Aber vorher geht es noch mal um TeBe

Meine Gedanken sind auf Montag gerichtet, wie es die von jedem Fan auf Entzug wären, würde sein Team an diesem unaussprechlichen Tag spielen. Keine Frage. Unterbrochen vielleicht durch ein paar Intermezzi (jaja!) wie dem Nachholspiel von TeBe am heutigen Abend in Köpenick oder auch meinem Besuch bei der einzigen Fortuna zum Gastspiel (jaja!) in Dresden. Unterbrochen sicherlich nicht durch irgendwelche allzu deutschen Mannschaften, die an irgendwelchen allzu deutschen Orten dieser Welt auf irgendeine allzu deutsche Weise völlig verkacken. Das kann man getrost ignorieren, und ein weiteres Wort hierzu wird man an dieser Stelle vergeblich nicht suchen.

Um die nervtötend laute Stille jener „Länderspielpausen“ zu füllen, gibt es schließlich Landespokale. Oder, um es mit TeBe zu sagen: Es gab sie.

Beginnen wir doch mit dem SV Babelsberg 03. Dem gelang es nämlich am Freitagabend, im sicherlich vernachlässigenswert schönen Luckenwalde, die dort beheimatete Sportmannschaft, deren Name mir soeben entfiel, mit 3:0 abzufertigen. Das bezeichnet man wohl als souverän. Souveränität, die man mit 03 grundsätzlich eher selten verbindet. Machte Hoffnung für den anstehenden lila-weißen Pokalauftritt bei Eintracht Mahlsdorf.

Ich persönlich wusste nicht, wo Mahlsdorf liegt. Um genau zu sein, weiß ich es bis heute nicht. Auch eine Auswärtsfahrt kann geographisch manchmal wenig hilfreich sein. Insbesondere, wenn man sich müht, sie zu vergessen.

Wir begannen daher für einen Sonntagmittag angemessen verkatert am östlichsten Rand meines Bewusstseins, dem S-Bahnhof Ostkreuz. Begrüßt von einigen Unentwegten, die wie ich selbst nach wie vor die angekündigte Uhrzeit von TeBe-Fantreffs für bare Münze nahmen. Ein Fehler möglicherweise, aber eine Chance zum Wachwerden.

Jenseits von Böse und Böser, jenseits von Lichtenberg und Biesdorf, erreichten wir unser Ziel. Zwischenziel. Freundlich begrüßte uns „Röschen’s Intimvitrine“, für meine Begriffe noch wesentlich freundlicher eine Bushaltestelle in Richtung Stadion. Linienbusauswärtsfahrten wären etwas, was mir fehlen würde, sollte TeBe endlich mal Gründe dafür liefern, dass es mir fehlen muss.

Und das ist auch schon alles, was ich über diesen Ort fotografisch zu sagen hätte.

Und das ist auch schon alles, was ich über diesen Ort fotografisch zu sagen hätte.

Der soziale Wohnungsbau in Mahlsdorf beschränkt sich im Wesentlichen vermutlich auf Garagen für jene, die nicht wissen, wo sie ihre Limousine abstellen wollen. Diejenigen, die bislang nicht von ihm profitierten, parkten den Sportplatz am Rosenhag zu. Was durchaus auch keine allzu schlechte Behandlung ist für ein Stadion mit Laufbahn und ohne Tribünen. Es sei immerhin zu erwähnen, dass der weit gereiste Fan für sein Steak im Brötchen bloß drei Euro bezahlte. Es sei denn, er reiste noch weiter bis zum nächsten Grill, wo er weitere fünfzig Cent sparte. In Mahlsdorf wird Engagement belohnt.

So war es, scheinbar, auch für TeBe. Raychouni lief, schon um sich die lange Anfahrt zu sparen, durch ganz Mahlsdorf und traf dann auch noch das Tor. Wie zuletzt bei der National… nein. Es war besser als etwaige Nationalmannschaften, ein episches Solo, das die TeBe-Fankurve vor Stolz oder Alkoholentzug oder beidem erzittern ließ. Somit stand nach der ersten Hälfte die erwünschte, erwartete, verdiente Führung im Cottbuser Westen zu Buche.

Kurz nach der Pause meldete sich Mahlsdorf zurück. Und nachdem TeBe diverse Großchancen vergeben hatte, konnte man dies relativ effektvoll mit dem Ausgleich zum 1:1 tun. Das Spiel kippte zusehends. Wo vorher lila-weiße Kurzpassstaffetten das Geschehen prägten, regierte nun das engagierte, kämpferische Spiel der Eintracht.

Folgerichtig ging der Gastgeber kurz vor Schluss in Führung und gab diese auch nicht mehr her, wenngleich TeBe in der Folge ein klarer Handelfmeter verweigert wurde. So setzte sich also das glanzlose Ausscheiden in frühen Phasen des Pokals gegen ebensowenig glanzvolle Gegner nahtlos fort.

Im Nachgang gab es noch Auseinandersetzungen mit der sicherlich höchst feierwilligen Heimmannschaft sowie einigen sicherlich höchst feierwilligen Heimmannschaftsfans, die es als Teil ihrer Feier ansahen, TeBe-Fans transphob zu beleidigen und körperlich zu bedrohen. Nun, es hat jeder eine andere Vorstellung von Spaß.

Und in so einem Fall weiß ich sehr gut, warum es im Zweifel immer noch mehr Spaß macht, bei den sportlichen Verlierern zu stehen. Steigt man halt stattdessen auf. /juli

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Am Nordend der Welt

Das größte Stadion von ganz Wilhelmsruh. Übrigens noch mit dem Handy fotografiert, Kamera dauert.

Tag der deutschen Einheit. Mir ja egal. Aber heißt: frei. Okay, als Student ist das ein wirklich ziemlich relativer Begriff. Jedenfalls hatte ich Zeit. Zeit, um ans Ende der Welt zu fahren. Zeit für den Pokalkracher des Tages – Bezirksligist Concordia Wilhemsruh gegen Berlinligist Tennis Borussia. Ost-West-Derby also sogar. Fehlten eigentlich nur noch die Scorpions.

Die Hinreise – ich sage bewusst nicht Fahrt – gestaltete sich, freundlich formuliert, katastrophal. Auch ohne Mauer. Halloumi am U-Bahnhof Wittenau: Durchaus essbar, für eine ausdrückliche Empfehlung reicht es aber nicht. Konnte das sowieso nicht richtig genießen, weil die drei Minuten bis zur Ankunft des Busses dafür ein wenig knapp bemessen waren. War leider der falsche. Was ich ein wenig spät bemerkte. Den Versuch, meinen Fehler noch zu korrigieren, ignorierte der Fahrer des anderen Busses – womit ich dann verhältnismäßig verlassen am Märkischen Zentrum stand. Das nichts mit irgendeinem Aspekt zu tun hat, den man dem Wort „Zentrum“ normalerweise abgewinnen könnte.

Lange Fahrt kurz erzählt: Am Ende doch da. Vermutlich das kleinste Stadion Berlins mit eigener Bushaltestelle: Die, Vorsicht, Nordendarena. Das stolperfrei zu schreiben, ist ähnlich schwierig wie es zu lesen, aber als passionierter Dangerseeker hab ich ja auch todesverachtend auf den Bindestrich verzichtet. Korrekt also: Nordend-Arena.

Man kann nun lange darüber streiten, inwieweit der Name „Arena“ für ein solch monumentales Bauwerk eventuell die falsche Dimension haben könnte. Stattdessen kann man das Positive sehen: Es gab Kuchen. Und der Eintritt, gerade mal zwei Euro. Zehn Steher für nen Zwanni quasi. Die zehn Bier für nen Zwanni hätten nicht ganz gepasst. Zehn Bälle hätte man allerdings für nen Zwanni bekommen – gebrauchte Markenfußbälle, Replikas natürlich. Respekt, gute Sache. Insgesamt alles schwer okay, typisch Berliner Amateurfußball. Die Leute und die Musik fielen nicht weiter auf. Bis auf die Vereinshymne – Concordia, ein ganzes Leben lang. Nee, muss nicht, sorry.

Hätte nicht gedacht, dass Berliner Fußball dermaßen dörflich sein kann. TeBe schien dadurch nicht sonderlich irritiert, frühe Führung. Dann viel Tristesse. Ausgleich. Wieder Führung. Verschossener Elfmeter von TeBe. Gelb-rote Karte für Concordia. Wieder Ausgleich. Einige Slapstick-Einlagen beiderseits. Schläfrigkeit meinerseits. Blöd, war ja Pokal. Und ich danach verabredet. Fußball kann dir ganz schön den Tagesplan durcheinanderbringen, wenn der eingeplante Kantersieg gegen den Bezirksligisten versehentlich in einem Elfmeterschießen endet.

War aber zum Glück nicht so. Bin mir weiterhin nicht ganz sicher, worüber der mäßig gut gefüllte, aber gut gelaunte Gästeblock mehr gejubelt hat: Über das Erreichen der nächsten Pokalrunde oder doch eher darüber, das weite Rund der Nordend-Arena halbwegs pünktlich verlassen zu dürfen. Wenn ich ehrlich bin… na, lassen wir das. Gesamtfazit: Es war ziemlich schlimm. Auch wenn ein 3:2 inklusive gelb-roter Karte und verschossenem Elfmeter für den Unvoreingenommenen gar nicht mal so übel klingen dürfte. Aber ich bin ja auch ein bisschen Ästhet. Okay, war ein Witz.

Auch der Rückweg gestaltete sich schwierig – ein wenig bemitleide ich den Busfahrer, der in seine Tagesplanung vermutlich nicht zwingend einberechnet hatte, im beschaulichen Wilhelmsruh überrannt zu werden von etwas, das sich als eine lila-weiße Wolke von Rauch, Alkohol und Lärm halbwegs treffend charakterisieren lässt. Halt so Typen, die man nur dann ertragen kann, wenn man selbst dazugehört. Dann allerdings geht das ganz hervorragend.

Zwischendurch noch die endgültige Bestätigung, dass ein gewisser Herr Frontzeck künftig einen Hamburger Zweitligisten trainieren wird. Hmja. Kann jetzt nicht sagen, dass ich vor Freude in die Luft gesprungen wäre. Mach ich sowieso eher selten, ich hab grundlegende Sympathie für die Schwerkraft und ihre Effekte. So am Boden zerstört wie andere bin ich deswegen aber nicht. Mag daran liegen, dass mich viele Dinge ohnehin gerade ein wenig kalt lassen. Mag aber auch daran liegen, dass der gute Mann nun mal da ist und es nix (mehr) bringt, ihn jetzt noch schlechtzureden. Es wird sich zeigen, was kommt. Wie man in meiner Heimat sagt: Wat willste maache. Ist viel Wahres dran.

Zum Tagesabschluss ein wenig Fernsehfußball. Für Höherklassiges als das untere Mittelfeld der zweiten Liga hab ich mich bisher ja nicht so richtig qualifiziert, daher nur so viel: Elfer für Manchester City hätt ich wohl auch gegeben. Zwar mit Bauchschmerzen, aber mit etwa 51 zu 49 Prozent. Auch wenn es ungerecht ist. Aber Gerechtigkeit steht nicht im Regelwerk. Weder in dem des Fußballs, noch in dem des Lebens. Übers Leben bei Gelegenheit mehr, sobald es wieder ein wenig mehr davon gibt bei mir. Morgen geht’s nach Hamburg. Ick freu mir. Trotz alledem. Drei Punkte? Ich sag mal: Warum nicht.

Ach, und, Deutschland: Halts Maul. /juli