Bomber Harris?

Aus aktuellem Anlass einfach mal eine Sammlung von schönen Bildern, die mir Google auf Anhieb zuführte. Da ich die Arbeit von Fotografen und Medien prinzipiell wertschätze, gibt es nur die Links. Nämlich hier:

Hier gehts um Leipzig.

Auch Frauen werden wahrgenommen.

Manchmal vielleicht ein klein wenig eindimensional.

Oder auch nur auf ihren Beruf reduziert.

(Oh, das ist Aachen. Aber geglaubt hättet ihr mir das, oder? Alternatives Dynamo halt.)

Aber hey!

Und hätten Letzteres eure und unsere und meine Großeltern auch so gesehen, vielleicht hätte insgesamt weniger gebrannt. Man möge mir diesen Vergleich, der bei weitem keine Gleichsetzung ist, verzeihen, aber das ist wie mit Spielen am Millerntor: Manche lernen daraus, einige brauchen etwas länger, andere sehr lang und… Dynamo. /juli

Advertisements

Zu den üblichen Dramen

Ein Versprechen nicht einzulösen, das kommt selten vor bei mir. Diesmal war es ein halbes Versprechen, das ich erst jetzt und auch nur halb einlösen werde. Während sich diverse Autoren dieses Blogs (vulgo: Ich) mit Unwichtigkeiten wie dem Afrika-Cup, Umzügen, einem Studium und dem Versuch, weiterzuatmen beschäftigten, trudelte auch der Magische FC wahlweise dem Untergang oder der Rettung entgegen. Gegen Cottbus, in Sandhausen, gegen Köln und Frankfurt, in Aalen, gegen Regensburg, bei Union, gegen Paderborn und zuletzt in Dresden. Neun Spiele dieses Jahr. Null Worte dazu von meiner Seite. Ein unhaltbarer Zustand, das sehe ich ein. In etwa so unhaltbar wie Kopfbälle unseres Torhüters. Aber beginnen wir am Anfang.

Oder besser doch nicht. Cottbus. Kann man überspringen. Ich für meinen Teil war da gerade in Kapstadt. Scheint mir die bessere Entscheidung gewesen zu sein, so ketzerisch das in den Ohren des wahren Fans auch klingen mag. Aber gut, es gibt auch Menschen, die duschen freiwillig kalt. In dem Fall, habe ich mir sagen lassen, war es eher lauwarm. 0:0 jedenfalls. So wie im letzten Spiel vor der Winterpause. Habe bis heute keine bewegten Bilder davon gesehen. Ob ich das im Alter noch bereuen werde, weiß ich nicht.

Im Alter jedenfalls bereuen werde ich, das darauffolgende Spiel tatsächlich im Fernsehen verfolgt zu haben, in der wie üblich wunderbaren Astra-Stube Neukölln, frisch zurück aus Afrika, braungebrannt, verarmt und in mäßiger Vorfreude auf Liga 2. Ach was, in totaler Vorfreude eigentlich. Mit hohen Erwartungen und großen Hoffnungen. Wer verliebt ist, der denkt nicht klar. Erst recht nicht nach wochenlanger Abstinenz. Und in der Mehrzahl der Momente ist das auch gut so.

Man kann sagen, wir haben wenigstens mal wieder ein Tor geschossen. Dass es nach einem mehr als zweifelhaften Elfmeterpfiff fiel, nun, das darf man gerne verschweigen. Ähnlich wie die vier Tore, die der SV Sandhausen zuvor schoss. Irgendwo zwischen Lachen und Weinen, irgendwo zwischen Regensburg und Heidelberger Vorstädten, zwischen Erhängen und Erschießen überstand man auch das. Es ist gelegentlich ein erstaunlich hilfreiches Getränk, dieses Astra.

Konnte ja nur besser werden. Und: Wurde es auch. Wieder einmal Astra-Stube Neukölln, die Fußballreisenkasse muss sich erstmal wieder füllen nach diesem Afrika-Parforceritt. Diesmal Heimspiel. Diesmal Frankfurt. Diesmal Sieg. Diesmal Ginczek. Ginczek, Ginczek, Ginczek. Keine Ahnung, wer zuletzt dreimal in einem Spiel für den Magischen FC traf. Verdient aber war es. Eine der besseren Saisonleistungen, ein Funke Hoffnung im sich nach den letzten mäßigen Auftritten langsam doch wieder anbahnenden Abstiegskampf. Viel zu viel Glücksgefühl also, um noch großartig darüber schreiben zu müssen, nicht wahr?

Schon wartete nämlich der große Verein meiner Heimatstadt, ein wesentlich weniger magischer FC. Montagabends, zu meiner erklärten Lieblingszeit also. Weil sie neben dem lieben Geld auch diesmal meine Entschuldigung war, das Spiel in einer eventuell bereits genannten Berliner Lokalität zu verfolgen. War auch gar nicht mal so gut insgesamt, also das Spiel, nicht die Lokalität. Eventuell hätte man einen Punkt holen können. Hat man nicht. Christian Clemens wird wissen warum. Vielleicht weiß der auch, weswegen ich in meiner Erinnerung die Reihenfolge der Spiele gegen Frankfurt und Köln vertauschte. Egal. Drei Punkte sind drei Punkte, null sind null. Sollen mich die Statistiker doch steinigen – meine Anschrift gibts im Impressum.

Aalen schreibt sich mit zwei A und besiegt sich mit einem Tor. Das man durchaus früher hätte machen können, aus Rücksicht auch auf meinen Gesundheitszustand. Ginczek, wieder einmal. Per zweifelhaftem Elfmeter wieder einmal. Nach einer beeindruckenden Energieleistung, einem Sprint, einem Dribbling gefühlt über den gesamtem Platz, in der letzten Spielminute. Scheint doch nicht so ungesund zu sein, die Luft dort unten. Vielleicht würde es sich lohnen, ein wenig davon nach Hamburg zu importieren.

Beispielsweise für Heimspiele gegen Regensburg, wenn auch zu hoffen steht, dass dies das vorerst letzte dieser Art gewesen sein dürfte. Wer sich definitiv vorerst verabschiedete, war Daniel Ginczek. Mit der ungefähr dämlichsten Mittelliniengrätsche eines Stürmers, die ich… nun gut. Ist ja passiert, und auch wenn ich mich in diesem gesamten Text nicht richtig für eine Zeitform entscheiden werde können, die Sperre wird inzwischen abgelaufen gewesen sein. Dass man sich als Magischer FC, der etwas auf sich hält, direkt nach so einem Platzverweis noch den Ausgleichstreffer einfängt, bedarf keiner weiteren Erwähnung. Dass man wiederum in der Nachspielzeit in persona Florian Bruns zum Sieg trifft, umso mehr. Hat geholfen, die Aalener Luft.

Eines meiner Saisonhighlights natürlich die Partie an der Alten Försterei bei Union. Halte ja von Blutsbrüderschaft und dem ganzen Quatsch nix, logisch als Sympathisant eines üblicherweise in lila-weiß spielenden Berliner Vereins. Trotzdem schönes Stadion, lauter Support und meistens sehr intensiv geführte, interessante Partien. So kam es. Zweimal zurückgelegen. Zweimal ausgeglichen. Nochmal zurückgelegen. Vergessen, auszugleichen. Weiter zurückgelegen. Spiel vorbei. Intensiv, man merkt es. Davor und danach ganz viel Familientreffen und, ich muss es gestehen, nicht allzu wenig Alkohol. Diese Fußballfans eben, weiß man ja. Deswegen auch keine Fotos, beziehungsweise lediglich eins. Man kann es sich aber auch gut vorstellen, ohne es zu sehen. Es sind zwei Flaschen Beck’s Gold darauf abgebildet. Warum, weiß ich nicht. Behaupte ich mal.

Ein wenig ausgenüchtert notgedrungen dann am Folgespieltag doch wieder Fernsehfußball. Gegen Paderborn zu führen, war kein revolutionäres Erlebnis in dieser Saison. Den Ausgleich zu kassieren: Auch nicht. Immerhin nicht durch einen Ex-Spieler der Braun-Weißen. Deren zwei aber schossen Paderborn in Front, abermals Deniz Naki sowie der erst im Winter an die Pader (gibts die?) gewechselte Mahir Saglik mit einer Koproduktion. (Ja, die gibts. Aber die Born?) Typisch für den FC St. Pauli dieser Saison ist, dass er auf alles eine Antwort weiß. Häufig ist es zwar die falsche Antwort, noch häufiger passt sie nicht einmal zur Frage und so gut wie immer ist sie völlig absurd, aber in diesem Fall eben nicht. Nun, Letzteres vielleicht schon. Philipp Tschauner, seines Zeichens Torwart. Seines Zeichens Schütze des Ausgleichstors gegen den SC Paderborn. Es gibt viele Wege, sich zur Legende zu machen. Dies ist eventuell einer davon.

Was fehlt, ist Dresden. Genau genommen fehlt Dresden niemandem. Erstens, weil es ja da ist und zweitens, weil es, selbst wenn das nicht der Fall wäre, nicht viele Gründe birgt, vermisst zu werden. Das haben die Alliierten damals schon ri… ach, egal. Es geht ja um Fußball. Und so schön Dresden städtebaulich sein mag, so unschön sind nun mal viele Teile der Fanszene der SG Dynamo. Die haben die Alli… Fußball. Der großartigste Fanclub der braun-weißen Berliner Welt organisierte einen Bus. Ein Grund für mich, dann doch mal wieder auswärts zu fahren. Abgesehen davon, dass ich auch noch Geburtstag hatte. Das einzige noch schönere Geschenk als ein St.-Pauli-Spiel ist bekanntlich ein Auswärtssieg.

Sagen wir es einmal so: Den gab es nicht. Ich verweise diesbezüglich gerne auf meinen Bericht zum magischen 3:2-Sieg im Hinspiel. Man lese ihn einfach genau umgekehrt, wie auch immer das funktionieren mag. Dann kommt dabei eventuell ein detaillierter Bericht über die Ereignisse des Rückspiels raus. Wenn nicht, dann nicht. Service: Nach 2:0-Führung 2:3 verloren. Kann man machen, muss man nicht. Der Rest ist wieder einmal Schweigen und Fassbier. Fotos? Nö. Demnächst mal wieder.

Wo stehen wir also nun? Wir stehen, wo niemand stehen will, wollen dort aber gerne bleiben. Mittelmaß, grauestes, unterstes. Sieben Punkte entfernt vom rettenden Ufer Relegation, allerdings wohlgemerkt von oben. Es könnte also schlimmer sein. Über den Aufstieg zu reden, erspare ich uns allen an dieser Stelle. Über den hsv reden könnte man hingegen zur Ablenkung durchaus ein wenig, so ein 2:9 gegen den FC Bayern darf schließlich nicht allzu schnell in Vergessenheit geraten.

Bei allem Reden, allem Schreiben, allen jetzt endlich auch verlorenen und losgewordenen Worten: Gewonnen werden muss, so einfach ist das. Beispielsweise am Samstag gegen 1860. Mir persönlich jedenfalls käme das gar nicht mal so ungelegen. /juli

I’m coming on like a hurricane

Will man vom Sonntag reden, so sollte man beim Freitag beginnen. Griechische Weintrauben sind in gleichem Maße wie griechischer Rotwein ein Fehler, halten wir das fest. Beendeten meinen Abend ein wenig früher. Empfindlicher Magen anscheinend. Tja. Passiert den Besten. Und Griechenland kann da auch nix für.

Vorher wars aber großartig. Der wunderbare Yok (alias Quetschenpaua, Quetschmän… man hat viele Namen) releaste einen record im Syndikat. Es ist selten, so viele scheinbar so verschiedene Gefühle in eigentlich dermaßen kurzer Zeit zu sehen, zu hören, zu empfinden. Die Liebe zur Welt und zum Menschen, zur Musik und zu dem, was sich mit ihr ausdrücken lässt. Der Hass auf das Bestehende, auf die diskriminierenden, ausschließenden, klein machenden Verhältnisse. Die Gewissheit, die Haltung, dass man sich nicht klein machen lässt. Und die Hoffnung auf Neues. Eine autonome Reise quer durch Leben und Kämpfen. Was oftmals sowieso das Gleiche ist. Ein toller, nachdenklich machender, mutig stimmender Abend. Das ist es nämlich – eure Welt, die wollen wir noch immer nicht. Vielen Dank dafür.

Mir ist bewusst, dass ich meinen eigenen Anspruch momentan ein klein wenig verleugne. „Immer anderswo“ bezieht sich aktuell im Wesentlichen auf Orte in Sichtweite der Berliner Ringbahn. Das ist unschön. Aber es gibt Situationen im Leben, die den Ruf von dort draußen übertönen. Selbst wenn es mein Millerntor ist, das unübertönbar ruft – hörte ich da ein „S! – G! – D!“? Man kann es als Vernunft bezeichnen. Vernunft ist natürlich langweilig. Aber sie wird es mir ermöglichen, so ich mich denn für sie belohne, bald diesen Anspruch wieder zu erfüllen. Leistungsgesellschaft halt, wie man in Neukölln sagt. Aldta.

Nun, wie dem auch sei. Die wunderbare Astra-Stube Neukölln ist naturgemäß nicht der beste Ort, ein Spiel des Magischen FC zu verfolgen. Ich habe aber den Verdacht, es könnte der zweitbeste sein. Schon aus dem simplen Grund, dass sie mir passioniertem Langschläfer ermöglicht, die absurden Spielansetzungen der zweiten Liga halbwegs zu ertragen. Und mittags ein Bier vor mir stehen zu haben. Hm. Aber dank der Magischen Zeitumstellung war das Ganze heute ohnehin ein Drama minderer… Dramatik. Irgendwelche Vorteile muss der Herbst schließlich haben.

An dieser Stelle geht ein Gruß auf die andere Seite der Welt. Meine Schwester erfüllt seit rund einem Monat den eingangs erwähnten Anspruch für mich mit und versetzt mich mit Fotos aus dem sonnigen Neuseeland in permanenten Neid. Da dort der Sonntag schon Geschichte war, hätte ich sie natürlich nach dem Spielausgang fragen können. Oder so. Hab ich aber nicht gemacht, man will sich nicht des eigenen Leidens berauben. Und außerdem ahne ich in dieser Frage ein gewisses logisches Problem. Aber man ist ja kein Physiker. Insofern bloß ein schöner Gruß und ein – mit freundlicher Genehmigung – wärmendes Foto. Ich fürchte, zu fußballerischen Texten werde ich sie eher nicht zwingen können. Auch die Macht eines großen Bruders findet irgendwo ihre Grenzen.

Eigentlich gar nicht mal so wärmend, das Foto. Aber man fühlt sich wie in Herr der Ringe.

Einen langen Anlauf nehme ich soeben. Das ist okay, schließlich werde ich ja pro Zeile bezahlt. Mit Aufmerksamkeit, Begeisterung und freundlichem Desinteresse. Deswegen sei natürlich noch zu erwähnen, dass Philipp Tschauner seinen Vertrag verlängert hat. Freut mich. Sehr. Der ist nämlich ein Guter.

Nicht bestätigt haben sich hingegen die topaktuellen Meldungen aus selbiger Astra-Stube, André Schubert sei beim VfL Wolfsburg untergekommen (Quasi-O-Ton von Martin Winterkorn: „Wir haben einen Trainer gesucht, der Erfahrung sowohl mit Abstiegskampf, als auch mit völlig uninteressanten Vereinen in langweiligen Regionen hat.“). Nun, wäre schön gewesen. Zumindest glaubhaft genug war es offenbar für Teile des geneigten Publikums.

Zurück in die Realität. Vorhang auf, Hells Bells, Helden in Braun-Weiß. Vielleicht ja doch großes Drama heute. Ich mag Spiele gegen Dresden. Warum, weiß ich selbst nicht so genau. Vielleicht, weil die Begegnungen gegen die elbflorentinischen Gegner in der Vergangenheit häufig schwer bedeutungsgetränkt waren. Aus der jüngeren Vergangenheit fallen mir ein Aufstieg sowie ein größtenteils in Dresden verspielter Relegationsplatz ein. Und außerdem lehrt es Bescheidenheit, selbst in der Südkurve noch übertönt zu werden von einem sicher nicht durchweg sympathischen, aber durchgängig lauten Gästeblock. Ein Anti-Paderborn quasi. Mich konnten sie in diesem Fall nicht übertönen. Erstens mal sowieso aus Prinzip nicht, zweitens war ich ja anderswo.

Es könnte jetzt eine detaillierte Beschreibung der Seitenwahl und des Anstoßes folgen. Aber so langsam nervts mich selbst, dass nicht endlich mal das Spiel anfängt. Geht ja angeblich um Fußball hier.

Rein da.

Das klassische Drama hat fünf Akte. Deren erste waren nach 28 Minuten so erledigt wie ich selbst. Keinen Zugriff gefunden, keine Mittel. Gar nicht im Spiel. Dresden schon. So schnell liegste 0:2 hinten, ohne auch nur ansatzweise Land zu sehen. Ich überlegte, mir in der Pause schon mal die günstigsten Reiserouten nach Heidenheim und Erfurt rauszusuchen. Da war nix. Nix von dem, was gegen Union und bei Paderborn noch so viel Hoffnung gab. Als sei die damals in Regensburg am Bahnhof vergessene Elf wieder zurück in Hamburg und auf dem Platz – verdrängt diejenigen, die doch die Wende wollten und schaffen konnten.Wenn man nun weiß, dass der zweite Akt eines Dramas die Steigerung ist und sein Ende die Katastrophe, so konnte es einem angst und bange werden.

Aber der Kapitän ist wieder an Bord. Und so schief dieses Bild jetzt sein mag, er setzte den Startpunkt des folgenden Hurrikans. Starke Phase gaaanz kurz vor der Pause. Anschlusstreffer. Boll. Hoffnung. Den Ball mehr hineingewollt als hineingespielt, aber das reicht ja manchmal.

Nach meiner Erinnerung gab es in jüngerer Vergangenheit bloß zwei Spiele, in denen der FC St. Pauli einen Zweitorerückstand drehen konnte. Einmal gegen Rostock, magisch. Einmal gegen 1860 München, irgendwie allseits erwartet. Ich hatte trotzdem das Gefühl, es geht was. Die Mannschaft wohl auch. Sie kam mit Feuer zurück.

Gerade einmal vier Minuten nach der Pause setzte Avevor den vierten Akt. Das retardierende Moment. Diesmal jedoch aus Dresdner Sicht. Ausgleich. Nach einer Ecke. Verrückt. Und es wurde noch verrückter. Daniel Ginczek did it again, auch das nur sechs Minuten danach. Ich nehme an, das Millerntor stand Kopf. Die kleine, bescheidene und gut gefüllte Kneipe meiner Wahl tat es jedenfalls. Der fünfte Akt – die Katastrophe des Elbflorenz. Der Rest war Zittern, Unzulänglichkeiten, Kampf, Chancen… und es reichte. Es reichte zum zweiten Saisonsieg. Nichts Wichtigeres kann es geben. Manchmal muss es der pure Wille sein, ein Spiel zu gewinnen. Leben heißt Kämpfen, ich erwähnte es eingangs. Das hier, das war vielleicht der Beginn unseres Überlebens. Diese zehn Minuten. Wir werden sehen, was sie uns bringen.

Am Mittwoch sieht die Welt natürlich etwas anders aus. Auswärts im Pokal beim VfB Stuttgart, der soeben etwas glücklich die Frankfurter Eintracht mit 2:1 besiegte. Die Phrase mit den eigenen Gesetzen des Pokals ist hier eigentlich überflüssig. Es wird ein schwieriges, ganz schwieriges, momentan eigentlich fast unmögliches Spiel. Wir werden es trotzdem gewinnen. Deal?

 

PS: Sprachkritik ist ein kleines Hobby von mir. Wie ich es jedem empfehlen würde, fange ich damit bei mir selbst an. Beispielsweise wird in diesem Blog nicht durchgängig gegendert, so etwa im vorigen Satz. Das hat verschiedene Gründe. Erstens finde ich es sperrig beim Schreiben und Lesen. Zweitens denke ich in dem Kontext, der hier meistens herrscht, nicht in derartigen Kategorien. Ob das Schwäche oder Stärke ist, falsch oder richtig oder einfach einer von vielen möglichen Wegen, mag jede_r (ja, in dem Fall finde ich es wichtig) für sich selbst entscheiden. Und mir sehr gerne auch mitteilen. Ich kenne den Stand dieser Diskussion halbwegs, mich interessieren Meinungen. Eigene vielleicht sogar.

Wie ich darauf komme? Nun, dem aufmerksamen Leser wird meine gelegentliche Verwendung des Begriffes „Elbflorenz“ aufgefallen sein. Mir ist bewusst, dass diese Bezeichnung für Dresden gerade nach der Bombardierung der Stadt eine wichtige Rolle in der NS-Propaganda spielte. Man könnte das Wort insofern nicht zu Unrecht als lingua tertii imperii sehen, auch wenn sein Ursprung deutlich älter ist. Ich möchte darauf hinweisen, dass mein Bezug zu der Schönheit der Stadt Dresden ein nicht vorhandener ist. Obwohl es die wahrscheinlich gibt. Meine Besuche in Dresden beschränkten sich bisher auf Fußballspiele, ein an Körperverletzung grenzendes Fanclubturnier sowie auf Im-Schnee-Sitzen, um Menschen, die Menschlichkeit negieren, keinen Raum zu geben. In Florenz war ich noch nie. Deswegen kann das Wort hier eigentlich nicht anders als mit einem sarkastischen Unterton verwendet werden. Und genau so ist es gedacht.

Darf man das, kann man das, sollte man das, muss man vielleicht sogar? Auch hier bin ich auf Meinungen gespannt und nehme alternativ gerne auch Einladungen nach Dresden und/oder Florenz an. Man kann dieses Thema weit, sehr weit fortführen. Aber wenn das PS länger wäre als der Spielbericht, würde der Metadiskurs zum Hauptinhalt – und hey, das wollen wir doch alle nicht. Punkt. Oder beziehungsweise: Deren drei. /juli