Bomber Harris?

Aus aktuellem Anlass einfach mal eine Sammlung von schönen Bildern, die mir Google auf Anhieb zuführte. Da ich die Arbeit von Fotografen und Medien prinzipiell wertschätze, gibt es nur die Links. Nämlich hier:

Hier gehts um Leipzig.

Auch Frauen werden wahrgenommen.

Manchmal vielleicht ein klein wenig eindimensional.

Oder auch nur auf ihren Beruf reduziert.

(Oh, das ist Aachen. Aber geglaubt hättet ihr mir das, oder? Alternatives Dynamo halt.)

Aber hey!

Und hätten Letzteres eure und unsere und meine Großeltern auch so gesehen, vielleicht hätte insgesamt weniger gebrannt. Man möge mir diesen Vergleich, der bei weitem keine Gleichsetzung ist, verzeihen, aber das ist wie mit Spielen am Millerntor: Manche lernen daraus, einige brauchen etwas länger, andere sehr lang und… Dynamo. /juli

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Wie jut, dass dir manchmal so’n Engel erscheint…

Ich durfte, wollte, konnte nicht schreiben.

Nicht über die wunderbare Absurdität gegen Düsseldorf. Nicht über die kleinen Tode in Karlsruhe und Heidenheim. Nicht über das Alles, was gegen Leipzig und in Lautern da war. Nicht einmal über die fünf Tore, die die Welt bedeuteten. Zuhause gegen Bochum. Alles das konnte, wollte ich nicht. Es war nur da, auf dem Platz. Was sollte ich denn groß sagen? So viele entworfene Texte, so wenig Ahnung davon, wo es hingeht. Ein dunkler, endloser Schacht.

Und heute nun sollte ich von einer Niederlage reden. Das sagt mir der Kicker, das sagt mir die Sportschau, das sagt mir die Welt. Wen interessiert das? Wen interessiert denn die ganze Welt, wenn der Mittelpunkt meines Herzens danach schreit, dass es das endlich gewesen ist. Wen interessieren denn dreißig Zeilen Text über etwas eigentlich so Egales, wenn das Egale gerade Weltrang erreicht? Aber nicht in diesen dreißig Zeilen, sondern in diesen neunzig Minuten.

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Jedenfalls waren die neunzig Minuten inhaltlich okay.

Ich gratuliere Darmstadt zum Aufstieg nach einem verdienten Sieg. Ich gratuliere dem FSV. Ich gratuliere Fürth. Ich gratuliere Sandhausen. Ich gratuliere Stuttgart. Ich gratuliere Hannover. Ich gratuliere auch Hertha. Ich gratuliere notfalls sogar dem hsv, wenngleich mir das Schweißperlen abringen wird, die ich schon vergessen wähnte.

Aber das Entscheidende war heute das, was nicht passiert ist. Und das, was vorher passiert ist. Und das Entscheidende ist das, was daraus wird. Ich brenne darauf, eine Geschichte zu erleben. Vielleicht hat sie heute ihren Anfang genommen. Und ich werde sie gerne mit begleiten und mit fortschreiben.

Dort oben im Erzgebirge, da hat sich eine wunderbare Geschichte in ein trauriges Ende gefügt. In ein tragisches zudem. Aber, lieber FC Erzgebirge, du findest deinen Weg zurück. Diesmal warst du derjenige, der weichen musste.

Und, mein magischer FC – und für dich weint. /juli

Et hätt noch immer joot jejange

Ich weiß nicht, was der durchschnittliche Fußballfan mit dem Duell zwischen der SG Dynamo Dresden und dem SC Fortuna Köln an Emotionen, Erinnerungen, Erwartungen verbindet. Aber dies ist ohnehin kein Ort für durchschnittliche Fußballfans. Meine Emotion war, so simpel, wie ich gestrickt bin: Hingehen.

Wir beginnen also dieses rheinische Wochenende in Dresden. Zu Gast mein Heimatverein, meine eigentliche, theoretische Liebe. Wie das mit theoretischen Lieben so ist, man muss gelegentlich an sie erinnert werden. Diesen Job übernahm ein freundlicher Mensch aus dem schönen Freital – oder umgekehrt. Dank seiner Schiedsrichtertätigkeit konnte ich bereits am Freitagabend nach entbehrungsreicher Fernbusreise meine Fantätigkeit aufnehmen. Angesagt war die Freizeitliga, angesetzt war ein Spiel zwischen erstaunlicherweise zwei Mannschaften. Um die Anonymität meines Gastgebers zu wahren – und nicht etwa, weil ich mich nicht an die Namen der Teams erinnern kann – , werde ich an dieser Stelle auf weitere Details verzichten. Es war umkämpft, es war gegen Ende fast schon eine Vorstufe von Dramatik, es war ein Freitagabendsfreizeitspiel in einem Dresdner Vorort. Gewinner selbstverständlich der souveräne Schiedsrichter.

So darf ein Amateurplatz durchaus aussehen.

So darf ein Amateurplatz durchaus aussehen.

Aber da war ja noch Dynamo. Ein Verein, zu dem ich ein höchst seltsames Verhältnis hege. Oft beeindruckt, manchmal erschrocken, in der Regel erstarrt beim Versuch, sie scheiße zu finden. Ich bekomme es nicht hin. Ich bekomme es nicht hin trotz aller entglasten Mannschaftsbusse, trotz aller Gästegeisterspiele am Millerntor, trotz aller Randale und allem Osten. Ich finde die einfach nicht scheiße, es tut mir leid.

Sie boten mir auch wenig Anlass dazu, diesmal, ausnahmsweise. Mein Gastgeber nahm mich im Auto mit, wir gingen am Heimbereich entlang, es war alles gut. An der mäßig motivierten Polizeikette vorbei bahnte ich mir meinen Weg zum Gästeblock, wenngleich es da nicht viel zu bahnen gab. Die versammelten Ticketverkäufer und Ordner machten eher den Eindruck, froh über jeden Menschen zu sein, den sie an diesem Tag zu Gesicht bekamen.

Als ich den Gästeblock mit einem halbwegs frisch gezapften Feldschlößchen in der Hand betrat, wusste ich, warum. Zwar hätte ich die anwesenden Fortunen nicht mit der frei gebliebenen Hand abzählen können, allzu weit entfernt davon war es aber auch nicht. Wenn Dresden das Dortmund des Ostens ist, war Köln heute offenbar höchstens Zwickau.

Man muss in Rechnung stellen, dass die Bahnen nicht fuhren. Noch weniger fuhren als sonst. Dass Ferienanfang war. Dass man vielleicht noch von Freitag verkatert war. Dass es vor dem Gästeblock einige ganz fiese Steine gab, die man sich in die Sohlen laufen konnte. Letztlich treffend gab es aber der Ersatz-Vorsänger der Fortuna mit dem ambitioniertesten Satz dieser Welt wieder: „Und die da drüben glauben, dass sie lauter sind als Fortuna Köln?!“

Nun ja. Waren sie. Was bei einem Zahlenverhältnis von 20 000 zu 20 auch nicht unbedingt allzu schwierig ist. Und man bedenke, wir reden von Dynamo Dresden. Eine beeindruckende Wand, dieser K-Block. Man kann als Gast mitunter froh sein, die eigenen Gedanken noch zu hören. Den Gedanken beispielsweise, dass 2,80 € für ein Stadionbier gar nicht so übel sind, wenn man am Millerntor inklusive Pfand beinahe das Doppelte hinlegt. Tja. Muss man hier auch mal anbringen.

Ich mag es dort. Wirklich.

Ich mag es dort. Wirklich.

Fußball wurde ebenfalls gespielt. Der Aufstiegsaspirant gegen den Underdog, immer wieder das alte, große, wunderschöne Spiel. Fortuna begann stark, begann überlegen, erarbeitete sich von Spielanteilen und Chancen ein leichtes Übergewicht. Dann kam Dynamo. Und das gewaltig. Der Beschuss hörte kaum mehr auf, fast keine Atempausen. Aber keine Schwächen bei Torhüter Andre Poggenborg. Man rettete sich mit einem dann dennoch im weitesten Sinne verdienten 0:0 nach einigen anstrengenden Minuten in die Pause.

Inzwischen war der Fortuna-Block weiter gewachsen. Minütlich fast erklommen mehr und mehr Kölner die steilen Stufen des Rudolf-Harbig-Stadions, sodass man schon annähernd für den Heimbereich hörbar werden konnte. Wenn man allerdings schon gehört wird, sollte man Besseres als „Wir hassen Ostdeutschland“ zu bieten haben. Ich persönlich hasse eine ganze Menge, beispielsweise leere Druckerpatronen, schales Bier, lange Blogartikel, schlechten Fußball, guten Fußball, mittelmäßigen Fußball und Fußball im Allgemeinen, wenn man verliert. Ich neige aber nicht dazu, dies alles kundzutun, während mein Team gerade im Begriff ist, sich einen nicht unbedingt hochverdienten Punkt zu erkämpfen. Und Deutschland hasse ich notfalls in allen vier Himmelsrichtungen.

Die zweite Hälfte brachte keine großen Highlights, mit Ausnahme des Schlusspfiffs. Recht entspannt konnte ich das Stadion verlassen, vorbei an einer eher aus Pflichtbewusstsein aufgestellten und reichlich gelangweilten Polizeikette, mitten unter die Dynamos. Was ich hörte, war kein Hass auf deutsche Himmelsrichtungen, sondern Respekt für den Gegner. Was ich hörte, war Kritik am eigenen Unvermögen, war kein Ärger, war nüchterne, faire Analyse. Muss man auch können.

Der Schlusspfiff des Spiels war somit auch Anpfiff für einen Abend in Dresden – endlich einmal ohne Druck, zeitig in Bus oder Shuttle oder Sonderzug einsteigen zu müssen, endlich einmal ohne verplanteste Abende in der Neustadt oder gar längere Aufenthalte in meinem nur allzu vertrauten Klinikum Friedrichstadt. Dies hier ist kein Ort für Architekturkritik und auch nicht für historische Schuld und Sühne, kein Ort für richtige und falsche Elbseiten oder Solidarfonds. Der lange Abend in Dresden hat insofern hier keinen Platz. Es sei nur eines zu bemerken: Dresden, ich mag dich. Aber sag es keinem weiter.

Und wer könnte das ernsthaft anders sehen?

Und wer könnte das ernsthaft anders sehen?

Am Sonntag sollte mich wiederum ein Fernbus pünktlich zum Berliner Südkreuz bringen, um Tennis Borussia beim FC Wilmersdorf zu bewundern. Das klappte. Halbwegs. Im zweiten Versuch und wesentlich teurer als gedacht, aber es klappte. Gepäck weg, Bier geholt, Caterer aus guten Gründen boykottiert, Spiel geschaut.

Wilmersdorf war erst vor wenigen Monaten der Abschluss einer langen lila-weißen Saison. Damals ein ordentliches Spiel auf schönem, sonnigen Platz, direkt zum Auftakt der Weltmeisterschaft. Diesmal ebenso. Fast exakt ebenso. Nur dass TeBe im Laufe der Sommerpause das Toreschießen lernte. Gerecht auf beide Halbzeiten verteilt, gelang somit ein souveräner Sieg und das Aufschließen zum tasmanischen Konkurrenten vom Werner-Seelenbinder-Sportpark.

Ob Juni, ob Oktober, das Bild bleibt gleich.

Ob Juni, ob Oktober, das Bild bleibt gleich.

Weiter ging es auf dem Hamburger Weg, der kurzzeitig über Sinsheim führte. Eine Leinwand, ein Fassbier, ein eher glor- als torreiches Unentschieden des künftigen deutschen Meisters gegen die SAP-Werkself, soweit die Zutaten. Insgesamt eher wenig erwähnenswert.

Am Montagabend aber sollte das Darben ein Ende haben. Der Magische FC gastierte im Dresden des Westens, im Hamburg des Südens, im München des Nordens, im Paderborn des Westwestens, im Berlin Nordrhein-Westfalens, bei der Fortuna der falschen Rheinseite, den Halbangstmachern von der Königsallee. Mehr als zwei Wochen Pause für beide Mannschaften, mehr als zwei Wochen Zeit für Prognose und Idee. Ein Punkt sollte möglichst her, das war wohl Konsens.

Hätte klappen können. Selbst sparte ich mir die Reise in dieses Modemekka und begnügte mich mit einem zumindest zeitweise brauchbaren Fernsehbild in der Astra-Stube Neukölln. Die, wie eventuell bereits erwähnt wurde, ein gar nicht so übler Ort ist, wenn man an Fußball und Bier interessiert ist.

Hätte jedenfalls klappen können. Die erste Hälfte begann stark, Alushi vergab eine relativ gigantische Chance. Einige Minuten später konnte Düsseldorf einen Ballverlust im Aufbauspiel nutzen, um über die verwaiste rechte Abwehrseite den Angriff zur Führung zu fahren. Soweit nicht unverdient, soweit aber auch nichts unmöglich.

Die zweite Halbzeit allerdings ging weiter, wie die erste endete. Ein unangenehmes Spiel gegen eine stark pressende, schnell fallende, viel meckernde und sehr viel Zeit habende Düsseldorfer Mannschaft. Eigentlich ein Spiel, an dessen Ende kaum 22 Spieler den Platz verlassen dürften. Sie taten es dennoch, seitens des Magischen FC teils erschreckend wehrlos, ohne Punkt in der Fremde zurück nach Hause. Wo sich am Samstag der Karlsruher SC die Ehre geben wird. Und da sollte es dringend ein wenig anders laufen.

Und nicht etwa so.

Und nicht etwa so.

Sonst haben wir ein Problem. Aber erzählt es keinem. /juli

Was kann uns schon geschehen?

Wenn ein Schlager das größte Thema nach einem Heimspiel des immer noch ziemlich magischen FC ist, muss es ein gutes Heimspiel gewesen sein. Niemand tanzte Samba mit uns und auch in die Hölle wurden wir nicht geschickt. Es war dennoch Wahnsinn. Wahnsinn, weil es an der Zeit dafür war. Wahnsinn, weil endlich, endgültig, die letzte Saison dort landet, wo sie hingehört. Auf dem Müll (Müll, Sondermüll.).

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins konnte ich diesen Spieltag zwar nicht begehen, aber bekanntlich sind Kreuzberger Nächte lang. Selbst wenn sie in Neukölln stattfinden. Es war schon dunkel, als ich durch die Weichselstraße heimwärts ging – aber in mir wurde es langsam wieder hell. Hell, weil das Ende der harten, fußballlosen Zeit endlich da war. Hell, weil sich alle Wünsche und Hoffnungen, manifestiert in diesen 90 Minuten, dann doch bestätigt hatten.

Aber beginnen wir dort, wo die meisten Dinge beginnen. Am Anfang. Der war gar nicht mal so schlecht. Jenseits jeglicher Produktivität auf den Anpfiff hinzitternd, natürlich. Aber das kennt man doch. Mein Fallschirm und mein Rettungsboot war einmal mehr der FC St. Pauli. Dennoch, ein bisschen Spaß muss sein, und so befasste ich mich notgedrungen noch ein wenig mit der Ligakonkurrenz aus Aue, Sandhausen, Aalen und Ingolstadt. Man kann sich die Anstoßzeiten ja nicht aussuchen. Auch wenn sie einst besser gewesen sein mögen – für mich und vor allem für Düsseldorf am Rhein.

Es mag sein, dass sieben Fässer Wein uns nicht gefährlich seien. Mit Astra sieht das natürlich schon etwas anders aus. So erklärt sich vielleicht auch die gefahrensuchende Rekordkundschaft in der kleinen Kneipe in unserer Straße. Aber immerhin, diese Straße, sie trug St. Pauli.

Und von Anfang an war uns klar: Das wird ein heißer Sommer. Vielleicht sogar einer, wie er früher einmal war. Eine großartige erste Viertelstunde des Ach-ja-doch-irgendwie-Magischen FC. Natürlich ist das noch kein Maßstab, aber mit unserem Glück ist bis hierhin alles okay.

1860 kam zurück. Sie waren ja auch nie weg. Rzatkowski rettete auf der Linie für den geschlagenen Tschauner. Und dann war Halbzeit.

Schuld war nur Michael Frontzeck. Doch dann fing für mich die große Liebe an. Zwar wechselte er nicht, warum auch. Zwar wurde dieses merkwürdige Zweitteam des FC Bayern stärker und stärker. Aber es gibt auf Erden nicht nur den einen. Es gibt so viele – und vor allem Lennart Thy. Der Thy, der schon abgeschrieben war letzte Saison. Der war weg. Und dann macht ausgerechnet dieser Thy dieses Ding, dieses Tor. Eiskalt wie eine Hundeschnauze, so was hat man noch nicht gesehen. Gabor Kiraly offenbar auch nicht. Jedenfalls machte er keine größeren Anstalten, diesen Ball zu halten. Hätte man machen können. Musste man aber nicht zwingend.

Der Rest war die obligatorische Panik vor dem überflüssigen Ausgleich. Muss man nix zu sagen, kennt jeder. Gefangen hat man ihn nicht, und das ist aller Ehren wert. Ein guter Auftakt. Zu einer hoffentlich grandiosen Saison.

Wer in den Kommentaren die meisten Schlager nennt, auf die in diesem Text eventuell angespielt worden sein könnte, bekommt übrigens ein Bier von und mit mir ausgegeben. Ich verfolge dabei einen recht weiten Schlagerbegriff, aber möchte behaupten, dass sich auch recht unmusikalische (und dennoch bekannte) Phrasen hier wiederfinden. Wer auch immer die eingebaut hat. Nun ja. Faires Angebot, finde ich. /juli

Zu den üblichen Dramen

Ein Versprechen nicht einzulösen, das kommt selten vor bei mir. Diesmal war es ein halbes Versprechen, das ich erst jetzt und auch nur halb einlösen werde. Während sich diverse Autoren dieses Blogs (vulgo: Ich) mit Unwichtigkeiten wie dem Afrika-Cup, Umzügen, einem Studium und dem Versuch, weiterzuatmen beschäftigten, trudelte auch der Magische FC wahlweise dem Untergang oder der Rettung entgegen. Gegen Cottbus, in Sandhausen, gegen Köln und Frankfurt, in Aalen, gegen Regensburg, bei Union, gegen Paderborn und zuletzt in Dresden. Neun Spiele dieses Jahr. Null Worte dazu von meiner Seite. Ein unhaltbarer Zustand, das sehe ich ein. In etwa so unhaltbar wie Kopfbälle unseres Torhüters. Aber beginnen wir am Anfang.

Oder besser doch nicht. Cottbus. Kann man überspringen. Ich für meinen Teil war da gerade in Kapstadt. Scheint mir die bessere Entscheidung gewesen zu sein, so ketzerisch das in den Ohren des wahren Fans auch klingen mag. Aber gut, es gibt auch Menschen, die duschen freiwillig kalt. In dem Fall, habe ich mir sagen lassen, war es eher lauwarm. 0:0 jedenfalls. So wie im letzten Spiel vor der Winterpause. Habe bis heute keine bewegten Bilder davon gesehen. Ob ich das im Alter noch bereuen werde, weiß ich nicht.

Im Alter jedenfalls bereuen werde ich, das darauffolgende Spiel tatsächlich im Fernsehen verfolgt zu haben, in der wie üblich wunderbaren Astra-Stube Neukölln, frisch zurück aus Afrika, braungebrannt, verarmt und in mäßiger Vorfreude auf Liga 2. Ach was, in totaler Vorfreude eigentlich. Mit hohen Erwartungen und großen Hoffnungen. Wer verliebt ist, der denkt nicht klar. Erst recht nicht nach wochenlanger Abstinenz. Und in der Mehrzahl der Momente ist das auch gut so.

Man kann sagen, wir haben wenigstens mal wieder ein Tor geschossen. Dass es nach einem mehr als zweifelhaften Elfmeterpfiff fiel, nun, das darf man gerne verschweigen. Ähnlich wie die vier Tore, die der SV Sandhausen zuvor schoss. Irgendwo zwischen Lachen und Weinen, irgendwo zwischen Regensburg und Heidelberger Vorstädten, zwischen Erhängen und Erschießen überstand man auch das. Es ist gelegentlich ein erstaunlich hilfreiches Getränk, dieses Astra.

Konnte ja nur besser werden. Und: Wurde es auch. Wieder einmal Astra-Stube Neukölln, die Fußballreisenkasse muss sich erstmal wieder füllen nach diesem Afrika-Parforceritt. Diesmal Heimspiel. Diesmal Frankfurt. Diesmal Sieg. Diesmal Ginczek. Ginczek, Ginczek, Ginczek. Keine Ahnung, wer zuletzt dreimal in einem Spiel für den Magischen FC traf. Verdient aber war es. Eine der besseren Saisonleistungen, ein Funke Hoffnung im sich nach den letzten mäßigen Auftritten langsam doch wieder anbahnenden Abstiegskampf. Viel zu viel Glücksgefühl also, um noch großartig darüber schreiben zu müssen, nicht wahr?

Schon wartete nämlich der große Verein meiner Heimatstadt, ein wesentlich weniger magischer FC. Montagabends, zu meiner erklärten Lieblingszeit also. Weil sie neben dem lieben Geld auch diesmal meine Entschuldigung war, das Spiel in einer eventuell bereits genannten Berliner Lokalität zu verfolgen. War auch gar nicht mal so gut insgesamt, also das Spiel, nicht die Lokalität. Eventuell hätte man einen Punkt holen können. Hat man nicht. Christian Clemens wird wissen warum. Vielleicht weiß der auch, weswegen ich in meiner Erinnerung die Reihenfolge der Spiele gegen Frankfurt und Köln vertauschte. Egal. Drei Punkte sind drei Punkte, null sind null. Sollen mich die Statistiker doch steinigen – meine Anschrift gibts im Impressum.

Aalen schreibt sich mit zwei A und besiegt sich mit einem Tor. Das man durchaus früher hätte machen können, aus Rücksicht auch auf meinen Gesundheitszustand. Ginczek, wieder einmal. Per zweifelhaftem Elfmeter wieder einmal. Nach einer beeindruckenden Energieleistung, einem Sprint, einem Dribbling gefühlt über den gesamtem Platz, in der letzten Spielminute. Scheint doch nicht so ungesund zu sein, die Luft dort unten. Vielleicht würde es sich lohnen, ein wenig davon nach Hamburg zu importieren.

Beispielsweise für Heimspiele gegen Regensburg, wenn auch zu hoffen steht, dass dies das vorerst letzte dieser Art gewesen sein dürfte. Wer sich definitiv vorerst verabschiedete, war Daniel Ginczek. Mit der ungefähr dämlichsten Mittelliniengrätsche eines Stürmers, die ich… nun gut. Ist ja passiert, und auch wenn ich mich in diesem gesamten Text nicht richtig für eine Zeitform entscheiden werde können, die Sperre wird inzwischen abgelaufen gewesen sein. Dass man sich als Magischer FC, der etwas auf sich hält, direkt nach so einem Platzverweis noch den Ausgleichstreffer einfängt, bedarf keiner weiteren Erwähnung. Dass man wiederum in der Nachspielzeit in persona Florian Bruns zum Sieg trifft, umso mehr. Hat geholfen, die Aalener Luft.

Eines meiner Saisonhighlights natürlich die Partie an der Alten Försterei bei Union. Halte ja von Blutsbrüderschaft und dem ganzen Quatsch nix, logisch als Sympathisant eines üblicherweise in lila-weiß spielenden Berliner Vereins. Trotzdem schönes Stadion, lauter Support und meistens sehr intensiv geführte, interessante Partien. So kam es. Zweimal zurückgelegen. Zweimal ausgeglichen. Nochmal zurückgelegen. Vergessen, auszugleichen. Weiter zurückgelegen. Spiel vorbei. Intensiv, man merkt es. Davor und danach ganz viel Familientreffen und, ich muss es gestehen, nicht allzu wenig Alkohol. Diese Fußballfans eben, weiß man ja. Deswegen auch keine Fotos, beziehungsweise lediglich eins. Man kann es sich aber auch gut vorstellen, ohne es zu sehen. Es sind zwei Flaschen Beck’s Gold darauf abgebildet. Warum, weiß ich nicht. Behaupte ich mal.

Ein wenig ausgenüchtert notgedrungen dann am Folgespieltag doch wieder Fernsehfußball. Gegen Paderborn zu führen, war kein revolutionäres Erlebnis in dieser Saison. Den Ausgleich zu kassieren: Auch nicht. Immerhin nicht durch einen Ex-Spieler der Braun-Weißen. Deren zwei aber schossen Paderborn in Front, abermals Deniz Naki sowie der erst im Winter an die Pader (gibts die?) gewechselte Mahir Saglik mit einer Koproduktion. (Ja, die gibts. Aber die Born?) Typisch für den FC St. Pauli dieser Saison ist, dass er auf alles eine Antwort weiß. Häufig ist es zwar die falsche Antwort, noch häufiger passt sie nicht einmal zur Frage und so gut wie immer ist sie völlig absurd, aber in diesem Fall eben nicht. Nun, Letzteres vielleicht schon. Philipp Tschauner, seines Zeichens Torwart. Seines Zeichens Schütze des Ausgleichstors gegen den SC Paderborn. Es gibt viele Wege, sich zur Legende zu machen. Dies ist eventuell einer davon.

Was fehlt, ist Dresden. Genau genommen fehlt Dresden niemandem. Erstens, weil es ja da ist und zweitens, weil es, selbst wenn das nicht der Fall wäre, nicht viele Gründe birgt, vermisst zu werden. Das haben die Alliierten damals schon ri… ach, egal. Es geht ja um Fußball. Und so schön Dresden städtebaulich sein mag, so unschön sind nun mal viele Teile der Fanszene der SG Dynamo. Die haben die Alli… Fußball. Der großartigste Fanclub der braun-weißen Berliner Welt organisierte einen Bus. Ein Grund für mich, dann doch mal wieder auswärts zu fahren. Abgesehen davon, dass ich auch noch Geburtstag hatte. Das einzige noch schönere Geschenk als ein St.-Pauli-Spiel ist bekanntlich ein Auswärtssieg.

Sagen wir es einmal so: Den gab es nicht. Ich verweise diesbezüglich gerne auf meinen Bericht zum magischen 3:2-Sieg im Hinspiel. Man lese ihn einfach genau umgekehrt, wie auch immer das funktionieren mag. Dann kommt dabei eventuell ein detaillierter Bericht über die Ereignisse des Rückspiels raus. Wenn nicht, dann nicht. Service: Nach 2:0-Führung 2:3 verloren. Kann man machen, muss man nicht. Der Rest ist wieder einmal Schweigen und Fassbier. Fotos? Nö. Demnächst mal wieder.

Wo stehen wir also nun? Wir stehen, wo niemand stehen will, wollen dort aber gerne bleiben. Mittelmaß, grauestes, unterstes. Sieben Punkte entfernt vom rettenden Ufer Relegation, allerdings wohlgemerkt von oben. Es könnte also schlimmer sein. Über den Aufstieg zu reden, erspare ich uns allen an dieser Stelle. Über den hsv reden könnte man hingegen zur Ablenkung durchaus ein wenig, so ein 2:9 gegen den FC Bayern darf schließlich nicht allzu schnell in Vergessenheit geraten.

Bei allem Reden, allem Schreiben, allen jetzt endlich auch verlorenen und losgewordenen Worten: Gewonnen werden muss, so einfach ist das. Beispielsweise am Samstag gegen 1860. Mir persönlich jedenfalls käme das gar nicht mal so ungelegen. /juli

Blick zurück

Nachdem im Dezember nicht eben übermäßig viel von mir zu lesen war, gibt es jetzt einen etwas größeren Nachschlag. Den letzten sportlichen Text für dieses Jahr, höchstwahrscheinlich. Den letzten vor Südafrika, vermutlich. Es werden nach aktueller Planung etwa zwei bis fünf „Unsportlichkeiten“ folgen, um die Winterpause zu füllen und den höchst intellektuellen Ruf dieses Blogs, den es bei mir persönlich hat, weiter zu festigen. Wenn nicht, dann nicht.

Nein, „you only write when you’re winning“ ist kein treffender Vorwurf, auch wenn es gelegentlich so wirken könnte. Vor allem schreibe ich, wenn ich etwas zu schreiben habe. Nach manchen Spielen fühle ich mich einfach leer. Nach manchen Tagen sowieso. Die Form, die Seite, das weiße Papier aber mit in Worten gegossener Leere zu füllen, überlasse ich der Fachpresse. Meistens. Schließlich stell ich ja auch keine Elf des Tages auf. Die ist im Zweifel sowieso braun-weiß. Jene Leser, die diesen Blog vor allem wegen seines Tennisgehalts lesen, mögen daher bitte auch entschuldigen, dass sich mein Blick zurück auf die Zeit seit der Sommerpause nur auf den FC St. Pauli bezieht. Ob ich Besserung gelobe, weiß ich noch nicht. Mal gucken.

Wie fing es an – wie kamen wir dorthin, wo wir sind, wo auch immer das ist? In Aue natürlich, dort, wo schon so vieles anfing. Was auch immer genau. Anfang August, furchtbar hochsommerlich also. Viel zu früh für einen Saisonbeginn. Viel zu früh für mich sowieso – einen Umzug in den Knochen (das wird die Rückrunde mit der Hinrunde gemeinsam haben), ein Festival vor Augen (das nicht). Trotzdem todesmutig mit Wessi-Gästen die lange Bahnfahrt durch Sachsen angetreten. Weil ich gern in Aue bin, außerdem gefühlt sowieso dauernd. Ein schönes Stadion, nette Leute, meist absolut miese Spiele. So, wie man es halt vom Millerntor kennt. Nur bergiger.

In zivil fuhren wir trotzdem, es lagen so nette Gegenden wie Chemnitz auf dem Weg. Genau bis dorthin erfüllte unsere Tarnung eventuell sogar ihre Funktion. Meine Zweifel daran gründen auf der netten Begrüßung eines Einheimischen – „Ihr tragt ja alle Schwarz – ihr seid bestimmt von St. Pauli, oder?“. Es war zum Glück ein Netter. Ich glaube, ich versprach damals, ihn bei Facebook zu adden. Falls das nicht geschehen sein sollte, bitte ich vielmals um Entschuldigung.

Das Spiel war, wie angedeutet, mies. 0:0 ist in etwa das schlimmste Auswärtsergebnis, das ich kenne. Nicht mal so richtig ärgern kann man sich. Wobei – doch, in dem Fall eigentlich schon. Aber es war ja Saisonbeginn, keine Gefahr, keine Panik. Entspannen, abwarten, Dosenbier trinken. Und immerhin einen Tag von dem Festival mitnehmen.

Heimspiel Ingolstadt, 8 Tage später. Dass Eigler gegen uns trifft, war ja klar. Mohr gleicht aus. Der Rest der Partie gepflegte Langeweile plus ein wenig braun-weiß-brotlose Kunst in der Schlussphase. Irgendwie wieder so ein verschenkter Sieg. Aber kann man ja machen, ist schließlich erst der zweite Spieltag. Ab jetzt gewinnen immer wir.

In Offenburg beispielsweise. Auch das furchtbar langweilig, aber ausreichend. Im Gegensatz zur Leistung eines etwas nördlicher angesiedelten Hamburger Noch-Erstligisten. Höchst bedauerlich. Zweite Pokalrunde, das erste Mal seit Menschengedenken. Es tut nicht not, hier Begriffe wie Trier oder Chemnitz zu erwähnen. Vor allem, weil Chemnitz bereits erwähnt wurde. Jedenfalls: Erster Saisonsieg. Höchst glamourös. Schönes Wetter soll gewesen sein in Baden.

Mit diesem unfassbaren Motivationsschub im Rücken ab nach Cottbus. Im Bus, gemeinsam mit dem besten Fanclub der Welt. Zum zweitnächsten Auswärtsspiel der Saison (ja, gefühlt ist Hertha weiter weg!). Es gibt viele Gründe, warum ich nicht viele Worte über diesen Tag und dieses Wochenende verlieren möchte. Das Spiel selbst war einer davon. 0:2 und aus.

So langsam neigte es dazu, eng zu werden. Nun bin ich wirklich ein Meister der beruhigenden Autosuggestion, aber die half nicht mehr so richtig weiter nach diesem desaströsen Brandenburger Tag. Neigte man zur Panik, wäre dies ein hervorragender Moment gewesen. Natürlich, es kam noch besser. Erstmal aber ein wenig Beruhigung, um die Dramatik zu steigern. Ein Sieg. Am Millerntor. Gegen den ruhmreichen SV Sandhausen. Mit einer Leistung, die vermutlich schon in Offenburg nur knapp gereicht hätte, wenn überhaupt. Aber als Jurist lernt man ja: Drei Punkte sind drei Punkte sind drei Punkte. Sofern man sich nicht beschwert.

Es wurde sich beschwert. Und so geschah es dann, dass ich an einem Montag im September erstmals meinen Weg in das umgebaute Müngersdorfer Stadion fand, nach kleineren Touren über Amateurplätze im Umfeld meiner ursprünglichen Heimat. Zumindest an der Verkehrssituation hatte der Umbau nicht allzu viel geändert, nach wie vor in etwa auf dem Niveau einer klimawandelbedingt überschwemmten niederländischen Küstenstadt. Also nicht so gut. Vor dem Spiel gabs immerhin eine Kranzniederlegung in Gedenken an die Edelweißpiraten, etwa 400 Fans beider Vereine waren anwesend. Sehr, sehr schöne Aktion. Wird wohl deutlich länger in Erinnerung bleiben als das Spiel. Philipp Tschauner bewarb sich für die Nationalmannschaft, am Ende stand hauptsächlich deswegen ein wie üblich höchst zufriedenstellendes 0:0. Langsam kam man in der roten Zone an.

Es folgte wie schon vergangene Saison die Tour nach Frankfurt – sofern man Köln durch Düsseldorf ersetzt, was mir die Einwohner beider Städte… ach, macht, was ihr wollt. Jedenfalls Richtung Süden, zum FSV, an den Bornheimer Hang. Ein Chancenfestival. Beginnende Zweifel am Interesse eines Daniel Ginczek, tatsächlich Tore zu schießen. Eine Niederlage. Vermutlich die nach wie vor unnötigste dieser Saison, nach durchaus ansprechender Leistung. Man weiß nicht, wie es gekommen wäre, wäre dieses Spiel nur ein klein wenig anders verlaufen. Fußball spielt sich nach wie vor im Indikativ. So wie das Leben selbst, weswegen hier eigentlich nur ein „siehe Cottbus“ stehen müsste. Nur nicht mehr ganz so desaströs, weil irgendwie schon gewohnt. War übrigens das letzte Spiel vor dem Start dieses Blogs. Soviel zum Thema „write when you’re winning“.

Das Spiel am darauffolgenden Dienstag passte zur Gesamtsituation perfekt. Mit dem VfR Aalen ein absolut namhafter Gegner, mit zwei „A“ beispielsweise über dem Niveau Griechenlands. Gut, das war billig. Das Spiel auch. 0:1 verloren, zuhause. Einer der wenigen Abende, an denen man ernsthaft über schöne Alternativen zu einem Fußballspiel des eigenen Vereins nachdenkt. Wäsche aufhängen etwa. Oder spülen. Oder sich einfach nur so betrinken, ohne das Spiel als Anlass zu nehmen. Eine Welt voller Möglichkeiten. Ciao, André Schubert.

Mit dem neuen Kurzzeit-Trainerteam wurde vermutlich wie durch ein Wunder sofort alles besser. Was das Spiel in Regensburg betrifft, prangt bei mir jedenfalls eine beeindruckende und allumfassende Erinnerungslücke. Sie ist, so denke ich, erfolgsbedingt. Ansonsten: Siehe Cottbus, nur jedenfalls in sportlicher Hinsicht tatsächlich noch desaströser.

Gegen Union fuhr ich dann auch mal wieder nach Hamburg, nachdem mich verschiedene Gründe in den Wochen davor davon abhielten. Und es eigentlich auch am Tag selbst immer noch taten. Muss man durch, Spiel war gut. Zwei Sonntagsschüsse des diesbezüglichen Spezialisten von Union, Herrn Mattuschka, drehten den Spielverlauf nicht unbedingt auf den Kopf, aber doch so um etwa 157 Grad. Wobei ich zugeben muss, dass auch hier meine Erinnerungen an den konkreten Spielverlauf etwas eingeschränkt sind durch die quasi direkt im Anschluss folgende Bootstour mit einem Berliner Sechstligisten. Der hier ausnahmsweise nicht namentlich genannt werden soll. Alkohol ist insbesondere am Morgen noch ungesünder als St.-Pauli-Spiele in Regensburg. Oder Pyrotechnik. Oder Handystrahlung.

Eher mäßig herzlich begrüßten wir in der Folgewoche Michael Frontzeck. Ein Trainer, den niemand so richtig einschätzen konnte. Und wenn man es doch tat, fiel die Einschätzung nicht unbedingt positiv aus. Sein Auftakt in Paderborn, dieser pulsierenden Metropole Ostwestfalens, gab zumindest ein wenig Hoffnung, dass es besser werden könnte. Auswärtsunentschieden, okay. Hatten wir schon. In diesem Fall immerhin mit Toren, eins davon sogar von Deniz Naki. Der inzwischen dummerweise in blau-schwarz spielte. Kann passieren. Ansonsten sehr starke Leistung jedenfalls. Die Mannschaft zeigte, sie wollte wieder. Und konnte vielleicht sogar.

Dynamo Dresden dann, daheim. Nicht nur eine schöne Alliteration, sondern wohl auch eine der größeren Achterbahnfahrten der Saison. Nimmt man die Achterbahnfahrt meines Magens während des Regensburg-Spiels aus. Ein 0:2-Rückstand bedeutet für den FC St. Pauli statistisch sehr wahrscheinlich eine Niederlage – ich meine, im damaligen Artikel die Spiele sogar aufgezählt zu haben, bei denen sich dies anders verhielt. Dieser Tag war einer von ihnen. Und Fabian Boll natürlich einer von uns. Mit dem Kapitän als Türöffner brachen sich die Magischen Bahn. Ein 3:2 nach nüchtern betrachtet mäßiger Leistung. Allein, wer möchte ein solches Spiel im Nachhinein nüchtern betrachten? Ich denke, es war ein Weckruf. Ein Wendepunkt. Wie es anders gelaufen wäre, darüber möchte ich nicht spekulieren, da ich mir den Konjunktiv bereits verbot. Zum Glück, sonst käme ich locker auf die doppelte Zeichenzahl. Oh, Konjunktiv.

Über Stuttgart auswärts im Pokal muss man nicht im Positiven reden, über den eigentlich unfassbaren Sieg bei 1860 nicht im Negativen. Die hilfloseste einerseits, die beste Saisonleistung andererseits. Klassisches Drama eben, Katastrophe und Katharsis ganz eng beieinander. Wie ein guter Film. Sofern mal jemand einen Film über das untere Mittelfeld der 2. Bundesliga drehen möchte. Ich will nicht.

Zuhause gegen Bochum die unfassbare Leistung, einem Team ohne Torchance ein Tor zu schenken. Glückwunsch. Dass man selbst mehr als eins hätte machen müssen, dieses Motto könnte sich ohnehin durch die gesamte bisherige Saison ziehen. Hat man mal wieder nicht, das Ergebnis ist bekannt und eher unbefriedigend. Noch ein Motto für die gesamte Saison.

Dann wurde es richtig schwierig, jedenfalls auf dem Papier. Mit Hertha ein absoluter Hochkaräter auswärts, also auf nach Berlin. Beziehungsweise in meinem Fall: In Berlin bleiben. Vielmehr: Rausfahren zu diesem unfassbar schlecht erreichbaren Stadion, in dem man wie üblich unfassbar unfreundlich behandelt wurde. Auch das Wort „unfassbar“ spielte in diesem Jahr 2012 offenbar eine gewichtige Rolle. Meinen damaligen Gedanken, zu diesem …verein, dieser …arena und den …fans keinen Satz mehr zu verlieren, werde ich genau jetzt verwirklichen. Ach so, verloren haben wir auch. War aber nicht ganz so tragisch.

Schließlich gab es im Anschluss ein Heimspiel gegen die bisher ziemlich schwachen Duisburger. Natürlich ist der FC St. Pauli klassischer Aufbaugegner, aber diese Saison lief sowieso alles komisch. Ein 4:1 erscheint als ebenso hoher wie hochverdienter Sieg. Die dezimierten und sowieso erschreckend schwachen Zebras relativieren dieses überzeugende Ergebnis ein wenig. Aber bekanntlich darf man ja nur auf sich selbst schauen und nicht auf den Gegner. Also 4:0, perfekt. Abhaken und ab jetzt um die Meisterschaft mitspielen.

Zum Beispiel mittwochs in Braunschweig. Ich selbst weilte in Hamburg, in der Schlange am Einlass der O2-Arena. Was ich über mein Handy mitbekam, rote Karte Bartels, Tor Braunschweig, stimmte nicht eben optimistisch. Wurde auch nicht wesentlich besser, rein statistisch. War aber im Stadion angeblich etwas ansehnlicher. Kann ich nicht beurteilen. Gegen den Spitzenreiter zu verlieren, nun ja – es gab schon Unwahrscheinlicheres zu erleben. Konzert war gut, übrigens.

Es folgte das Doppel der Angstgegner, beide immerhin am Millerntor. Kaiserslautern und Aue. Auch hier wieder, wie schon bei Stuttgart und 1860, eine gewisse ausgleichende Funktion der beiden Spiele, fast eine symbiotische Beziehung. Erkämpftes 1:0 gegen Lautern, überflüssiges 0:3 gegen Aue. Effektivität einerseits, fahrlässiger Umgang mit den eigenen Chancen andererseits. Am Ende trotzdem zufriedenstellende 21 Punkte, angesichts der bisherigen Saison.

Zum Abschied von 2012 eine Runde Ingolstadt. Die Fahrt in diese tendenziell überflüssige Stadt sparte ich mir diesmal, sie war im Winter 2011 schon eher unbefriedigend. Außerdem etwas teuer. Diesmal wurde es ein Stückchen besser. Der wiederum fahrlässige Umgang mit den eigenen Chancen und ein ebenfalls tendenziell überflüssiger Schieds- beziehungsweise Linienrichter führten zu einem Jahresabschluss, dessen Tristesse dem Saisonbeginn entsprach. 0:0. Ernüchternd.

Die Champions-League-Träume dürften somit ausgeträumt sein. Es gilt, möglichst früh die Klasse zu sichern – und was folgen wird, ist dann wieder mal ein Umbruch. Zur Zeit betrachte ich das alles ein wenig distanziert, aber ich mag den Winter sowieso nicht. Wir werden sehen, was kommt. Ich vermutlich etwas später als ihr, zum Auftakt des Jahres 2013 gegen Cottbus sitz ich nämlich gerade in Johannesburg am Flughafen. Die letzten beiden Spiele, von denen ich nix gesehen hab, waren übrigens ein Ligaspiel gegen Braunschweig 2012/13 sowie ein Pokalspiel gegen Chemnitz 2010/11. Macht es besser. Diesmal. Bitte.

Das war es dann sportlich vorerst, meinerseits. Wohl bis Mitte Januar. All jenen, die nur sowas interessiert, guten Rutsch undsoweiter. Für den Rest hab ich noch einige zusammengekratzte Textreste auf der Festplatte, deren Fußballbezug geringer oder nicht vorhanden ist. Mal sehen, was ich bis Mitte Januar mit denen anfange. Man sei gespannt – oder desinteressiert. Nur dass sich hinterher keiner beschwert.

Auch sonst gibt es natürlich viel zu sagen – zu FCKDFB, Sicherheitskonzept und 12:12. Zu TeBe, Nulldrei und vielleicht Union. Zu Südafrika, Marokko und den Kapverden. Zu Kreuzberg, Neukölln und vielleicht Kölner Vorstädten. Zu Stadion und Sportplatz, Kurve und Erdwall. Ich hab was dazu zu sagen. Aber das mach ich dann lieber nächstes Jahr. /juli