Et hätt noch immer joot jejange

Ich weiß nicht, was der durchschnittliche Fußballfan mit dem Duell zwischen der SG Dynamo Dresden und dem SC Fortuna Köln an Emotionen, Erinnerungen, Erwartungen verbindet. Aber dies ist ohnehin kein Ort für durchschnittliche Fußballfans. Meine Emotion war, so simpel, wie ich gestrickt bin: Hingehen.

Wir beginnen also dieses rheinische Wochenende in Dresden. Zu Gast mein Heimatverein, meine eigentliche, theoretische Liebe. Wie das mit theoretischen Lieben so ist, man muss gelegentlich an sie erinnert werden. Diesen Job übernahm ein freundlicher Mensch aus dem schönen Freital – oder umgekehrt. Dank seiner Schiedsrichtertätigkeit konnte ich bereits am Freitagabend nach entbehrungsreicher Fernbusreise meine Fantätigkeit aufnehmen. Angesagt war die Freizeitliga, angesetzt war ein Spiel zwischen erstaunlicherweise zwei Mannschaften. Um die Anonymität meines Gastgebers zu wahren – und nicht etwa, weil ich mich nicht an die Namen der Teams erinnern kann – , werde ich an dieser Stelle auf weitere Details verzichten. Es war umkämpft, es war gegen Ende fast schon eine Vorstufe von Dramatik, es war ein Freitagabendsfreizeitspiel in einem Dresdner Vorort. Gewinner selbstverständlich der souveräne Schiedsrichter.

So darf ein Amateurplatz durchaus aussehen.

So darf ein Amateurplatz durchaus aussehen.

Aber da war ja noch Dynamo. Ein Verein, zu dem ich ein höchst seltsames Verhältnis hege. Oft beeindruckt, manchmal erschrocken, in der Regel erstarrt beim Versuch, sie scheiße zu finden. Ich bekomme es nicht hin. Ich bekomme es nicht hin trotz aller entglasten Mannschaftsbusse, trotz aller Gästegeisterspiele am Millerntor, trotz aller Randale und allem Osten. Ich finde die einfach nicht scheiße, es tut mir leid.

Sie boten mir auch wenig Anlass dazu, diesmal, ausnahmsweise. Mein Gastgeber nahm mich im Auto mit, wir gingen am Heimbereich entlang, es war alles gut. An der mäßig motivierten Polizeikette vorbei bahnte ich mir meinen Weg zum Gästeblock, wenngleich es da nicht viel zu bahnen gab. Die versammelten Ticketverkäufer und Ordner machten eher den Eindruck, froh über jeden Menschen zu sein, den sie an diesem Tag zu Gesicht bekamen.

Als ich den Gästeblock mit einem halbwegs frisch gezapften Feldschlößchen in der Hand betrat, wusste ich, warum. Zwar hätte ich die anwesenden Fortunen nicht mit der frei gebliebenen Hand abzählen können, allzu weit entfernt davon war es aber auch nicht. Wenn Dresden das Dortmund des Ostens ist, war Köln heute offenbar höchstens Zwickau.

Man muss in Rechnung stellen, dass die Bahnen nicht fuhren. Noch weniger fuhren als sonst. Dass Ferienanfang war. Dass man vielleicht noch von Freitag verkatert war. Dass es vor dem Gästeblock einige ganz fiese Steine gab, die man sich in die Sohlen laufen konnte. Letztlich treffend gab es aber der Ersatz-Vorsänger der Fortuna mit dem ambitioniertesten Satz dieser Welt wieder: „Und die da drüben glauben, dass sie lauter sind als Fortuna Köln?!“

Nun ja. Waren sie. Was bei einem Zahlenverhältnis von 20 000 zu 20 auch nicht unbedingt allzu schwierig ist. Und man bedenke, wir reden von Dynamo Dresden. Eine beeindruckende Wand, dieser K-Block. Man kann als Gast mitunter froh sein, die eigenen Gedanken noch zu hören. Den Gedanken beispielsweise, dass 2,80 € für ein Stadionbier gar nicht so übel sind, wenn man am Millerntor inklusive Pfand beinahe das Doppelte hinlegt. Tja. Muss man hier auch mal anbringen.

Ich mag es dort. Wirklich.

Ich mag es dort. Wirklich.

Fußball wurde ebenfalls gespielt. Der Aufstiegsaspirant gegen den Underdog, immer wieder das alte, große, wunderschöne Spiel. Fortuna begann stark, begann überlegen, erarbeitete sich von Spielanteilen und Chancen ein leichtes Übergewicht. Dann kam Dynamo. Und das gewaltig. Der Beschuss hörte kaum mehr auf, fast keine Atempausen. Aber keine Schwächen bei Torhüter Andre Poggenborg. Man rettete sich mit einem dann dennoch im weitesten Sinne verdienten 0:0 nach einigen anstrengenden Minuten in die Pause.

Inzwischen war der Fortuna-Block weiter gewachsen. Minütlich fast erklommen mehr und mehr Kölner die steilen Stufen des Rudolf-Harbig-Stadions, sodass man schon annähernd für den Heimbereich hörbar werden konnte. Wenn man allerdings schon gehört wird, sollte man Besseres als „Wir hassen Ostdeutschland“ zu bieten haben. Ich persönlich hasse eine ganze Menge, beispielsweise leere Druckerpatronen, schales Bier, lange Blogartikel, schlechten Fußball, guten Fußball, mittelmäßigen Fußball und Fußball im Allgemeinen, wenn man verliert. Ich neige aber nicht dazu, dies alles kundzutun, während mein Team gerade im Begriff ist, sich einen nicht unbedingt hochverdienten Punkt zu erkämpfen. Und Deutschland hasse ich notfalls in allen vier Himmelsrichtungen.

Die zweite Hälfte brachte keine großen Highlights, mit Ausnahme des Schlusspfiffs. Recht entspannt konnte ich das Stadion verlassen, vorbei an einer eher aus Pflichtbewusstsein aufgestellten und reichlich gelangweilten Polizeikette, mitten unter die Dynamos. Was ich hörte, war kein Hass auf deutsche Himmelsrichtungen, sondern Respekt für den Gegner. Was ich hörte, war Kritik am eigenen Unvermögen, war kein Ärger, war nüchterne, faire Analyse. Muss man auch können.

Der Schlusspfiff des Spiels war somit auch Anpfiff für einen Abend in Dresden – endlich einmal ohne Druck, zeitig in Bus oder Shuttle oder Sonderzug einsteigen zu müssen, endlich einmal ohne verplanteste Abende in der Neustadt oder gar längere Aufenthalte in meinem nur allzu vertrauten Klinikum Friedrichstadt. Dies hier ist kein Ort für Architekturkritik und auch nicht für historische Schuld und Sühne, kein Ort für richtige und falsche Elbseiten oder Solidarfonds. Der lange Abend in Dresden hat insofern hier keinen Platz. Es sei nur eines zu bemerken: Dresden, ich mag dich. Aber sag es keinem weiter.

Und wer könnte das ernsthaft anders sehen?

Und wer könnte das ernsthaft anders sehen?

Am Sonntag sollte mich wiederum ein Fernbus pünktlich zum Berliner Südkreuz bringen, um Tennis Borussia beim FC Wilmersdorf zu bewundern. Das klappte. Halbwegs. Im zweiten Versuch und wesentlich teurer als gedacht, aber es klappte. Gepäck weg, Bier geholt, Caterer aus guten Gründen boykottiert, Spiel geschaut.

Wilmersdorf war erst vor wenigen Monaten der Abschluss einer langen lila-weißen Saison. Damals ein ordentliches Spiel auf schönem, sonnigen Platz, direkt zum Auftakt der Weltmeisterschaft. Diesmal ebenso. Fast exakt ebenso. Nur dass TeBe im Laufe der Sommerpause das Toreschießen lernte. Gerecht auf beide Halbzeiten verteilt, gelang somit ein souveräner Sieg und das Aufschließen zum tasmanischen Konkurrenten vom Werner-Seelenbinder-Sportpark.

Ob Juni, ob Oktober, das Bild bleibt gleich.

Ob Juni, ob Oktober, das Bild bleibt gleich.

Weiter ging es auf dem Hamburger Weg, der kurzzeitig über Sinsheim führte. Eine Leinwand, ein Fassbier, ein eher glor- als torreiches Unentschieden des künftigen deutschen Meisters gegen die SAP-Werkself, soweit die Zutaten. Insgesamt eher wenig erwähnenswert.

Am Montagabend aber sollte das Darben ein Ende haben. Der Magische FC gastierte im Dresden des Westens, im Hamburg des Südens, im München des Nordens, im Paderborn des Westwestens, im Berlin Nordrhein-Westfalens, bei der Fortuna der falschen Rheinseite, den Halbangstmachern von der Königsallee. Mehr als zwei Wochen Pause für beide Mannschaften, mehr als zwei Wochen Zeit für Prognose und Idee. Ein Punkt sollte möglichst her, das war wohl Konsens.

Hätte klappen können. Selbst sparte ich mir die Reise in dieses Modemekka und begnügte mich mit einem zumindest zeitweise brauchbaren Fernsehbild in der Astra-Stube Neukölln. Die, wie eventuell bereits erwähnt wurde, ein gar nicht so übler Ort ist, wenn man an Fußball und Bier interessiert ist.

Hätte jedenfalls klappen können. Die erste Hälfte begann stark, Alushi vergab eine relativ gigantische Chance. Einige Minuten später konnte Düsseldorf einen Ballverlust im Aufbauspiel nutzen, um über die verwaiste rechte Abwehrseite den Angriff zur Führung zu fahren. Soweit nicht unverdient, soweit aber auch nichts unmöglich.

Die zweite Halbzeit allerdings ging weiter, wie die erste endete. Ein unangenehmes Spiel gegen eine stark pressende, schnell fallende, viel meckernde und sehr viel Zeit habende Düsseldorfer Mannschaft. Eigentlich ein Spiel, an dessen Ende kaum 22 Spieler den Platz verlassen dürften. Sie taten es dennoch, seitens des Magischen FC teils erschreckend wehrlos, ohne Punkt in der Fremde zurück nach Hause. Wo sich am Samstag der Karlsruher SC die Ehre geben wird. Und da sollte es dringend ein wenig anders laufen.

Und nicht etwa so.

Und nicht etwa so.

Sonst haben wir ein Problem. Aber erzählt es keinem. /juli

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Runde Sache

Wie schreibt man eigentlich über Fußball? Tja. Über dieser Frage brütete ich monatelang, panisch, kein Bein mehr auf die Erde bekommend oder doch mehr als je Beine habend. Am Ball vorbei, meist drüber, gelegentlich drunter, ihn selten treffend und dann meist schlecht. So entstehen Texte jedenfalls nicht. So steigt man auch nicht auf, das liegt sicherlich mit an mir.

Aber erklärt mir mal, wie denkt man eigentlich über Fußball? Gewonnen. Verloren. Eigentlich meistens verloren. Blöder Trainer. Blöder Trainer weg. Neuer Trainer da. Neuer Trainer toll. Neuer Trainer gewonnen. Neuer Trainer verloren. Neuer Trainer blöd. Neuer Trainer toll. Alter Trainer blöd. Alter Kader toll. Das klingt wie ein schlechter Neue-Deutsche-Welle-Song, nicht wahr? (Die Frage dahingestellt, ob es überhaupt gute gab.)

Ich persönlich denke über Fußball meist in exakt zwei Worten, die im Großen und Ganzen auch nicht wirklich Worte sind. Hin. Und: Da. Hin da!

Der Name dieses Blogs erinnert daran, dass für mich im Zweifel jedes Spiel ein Auswärtsspiel ist. Menschen, die die Autobahn zwischen Hamburg und Berlin auch nur einmal gesehen haben, werden mich voll und ganz verstehen. Kein Ort, an dem man seine Flitterwochen verbringen möchte. Falls man überhaupt Flitterwochen verbringen möchte. Ein Ort, den es zu überwinden gilt. Der Eiserne Vorhang des Magischen FC. Für mich persönlich jedenfalls, ganz bescheiden gesagt.

Wo wir schon bei „Eisern“ sind, können wir über den entsprechenden Gegner diverse Mutmaßungen anstellen. Sicher einer der angenehmeren Vereine aus dieser Region des Landes, bestimmt uns allen relativ wohlgesonnen. Blutsbrüder werden wir trotzdem nicht. Wer andere Menschen, wer Fans eines anderen Vereins als „Schädlinge“ bezeichnet wie gegen RB Leipzig geschehen, der kann sich meiner… gesunden Skepsis sicher sein. Also kein Freundschaftsspiel. Schade eigentlich, haben wir doch so selten.

Wäre dies ein Konzertbericht, ich würde die „Bratze-Beerdigung“ im Übel & Gefaehrlich höchst lobend erwähnen. So kann ich das leider nicht, weil meine Leser Input erwarten. Daher kann ich leider nur sagen, dass es vielleicht eins der besten Konzerte meines Lebens war, in einer Location, um die jede normal denkende Stadt dieser Welt Hamburg beneiden sollte. Reicht aber auch dazu.

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Erwacht von den viel zu Lebendigen zu den bloß Halblebendigen musste ich lediglich noch sieben Karten erwerben, um sechs davon loszuwerden, und schon konnte ich hungrig, verkatert und fernab der Heimat ins Stadion. Aus diesen Faktoren ein Erlebnis zu konstruieren, um das mich eigentlich die ganze Welt beneiden müsste, das schafft nur der magische FC.

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Und er fing ambitioniert an damit. Flanke, Budimir auf dem Weg zum Tor, Budimir gestoppt, Elfmeter. Rot. Kann man geben. Hätte ich jetzt nicht. Aber ich war ohnehin viel zu sehr damit beschäftigt, Jubel, Bierbecher, Kater und Zigarette in Einklang zu bringen, um dem Schiedsrichter hier zu widersprechen. Nöthe. Sicher. Tor. Kam mir ein wenig bekannt vor, kann man auch gerne weiterhin häufiger wiederholen.

Union rannte nun trotz Unterzahl an. Sofern „Anrennen“ bedeutet, dass man den Ball planlos nach vorne schlägt und dem Gastgeber das eigene Tor etwa so anbietet wie der Bierstand dem Fan ein neues Getränk. Die Chancen allerdings waren ähnlich exakt unter dem Eichstrich gezapft, und so ging es mit einer hochverdienten knappen Führung in die Pause.

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Nach etwa 65 Minuten wurde Lasse Sobiech von einem Gegenspieler in seiner Yogaübung gestört, indem dieser per Kopf versuchte, sein rechtwinklig gestrecktes Bein herabzuzwingen. Diese Unhöflichkeit wurde seitens des Schiedsrichtergespanns leider nicht geahndet, stattdessen wurde der meditierende Verteidiger verwarnt.

So verunsichert trat die gesamte Mannschaft des magischen FC in eine nur von gelegentlichen Sprints durchbrochene Sitzblockade ein. Was Gandhi nicht gelang, schaffte Marc Rzatkowski in der 73. Minute – die 2:0-Führung gegen inzwischen nicht mehr allzu imperialistische Unioner. Die sich folgerichtig auch nicht beschwerten, als der bislang ebenfalls recht friedlich gebliebene Philipp Tschauner kurz vor Schluss den Angriff zum verdienten 3:0 einleitete.

Ein verdienter Sieg vor dem heimischen Bunker, was will man mehr?

Beispielsweise – einen unverdienten, im höchst fremden südlichen Neukölln. Denn sofern man wieder nüchtern war oder sich jedenfalls wieder halbwegs geradeaus bewegen konnte, lockte in Rudow die Begegnung des örtlichen TSV gegen Tennis Borussia Berlin (von der virulenten Homolobby gerne auch als „TeBe“ bezeichnet).

Der TSV Rudow ist insbesondere wegen Christian Ziege bekannt. Der insbesondere wegen eines Schwarz-Rot-Gold-Iros bekannt ist. Was zum TSV Rudow passt, weil der neben Christian Ziege insbesondere wegen seiner Nazi-Fans bekannt ist. Die freuen sich jedes Jahr sehr auf das lila-weiße Gastspiel, weil sie dann zeigen können, wie sehr Nazi-Fan sie sind. Nehme ich an. Ich war noch nie Nazi-Fan.

Dementsprechend polizeilich gestaltete sich auch die Anreise. Der gemeine Rudower war im Prinzip pflegeleicht. Zwar scheißt er auf unsere bunte Welt, aber wir hatten rechtzeitig Zeitungspapier untergelegt. Ein Mittel, das man da gar nicht so gut kennt. Genau wie bunte Welten.

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Das Schlimmste, was man über dieses Spiel sagen kann, ist (neben dem Fakt, dass es in Rudow stattfand) die gesamte erste Halbzeit. TeBe wirkte etwas verkatert und der TSV Rudow entdeckte offenbar die Grenzen der faschistischen Ideologie.

In der zweiten Hälfte führte ein Blitzangriff des TSV zum Führer. Zur Führung. Aber so etwas kann man auch kontern. TeBe tat das nach etwa drei Minuten. Zehn Minuten später war Michael Fuß zur Stelle. Einer Stelle, die er im Nachhinein vermutlich nicht beschreiben könnte. Auf eine Weise, von der er im Nachhinein vermutlich keine Ahnung hat. Jedenfalls traf er. Zur Führung.

Und zum Sieg. Der Heimweg verlief erstaunlich ruhig, abgesehen von dem Hertha-Nachwuchs-Hooligan, der uns allen vermutlich in einigen Jahren ziemliche Probleme bereiten wird. Insbesondere dann, wenn er rausbekommt, wie man WordPress-Blogs zum Urheber zurückverfolgt.

Man kann nun mal nicht immer schreiben, das gebe ich zu. Aber wie wärs, wenn man öfter gewinnt? /juli

Diffidati

Ein Spiel im Kiez. Klingt erstmal gar nicht so massiv ungewöhnlich für die Auftritte der Lila-Weißen in dieser Saison und Liga, bedeutete in diesem Fall aber wirklich nur einen etwa zwanzigminütigen Fußmarsch von der eigenen Haustür bis zum Stadion. Also in etwa die zu erwartende Laufleistung der auflaufenden Akteure, womit man als Fan ja schon mal seinen Anteil am bevorstehenden Auswärtssieg hatte.

Zum BSV Hürtürkel also. Neuköllner Traditionsverein, wie man hörte und sah. Als Traditionsverein nämlich belässt man es selbstverständlich nicht mit den in der Berlin-Liga üblichen Eintrittspreisen, sondern verlangt durchaus auch mal 10 Euro für einen Stehplatz. Über eventuell existierende Sitzplätze ist bisher nichts überliefert. Legitim, könnte man meinen, würde man etwa an ein Zweitligaspiel anderer, hier nicht genannter Berliner Vereine gegen den hamburger sportverein denken. Oder so. Bei einem mittwöchigen Nachholspiel in Liga sechs eventuell etwas überzogen. Sah nicht nur ich so, sondern auch mehr als genug andere. Wenn dieser Verein schon, wie nun mehrfach berichtet, den Grauen Wölfen nahesteht, dann müssen sie von uns sicher nicht profitieren. Nicht bezüglich der Einnahmen und, wenn möglich, bitte auch nicht sportlich.

Und von ihm sowieso nicht.

Und von ihm sowieso nicht.

Die Fontanestraße ist sicherlich keine der prominenteren Adressen dieses wunderschönen Stadtteils. Dennoch führte sie uns direkt hinter den Zaun dieses wunderbaren Kunstrasensportplatzes, auf dem bald schon die Akteure der lila-weißen Borussia jeglichem eventuell erscheinenden Gegner zeigen sollten, was eigentlich dieses Spiel namens Fußball bedeutet. Eine ganze Fanszene hinter einem Zaun – in etwa so stelle ich mir die Gefangenensammelstelle Hohenschönhausen vor.

Wobei die da bestimmt kein Sterni haben. Neues Objektiv übrigens, Beifall bitte.

Wobei die da bestimmt kein Sterni haben. Neues Objektiv übrigens, Beifall bitte.

Etwas unterhaltsamer als dort war es, so vermute ich, durchaus. Angenehmer Support, eilends vom nächstgelegenen Späti organisierte Bierkästen, eine schwungvolle Anfangsphase. Lief ja ganz gut. Bis zum ersten Gegentor, wie meistens. Dass diesem ein Ausgleichstor folgte, gehört zu den positiveren Aspekten jener Begegnung. Dass dieses heckenbedingt eher unsichtbar für die Mehrzahl der Beteiligten war – nun, ist halt Fußball.

Aber man sah schon gut.

Aber man sah schon gut.

Hürtürkel hatte jedoch bereits realisiert, dass die nicht allzu kurze Winterpause tatsächlich beendet war. Dies äußerte sich in einem wiederum raschen Gegenzug und dem Führungstreffer. Immerhin nicht per Fallrückzieher aus zwanzig Metern wie jüngst in Adlershof, durchaus aber mit so geflissentlichem wie berechtigtem Ignorieren der gegnerischen Abwehrversuche.

Durch kam halt außer Hürtürkel keiner. Auch dieser Eiswagen verkaufte keineswegs Eis.

Durch kam halt außer Hürtürkel keiner. Auch dieser Eiswagen verkaufte keineswegs Eis.

Wie das nun einmal in diesem Sport der Fall sein kann, folgte auf ein 2:1 auch ein 3:1. Der insgesamt sehr souveräne und für die Verhältnisse dieser Liga erstaunlich normalgewichtige Schiedsrichter ließ unfassbarerweise wirklich mal einen Vorteil laufen, was einer jener gewiss höchst prominenten, für mich aber namenlosen Hürtürkel-Spieler für einen wunderbaren Heber nutzte. Der ziemlich ordentlich saß. Kann passieren. Gerade bei TeBe.

Ähnlich ansprechend war das 4:1, bei dem der lila-weiße Torwart die Annehmlichkeiten eines Kunstrasenplatzes liegenderweise angemessen auskosten konnte. Etwas blöd, so vor der Pause. Man fühlte sich ein wenig wie Wolfsburg am Tag zuvor im Pokal gegen den FC Bayern. Nur, dass noch deutlich mehr Zeit zu spielen, vielmehr: Zu verspielen war.

Und die Spannung war sowas von hoch.

Und die Spannung war sowas von hoch.

Das jedoch passierte nicht. Unter dem frenetischen Jubel der angereisten Jahnsportplatzverweigerer hielt TeBe heldenhaft das 1:4 und verwies somit den VfL Wolfsburg auf die Plätze. Auf welche Plätze genau, dies wird von zukünftigen Blogautorengenerationen zu klären sein. Und genau auf diese verweise ich nunmehr, verbleibend mit dem Hinweis auf ein sicherlich wiederum unvergessliches Erlebnis beim Heimspiel gegen Mahlsdorf am kommenden Sonntag. Vorher irgendwann spielt auch noch der Magische FC. Ich wollte es bloß gesagt haben. /juli

Die Stadt der Farbenblinden

Es mag in meiner Leserschaft Menschen geben, die sich wundern, dass ich schon wieder zum Schreiben in der Lage bin. Ihnen allen möchte ich zurufen: Geht so.

Zurück also, zwischendurch mal, aus Südafrika ins kalte Berlin. Mag sein, dass ich inzwischen eine Mehrzahl meiner TeBe-Artikel so einleite, wahr ist dennoch: Adlershof gehört nicht eben zu meinen Lieblingsregionen dieser Stadt. Nichtsdestotrotz liegt es fast vor der Haustür, obwohl mein Wohnsitz sich entgegen der Meinung von Facebook und – anderer von mir genutzter Internetportale keineswegs im Ostteil der Stadt befindet. Ein Bus fährt trotzdem von der Haustür aus bis fast in die Spielerkabinen des Adlershofer BC, wo am Samstag Tennis Borussia Berlin zu einem erneuten Versuch antrat, die Winterpause endgültig zu beenden. Ein guter Grund also, den Zugtreffpunkt an der Hermannstraße auszulassen und sich wie üblich mit viel zu knappem Zeitplan direkt auf den Weg zu begeben.

Das Wetter eiskalt, aber immerhin kein Schnee. Die Laune durchaus gut, hatte doch der Magische FC am Vorabend in üblich dramatischer Weise den Tabellenletzten aus Regensburg mit einem Last-Minute-3:2 in Unterzahl bezwungen. Angesichts der grauen Haare, die ich diesem Spiel bereits jetzt zu verdanken habe, wird es hierzu keinen gesonderten Bericht geben. Meine St.-Pauli-Rückrunde startet bloggenderweise erst am Freitag beim Spiel an der Alten Försterei.

Er bekam noch genug zu tun.

Er bekam noch genug zu tun.

Nachdem nun ein guter Teil meiner Stammleser verjagt sein dürfte, kann es ja losgehen. Einige Minuten nach Anpfiff, für meinen Teil. Auf einem Sportplatz, dessen wirklich einziger Vorteil der dortige Auftritt der Lila-Weißen war. Die durchaus gut und gefällig nach vorne spielend begannen, ihrer Favoritenrolle Taten folgen zu lassen. Nach rund 25 Minuten, wenn ich meinem Gefühl trauen darf, war es dann so weit. Ein hochverdientes 1:0 für TeBe. Zimmermann, wie ich dann spätestens bei Auswertung meiner Fotos erkennen konnte. Und es ging ähnlich ordentlich weiter, eine Viertelstunde später folgte das 2:0 durch Greinert. Konnte man so machen. Mit einem befremdlichen Gefühl souveräner Führung im Rücken ging es Richtung Halbzeit, Richtung Vereinsheim, Richtung Wärme.

Dieses Foto, im Übrigen, wertete ich hierfür aus.

Dieses Foto, im Übrigen, wertete ich hierfür aus.

Wohl allein die Tatsache, dass jenes Vereinsheim keine Fenster in Richtung des Spielfeldes besaß, hielt mich davon ab, Opfer meiner eigenen Bequemlichkeit zu werden und die 2. Hälfte im Warmen sitzend zu verbringen. Die Berlin-Liga ist nun mal kein Ort für derartige Befindlichkeiten.

Ebenso wie TeBe kein Team für souveräne Siege ist. Dafür gab es nun in einer wirren zweiten Halbzeit große Kunst zu bestaunen. In Minute 63 wuchtete ein Spieler des Adlershofer BC sich in rund 18 m Torentfernung in ibrahimovicsche Höhen und den Ball per Fallrückzieher in perfektem Bogen unhaltbar zum Anschlusstreffer ins Tor. Einer der sehenswertesten Treffer, die ich in dieser Liga bisher miterleben durfte.

Er führte zu kollektivem Zittern, nunmehr nicht bloß wetterbedingt. Lila-Weiß vergaß auf einen Schlag so ziemlich alles, was in Hälfte eins noch gut bis hervorragend lief. Unpräzise Pässe, harmlose Torschüsschen, teils katastrophales Stellungsspiel und unmotiviert geführte Zweikämpfe ergaben eine mitunter grauenhafte und gleichzeitig durchaus vertraute Mischung. Der beliebteste Ort auf dem Platz war nunmehr das Abseits.

Auch dieser Pass kam nicht an. Glaube ich.

Auch dieser Pass kam nicht an. Glaube ich.

Nutzen konnten die in Regensburg-Optik gekleideten Adlershofer dies nicht mehr. Zur Enttäuschung ihrer heute nicht unbedingt zu Support aufgelegten Ultra-Gruppierung sowie diverser eher zweifelhafter Anwesender mit unschönen Worten wie „Stolz“ auf ihren Jacken blieb es beim 2:1 für TeBe. Ein insgesamt doch verdienter und nicht unwichtiger Auswärtssieg, will man den Blick weiter fest auf die Tabellenspitze gerichtet halten.

Machte seinen Job eher mäßig. Bekam das mit dem Schlusspfiff aber gut hin.

Machte seinen Job eher mäßig. Bekam das mit dem Schlusspfiff aber gut hin.

War damit das Pflichtprogramm meines Fußballwochenendes erledigt, so folgte nun die Kür. Ein wenig Bundesliga-Konferenz im Vereinsheim. Trotz meiner FC-Bayern-Sympathie etwas bedauerlich deren Sieg gegen starke Düsseldorfer. Für die Liga natürlich gut, denn so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man sich bald über andere Dinge als den Meistertitel unterhalten darf. Wird auch mal Zeit. Wolfsburg mit einem eher absurden Sieg. Zudem durchaus brauchbares Fassbier.

Was folgte, war der S-Bahnhof Adlershof. Es gibt schönere Orte auf der Welt, insbesondere wenn gerade die Anhänger eines Köpenicker Zweitligisten von ihrer Auswärtsniederlage in Cottbus zurückkehren. Diejenigen aus unserer Reisegruppe, die einen lila-weißen Schal trugen, wurden folgerichtig als „Scheiß-Herthaner“ beschimpft. Mich erinnerte das an eine ähnliche Situation vor einigen Wochen in der Ringbahn, als ein Fan ebenjenes Westberliner Vereins mir angesichts meines braun-weißen Schals erklärte, warum er Union nicht mag. Es ist eben, zu bestimmten Uhrzeiten in gewissen Situationen an diversen Wochentagen, die Stadt der Farbenblinden. Als die Freunde von der anderen Mauerseite dies auch erkannten, stimmten sie immerhin noch den beliebten Klassiker „Lila-Weiß ist schwul“ an, von uns begeistert unterstützt. Ihre Verwirrung hierüber (wohl vor allem angesichts der sie begleitenden Dame mit lila-weiß gefärbten Haaren) hielt nicht lange an, sodass es noch dazu reichte, das DDR-Volkslied „We hate TeBe and BFC too“ anzustimmen, bevor sich die Aufzugtüren endlich schlossen.

Derartig eingestimmt auf sämtliche Absurditäten, die ein Tag potentiell noch bereithalten kann, machten wir uns auf den Weg Richtung Schokoladen, wo die Partizan-Minsk-Soliparty sich bereits vorbereitete, uns einige Situationen entsprechender Qualität zu bescheren. Es sei soviel verraten: Erfolgreich. Aber das, da bin ich überzeugt, wissen andere Menschen sogar noch besser als ich. Dies jedoch, trotz meiner natürlich völlig unabsichtlich irreführenden Tag-Setzung zu diesem Artikel, ist eine völlig andere Geschichte. /juli

Im Winter tuts weh

Wo sind wir jetzt? Körperlich: In Berlin, allem Anschein nach. Geistig: Weit, weit weg. Irgendwo zwischen Durban und Cape Town, mitten im Afrika-Cup. Die Wahrheit aber, die bekanntlich auf dem Platz liegt, sollte sich diesmal im Mommsenstadion befinden. Angeblich bespielbarer Rasen, nun gut. Es war schließlich nicht der erste Versuch, das Spiel zwischen Tennis Borussia und dem 1. FC Wilmersdorf auszutragen. Ein Derby, natürlich – was sonst.

Hauptantrieb die Hoffnung auf Glühwein. Dabei nach Kräften den Winter und die Niederungen von Liga 6 ignorieren, viele nette Leute wiedersehen. Auch im Kopf die Winterpause, für mich gefühlte Sommerpause, endlich abschließen. So als Vorbereitung für den Magischen FC, Sonntag im berüchtigten Sandhausen zu Gast. Wahrlich klangvolle Namen, Wilmersdorf, Sandhausen. Fernweh, Fernweh, Fernweh.

Bringt ja nüscht. Auf zum Hermannplatz, ab zur Hermannstraße, rüber zum Westkreuz, runter zur Messe Süd. Der Eichkamp, endlich wieder. Man hat es ja doch vermisst, den eiskalten, unbeleuchteten Wald, hinter ihm aufragend die Flutlichtmasten dieses nicht unbedingt wunderschönen, aber nun mal vertrauten Tempels, einer Religion geweiht, deren fanatische Gläubige zugegeben höchst merkwürdigen Göttern huldigen. Das auf ebenfalls merkwürdige und dennoch unübertroffen charmante Weise. Genug der Vorschusslorbeeren, Zeit für Fußball. Oder eben dessen Abart, die in der Berlin-Liga gepflegt wird.

Jedenfalls aber ist man immer unter gut informierten Experten.

Jedenfalls aber ist man immer unter gut informierten Experten.

Ich umschrieb TeBe-Spiele einmal als nette Freitagabendunterhaltung, irgendwo zwischen Slapstick, Sport und politischem Kabarett. Das stimmt zweifellos. Zugeben muss ich dennoch, dass sich mein Verhältnis zu diesem Verein und seinen Fans mit der Zeit gewandelt hat, intensiver geworden ist. Nicht, dass ich dadurch lobendere Worte fände. Aber die wenig schmeichelhaften Formulierungen sind immer ironischer. Vermutlich geht es nicht anders, wenn man sich hierauf einlässt. Es erwischt doch jeden. Der Beifahrersitz in meinem Fußballherz, er hat einen lila-weißen Lammfellbezug. So schrecklich diese Vorstellung rein optisch (und besonders für das betreffende Lamm) auch sein mag.

Mir persönlich hätte ein wenig Fell an diesem frostigen Abend ganz gut getan. Der Versuch, diesen Mangel durch mehrtägigen Rasurverzicht auszugleichen, spendete verhältnismäßig wenig Wärme. Das Bier, das ich immer dann trinke, wenn ich vorher erzähle, ich freute mich auf Glühwein, half ebenfalls nur bedingt. Die Kamera tat ihre Arbeit, es ist eben eine Pentax. Werbeblock beendet.

Was sie aber festhielt, erschreckt ein wenig.

Was sie aber festhielt, erschreckt ein wenig.

Der grüne Rasen. War nicht da. Stattdessen eine dichte weiße Decke. Bespielbar? Nun, das kann man so sehen. Wenn man ebenfalls Glühwein mag. Ich persönlich hielt es eher für absurd. Aber für Absurditäten ins Mommsenstadion zu fahren, ist ja ohnehin eher Regel als Ausnahme. Insofern kein großes Problem.

Die ersten 20 Minuten völlig zum Vergessen. Das war exakt die Zeit, in der ich noch fotografieren konnte, ohne zu erfrieren. Danach dann aus reinem Selbstschutz nicht mehr – und prompt die Führung für TeBe. Und der Ausgleich. Beides Tore, die ohne Schnee wohl eher nicht gefallen wären. Afrikanische Torhüterleistungen bewunderte ich in den letzten Wochen zu Genüge, dies war auch bei TeBe nun recht gut möglich und qualitativ entsprechend.

Jedenfalls zweikampflastig war es. Wenn mal mehrere Spieler gleichzeitig nicht die Orientierung verloren.

Jedenfalls zweikampflastig war es. Wenn mal mehrere Spieler gleichzeitig nicht die Orientierung verloren.

Erneuter Führungstreffer, kurz vor der Halbzeit. Das wohl einzige Tor, das auch unter normalen Bedingungen gefallen wäre. Schöner Pass auf den Fuß von Tolentino, wunderbarer Volley, unhaltbar, drin. Aber relativ egal, im Gegenzug nämlich schon das 2:2. Ein Gefühl von Sinnlosigkeit und Kälte breitete sich dann doch immer weiter aus. Immerhin Halbzeit, bevor man vollends die Übersicht verlor.

Insgesamt wurde mehr gelegen als gestanden.

Insgesamt wurde mehr gelegen als gestanden.

Die zweite Halbzeit brachte weniger Spektakuläres, das allseits erwartete 7:7 gab es somit nicht zu sehen. Dafür ein drittes Mal die Führung von TeBe. Rückkehrer Kirstein schiebt, rutscht, arbeitet den Ball ins Tor. Sogar ein 4:2 kommt obendrauf, theoretisch. Angebliches Abseits, den Torwart irritiert. Nun – wenn man einen solchen Rasen für bespielbar hält, kann man das wohl in der Tat so sehen.

Der E-Block jedenfalls sah es anders. Wobei sich der Großteil der etwa 300 Zuschauer diesmal auf der Haupttribüne aufzuhalten bevorzugte.

Der E-Block jedenfalls sah es anders. Wobei sich der Großteil der etwa 300 Zuschauer diesmal auf der Haupttribüne aufzuhalten bevorzugte.

Auch der nach vorne eilende Gästetorwart sowie der Schiedsrichter, der angesichts der immensen Nachspielzeit wohl wirklich so richtig Lust auf das Spiel hatte, änderten daran nichts mehr. Ein Sieg zum Auftakt des Fußballjahres 2013, im weitesten Sinne Anschluss an die wie auch immer definierte Spitze der Liga gefunden. Es tat weh, ja. Aber es tat auch gut. Diese beiden Attribute wiederum kann man auch für die folgende dritte Halbzeit gelten lassen. Ach, naja. Freitagabend in Berlin. Fazit: Das passt schon. Genauso wie die Schneeballschlacht nach Abpfiff, auch wenn sowas mit Fußball natürlich nun wirklich gar nichts mehr zu tun hat. Aber darüber sprachen wir ja schon. /juli

Ohne Polizei

Wieder Freitagabend, wieder Mommsenstadion. Wieder ein Highlight. Diese Berlin-Liga ist so ein bisschen wie indisches Essen: Meistens recht ähnlich im Geschmack, gelegentlich etwas fleischlos, aber eigentlich doch immer ganz geil. Und nicht allzu teuer. Wenn es einen Oscar für schiefe Vergleiche gäbe – nun ja. Mahlzeit. Diesmal jedenfalls eine Tour in den tiefen Westen ganz ohne berittene Polizisten, ganz ohne Kommerzmüll, ganz ohne Anti-Antifa-Parolen. Ein schöner Kontrast zu Montag. Amateurfußball kann so erholsam sein.

Das dieswöchige Derby fand also gegen Türkiyemspor statt. Einem Kreuzberger Verein, der in den 80ern und 90ern drittklassig mit tausenden von Fans für Furore sorgte. Den aber, wie so viele Vereine in dieser Spielklasse, auch Finanzsorgen plagen. TeBe dürfte das bekannt vorkommen. Immerhin gab es bisher meines Wissens keinen Song von Landser, der sich mit TeBe befasst. Das ist bei Türkiyemspor anders. Macht sie keineswegs unsympathischer. Ich hoffe, nicht den Inhalt des Songs beschreiben zu müssen, um diesen Satz verständlich zu machen. Und vermutlich ist es das Vorrecht des St. Paulianers, selbst bei einem derartigen Spiel im Vorspann gleich zweimal von Faschoscheiße zu sprechen. Oder aber das Vorrecht des Andereskennenden. Whatever.

Meine persönliche Hoffnung, es sei diesmal mit einem ansehnlichen Gästeblock zu rechnen, wurde allerdings enttäuscht. Auch in Kreuzberg sind die großen Zeiten vorbei. Eine Liga des Ruinierten, irgendwie. Oder des wieder aufwärts Strebenden, will man es positiv sehen. Sehen wir es lieber positiv. Sechs Punkte fehlten TeBe vor dem Spiel in Richtung Tabellenspitze. Angesichts der letzten, äh, Spiele durchaus überraschend. Da ist halt immer alles drin.

Ein paar Menschen hatten sich dennoch eingefunden, diesem Klassiker beizuwohnen. Ich auch schon wieder. Langsam dürfte sich eine Dauerkarte fast rentieren. Das Kölner Südstadion jedenfalls ist als mein meistbesuchtes Stadion inzwischen überholt worden. Auch eine Art, zum Berliner zu werden. Oder zum Westberliner. Oder nix davon, keine Ahnung.

Ein paar Menschen. Mindestens einer davon recht enthusiastisch.

Spielerisch durchaus ansehnliche erste Hälfte. Der Führungstreffer für TeBe in Minute 27, markiert durch Akgün. Nein, ich beherrsche die Namen immer noch nicht so wirklich. Aber ich hab in der 52. Minute ein Foto von der Anzeigetafel gemacht. Die zu diesem Zeitpunkt sogar mal funktionierte. Bis dahin kann ich also Sachverstand vortäuschen und danach dürfte der Leser ohnehin schon derartig hingerissen sein, dass meine sonstige Ahnungslosigkeit kaum mehr auffällt.

So sah das nämlich aus. Entweder progressiv oder optimistisch, ein solches Foto zu einem solchen Zeitpunkt.

Akgün also, mit einem Ball, der in diesem Stadion normalerweise fünf Meter über dem Tor oder aber mit der Geschwindigkeit eines durchschnittlichen M41er-Busses in den Armen des gegnerischen Torhüters landet. Es gibt sie noch, diese Wunder.

In Minute 33 dann auf der Gegenseite ein Elfmeter, für den das Attribut „merkwürdig“ schmeichelhaft wäre. Phrasenschwein sagt: Elfmeter ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Das tat er. Drin war das Ding auch. 12 Minuten später pfiff er ein weiteres Mal, Halbzeitstand also 1:1. Immerhin seit längerer Zeit keine grausame Leistung von TeBe, das machte Mut. Die Führung wäre durchaus verdient gewesen. Fand auch der gleich mehrfach etwas verfrüht anwesende Weihnachtsmann im schicken Union-Rot. Ja, das war Provokation. Ist mal nötig, hier einen anderen Ton anzuschlagen, wenn sich selbst letzte Woche nur ein einziger höchstpersönlich gezählter Herthaner über die bösen Unterstellungen dieses Blogs aufregte.

Die zweite Hälfte ließ sich gut an, will sagen, sehr gut, will sagen, mit der Führung in Minute 47. Die hab ich persönlich so irgendwie quer durch den Zaun mitbekommen, nebenbei mangels anderer technischer Möglichkeiten immerhin den Torjubel teilweise eingefangen. Mehr ging nicht. Ohne, dass ich mich jetzt auch hier noch über Auslöseverzögerungen oder mangelnde Lichtstärke auslassen werde. Das kann sowieso keiner mehr hören und darum wird sich demnächst gekümmert.

Das da hinten ist nämlich eine Jubeltraube und nicht etwa ein Freistoßausführungsplenum oder so.

Auf dem Platz ging aber noch so einiges. Zum Beispiel ein wunderschön herausgespieltes 3:1. Recht untypisch für TeBe – ein Angriff, der nicht nur bis zur Torlinie aus tollen Kombinationen bestand, sondern sogar darüber hinweg. Per elegantem Abstauber. Da scheint eine Mannschaft ihre Torgefahr wiederzuentdecken. War nach dem Tasmania-Offensiv-Slapstick in der Vorwoche nicht unbedingt zu erwarten.

Der Rest dann Formsache. Irgendwie. Also so Formsache im TeBe-Style. Man muss sich natürlich ein 3:2 fangen. Erstaunlich war das erkonterte 4:2, das diesem Sieg ein völlig ungewohntes Gefühl gab. Er wirkte fast souverän. Nett der Wechselgesang mit der Mannschaft. Und nett, mit einer solchen Erkenntnis den Rückweg aus Charlottenburg anzutreten. Kann man gerne mal wieder so machen.

Damit dann auch Ende der Fahnenstange für Türkiyemspor. Bis zum nächsten Mal, hoffentlich, und alles Gute fürs Insolvenzverfahren.

Aus Traditionsgründen stand im weiteren Verlauf des Abends noch eine Runde Groundhopping durch Neuköllner Eckkneipen auf dem Plan. Hierzu keine weiteren Informationen. Nur soviel: Die hiesigen Bierpreise erfordern wirklich ein erstaunliches Maß an Selbstkontrolle. Das ich gestern bewiesen hab, wofür ich mir jetzt selbst ein wenig auf die Schulter klopfen werde. So in etwa bis morgen um 13:30 Uhr. Millerntor. Duisburg. Ich nicht da, leider. Freu mich drauf, trotzdem. Wird gut. Vielleicht gar souverän. /juli

TeBe ist überall

Hätte ich diesen Artikel mit meinem Handy geschrieben, so wäre es vermutlich ein recht überraschender Bericht über Tansania geworden. Der glorreiche SV Tasmania Berlin ist nicht mehr relevant genug für die Autokorrektur. Dabei hat er doch – vielmehr: sein Vorgänger SC Tasmania 1900 – große Berühmtheit durch sein Abschneiden in der Bundesligasaison 1965/66 erlangt, in der Tasmania… tja, stets redlich bemüht war. Einige der damaligen Minusrekorde bestehen bis heute. Andere wurden erst in der Saison 2009/2010 durch einen allseits beliebten Spandauer Zweitligisten unterboten.

Werner-Seelenbinder-Sportpark also. Rixdorf. Vulgo: Bezirk Berlin-Neukölln. Weltweit bekannt durch brennende Mülltonnen mit Migrationshintergrund und den Mangel an anständiger deutscher Wurst. Ein Glück, dass ich in Kreuzberg wohne und nicht in dieser schweinefleischbefreiten Zone. Das wird man ja wohl in diesem eurem Lande noch sagen dürfen.

Während ich solches Zeug erzähle, machen jene Herren sich schon mal auf den Weg.

Die von dort anfallenden 200 Meter zum Hermannplatz legte ich also wie immer fröhlich ehrenmordend und drogenkonsumierend zurück. Vorbei an den beiden dort beheimateten Wurstständen – auf Kreuzberger Seite, wohlgemerkt. Das ist ja wichtig. In Vorfreude auf ein Spiel, das immerhin wieder einmal ein Aufeinandertreffen zweier ehemaliger Berliner Bundesligisten bedeuten sollte. Zwei von vier. Was TeBe angeht, bereits die zweite Veranstaltung dieser Art in der laufenden Saison – die erste verlief gegen Blau-Weiß 90, nun, nicht übel. Es wäre insofern nicht vermessen, TeBe als eindeutige Nummer eins der Stadt anzuerkennen. Wenigstens misst man sich mit den hiesigen ehemaligen Bundesligisten. Das können die Spandauer nicht von sich behaupten.

Dennoch, sieben lila Tore waren diesmal eher nicht zu erwarten. Dafür reichlich Publikum in Braun-Weiß, schon angesichts der günstigen Lage unweit der Astra-Stube und des für Nicht-Berliner zeitlich natürlich absolut hervorragenden Anstoßes der St.-Pauli-Partie bei Hertha am Montag um 20:15 Uhr. Was bei denen in der Wurst ist, weiß ich übrigens nicht.

Das Stadion, nun, ist ein eher simples. Mit hervorragender Auswahl an Getränken und sonstigem allerdings. Die Tüte gemischter Süßigkeiten für 50 Cent verführte durchaus, das Bier für 2 Euro noch wesentlich mehr. Trotz sehr glühweintauglicher Temperaturen. Den gab es auch, aber nicht allzu lange. Genauso wie – hey, Wurst.

Die waren auch alle da. Sogar noch mehr. Aber ich wollte herbstliche Tristesse vermitteln.

Spielerisch lief es wie bei TeBe zuletzt üblich. Phasenweise fast drückend überlegen und mit besten Torchancen, aber ohne Zählbares. Bei Tasmania umgekehrt, somit recht glückliche 1:0-Führung für die Gastgeber zur Halbzeit. In Hälfte zwei änderte sich daran nichts, vom erwartbaren Seitenwechsel einmal abgesehen. Das 2:0 also als logische Folge der eigenen Harmlosigkeit. In der Nachspielzeit erzielte Lila-Weiß dann zwar noch den Anschlusstreffer, das kam aber eindeutig zu spät. Resultat: Der Schlusspfiff und eine unnötige, unbefriedigende Auswärtsniederlage.

Auch er konnte das nicht so richtig ändern.

Einige Spieler von Tasmania sahen das etwas anders und fühlten sich offenbar dazu aufgefordert, den Gästefans sehr deutlich zu zeigen, wer gerade das Spiel gewonnen hat. Kam nicht unbedingt gut an. Auch nicht bei der Mannschaft. Als Bonus somit noch eine kleine dritte Halbzeit inklusive roter Karte für einen TeBeler. Warum, weiß ich nicht genau. Vermutlich Tätlichkeit oder so. Was man halt macht, wenn sich nach Schlusspfiff alle gegenseitig durch die Gegend schubsen. Irgendwie ähnlich wie letzte Woche.

Da geht es vermutlich um die Wurst.

Nur ohne Punkt, diesmal. Und das, obwohl man nicht eben behaupten kann, Tasmania sei mit TeBe Schlittschuh, äh, Schlitten gefahren. Nun, TeBe ist überall. Manchmal ärgert man sich ein wenig, dass man auch dabei war. Obwohl – nein, eigentlich nicht.

Direkt nebenan hingegen fuhr man Schlittschuh. Es ist ja nicht alles schlecht in Neukölln, angeblich.

Gleich geht’s los Richtung Spandau. Der Besuch bei der alten Dame. Kaffeeklatsch wird es wohl eher keiner werden, was eigentlich etwas bedauerlich ist. Wobei mir ein Auswärtssieg in jedem Fall lieber wäre. Sofern sich noch irgendwo elf braun-weiße Spieler auftreiben lassen. Man möge gespannt sein. /juli