macht den Reiz dieses Viertels ja gerade aus. Den dieser Fanszene sowieso. Mit einer größeren Menge Halblitergefäßen ausgerüstet also wieder zurück Richtung Hafenstraße, zu einer quasi exakten Wiederholung des Vorabends. Nur in schöner. Und, nach Ankunft der zweiten Berliner Reisegruppe, in noch mal viel länger.

War keine so gute Idee, schließlich hatte ich noch drei Karten von zwei verschiedenen Menschen abzuholen. Das Ganze auch noch auf relativ komplexe Art und Weise. Bei St. Pauli kauft man Tickets für Heimspiele schließlich nicht normal, jeder Kartenkauf ein unvergessliches Erlebnis. Immerhin nur 45 Minuten später als geplant war tatsächlich auch das geschafft und jeder versorgt. Manchmal frage ich mich, wie ich eigentlich so ganz ohne Notizblock und Terminkalender auskomme, aber es funktionierte.

Einen Dresdner Quotenbremenhamburger einsammelnd, ging es endlich an den Ort, mit dem mich seit geraumer Zeit die wohl größte Hassliebe meines bisherigen Lebens verbindet. Womit ich die Südkurve keineswegs beleidigen möchte, sie kann meistens nichts dafür. Abschied von 8 und 9, Flo und Ebbe, Derbysiegern, Aufstiegshelden. Von einem Stück Vereinsgeschichte. Und schon wieder ganz viel Liebe.

Was dann passierte, habe ich vermutlich geträumt. Nach 12 Minuten stand es so unerklärlich wie hochverdient 2:0. Nein, nicht für Braunschweig. Für diesen magischen Abstiegskandidaten, der doch niemals was reißt, wenn es wirklich so richtig drauf ankommt. Für Trümmertruppe und Zweitligauntauglichkeit, für Torschusspanik und Zweikampfvermeider. Oder war es doch Bayern gegen Barcelona? Mein Ticket behauptete anderes. Die zeitweise gigantische Lautstärke auf den Rängen auch. Und doch viel, viel Anspannung. Man hatte in dieser Saison zu viel erlebt, um sich irgendwelcher Dinge sicher sein zu können.

Komischerweise klappte bis zur Pause alles. Nun, nicht alles. Aber ein Maximum der Bedeutung, die der FC St. Pauli in den Satz „Es klappte alles“ zu legen in der Lage ist. Und es hätte sogar noch mehr sein können, fast zu wenig dieses 2:0. Für meine Nerven zu wenig ohnehin, selbst wenn die Halbzeitführung des VfR Aalen gegen Dresden dann doch für etwas Beruhigung sorgte. Man hat ja als Kunde eines grünen Mobilfunkanbieters in den seltensten Momenten Internet, am Millerntor ohnehin nie. Und es gab so dermaßen viel anderes zu tun, als auf ein Smartphone-Display zu schauen. Selbst wenn ich irgendwo vor, neben oder hinter mir ausreichend Platz für den Versuch gehabt hätte.

Natürlich durfte es nicht ganz so einfach sein. In den ersten 25 Minuten des zweiten Durchgangs sorgte Braun-Weiß deswegen dafür, dass es doch noch ein wenig spannend blieb und entschied sich für eine kurze Auszeit. In der Braunschweig zur allgemeinen Überraschung keine drei Treffer erzielte. Auch keine zwei. Ich wage kaum, es zu schreiben: Nicht einen. Und es wurde zunehmend absurder. Bartels traf auf Vorlage unserer eben verabschiedeten Nummer 8. Gar keine Zeit, sich darüber zu freuen – gefühlte Hundertstelsekunden später imitierte ebenjene Nummer 8 im gegnerischen Strafraum einen mittelgroßen Reisebus beim Versuch einer 180-Grad-Drehung und schob dann lässig ein. Was für ein Abschied. Und es klappte, unfassbar, einfach alles. 4:0. Gegen den Aufsteiger. Der Gästeblock wirkte latent irritiert, war aber ohnehin längst schon nicht mehr zu hören. Obwohl es so aussah, als würden sie weiterhin versuchen, Geräusche von sich zu geben.

Ein Gast fehlte noch auf dieser Party. Die Nummer 9, Marius Ebbers. Torschützenkönig beim Aufstieg, leider seitdem auch nicht jünger geworden. Trotzdem auch er einer der ganz großen der letzten fetten Jahre, die noch 73 Minuten vor seiner Einwechslung so weit weg erschienen waren. Noch ein letzter Auftritt am Millerntor.

Was soll ich sagen? Natürlich krönte er ihn. Es passierte genau das, was jeder Drehbuchschreiber als völlig unrealistisch und viel zu kitschig verworfen hätte, was man in all seiner Rosabrillenhaftigkeit nicht einmal in einem Rosamunde-Pilcher-Film erwarten würde. Marius Ebbers traf. In Minute 87. Zum 5:0. Gegen den Deutschen Meister von 1967, die überragende Mannschaft der Hinrunde, den künftigen Erstligisten. Ganz egal, gegen wen – genau das wäre heute auch gegen jeden anderen passiert. Jeden. Warum, das weiß ich nicht. Das weiß niemand so richtig, glaube ich. Und es ist auch egal. Es passierte, weil es so sein musste. Weil es genau das war, was dieser Verein, diese Mannschaft, diese Fanszene gebraucht hatten. Nicht nur tabellarisch, vielmehr für das immer, immer weiterschlagende Herz.

Irgendwer in Blau-Gelb fand es dann ganz unterhaltsam, doch noch ein Tor zu schießen. War auch nicht weiter wichtig. Es standen Tränen an. Vor Freude und, ein wenig, vor Wehmut. Tausende auf den Platz fliegende Kuscheltiere begleiteten die Mannschaft bei ihrer Ehrenrunde, auch das deutlich zu kitschig für anspruchsvolleres Kino. Egal. Eine kleine Abschiedsrede von den beiden, deren Tag dies ganz besonders war. Donnernde Wechselgesänge – damit du gewinnst. Was du gerade so überzeugend getan hattest, wie es wohl keiner erwartet hätte. Trotz meines leicht angetrunkenen 4:1-Tipps am Vorabend. Eine kleine Runde Fußball mit einem hsv-Kuscheldino, der anschließend standesgemäß am Mittelkreis so beerdigt wurde, wie es damals auch diese beiden, die dort zum wohl letzten Mal als Profis auf dem Rasen des Millerntors standen, in diesem magischen Februar 2011 mit seinem Heimatverein getan hatten.

Völlig unrealistisch, das alles. Mit dem Kopf sowieso nicht nachvollziehbar. Auch nicht mit bloßen Worten, so sehr ich mich bemühe. Einfach nur mit dem Herzen. Es schlug. Noch und wieder und weiterhin. In Liga 2 – und im Europacup, in meinen Träumen.

Und damit haben wir sie, die Antwort. Liebe buchstabiert man nicht. Liebe – liebt man. So wie in diesem harten Jahr, so auch im nächsten. Und immer, immer weiter. /juli

Zu den üblichen Dramen

Ein Versprechen nicht einzulösen, das kommt selten vor bei mir. Diesmal war es ein halbes Versprechen, das ich erst jetzt und auch nur halb einlösen werde. Während sich diverse Autoren dieses Blogs (vulgo: Ich) mit Unwichtigkeiten wie dem Afrika-Cup, Umzügen, einem Studium und dem Versuch, weiterzuatmen beschäftigten, trudelte auch der Magische FC wahlweise dem Untergang oder der Rettung entgegen. Gegen Cottbus, in Sandhausen, gegen Köln und Frankfurt, in Aalen, gegen Regensburg, bei Union, gegen Paderborn und zuletzt in Dresden. Neun Spiele dieses Jahr. Null Worte dazu von meiner Seite. Ein unhaltbarer Zustand, das sehe ich ein. In etwa so unhaltbar wie Kopfbälle unseres Torhüters. Aber beginnen wir am Anfang.

Oder besser doch nicht. Cottbus. Kann man überspringen. Ich für meinen Teil war da gerade in Kapstadt. Scheint mir die bessere Entscheidung gewesen zu sein, so ketzerisch das in den Ohren des wahren Fans auch klingen mag. Aber gut, es gibt auch Menschen, die duschen freiwillig kalt. In dem Fall, habe ich mir sagen lassen, war es eher lauwarm. 0:0 jedenfalls. So wie im letzten Spiel vor der Winterpause. Habe bis heute keine bewegten Bilder davon gesehen. Ob ich das im Alter noch bereuen werde, weiß ich nicht.

Im Alter jedenfalls bereuen werde ich, das darauffolgende Spiel tatsächlich im Fernsehen verfolgt zu haben, in der wie üblich wunderbaren Astra-Stube Neukölln, frisch zurück aus Afrika, braungebrannt, verarmt und in mäßiger Vorfreude auf Liga 2. Ach was, in totaler Vorfreude eigentlich. Mit hohen Erwartungen und großen Hoffnungen. Wer verliebt ist, der denkt nicht klar. Erst recht nicht nach wochenlanger Abstinenz. Und in der Mehrzahl der Momente ist das auch gut so.

Man kann sagen, wir haben wenigstens mal wieder ein Tor geschossen. Dass es nach einem mehr als zweifelhaften Elfmeterpfiff fiel, nun, das darf man gerne verschweigen. Ähnlich wie die vier Tore, die der SV Sandhausen zuvor schoss. Irgendwo zwischen Lachen und Weinen, irgendwo zwischen Regensburg und Heidelberger Vorstädten, zwischen Erhängen und Erschießen überstand man auch das. Es ist gelegentlich ein erstaunlich hilfreiches Getränk, dieses Astra.

Konnte ja nur besser werden. Und: Wurde es auch. Wieder einmal Astra-Stube Neukölln, die Fußballreisenkasse muss sich erstmal wieder füllen nach diesem Afrika-Parforceritt. Diesmal Heimspiel. Diesmal Frankfurt. Diesmal Sieg. Diesmal Ginczek. Ginczek, Ginczek, Ginczek. Keine Ahnung, wer zuletzt dreimal in einem Spiel für den Magischen FC traf. Verdient aber war es. Eine der besseren Saisonleistungen, ein Funke Hoffnung im sich nach den letzten mäßigen Auftritten langsam doch wieder anbahnenden Abstiegskampf. Viel zu viel Glücksgefühl also, um noch großartig darüber schreiben zu müssen, nicht wahr?

Schon wartete nämlich der große Verein meiner Heimatstadt, ein wesentlich weniger magischer FC. Montagabends, zu meiner erklärten Lieblingszeit also. Weil sie neben dem lieben Geld auch diesmal meine Entschuldigung war, das Spiel in einer eventuell bereits genannten Berliner Lokalität zu verfolgen. War auch gar nicht mal so gut insgesamt, also das Spiel, nicht die Lokalität. Eventuell hätte man einen Punkt holen können. Hat man nicht. Christian Clemens wird wissen warum. Vielleicht weiß der auch, weswegen ich in meiner Erinnerung die Reihenfolge der Spiele gegen Frankfurt und Köln vertauschte. Egal. Drei Punkte sind drei Punkte, null sind null. Sollen mich die Statistiker doch steinigen – meine Anschrift gibts im Impressum.

Aalen schreibt sich mit zwei A und besiegt sich mit einem Tor. Das man durchaus früher hätte machen können, aus Rücksicht auch auf meinen Gesundheitszustand. Ginczek, wieder einmal. Per zweifelhaftem Elfmeter wieder einmal. Nach einer beeindruckenden Energieleistung, einem Sprint, einem Dribbling gefühlt über den gesamtem Platz, in der letzten Spielminute. Scheint doch nicht so ungesund zu sein, die Luft dort unten. Vielleicht würde es sich lohnen, ein wenig davon nach Hamburg zu importieren.

Beispielsweise für Heimspiele gegen Regensburg, wenn auch zu hoffen steht, dass dies das vorerst letzte dieser Art gewesen sein dürfte. Wer sich definitiv vorerst verabschiedete, war Daniel Ginczek. Mit der ungefähr dämlichsten Mittelliniengrätsche eines Stürmers, die ich… nun gut. Ist ja passiert, und auch wenn ich mich in diesem gesamten Text nicht richtig für eine Zeitform entscheiden werde können, die Sperre wird inzwischen abgelaufen gewesen sein. Dass man sich als Magischer FC, der etwas auf sich hält, direkt nach so einem Platzverweis noch den Ausgleichstreffer einfängt, bedarf keiner weiteren Erwähnung. Dass man wiederum in der Nachspielzeit in persona Florian Bruns zum Sieg trifft, umso mehr. Hat geholfen, die Aalener Luft.

Eines meiner Saisonhighlights natürlich die Partie an der Alten Försterei bei Union. Halte ja von Blutsbrüderschaft und dem ganzen Quatsch nix, logisch als Sympathisant eines üblicherweise in lila-weiß spielenden Berliner Vereins. Trotzdem schönes Stadion, lauter Support und meistens sehr intensiv geführte, interessante Partien. So kam es. Zweimal zurückgelegen. Zweimal ausgeglichen. Nochmal zurückgelegen. Vergessen, auszugleichen. Weiter zurückgelegen. Spiel vorbei. Intensiv, man merkt es. Davor und danach ganz viel Familientreffen und, ich muss es gestehen, nicht allzu wenig Alkohol. Diese Fußballfans eben, weiß man ja. Deswegen auch keine Fotos, beziehungsweise lediglich eins. Man kann es sich aber auch gut vorstellen, ohne es zu sehen. Es sind zwei Flaschen Beck’s Gold darauf abgebildet. Warum, weiß ich nicht. Behaupte ich mal.

Ein wenig ausgenüchtert notgedrungen dann am Folgespieltag doch wieder Fernsehfußball. Gegen Paderborn zu führen, war kein revolutionäres Erlebnis in dieser Saison. Den Ausgleich zu kassieren: Auch nicht. Immerhin nicht durch einen Ex-Spieler der Braun-Weißen. Deren zwei aber schossen Paderborn in Front, abermals Deniz Naki sowie der erst im Winter an die Pader (gibts die?) gewechselte Mahir Saglik mit einer Koproduktion. (Ja, die gibts. Aber die Born?) Typisch für den FC St. Pauli dieser Saison ist, dass er auf alles eine Antwort weiß. Häufig ist es zwar die falsche Antwort, noch häufiger passt sie nicht einmal zur Frage und so gut wie immer ist sie völlig absurd, aber in diesem Fall eben nicht. Nun, Letzteres vielleicht schon. Philipp Tschauner, seines Zeichens Torwart. Seines Zeichens Schütze des Ausgleichstors gegen den SC Paderborn. Es gibt viele Wege, sich zur Legende zu machen. Dies ist eventuell einer davon.

Was fehlt, ist Dresden. Genau genommen fehlt Dresden niemandem. Erstens, weil es ja da ist und zweitens, weil es, selbst wenn das nicht der Fall wäre, nicht viele Gründe birgt, vermisst zu werden. Das haben die Alliierten damals schon ri… ach, egal. Es geht ja um Fußball. Und so schön Dresden städtebaulich sein mag, so unschön sind nun mal viele Teile der Fanszene der SG Dynamo. Die haben die Alli… Fußball. Der großartigste Fanclub der braun-weißen Berliner Welt organisierte einen Bus. Ein Grund für mich, dann doch mal wieder auswärts zu fahren. Abgesehen davon, dass ich auch noch Geburtstag hatte. Das einzige noch schönere Geschenk als ein St.-Pauli-Spiel ist bekanntlich ein Auswärtssieg.

Sagen wir es einmal so: Den gab es nicht. Ich verweise diesbezüglich gerne auf meinen Bericht zum magischen 3:2-Sieg im Hinspiel. Man lese ihn einfach genau umgekehrt, wie auch immer das funktionieren mag. Dann kommt dabei eventuell ein detaillierter Bericht über die Ereignisse des Rückspiels raus. Wenn nicht, dann nicht. Service: Nach 2:0-Führung 2:3 verloren. Kann man machen, muss man nicht. Der Rest ist wieder einmal Schweigen und Fassbier. Fotos? Nö. Demnächst mal wieder.

Wo stehen wir also nun? Wir stehen, wo niemand stehen will, wollen dort aber gerne bleiben. Mittelmaß, grauestes, unterstes. Sieben Punkte entfernt vom rettenden Ufer Relegation, allerdings wohlgemerkt von oben. Es könnte also schlimmer sein. Über den Aufstieg zu reden, erspare ich uns allen an dieser Stelle. Über den hsv reden könnte man hingegen zur Ablenkung durchaus ein wenig, so ein 2:9 gegen den FC Bayern darf schließlich nicht allzu schnell in Vergessenheit geraten.

Bei allem Reden, allem Schreiben, allen jetzt endlich auch verlorenen und losgewordenen Worten: Gewonnen werden muss, so einfach ist das. Beispielsweise am Samstag gegen 1860. Mir persönlich jedenfalls käme das gar nicht mal so ungelegen. /juli